Guten Morgen {{vorname}}
In diesem 6iBrief geht es erstaunlich monothematisch zu und her. Im Zentrum steht das Klima. Da heute Earth Day ist, geht das auch in Ordnung.

Denn es gibt noch viel zu tun. Die Schweiz ist nämlich sehr weit davon entfernt, ihre Klimaziele zu erreichen. Nachzulesen ist das etwa in dieser hochspannenden Beobachter-Recherche. Darin zeigt Journalistin Tina Berg auf, wie spektakulär der Bund mit seiner Auslandsstrategie scheitert.

Von Massnahmen, die tatsächlich einschenken würden, will unsere Regierung trotzdem nichts wissen. Autofreien Tagen etwa erteilte sie in der Vergangenheit Absagen. Nun startet SP-Nationalrätin Martine Docourt einen neuen Versuch.

🛢️Schweiz · Benzinkrise

Kommen die autofreien Sonntage zurück?

Zürcher Uraniastrasse in den 50ern. (Foto: Wikipedia)

Alarmstimmung an der wichtigsten Konferenz der Rohstoffbranche im Lausanner Luxushotel «Beau-Rivage Palace»: Ölhändler:innen warnten gemäss Tages-Anzeiger, dass Politik und Gesellschaft das Ausmass der Ölknappheit infolge des Iran-Kriegs unterschätzten. «Irgendwann fehlt das Öl, und dann wird es wehtun», sagte ein Manager.

Laut Russell Hardy, Chef des Branchenprimus Vitol, ist die globale Produktion bereits um mehrere Hundert Millionen Barrel gesunken. Die Händler:innen rufen nun zum Sparen auf, damit die Krise nicht eskaliert. «Der Preis muss wehtun», so ein Branchenvertreter, da nur hohe Kosten den Verbrauch senken würden.

Um Verzicht zugunsten des Klimas geht es SP-Nationalrätin Martine Docourt. Sie fordert vom Bundesrat die gesetzliche Basis für autofreie Tage, damit Kantone Strassen für den Langsamverkehr reservieren können.

Es wäre ein altes Rezept zur neuen Öl-Krise. Schon in den Jahren 1956 und 1973 gab es autofreie Sonntage in der Schweiz. «Familien unternahmen, unbehelligt vom Auto, eine Velotour. Hauptstrassen mutierten zu Rollschuh-Fahrbahnen. Und Spaziergänger nahmen den Asphalt in Beschlag, ohne dass in ihren Ohren Motorenlärm dröhnte», schreibt die Limmattaler Zeitung.

Während der Bundesrat die Idee zwar «sympathisch» findet, wie er in früheren Antworten auf ähnliche Vorstösse mitteilte, verweist er auf organisatorische Hürden wie Ausnahmen für Blaulichtorganisationen. 2003 lehnte das Volk eine Initiative für einen autofreien Sonntag pro Jahreszeit klar ab.

Schweiz · Pöstli-Jäger

FDP-Nationalrat verdient mit Nebenjob eine halbe Million

Verdient mehr als ein Bundesrat: Parlamentarier Beat Walti. (Screenshot: Blick/Keystone)

In Bundesbern gehören Verwaltungsratsmandate für viele Parlamentarier:innen zum Alltag. Besonders freuen darf sich nun gemäss Blick der Zürcher Nationalrat Beat Walti (FDP): Er wurde zum Verwaltungsratspräsidenten des Pharmazulieferers Siegfried gewählt. Für dieses Nebenamt erhält der Anwalt jährlich eine Vergütung von fast 500'000 Franken.

Walti ist kein Einzelfall. Konzerne wie Siegfried, Schindler oder Swiss Life suchen ganz gezielt die Nähe zur Politik. Die 246 Parlamentarier:innen in Bern halten insgesamt über 300 Verwaltungsratsmandate. So sitzt beispielsweise Ständerat Martin Schmid (FDP) neben seinem Amt bei Siegfried auch im Verwaltungsrat von Swiss Life und verdient allein mit diesen zwei Mandaten rund 450'000 Franken.

Zu diesen hohen Nebeneinkünften kommt die reguläre Entschädigung für die Parlamentsarbeit: Diese beträgt für Nationalräte im Schnitt 130'000 Franken und für Ständeräte rund 150'000 Franken.

Schweiz · Brandkatastrophe

«Schockierte» Meloni teilt gegen Schweiz aus

«Abscheulich»: Giorgia Meloni auf Facebook. (Screenshot: NZZ/Riccardo De Luca)

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS sorgt eine bürokratische Panne für Spannungen zwischen der Schweiz und Italien. Angehörige der Opfer erhielten aus dem Wallis hohe Spitalrechnungen – in einem Fall über 75’000 Euro. Obwohl die Belege den Vermerk enthielten, dass die Familien nicht zahlen müssen, kochen die Emotionen in Rom hoch, schreibt die NZZ.

Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zeigte sich auf Facebook «schockiert». Sie bezeichnete den Vorgang als «Beleidigung und ein Hohn, wie sie nur eine unmenschliche Bürokratie hervorbringen» könne. Es sei «abscheulich», wenn solche Kosten auf die Opfer zurückfallen würden.

Der Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard sprach gegenüber dem italienischen Botschafter von einem «Fehler». Da ausländische Patienten bei Schweizer Spitälern anders abgerechnet werden als Einheimische, wurden die Forderungen automatisch verschickt.

Inzwischen wurde versichert, dass die Schweizer Opferhilfe einspringt. Dennoch bleibt die Stimmung angespannt: Die Familien warten weiterhin auf die versprochenen Krankenakten und Solidaritätsbeiträge.

⛺ Zahl des Tages

87 Millionen Menschen

Zelte statt Bomben. (Foto: Unsplash/Salah Darwish)

Krieg verursacht nicht nur Leid. Er ist auch teuer. Jeden Tag gibt die US-Regierung unter Donald Trump zwei Milliarden Dollar aus, um gegen den Iran zu kämpfen.

Bei der Uno sorgt das für Kritik. Tom Fletcher, Leiter des Nothilfewerks der Weltgemeinschaft, sagte Anfang Woche, dass mit der bisher ausgegebenen Geldsumme über 87 Millionen Menschenleben hätten gerettet werden können. «Wir hätten das in weniger als zwei Wochen dieses rücksichtslosen Krieges finanzieren können. Jetzt können wir es natürlich nicht mehr», zitiert ihn der Guardian.

Fletcher warnte zudem vor der Normalisierung einer gewalttätigen Sprache, wie der Drohung, den Iran «zurück in die Steinzeit» zu bomben. Dies ermutige Autokraten weltweit, zivile Infrastruktur völkerrechtswidrig anzugreifen.

Während das weltweite Budget für humanitäre Hilfe um 50 Prozent gekürzt wurde, treibe der Konflikt die Inflation bei Lebensmitteln und Treibstoffen auf fast 20 Prozent hoch. Dies werde vor allem in Afrika Millionen Menschen zusätzlich in die Armut stürzen.

Fletcher bezeichnete das aktuelle Verhältnis zur Trump-Regierung als «absolute Achterbahnfahrt» und forderte eine Rückkehr zu echter Staatskunst statt reinem «Immobiliengeschäfts-Denken».

Kurz-News

Zum Fliegen gezwungen · Laut einem Bericht von «Transport & Environment» ist auf fast der Hälfte der 30 meistgeflogenen EU-Routen ein durchgehendes Zugticket kaum buchbar. Das digitale System der Bahnen hinke der Luftfahrt hinterher, was über 60 Prozent der Reisenden frustriert zum Flugzeug greifen lasse, schreibt der Tages-Anzeiger. Die SBB räumen Versäumnisse beim internationalen Ticketing ein. Eine EU-Kommission plant nun ein Paket für einheitliche Buchungsstandards.

Systemausfall bei Skyguide · Die Flugsicherung Skyguide hat gemäss SRF die Anflugkapazität am Flughafen Zürich seit heute Morgen um 30 Prozent reduziert. Grund ist ein technisches Problem im Kontrollzentrum Dübendorf, durch das verspätete Maschinen nicht zuverlässig im System angezeigt werden. Die Fluglotsen arbeiten nun mit einem zeitintensiveren manuellen Verfahren. Die Sicherheit sei gewährleistet, Passagiere müssten jedoch mit Verspätungen rechnen.

Weniger Flüge · Die Airline-Gruppe Lufthansa, zu der auch die Swiss gehört, streicht wegen des Irankriegs und verdoppelter Kerosinkosten bis Oktober 20’000 Flüge. Ziel ist die Einsparung von 40’000 Tonnen Treibstoff. Betroffen ist vor allem das Kurzstreckennetz, berichtet die Basler Zeitung. Ziele wie Stuttgart oder Danzig werden teils nur noch indirekt bedient.

International

Waffenruhe verlängert · US-Präsident Trump hat die Waffenruhe kurz vor Ablauf auf unbestimmte Zeit verlängert. Er handle auf Wunsch Pakistans, um Raum für eine Verhandlungslösung zu schaffen. Trotz des milderen Tons bleibt die Blockade der Strasse von Hormus bestehen, berichtet die deutsche Tagesschau. Teheran macht die Aufhebung dieser Blockade zur Bedingung für weitere Gespräche in Islamabad.

Ausgequalmt auf der Insel · Das britische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das den Tabakverkauf an künftige Generationen dauerhaft untersagt. Wer nach dem 1. Januar 2009 geboren wurde, wird im Vereinigten Königreich niemals legal Zigaretten kaufen dürfen. Gemäss SRF wird zudem die Nutzung von E-Zigis auf Spielplätzen und in Autos mit Kindern verboten.

🌍 Nützliches des Tages

Kluges zum Klima

Klimademo in Lausanne. (Foto: Unsplash/Delia Giandeini)

Diskussionen über die Klimakrise sind oft festgefahren. In dem neuen Buch Besser um die Zukunft streiten zeigen fünf Philosoph:innen, wie gut begründete Argumente helfen können, jenseits von Empörung und Abwinken konstruktiv voranzukommen. Mitautor Dominic Roser sagt gegenüber SRF: «Wir wollen die Debatte um unsere Zukunft nicht den Lautesten überlassen.»

Ein zentraler Punkt im Buch ist der vermeintliche Gegensatz von Klimaschutz und Freiheit. Roser argumentiert, dass es ein Denkfehler sei, Verbote pauschal als den grösseren Eingriff zu sehen. Vielmehr gehe es darum, «zentrale Freiheiten für viele zu schützen und nicht relativ unwichtige Freiheiten für wenige». So könne ein Verbot von Kurzstreckenflügen weniger einschneidend sein als eine Benzinsteuer, die Menschen mit geringem Einkommen hart trifft.

Das Büchlein ist 136 Seiten lang. Schafft man locker bis zum Klimastreik am 22. Mai!

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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