Elio Donauer Vanja Kadic Simon Jacoby
ELIO DONAUER VANJA KADIC SIMON JACOBY

Guten Morgen {{vorname}}

Hui, hoffentlich windet es dich nicht furt: Heute und am Wochenende erwartet die Schweiz nämlich starke Böen. 🌬️ Abgesehen davon darfst du dich auf eine Stunde mehr Schlaf freuen! Hier kommt dein Reminder, dass in der Nacht auf Sonntag Zeitumstellung ist und die Uhren von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt werden.

Jetzt, wo wir das geklärt hätten: Ich wünsche eine gute Lektüre mit dem heutigen 6iBrief-Programm, in dem wir uns einmal mehr der Bundesratswahl widmen und ein Auge auf das Urteil im Fall Brian Keller werfen.

Schweiz | Bundesratswahl

Guy Parmelins Nachfolge: Pierre Alain Schnegg und Marco Chiesa kandidieren

Stellen sich als Bundesratskandidaten zur Verfügung: Der Tessiner Ständerat Marco Chiesa (links) und Pierre Alain Schnegg, Regierungsrat des Kantons Bern. © Nau / Keystone

Was haben Pierre Alain Schnegg und Marco Chiesa gemeinsam? Richtig, sie wollen beide Bundesrat werden. Pierre Alain Schnegg, Berner SVP-Regierungspräsident, sagte dem Tages-Anzeiger, dass sein Entschluss nach zahlreichen Gesprächen, auch mit der Familie, feststand. «Am Ende dachte ich: Ich stelle mich zur Verfügung, weil die Romandie diesen Sitz behalten sollte», so Schnegg.

Er sieht sich als Vertreter der Westschweiz und sagt, er sei «ein Romand», Bern gehöre auch zur Romandie. Seine Kandidatur sei «absolut nicht» gegen die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz gerichtet. Es sei wichtig, dass mehrere Personen aus der Romandie antreten würden. «Wenn die SVP den Sitz verteidigen will, müssen wir eine Auswahl von Kandidatinnen und Kandidaten haben», so Schnegg.

Auch der Tessiner Ständerat und ehemalige Parteipräsident Marco Chiesa kandidiert. Gemäss dem Portal Ticinonews sagte der SVP-Politiker, dass es ihm eine Ehre wäre, sich um das Land zu kümmern. Laut Nau sitzt Chiesa seit 2019 für den Kanton Tessin im Ständerat. Von 2020 bis 2024 amtete er als Parteipräsident der SVP. Seit 2024 ist er Mitglied des Stadtrats von Lugano.

Damit stehen bislang vier offizielle Kandidat:innen fest: Céline Amaudruz (Nationalrätin GE), Rémy Wyssmann (Nationalrat SO), Schnegg und Chiesa. Wer noch überlegt, siehst du etwa bei Watson – aber viel Zeit bleibt nicht mehr: Die Frist für Bewerbungen endet heute Mittag.

Schweiz | Justiz

Urteil im Fall Brian Keller: Schweiz muss 5000 Franken zahlen

Wegen Verfahrensfehlern: Die Schweiz soll Brian Keller 5000 Franken Entschädigung zahlen.
© Blick / keystone-sda.ch

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Schweiz wegen Verfahrensfehlern im Fall Brian Keller gerügt. Wie die NZZ, Tsüri.ch und Blick berichten, begründeten die Richter, dass dem Ex-Häftling nicht ausreichend Gelegenheit eingeräumt wurde, sich zu äussern – und damit Brian Kellers Recht auf ein faires Verfahren verletzt wurde. Die Schweiz wird laut SRF verpflichtet, Keller eine Entschädigung von 5000 Franken für die Anwalts- und Verfahrenskosten zu zahlen.

Seine Beschwerden über die harten Haftbedingungen und die Isolationshaft im Zürcher Gefängnis Pöschwies, die er 2021 eingelegt hatte, wies das Strassburger Gericht allerdings als unzulässig ab. Auch sein Antrag auf Erstattung von Kosten und Auslagen, für die Keller über eine halbe Million Franken geltend machte, wurde abgelehnt.

Nach der Bekanntgabe des Urteils äusserte sich Keller auf Instagram, wie 20 Minuten schreibt. «Ich bin enttäuscht. Es wäre schweiz- und europaweit wichtig gewesen, dass sie auf meine Haftbedingungen und meine Folter eingegangen wären.» Er und sein Team wollen das Urteil weiterziehen. «Ich hoffe, dass Strassburg die Wichtigkeit dieses Falles versteht.»

Keller wurde im November 2023 aus dem Gefängnis entlassen. Während seiner Zeit in der Pöschwies hatte er verschiedene Auseinandersetzungen mit Mitarbeitenden. Diese sind Teil eines Verfahrens, das noch am Zürcher Obergericht hängig ist.

Schweiz | Mietpreise

Jede fünfte Person in der Schweiz gibt zu viel für Miete aus

Too much, too much: Jede fünfte mietende Person gibt über ein Drittel ihres Bruttohaushaltseinkommens fürs Wohnen aus. © Nau / Keystone

Eigentlich lautet die gängige Budgetregel ja, dass man nicht mehr als ein Drittel des Bruttoeinkommens fürs Wohnen ausgeben soll. Aber Überraschung, Überraschung – wir geben zu viel dafür aus.

Bei 22 Prozent der Mietenden in der Schweiz übersteigen die Wohnkosten ein Drittel des Einkommens – dies laut einer repräsentativen Befragung im Auftrag von Comparis, so berichtet es Nau.

«Die Drittelregel ist kein Naturgesetz, aber sie ist ein wichtiger Warnwert», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser. Wer dauerhaft darüber liege, müsse bei anderen wichtigen Budgetposten sparen. Etwa bei Gesundheitsausgaben oder der Vorsorge. Der Medianlohn in der Schweiz beträgt gemäss Berechnungen von Comparis aktuell 7024 Franken monatlich.

Wer so viel verdient, dürfte – wenn man die Drittelregel anwendet – maximal 2341 Franken fürs Wohnen ausgeben. Doch ein Viertel der Erwachsenen zahlt mehr als 2000 Franken pro Monat. Besonders für Geringverdienende sind die Wohnkosten oft zu hoch: Bei Haushalten mit bis zu 4000 Franken Einkommen sind es 36 Prozent der Haushalte, die über ein Drittel fürs Wohnen ausgeben.

Zitat des Tages

«Die Art Basel Paris bleibt am Samstag und Sonntag geschlossen.»

Aus Sicherheitsgründen: Die Art Basel Paris endet zwei Tage früher als geplant.
© Tages-Anzeiger / Teresa Suarez / AP, Keystone

Paris bereitet sich für morgen auf neue Demonstrationen und Ausschreitungen vor: Wie der Tages-Anzeiger und Nau berichten, begannen Ladenbesitzer:innen ihre Schaufenster mit Spanplatten zu verdecken, um sie vor Plünderungen und Beschädigungen zu schützen. Die Stadtverwaltung rief Einwohner:innen, Firmen und Gastronom:innen dazu auf, möglichst alle beweglichen Gegenstände aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, damit sie nicht als Wurfgeschosse verwendet oder in Brand gesteckt werden können.

In der französischen Hauptstadt endet deshalb auch ausserplanmässig die Art Basel Paris frühzeitig. Die Veranstalter:innen der Kunstmesse vermeldeten gestern Nachmittag auf ihrer Webseite: «Die Art Basel Paris bleibt am Samstag und Sonntag geschlossen.» Man bedaure, dass man an diesem Wochenende keine Besucher:innen empfangen könne.

Höchste Priorität habe die Sicherheit von Besuchenden, Mitarbeitenden und den ausgestellten Kunstwerken. Die Kunstmesse hatte nach den Protesten und den Ausschreitungen am vergangenen Wochenende zusätzliche Sicherheitskräfte mobilisiert. Offenbar haben diese Massnahmen nicht ausgereicht. Der Louvre, das Musée d’Orsay und das Musée Picasso bleiben am Samstag ebenfalls geschlossen. Wie die BBC berichtet, verlängert Paris die Ausgangsbeschränkungen in Teilen der Stadt bis Montag. In Marseille und Lyon wurde für dieses Wochenende ein vollständiges Demonstrationsverbot verhängt.

(Eine spannende Einordnung der Ereignisse in Frankreich von Alain Bertho, Anthropologe und Experte für Jugendunruhen und Globalisierung, habe ich in der WOZ gelesen. Bertho sagt etwa, dass die landesweiten Demonstrationen vom vergangenen Samstag «etwas Einzigartiges» darstellen: «Wenn Unruhen die Sprache jener sind, die sonst nicht gehört werden, muss man zuhören. Man muss sie ernst nehmen.»)

Kurz-News

Schweiz

Hunderte Fahrer:innen von Just Eat müssen um ihren Job bangen
700 Angestellten, die für Just Eat Essen ausliefern, droht die Kündigung. Dies berichtet der Tages-Anzeiger. Lukas Streich, der Landeschef des Essenslieferanten, will künftig vermehrt auf Selbstständige oder Flottenpartner:innen setzen. Der Grund seien veränderte Bedürfnisse der Kundschaft. Hunderte Fahrer:innen dürften ihren Job verlieren, können danach aber auf eigene Rechnung für Just Eat fahren. Nach einem Konsultationsverfahren soll klar werden, wie hoch der Stellenabbau sein wird.

 

Einbruchdiebstähle nehmen zu
Laut einer Auswertung der Schweizer Versicherung Axa steigen die Fälle von Einbrüchen und Schäden in der Schweiz. Watson schreibt, dass die Axa seit 2020 eine kontinuierliche Zunahme der Einbrüche pro versichertem Haushalt registrierte. 2025 verzeichnete das Unternehmen vier Prozent mehr Einbruchdiebstähle als im Vorjahr und 15 Prozent mehr als noch 2022. 2025 bezahlte die Axa über 22 Millionen Franken für Einbruchdiebstähle, was einer Steigerung von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr und 60 Prozent gegenüber drei Jahren zuvor entsprach.

 

Störung legte Informationssystem der Berner Spitalgruppe Insel lahm
Das Informationssystem der Berner Spitalgruppe Insel war am Mittwochabend vorübergehend ausser Betrieb. Grund dafür war laut SRF eine technische Störung, die aber nicht mit einer weltweiten IT-Panne zusammenhänge. Der Ausfall wurde wegen eines Problems mit der Hardware ausgelöst. Das Personal musste zu Bleistift und Papier greifen. Die Mitarbeitenden seien für solche Fälle geschult, deshalb sei die medizinische Versorgung jederzeit gewährleistet gewesen. Gestern konnte das Problem behoben werden.

International

Polen: Demonstrationen für liberales Abtreibungsrecht
In Polen demonstrieren Tausende für die Liberalisierung des Abtreibungsrechts. Wie der Spiegel berichtet, gingen dafür Menschen in mehr als 20 polnischen Städten und Gemeinden auf die Strasse. Demonstrant:innen werfen der Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk vor, ihr Wahlkampfversprechen nicht gehalten zu haben. Das Parlament verabschiedete am Dienstag zwei Gesetzesentwürfe, die die Regelungen für Schwangerschaftsabbrüche lockern sollen. Allerdings werden diese voraussichtlich am Veto des rechtskonservativen Präsidenten Karol Nawrocki scheitern.

 

Rechtsstreit mit BBC: Trump muss unter Eid aussagen
US-Präsident Donald Trump muss im Rahmen seiner Verleumdungsklage gegen die BBC bis zum 11. Dezember unter Eid vor Gericht aussagen, wie eine Bundesrichterin in Florida anordnete. Trump verklagt die BBC wegen einer Sendung, in der zwei verschiedene Aufnahmen einer Rede, die er vor den Ausschreitungen im US-Kapitol im Jahr 2021 gehalten hatte, zusammengeschnitten wurden. Gemäss der BBC konnte Trump noch immer nicht befragt werden, obwohl nur noch zwei Monate der Beweisaufnahmefrist verbleiben.

Das Nützliche zum Schluss

Lebenslektionen zum Tag der Toten

Am Día de los Muertos werden verstorbene Angehörige geehrt. © Privat

Wo ich gerade bin, wird derzeit alles für den Día de los Muertos, den Tag der Toten, vorbereitet und geschmückt. An diesem wichtigen mexikanischen Feiertag werden das Leben und der Tod gefeiert. Im Mittelpunkt stehen die Liebe und der Respekt für verstorbene Familienmitglieder. Eine faszinierende, wunderschöne Tradition. Irgendwie dachte ich deshalb über das Thema nach und stiess beim Lesen der News passenderweise auf diesen interessanten Artikel im The Guardian (auf Englisch).

Mitarbeiter:innen von Hospizen und der Sterbebegleitung sprechen darüber, was sie aus ihrer Arbeit und von den Patient:innen in deren letzten Lebensmomenten gelernt haben. Wertvolle Lektionen sind, stark zusammengefasst, etwa: «Warte nicht damit, Dinge von deiner Bucket List abzuhaken – mach es einfach», «Sei dir im Klaren darüber, was du kontrollieren kannst und was nicht» oder: «Pflege deine Beziehungen».

Ein spannender Artikel, der zum Nachdenken über die eigenen Prioritäten im Leben anregt. Ich will ihn dir heute ans Herz legen.

Witziges zum Schluss

Witziges der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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Love’n’Peace!
Merci fürs Lesen.
VANJA KADIC

Vanja Kadic

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

Du gibst ein Wort ein.

Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

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