Guten Morgen {{vorname}}
Gestern hat nicht nur an vielen Schweizer Unis das Semester wieder begonnen – auch die Politiker:innen in Bundesbern mussten wieder antanzen. Und das mit gemachten Hausaufgaben.

Rund zweitausend Seiten umfassen die Dokumente des Bundesrats zu den EU-Verträgen. Die Mitglieder der zuständigen Kommissionen dürften in den vergangenen Wochen also gehörig zu tun gehabt haben, um sich gründlich auf die Diskussion vorzubereiten. Gestern ging es aber zunächst um anderes.

Parlament in Bundesbern

Herbstsession: Das sind die Themen

Wo die Suppe köchelt. (Foto: Unsplash/Andreas Fischinger)

Nun geht es ans Eingemachte. Erstmals wird das neue EU-Vertragspaket im Parlament debattiert. Ganze drei Tage hat der Ständerat dafür reserviert, denn es geht um wichtige Fragen. Etwa darum, ob die «Bilateralen III» dem obligatorischen Referendum unterstellt werden sollen. Das würde eine Abstimmung vor dem Volk zur Folge haben, wie SRF berichtet.

Doch nicht nur die EU-Verträge sorgen für heisse Köpfe. Auch sonst ist die Traktandenliste vollgepackt.

Vor allem die Debatten rund um das Freihandelsabkommen Mercosur, zusätzliche Ausgaben für die Armee und die Bankenregulierung gehören zu den brisantesten Geschäften, wie auch die NZZ schreibt.

Gestern gab es aber zunächst anderes zu besprechen. Hier die Kurzzusammenfassung.

  • Ja zum elektronischen Gesundheitsdossier sagte der Nationalrat. Damit bekommen wir künftig alle automatisch eines. Wer keines will, muss ausdrücklich ablehnen.

  • Der Ständerat nimmt das Mercosur-Freihandelsabkommen an. Dies, nachdem der Nationalrat das Abkommen mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay im Juni knapp abgelehnt hatte. Nun wird das Geschäft zurück an den Nationalrat überwiesen.

  • Gegen Steuern auf Trinkgelder sprachen sich beide Kammern aus. Den Anstoss gab eine Motion des Walliser Mitte-Ständerats Beat Rieder.

Sparen und Umstrukturieren · SRG-Transformation

SRF streicht 38 Stellen

Weil der Bundesrat eine Reduktion der Medienabgabe beschlossen hat, muss die SRG weiterhin sparen. (Screenshot: SRF)

«Dass wir uns von geschätzten Kolleginnen und Kollegen trennen müssen, fällt uns schwer», wird SRF-Direktor Roger Elsener von Watson zitiert. Die Halbierungsinitiative wurde zwar deutlich abgelehnt, doch der SRG-Transformationsprozess ist noch lange nicht abgeschlossen.

38 Vollzeitstellen werden bei SRF abgebaut, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Rund die Hälfte davon über «natürliche Fluktuation».

Der Stellenabbau ist Teil der SRG-Umstrukturierung «Enavant» (rätoromanisch für «nach vorne» oder «weiter»), mit der bis 2029 rund 270 Millionen Franken gespart werden sollen. Im Verlauf der Woche werden deshalb wohl auch SRG-Mitarbeitende anderer Landesteile über ihre Zukunft informiert, wie die Tagemedia-Zeitungen schreiben.

Auch für das Publikum kommt es zu Änderungen: Von den Einsparungen seien sämtliche Angebotseinheiten betroffen, teilt SRF mit.

Besonders zu reden gibt die Streichung des linearen Sendeplatzes von «Reporter». Das Programm lief jeweils mittwochs um 21 Uhr. Stattdessen läuft um diese Zeit nun der Kulturplatz, der auf 80'000 Zuschauer:innen kommt. Im Vergleich dazu: «Reporter» erreichte jeweils 200'000 Zuschauer:innen wöchentlich, wie die CH-Media Zeitungen schreiben. Diese können die «Reporter»-Sendungen zwar weiterhin schauen, allerdings nur online.

Zu den weiteren Veränderungen gehören die Streichung der Live-Übertragungen der UEFA Champions League ab der Saison 2027/2028, eine engere Zusammenarbeit der Sprachregionen bei den Sendungen «Kassensturz» und «Rundschau» sowie tiefere Produktionskosten bei Formaten wie «SRF bi de Lüt», «Late Night Switzerland», «Einstein», «Puls» oder der «Literaturclub» sowie im Radio.

Kantone waren Investoren · Wiedergutmachung

Anklage wegen Sklavenhandel

Als direkter Nachfahre setzt sich Shelly Moorhead für die Wiedergutmachung von Sklavenhandel ein. (Screenshot: The St. Thomas Source)

Wiedergutmachung für die Schweizer Beteiligung am transatlantischen Sklavenhandel. Das fordert die Anzeige des karibischen Aktivisten Shelley Moorhead. Er hat Anfang September Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft gegen die Kantone Zürich, Bern und Solothurn eingereicht, wie SRF und die Tamedia-Zeitungen berichten.

Die Kantone hätten sich zwischen 1719 und 1839 am Sklavenhandel beteiligt und diesen direkt mitfinanziert. Seine Anzeige stützt sich auf ein Gutachten des Historikers Hans Fässler.

«Die Folgen der Sklaverei wirken bis heute nach», sagt Moorhead. Er selbst ist direkter Nachfahre von Menschen, die auf den Virgin Islands versklavt wurden. Auch gegen Dänemark, unter dessen Kolonialherrschaft die Inseln bis 1917 standen, geht er strafrechtlich vor.

Eigentlich wollte der Aktivist mit den Kantonen sprechen, um über das Teilen von Informationen und potenzielle Wiedergutmachungen zu reden. Aber weil sich diese der Auseinandersetzung verweigerten, sei eine Strafanzeige nötig geworden, sagt er.

Da die Verantwortlichen lange schon nicht mehr leben, dürfte ein Strafprozess aussichtslos bleiben, schreiben die Tamedia-Zeitungen. Dennoch könnte die Anzeige eine gesellschaftspolitische Debatte anstossen – ähnlich, wie es bei den Verdingkindern der Fall war.

Zitat des Tages

«Man soll dann aufhören, wenn es am Schönsten ist.»

Hannes Germann, SVP-Ständerat aus Schaffhausen

Ein Vierteljahrhundert lang politisierte Germann im Ständerat. (Screenshot: X/Hannes Germann)

Der Entscheid sei gereift und gefallen, sagt der amtsälteste Ständerat Hannes Germann in einem leicht wackeligen Video, das er gestern auf X veröffentlichte. «Ich werde 2027 nicht mehr für eine Amtsperiode kandidieren. Man soll dann aufhören, wenn es am Schönsten ist und gut läuft.»

Germann war ungefähr so lange im Ständerat wie ich auf der Welt bin – eine stabile Amtsdauer also. Ob es schwer falle, mit der Arbeit im Bundeshaus aufzuhören, wird er im Video gefragt. Er sei auf einer Erfolgswelle geritten in dieser Zeit. Nun wolle er noch einige Herausforderungen anpacken, in der Zeit, die bleibe. «Danach will ich zurückblicken und geniessen», sagt er.

Kurz-News

verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden · Eine Motion der FDP-Nationalrätin Nadine Gobet fordert die Kategorie «geschieden» auf Formularen abzuschaffen und mit «ledig» zu ersetzen. Der Zivilstand diene primär dazu, die gegenwärtige rechtliche Situation einer Person darzustellen, nicht ihre Lebensgeschichte, findet sie. Wie die NZZ schreibt, hat der Bundesrat die Motion zur Annahme empfohlen, als nächstes soll das Parlament entscheiden.

Kein F-35 in Meiringen · Die Bevölkerung Meiringens sorgt sich um ihre hörtechnische Zukunft. Denn auf dem dortigen Militärflugplatz sollen künftig die neuen Jets verkehren – die sind noch lauter als die bisherigen. Zur Beruhigung wollte Armasuisse deshalb eigentlich einen Hörvergleich abhalten. Nur wurde der Termin ohne Ersatz abgesagt. Wie der Tages-Anzeiger herausgefunden hat, liegt das an der italienischen Luftwaffe, die sich weigert, mit dem F-35 in Meiringen zu landen, weil der Flugplatz dafür nicht genügend ausgestattet ist. Die Schweiz hat schliesslich noch keinen eigenen Jet, um das Manöver durchzuführen.

Verleger verstorben · Mit 81 Jahren ist der Verleger Jürg Marquard nach schwerer Krankheit verstorben, wie der Blick berichtet. Als Gründer und Inhaber der Marquard Media Gruppe habe er die Schweizer Medienbranche massgebend geprägt. Seine Zeitschrift «Pop/Rocky» etablierte sich nach der Gründung 1965 als zweitgrösste Jugendzeitschrift auf dem deutschsprachigen Markt, wie SRF schreibt.

Bündner-Bargeld-Initiative · In Graubünden wurde die kantonale Anti-Diskriminierungsinitiative mit 15'781 Unterschriften eingereicht, wie der Blick schreibt. Diese fordert, dass bei staatsnahen Betrieben wie im Postauto oder bei öffentlichen Toiletten weiterhin mit Bargeld bezahlt werden kann. Nötig fürs Zustande kommen, wären nur 4000 Unterschriften.

Von Strassen und Berichten · Ein Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) übt starke Kritik an Bundesrat Albert Rösti. Darin kritisiert sie dessen Projekt «Verkehr ’45» zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Röstis Departement Uvek und die EFK haben andere Ansichten zu den Wirtschaftlichkeitskriterien und der Verteilung der finanziellen Mittel, wie die Tamedia-Zeitungen schreiben. Im Parlament sprechen sich verschiedene Stimmen für erneute Prüfungungen und Diskussionen aus, finden aber die Forderung der EFK, «Verkehr ’45» für unverhältnismässig.

International

Kulturkampf im Pentagon · Der US-Kriegsminister Pete Hegseth «säubert» zurzeit das Militär von «linker Ideologie». Konkret heisst das, dass er vor allem Schwarze und Frauen entlässt, wie SRF berichtet. Mehr als 80 Offizier:innen wurden laut der New York Times von Hegseth entlassen.

🔧 Lorem Ipsum (Nützliches zum Schluss)

dolor sit amet

tool and die GIF

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Suspendisse mattis leo eu tellus aliquet ultrices. (GIF: Giphy)

Nein, kein Fehler im Titel. Den Platzhalter-Text habe ich absichtlich dort gelassen. Kennst du die Geschichte vom Lorem Ipsum?

Wenn du meinst, der Blindtext stamme aus Ciceros «De finibus bonorum et malorum», dann hast du nur zur Hälfte recht. Tatsächlich ist die Geschichte deutlich absurder und vor allem: bis vor kurzem ziemlich unerforscht.

«The Lorem Ipsum Mystery», lautet der Titel eines YouTube-Videos, das mich kürzlich so begeisterte wie schon lange nichts mehr. Bei ihrer Recherche findet die YouTuberin hinter dem Kanal «Rabbit Hole» nicht nur heraus, wer den Blindtext verfasste – sie sorgt auch eigenhändig dafür, dass einige Internetseiten ihre Fehlinformationen zum Lorem Ipsum korrigieren.

Sehr viel mehr ausführen kann und will ich die ganze Recherche an dieser Stelle gar nicht. Ich empfehle dir stattdessen selbst das Video zu schauen (es ist auf Englisch, es gibt aber deutsche KI-Synchronisierung). Für etwas Nerd-Wissen, viel gute Laune und den wiedergefundenen Glauben an fantastische Recherchen ohne viel Budget.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Lorem Ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit!

Sofie

Reply

Avatar

or to participate