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Ich finde den Verein Operation Libero interessant. Während sich nämlich viele bürgerlich-liberale Kräfte in Europa zuletzt stärker nach rechts bewegt haben, um dem Schwund der Mitte entgegenzuwirken, positioniert sich «Operation Libero» eher links-liberal: Vor allem in Gleichstellungs- und Migrationsfragen ähnelt er linken Positionen. In finanzpolitischen Fragen mag er vielleicht zurückhaltender sein, doch gerade jener heilige Ordo des Liberalismus – die Freiheit, Autonomie und Würde des Individuums – verlangt laut seinem Programm gerade «mehr als weniger Staat». Nun erhält der Verein ein neues Führungsduo und startet zugleich mit der Kampagne gegen seinen Erzfeind: die SVP-10-Millionen-Initiative.

An dieser Stelle noch eine Korrektur zum gestrigen Briefing: Schweizer Wirtschaftsdachverbände beteuern natürlich, dass Schweizer Firmen NICHT aus Böswilligkeit den Zugang zum Schweizer Markt beschränken würden.

Liberalismus in der Schweiz

«Operation Libero» erhält neues Führungsduo

Lisa Marchon und Julius Felix stehen neu an der Spitze von Operation Libero. (Foto: Unsplash)

Für den Verein Operation Libero wird 2026 ein «Superabstimmungsjahr». Nebst der 10-Millionen-Initiative der SVP stehen noch im Herbst die Neutralitätsinitiative, dicht gefolgt von der Demokratie- und der Grenzschutzinitiative, vor der Tür.

«Sie instrumentalisiert Herausforderungen und schiebt die Verantwortung auf andere.»

Julius Felix, Co-Präsident «Operation Libero»

Das sind alles Kernthemen des europafreundlichen Vereins, der 2014 als Reaktion auf die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative gegründet wurde.

Nun tritt ein neues Führungsduo an die Spitze und löst damit Sanija Ameti und Stefan Menser-Egli ab, wie der Verein gestern mitteilte.

Lisa Marchon ist 30 Jahre alt und hat zuletzt in Deutschland für eine Kommunikationsagentur gearbeitet. Das EU-Dossier dürfte sie aber gut kennen, denn sie war davor in Brüssel beim Aussendepartement tätig. Der 26-jährige Julius Felix ist Mitglied der SP und arbeitet jetzt bei einer Bank. Beide gelten als erfahrene Campaigner.

Zeitgleich lancierte der Verein gestern auch seine Kampagne gegen die 10-Millionen-Initiative der SVP. Dazu gehört ein einminütiger YouTube-Clip, der das «blame game» der Initiative in Beziehung zu den zehn vergangenen Überfremdungsinitiativen setzt. Dabei sei bei der SVP immer dasselbe Muster erkennbar: «Sie instrumentalisiert Herausforderungen und schiebt die Verantwortung auf andere», sagt Julius Felix.

Gegen die aktuelle Variante dieses immergleichen Spiels findet auch Marchon klare Worte: «Diese Initiative ist als Nachhaltigkeit getarnt, greift aber in Wahrheit das Fundament der liberalen Schweiz an. Ein Ja reisst uns aus den bilateralen Verträgen und aus dem humanitären Völkerrecht. Das dürfen wir nicht zulassen.»

145’000 Unterschriften eingereicht

Schweizer Finanzplatz soll ökologischer werden

Mit der Initiative steigt auch hierzulande der Druck auf den Finanzsektor bezüglich Umweltschutz. (Foto: Li-An Lim/Unsplash)

Die Initiative «Für einen nachhaltigen und zukunftsgerichteten Finanzplatz Schweiz», kurz Finanzplatz-Initiative, kommt zustande. Insgesamt wurden gestern rund 145’000 Unterschriften eingereicht.

Hinter der Initiative steht ein Bündnis aus Finanzbranche, Politik und Zivilgesellschaft. Politisch wird es von Vertreter:innen aus SP, Mitte-Partei, FDP, Grünen, GLP und EVP getragen.

Weil der Schweizer Finanzplatz ein Vielfaches der gesamten inländischen CO₂-Emission verantworte, schreibt das Initiativkomitee in einer Mitteilung, brauche es verbindlichere Regeln für den Klimaschutz. Im internationalen Vergleich hinke die Schweiz hier hinterher. Länder wie Deutschland, Frankreich oder Singapur hätten bereits deutlich ambitioniertere Regulierungsansätze entwickelt.

Die Schweizerische Bankiervereinigung lehnt die Initiative ab. Auch wenn sie eine nachhaltigere Ausrichtung des Schweizer Finanzplatzes grundsätzlich befürworte, fürchte sie sich vor den Folgen, die ein «staatlich verordneter Rückzug Schweizer Finanzinstitute» mit sich bringen würde.

Sasha Cisar, Teil des Initiativkomitees und Finanzexperte, sieht das anders. Er arbeitet bei der Pensionskasse Nest Sammelstiftung, die besonders auf ökologisch verträgliche Anlagen setzt. Ihm zufolge funktioniert die Selbstregulierung im Finanzbereich gerade nicht.

«Die Initiative schliesst Lücken, die die Freiwilligkeit offenlässt. Der Irankrieg zeigt, wie abhängig wir weiterhin von fossilen Energien sind. Das erhöht langfristig die Risiken, auch von Pensionskassen. Die Initiative hilft, diese Risiken zu steuern», sagt Cisar im Gespräch mit dem Tages-Anzeiger.

Organisierte Kriminalität

Exponentielle Zunahme von Geldwäscherei

Wegen ihrer stabilen wirtschaftlichen Lage fühlen sich kriminelle Banden in der Schweiz wohl. (Foto: J K/Unsplash)

Wie sicher fühlst du dich in der Schweiz?

Laut dem Jahresbericht des Bundesamtes für Polizei (Fedpol), der gestern veröffentlicht wurde, spielt sich ein Grossteil der Kriminalität in der Schweiz wohl hinter deinem Rücken ab. Nebst Drogenhandel, Menschenhandel und Glücksspiel verzeichnet der Bericht eine exponentielle Zunahme von Meldungen über Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung.

Wie die NZZ berichtet, bereitet Fedpol-Chefin Eva Wildi-Cortés vor allem Sorgen, dass die Schweiz für ausländische kriminelle Organisationen als Umschlagplatz und Zielmarkt diene. Die politische und wirtschaftliche Stabilität werde dabei ausgerechnet zum Risikofaktor, so Wildi-Cortés.

Der markante Anstieg bei der Geldwäscherei sei aber auch die Folge einer verschärften Aufsichtspraxis und einer erhöhten Sensibilisierung der Finanzintermediäre.

Letztes Jahr konnte das Fedpol in diesem Bereich einen grossen Erfolg vorweisen. In einer international koordinierten Aktion gelang es Ermittler:innen in der Schweiz und im Ausland, Vermögenswerte von Personen zu sichern, die im Verdacht standen, als Mittelmänner für einen russischen Oligarchen gedient zu haben. Laut Fedpol war es einer «der grössten Fälle im Kontext der Geldwäscherei zum Zweck der Sanktionsumgehung».

Mutmassliche Terroristen beschäftigten das Fedpol im vergangenen Jahr ebenfalls. 2025 erliess die Behörde viermal so viele Einreiseverbote wegen Terrorismusverdacht wie im Vorjahr. Auch das wurde nur möglich durch einen Datensatz der europäischen Polizeibehörde Europol, der IS-Angehörige auflistete.

Zitat des Tages

«Die Kriegsherren tun so, als ob sie nicht wüssten, dass ein Augenblick genügt, um zu zerstören, dass aber oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen.»

Papst Leo XIV.

Papst Leo XIV. weigert sich hartnäckig, vor US-Präsident Trump den Bückling zu machen. Gerade ist er zu Besuch in Kamerun und dort äusserte er sich gestern mit relativ scharfer Zunge zur aktuellen Weltlage, wie der Spiegel berichtet. «Die Kriegsherren tun so, als ob sie nicht wüssten, dass ein Augenblick genügt, um zu zerstören, dass aber oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen», sagte er. Auch wenn er keine Namen nannte, dürfte den meisten relativ klar sein, wen er damit meint. Kürzlich hat er sich mit Trump einen Schlagabtausch geliefert, weil sich letzterer in einem KI-generierten Bild als Jesus darstellen liess. Daraufhin ging Trump mit einer Schimpftirade auf ihn los. Doch Papst Leo XIV. scheint sich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Kurz-News

Covid-Impfung · Zugang zu den beiden Covid-Impfungen von Moderna und Novavax kostete die Schweiz eine Milliarde US-Dollar, berichtet der Tages-Anzeiger. Das Bundesamt für Gesundheit legte diese Zahlen am Donnerstag erstmals offen. Allerdings hat es das nicht freiwillig getan. Mehrere private Beschwerdeführer hatten eine Offenlegung verlangt. Das Bundesverwaltungsgericht gab ihnen recht und das Urteil ist soeben rechtskräftig geworden.

Femizid in Urnäsch · Ein Mann hat am Donnerstag mutmasslich zwei Frauen in Urnäsch im Kanton Appenzell Ausserrhoden getötet, schreibt CH Media. Die beiden Frauen starben trotz sofortiger medizinischer Hilfe vor Ort. Der mutmassliche Täter wurde zusammen mit einem siebenjährigen Kind ins Spital gebracht. Somit steigt die Zahl der Femizide in der Schweiz in diesem Jahr auf sieben an.

Crans-Montana · Nachdem gestern weitere Angeklagte im Fall der Brandkatastrophe in Crans-Montana angehört wurden, weitet die Walliser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nun auf weitere Beschuldigte aus. Im Mai und Juni sollen vier zusätzliche Personen einvernommen werden, heisst es in einer SDA-Meldung auf dem SRF. Die Liste der Beschuldigten umfasst nun 13 Personen, darunter auch den derzeitigen stellvertretenden Leiter des Sicherheitsdienstes von Crans-Montana.

Aargauer Jugendbande · Ende April steht eine Jugendbande, die unter dem Namen Aargauer «Wolfsrudel» bekannt ist, wegen über vierzig Straftaten vor Gericht. Zu den besonders gravierenden Delikten zählen mehrere Sabotageakte an kritischer Infrastruktur. Über die Weihnachtsfeiertage 2023 zertrennten sie zudem gezielt Glasfaserkabel, schreibt der Tages-Anzeiger.

International

Waffenruhe zwischen Israel und Libanon · Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat gestern Abend einer zehntägigen Waffenruhe zugestimmt. Angriffe auf die Hisbollah werden zwar pausiert, doch israelische Truppen bleiben weiterhin im Libanon stationiert, so Netanjahu. Nawaf Salam, Libanons Premierminister, begrüsst den Waffenstillstand, berichtet die New York Times.

🔧 Nützliches des Tages

«Der Gräber» von Hendrik Otremba

Vor ein paar Wochen hab ich Hendrik Otremba in Zürich zufällig in einem Buchantiquariat kennengelernt. Hendrik ist Autor, Musiker und bildender Künstler aus Deutschland und immer wieder in Zürich zu Gast, weil er an der Universität Zürich Dozent für kreatives Schreiben ist.

Kürzlich hat er auch einen neuen Roman «Der Gräber» beim März Verlag veröffentlicht. In diesem Zukunftsroman geht es um den Gräber, der nach den Wirren des dritten Weltkriegs in einer verlassenen und zertrümmerten Welt zurückbleibt. Je einsamer er wird, desto mehr verliert er sich in seinen schönsten und in seinen furchtbarsten Erinnerungen. Am Ende bleibt eine widersprüchliche Idylle bestehen.

Noch ist der Roman nur in Deutschland erhältlich, aber bald findest du ihn sicher auch in deinem lokalen Buchladen.

Und: Im Roman gibt es auch eine schöne Vignette zu Zürich!

🔧 Witziges zum Schluss

Witziges der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Das wars bis auf Weiteres wieder von mir.

Machs gut!

Jonas

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