Guten Morgen {{vorname}}
Als es im Studium um interkulturelle Kommunikation ging, zeigte man uns einen dreistündigen japanischen Schwarz-Weiss-Film. Um was es darin genau ging, kann ich bis heute nicht sagen. Was ich aber herausgefunden habe, seit ich selbst in Asien unterwegs bin: Ein Lächeln bedeutet keineswegs automatisch Zustimmung.

Dass mangelndes Wissen um kulturelle Gepflogenheiten zu unschönen Ereignissen führen kann, wissen wir nun auch dank einer neuen Studie zu Fangewalt: Hätten die Engländer gewusst, wie die Selbstregulierung in den hiesigen Kurven eigentlich funktionieren sollte, wäre uns «die Schande von Birmingham» womöglich erspart geblieben.

Schweiz · 🗳️

Fachkräftemangel in Frankreich bremst Schweizer Zuwanderung

Händeringend gesucht: Spitalpersonal. (Foto: Unsplash/Olga Kononenko)

Während die Schweiz intensiv über die 10-Millionen-Initiative der SVP zur Deckelung der Zuwanderung debattiert, kämpfen unsere Nachbarländer Italien und Frankreich um ihre eigenen Fachkräfte. Dieser Wettbewerb sowie der demografische Wandel in Europa könnten die Einwanderung in die Schweiz schon bald natürlich dämpfen, schreibt der Tages-Anzeiger heute.

Italien etwa erhöht die Löhne für medizinisches Personal in Grenzregionen, um die Abwanderung zu stoppen. Ziel sei es, «Gesundheitsfachkräfte in unserer Region zu halten und deren Abwanderung in die Schweiz zu verhindern», sagt der italienische Regionalminister Massimo Sertori. Auch Frankreich plant höhere Löhne in Grenznähe, während Länder wie Portugal Rückkehrer mit Steuerrabatten locken.

Hendrik Budliger, Chef des Basler Beratungsbüros Demografik, vermutet, dass die Schweiz die 10-Millionen-Grenze weit später oder gar nie erreichen wird. Er gehe mittlerweile davon aus, dass die Realität näher am tiefen Szenario des Bundes liegen werde. Gründe seien der Kampf der Herkunftsländer um Personal sowie die sinkende Geburtenrate.

Wirtschaftsvertreter:innen warnen derweil vor radikalen Deckelungen. Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse, sagt: «Wir sollten ebenfalls um die besten Arbeitskräfte und Firmen kämpfen. Es wäre ein sehr schlechtes Signal, wenn wir die Einwanderung abwürgen würden.»

Schweiz ·

Missverständnis führte zu YB-Fangewalt in Birmingham

Interkulturelle Kommunikation. (Screenshot: SRF/Adam Vaughan)

Hooliganismus sei Kultur, behauptete vor sehr vielen Jahren der damals einigermassen berühmt-berüchtigte FC-Basel-Ultra Frosch (🔞). Kann man natürlich geteilter Meinung sein. Dass es aber so etwas wie eine Fankultur gibt, darüber sind sich die meisten einig. Und dass auch diese Kunstform im Auge der jeweiligen Betrachtenden liegt, ist klar.

Manchmal führt das alles zu Missverständnissen. So geschehen etwa beim Europa-League-Spiel zwischen dem BSC Young Boys und Aston Villa im vergangenen November. Damals kam es nach einer Missinterpretation der britischen Polizei zu wüsten Szenen im Stadion. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine Fallstudie der Forschungsstelle für Fangewalt an der Uni Bern, über die das SRF heute berichtet.

Nachdem YB-Fans Gegenstände auf das Feld geworfen hatten, suchte der Berner Captain Loris Benito das Gespräch mit einer Ansprechperson aus der Fankurve. Dieses in der Schweiz übliche Vorgehen zur Deeskalation ist in England völlig unbekannt. Die britische Polizei deutete die Annäherung des Fanverantwortlichen als bevorstehende Platzstürmung und verhaftete ihn, woraufhin die Situation eskalierte und acht YB-Fans festgenommen wurden.

Laut Studienautor Alain Brechbühl waren die darauffolgenden Verletzungen und Verhaftungen das Resultat von Fehlinterpretationen und nicht von vorsätzlicher Gewalt. Die Studie wolle die inakzeptablen körperlichen Übergriffe der Fans gegen die Beamten zwar nicht rechtfertigen, aber aufzeigen, dass mangelndes Wissen über kontinentaleuropäische Fankulturen zu der Eskalation beigetragen habe.

Das vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Forschungsprojekt untersucht das polizeiliche Verhalten bei Fussballspielen in Kooperation mit einer englischen Universität.

Schweiz · Naturkatastrophen

Drohender Gletscherabbruch: Strasse nach Blatten gefährdet

Am Oigschtchummun-Gletscher brechen nicht nur Zungen. (Screenshot: 20 Minuten/Gemeinde Blatten)

Der Oigschtchummun-Gletscher oberhalb der Fafleralp im Walliser Lötschental bewegt sich seit dem Winter weiter talwärts. Da herabstürzendes Eis und Geröll die Kantonsstrasse gefährden könnten, haben die Behörden eine intensive Überwachung eingeleitet. Die Situation sei ernst, berichtet 20 Minuten: Ein Abbruch könnte den für den 4. Juli geplanten Neustart des Tourismus auf der Fafleralp verzögern.

Die Gemeinde Blatten teilte mit: «Am Oigschtchummun-Gletscher wurden in den letzten Monaten einzelne Abbrüche beobachtet. Sensibilisiert durch die Ereignisse im letzten Jahr wird der Gletscher jetzt überwacht.»

Damals, am 28. Mai 2025, war der nahegelegene Birchgletscher abgebrochen. Die Schlamm- und Geröllmassen verschütteten grosse Teile der Gemeinde, wobei eine Person ums Leben kam.

Um eine erneute Katastrophe zu verhindern, überwacht die Gemeinde die auf 2600 Metern Höhe liegende Gletscherfront nun mittels Kameras, Rekoflügen und Lidar-Messungen.

Wann die Kantonsstrasse und das Wanderwegnetz wieder sicher geöffnet werden können, bleibt vorerst unklar. Ende Mai wollen die Behörden weiter informieren.

🤿 Kurioses

Wie eine defekte Velobremse Fritz Ellenberger das Leben kostete

Zur falschen Zeit am falschen Ort. (Screenshot: Der Bund/ETH)

Beim Lesen folgender Geschichte kam mir sofort die sensationelle und makabre Eröffnungssequenz (🔞) des Films Magnolia in den Sinn. Darin werden verrückte Ereignisse ganz logisch erklärt: Wie ein Taucher auf der Spitze einer Tanne landet zum Beispiel. «Das war nicht bloss Zufall», sagt der Erzähler im Off. «Diese seltsamen Dinge passieren die ganze Zeit.»

Zum Beispiel vor ziemlich genau 100 Jahren in Bern. Dort führte am 18. Mai 1926 eine Verkettung unglücklicher Zufälle beim Bärengraben zu einer schrecklichen Tragödie, bei der ein elfjähriger Junge sein Leben verlor. Die Zeitung Der Bund hat gestern diese bemerkenswerte Episode nacherzählt.

Das Unglück begann auf dem steilen Alten Aargauerstalden. Wegen einer defekten Rücktrittbremse verlor der Jugendliche Albert Adam die Kontrolle über sein Velo und raste auf den Bärengraben zu. Er prallte in das Geländer und stürzte in die Tiefe.

Auf der Suche nach Halt riss er den elfjährigen Fritz Ellenberger, der am Rand stand, mit in das Gehege hinab. Während sich der Velofahrer retten konnte, stürzten sich die Bären Hausi und Joggi auf den benommenen Knaben.

Während Arbeiter versuchten, die Tiere mit einem Feuerwehrschlauch abzuwehren, brach durch den Tumult aufgescheucht auch noch die Bärin Berna aus dem Nachbargehege aus. Dem Bärenwärter Rudolf Grossenbacher gelang es jedoch rasch, das entlaufene Tier zurückzulocken. Anschliessend drang er mit einer eisernen Gabel bewaffnet in den Stall vor und vertrieb die Bären.

Grossenbacher konnte den schwer verletzten Jungen schliesslich bergen. Der Bub wurde mit einem Auto ins Inselspital transportiert, erlag dort jedoch wenig später seinen Verletzungen. Dem Bärenwärter wurde für seinen todesmutigen Einsatz in den Medien grosse Anerkennung entgegengebracht.

In der Geschichte des 1857 eröffneten Bärengrabens (gibts heute so nicht mehr in Bern) forderte die Tierhaltung insgesamt vier Menschenleben. Bei den drei vorherigen Fällen handelte es sich jedoch um stark alkoholisierte Männer, die sich selbst in Gefahr gebracht hatten.

Kurz-News

Weniger Wölfe · Die proaktive Regulierung der Wolfspopulation in der Schweiz zeigt offenbar Wirkung: Laut Bundesamt für Umwelt (Bafu) wächst die Zahl der Rudel deutlich langsamer als zuvor. Seit 2023 wurden über 220 Wölfe präventiv erlegt, davon 77 in der letzten Periode bis Januar 2026. Aktuell werden 40 Rudel gezählt. Dank Abschüssen und Herdenschutz nehmen die Nutztierrisse insgesamt ab, schreibt das SRF, auch wenn die Entschädigungszahlungen aufgrund von Rissen bei Rindern stiegen.

Armee testet Drohnen · Die Schweizer Armee baut ihre technologische Schlagkraft aus: Neben neuen Angriffsdrohnen setzt sie verstärkt auf Mikrodrohnen wie die «Black Hornet». Das nur 70 Gramm schwere System ist lautlos und so klein, dass es in eine Hosentasche passt, kostet aber so viel wie ein Kleinwagen. Gestern testete das Panzerbataillon 13 im Kanton Glarus gemäss Aargauer Zeitung zudem neue Angriffsdrohnen. Ziel ist der Aufbau eines eigenen «Drohnen-Ökosystems» für das moderne Gefechtsfeld.

Jetzt kommt der Sommer · Nach dem winterlichen Kälteeinbruch steht der Schweiz eine Wetterwende bevor: Pünktlich zum Pfingstwochenende wird es hochsommerlich heiss, prophezeit der Blick. Ab Donnerstag steigen die Temperaturen verbreitet über 23 Grad, am Wochenende werden Spitzenwerte von bis zu 30 Grad erwartet. Während der Wochenstart noch regnerisch und kühl ausfällt, sorgt ein Hochdruckgebiet ab morgen Mittwoch für viel Sonnenschein und ideales Badewetter in der gesamten Schweiz. 🍹

International

Angriff auf US-Moschee · Bei einem Angriff auf die grösste Moschee in San Diego an der US-Westküste sind drei Menschen sowie zwei tatverdächtige Jugendliche (17 und 18) ums Leben gekommen. Die Schützen töteten sich nach der Tat selbst. Unter den Opfern ist ein Sicherheitsmann, der laut Polizei durch sein Eingreifen weitere Leben rettete. Das FBI ermittelt gemäss Guardian wegen eines Hassverbrechens. Die Tat löste landesweit Entsetzen aus und führte zu verstärkten Sicherheitsmassnahmen vor Moscheen.

Israel baut heimlich Basen im Irak · Israel hat offenbar heimlich Militärbasen in der irakischen Najaf-Wüste errichtet, um Angriffe gegen den Iran durchzuführen. Laut Berichten dienten die Stützpunkte als Logistikdrehkreuz und verkürzten die Flugdistanz erheblich. Ein Hirte, der die Basis entdeckte, wurde mutmasslich von israelischen Kräften getötet, heisst es im Tages-Anzeiger. Der Irak reagierte empört und reichte bei der UNO Beschwerde wegen der Verletzung seiner Souveränität ein. Israel schweigt dazu.

🧐 Nützliches des Tages

Skepsis

Diese Person gibt es nicht. (Screenshot: thispersondoesnotexist)

Wenn ein Produkt Werbung in eigener Sache machen will, sind Testimonials eine gute Idee. Menschen, die einen loben und Sachen sagen wie: «Mit dem 6iBrief weiss ich immer, was los ist. Schnell und easy – danke!»

Um glaubwürdig zu sein, ist es natürlich von Vorteil, wenn es die Personen tatsächlich auch gibt.

So selbstverständlich ist das nicht. Immer, wenn mein Skepsis-Pegel im Internet auf ein gefährlich tiefes Niveau fällt, besuche ich die verblüffende Seite thispersondoesnotexist (diese Person gibt es nicht). Mithilfe von künstlicher Intelligenz werden hier fotorealistische, aber komplett künstliche Menschengesichter erzeugt. Bei jedem Neuladen der Seite ein neues Porträt. Gruselig!

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Vielen Dank fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

Reply

Avatar

or to participate

Keep Reading