Guten Morgen {{vorname}}
Monologe finde ich etwa so spannend, wie Formel-1-Rennen oder Excel-Tabellen. Dialoge hingegen umso besser. Und weil ich jedes Mal begeistert bin davon, wie zahlreich die Rückmeldungen auf die Umfragen im 6iBrief sind, probieren wir ab heute eine neue Rubrik aus.

In Meinung der Community schauen wir uns immer mal wieder an, was ihr zur Frage im vergangenen Newsletter meint.

Auch heute nimmt es mich einfach wunder, was du dazu meinst: In Frankreich wurde gerade Social Media für unter 15-Jährige verboten – crazy oder fair?

Schweiz · Gewalt

Anklage Ex-SVP-Grossrat: Regierungsrat verteidigt die Behörden

Paula L. und ihre Mutter Iwona L. teilen ihre Geschichte öffentlich.
(Screenshot: Tages-Anzeiger / Sabina Bobst)

Der Missbrauchsfall beschäftigt die Schweiz – jetzt äussert sich der zuständige Aargauer Regierungsrat zu den Vorwürfen gegen die Behörden. Der Ex-SVP-Politiker Patrick Frei soll laut Staatsanwaltschaft mehrfach Frauen mit K.-o.-Tropfen betäubt und missbraucht haben, wie der Tages-Anzeiger in einer grossen Recherche berichtete.

Zu den Betroffenen gehören die heute 18-jährige Paula L. und ihre Mutter Iwona L., Freis frühere Partnerin. Zusätzlich zum Entsetzen über die Tat macht die Reaktion der Migrationsbehörden sprachlos, die die Betroffenen schildern: Wie der Tages-Anzeiger schreibt, verfolgten die Behörden sie strafrechtlich.

Mit Freis Verhaftung verlor Iwona L. ihre Arbeitsstelle. Sie hatte mit ihm einen Arbeitsvertrag als Haushälterin und erhielt so eine Aufenthaltsbewilligung. Die Gemeinde meldete Mutter und Tochter beim Migrationsamt. Wegen des Verdachts auf Scheinarbeit droht ihnen die Wegweisung aus der Schweiz.

Der Aargauer Regierungsrat Dieter Egli nimmt gegenüber SRF Stellung zu den Vorwürfen. Er könne die allgemeine Empörung nachvollziehen. Doch: «Das Migrationsamt hatte zum Zeitpunkt der Entscheidung (…) noch nicht die Erkenntnisse und Informationen, die man heute hat.»

Laut Egli untersuche man den Vorwurf, dass zu wenig untereinander kommuniziert wurde. «Momentan habe ich aber keinen Hinweis darauf, ob und was falsch gelaufen ist. Den Vorwurf nehme ich aber ernst.» Er nimmt die Gemeindebehörden in Schutz: Sie müssten Ausländer:innen dem Migrationsamt melden, wenn sie Sozialhilfe beziehen. «Die Gemeinde hat etwas gemacht, was im Kanton gesetzlich vorgeschrieben und der politische Wille ist.»

Falls du Unterstützung brauchst, findest du diese hier bei der Opferhilfe.

Schweiz · Kinderwunsch

Nach Jens Spahns Rücktritt: Leihmutterschafts-Debatte auch in der Schweiz

Jens Spahn (r.) und sein Partner Daniel Funke engagierten für ihre Elternschaft eine Leihmutter. Jetzt wird auch in der Schweiz darüber diskutiert. (Screenshot: Nau / Insta: daniel_f_punkt)

Die Debatte um Leihmutterschaften hat nach dem Rücktritt von CDU-Politiker Jens Spahn die Schweiz erreicht. Er gab seinen Rücktritt als Vorsitzender der Unionsfraktion bekannt, nachdem bekannt wurde, dass Spahn und sein Mann mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern wurden. Unter anderem berichtete SRF. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten.

Wie in Deutschland ist auch in der Schweiz Leihmutterschaft verboten, auch hier umgehen Paare dies mit einem Gang ins Ausland. Zahlen dazu gibt es aus dem Kanton Zürich, schreibt Nau: Zwischen 2012 und 2023 erfasste das Gemeindeamt insgesamt 82 Fälle von Leihmutterschaft.

In Italien würde man dafür etwa gebüsst. Auch die Schweiz befasste sich mit der Frage: EVP-Nationalrat Marc Jost fragte den Bundesrat nach möglichen Massnahmen gegen die Nutzung ausländischer Leihmutterschaftsangebote.

In seiner Antwort stellte sich der Bundesrat gegen so ein Verbot von Leihmutterschaften im Ausland. Dafür spricht sich etwa die Zürcher SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel aus: «Ich bin gegen eine Legalisierung. Lieber sollte man möglichst anstreben, es auch im Ausland besser zu kontrollieren oder zu verbieten.» Sie findet, dass Paare mit unerfülltem Kinderwunsch stattdessen lieber adoptieren sollen.

Die Leihmutterschaft in der Schweiz legalisieren würde hingegen der Luzerner Grünen-Nationalrat Michael Töngi. Er ist im Vorstand von Pink Cross, dem Dachverband der schwulen und bisexuellen Männer. In einem Positionspapier fordert die Organisation sowohl die Anerkennung von Kindsverhältnissen durch Leihmutterschaft als auch deren Legalisierung. Töngi sieht ein Verbot von Leihmutterschaften im Ausland kritisch.

Er verstehe, dass Paare das Verbot in der Schweiz durch eine Leihmutterschaft im Ausland umgehen. Eine Adoption sei nicht immer möglich oder einfach. Michael Töngi sagt, dass jetzt Expert:innen und Betroffene zur Sprache kommen sollen, die Leihmutterschaften in Anspruch nahmen: «Die Kommentarspalten zum Fall Spahn zeigen, dass diese Diskussion erst ganz am Anfang steht.»

Schweiz · Gesundheit

Sonne kann dein Leben verlängern

Eine neue Studie zeigt die gesunden Aspekte von Sonnenlicht auf. (Foto: Unsplash / Eugene Chystiakov)

Eigentlich gilt Sonnenstrahlung eher als ungesund. Doch wie nun eine neue Studie zeigt, riskieren Personen, die die Sonne zu sehr meiden, früher zu sterben. Dies berichtet der Beobachter. «Die Sonne mit dem gesamten Spektrum ihrer Strahlen hat direkte positive Wirkungen auf die Gesundheit von uns Menschen», sagt Philippa Golling, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (SGDV).

Eine Studie aus Schweden mit fast 30’000 Teilnehmerinnen zwischen 25 und 64 Jahren zeigte: Frauen, die die Sonne gemieden hatten, haben im Vergleich zu Frauen, die Sonnenbäder genommen hatten, ein erhöhtes Risiko aufgewiesen, binnen 20 Jahren zu sterben. Die Teilnehmerinnen, die am wenigsten Sonne abbekommen hatten, hatten ein doppelt so hohes Risiko wie diejenigen, die sich ihr am meisten ausgesetzt hatten.

In einer Folgestudie stellten die Forschenden fest, dass besonders Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Sonnenvermeiderinnen zunahmen, mit einem entsprechend lebensverkürzenden Effekt. Dies seien zwar Beobachtungsstudien, die keine Beweise liefern. Allerdings werten Fachleute sie dennoch als wichtigen Hinweis auf gesunde Aspekte des Sonnenlichts.

«Die Sonne tut uns gut», sagt Philippa Golling. «Aber es ist wichtig, die richtige Balance zu finden.» Also: Sonne nicht vermeiden, die Sonnencrème aber bitte nicht wegschmeissen und den Sonnenschutz weiterhin ernst nehmen.

Meinung der Community 📢

Braucht es eine längere Mutterschaftszeit?

Findest du, dass 14 Wochen Mutterschaftszeit zu kurz sind? Das habe ich dich gestern gefragt, nachdem eine Petition mit 111'000 Unterschriften die Verlängerung der Mutterschaftszeit in der Schweiz auf sechs Monate fordert. 1659 Personen haben abgestimmt, die Mehrheit (748) mit «Ja, ich finde schon», gefolgt von «Massiv zu kurz!» (663).

«Vor allem für die Gesundheit der Frau, deren Körper einfach mehr Zeit braucht (...). Man soll sich unbedingt auf die Mutter und das Kind konzentrieren und nicht auf die Ausweitung von Vaterschaftsurlaub.»

Stimme aus der Community

«Ich kenne viele Familien, die die 6 Monate Auszeit selber finanzieren, da wäre ein längerer Mutterschaftsurlaub sehr willkommen!»

Stimme aus der Community

«Es wäre interessant zu wissen, wie viele Männer und Frauen ohne Kinder für ‹Nein› gestimmt haben und inwieweit sie dies beurteilen können.»

Stimme aus der Community

Kurioses

Männer-Beinhaare spalten die Gemüter

Wegen der extremen Hitze: Shorts im Büro sind in Tokio seit kurzem für Männer toleriert. (Screenshot: BBC / Getty Images)

Kurze Hosen im Büro gelten meist nicht unbedingt als angebracht. In Tokio empfiehlt die Stadtverwaltung Männern wegen der Hitze aber seit kurzem, Shorts zu tragen und Anzüge gegen lockere Kleidung einzutauschen. Die Lockerung der Kleiderregeln kommt aber nicht nur gut an: Kritiker:innen finden es unfair, dass Frauen weiterhin Strumpfhosen tragen sollen, wenn sie im Büro Bein zeigen.

Im Diskurs wurde dabei laut BBC im Netz zudem der Begriff «Sunehara» geprägt, der so viel wie «Beinhaar-Belästigung» bedeutet. Er bezieht sich auf die Erfahrung einiger Frauen, die sich unbehaglich fühlten, wenn sie bei der Arbeit die Beinhaare von Kollegen sehen mussten.

«Wir wollen den Menschen angesichts der starken Hitze mehr Möglichkeiten geben und ihnen nicht vorschreiben, was sie tragen sollen. Solange die Arbeitskleidung niemanden beleidigt, sollte es kein Problem geben», sagt Noboru Watanabe, Umweltbeauftragter der Stadtverwaltung Tokio.

Kurz-News

Hells Angels sind Risiko · Das Bundesamt für Polizei (fedpol) stuft die Hells Angels intern als mögliche Sicherheitsbedrohung für die Schweiz ein. Mit einem Gesuch um Einsicht in entsprechende Unterlagen ist der Motorradclub gescheitert, wie 20 Minuten schreibt. Die Hells Angels zeigen sich überrascht und weisen die Einschätzung zurück.

Listerienfunde in Lebensmitteln · Nachdem in mehreren Lebensmitteln von Coop, Migros und Denner Listerien nachgewiesen wurden, ist klar: Die Listerienfunde haben gemäss den Behörden keinen Zusammenhang mit der Hitzewelle, berichtet Nau. Das teilte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen mit. Die Funde seien das Ergebnis eines funktionierenden Kontrollsystems.

Mann nach Grosseinsatz frei · Der 27-jährige Mann, der Mitte Juli in Regensdorf ZH mit Schüssen aus einer Schreckschusswaffe einen Grosseinsatz auslöste, ist trotz laufendem Strafverfahren wieder frei. Dies berichtet der Tagi. Die Untersuchungshaft wurde abgelehnt. Nachbar:innen fühlen sich verunsichert und kritisieren mangelnde Information durch die Behörden.

International

Social-Media-Verbot für Teenies · Frankreich führt als erster EU-Staat ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige ein. Dies berichtet The Guardian. Neue Konten auf Apps wie TikTok oder Snapchat sollen ab September 2026 gesperrt, bestehende ab 2027 geschlossen werden. Ziel ist ein besserer Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Proteste gegen Polizei in Bologna · Nach dem Tod des in Marokko geborenen Abderrahim Fakir, der bei einem Polizeieinsatz im italienischen Bologna gewaltsam festgehalten wurde und starb, protestierten Tausende. Dies berichtet BBC. Bei den Protesten kam es zu Ausschreitungen mit 64 verletzten Polizist:innen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Fall Fakir wegen fahrlässiger Tötung.

🔧 Nützliches des Tages

Merci für die Blumen

Auch gut, wenn man zu faul für den Gang zum Blumengeschäft ist: Digibouquet. (Screenshot: digibouquet)

Hey, es ist mach-jemandem-eine-Freude-Mittwoch. Du willst zum Geburtstag oder zur Scheidung gratulieren? Willst Danke sagen oder einfach nur zeigen, dass du an jemanden denkst? Es gibt viele gute Gründe, um jemandem Blumen zu schenken.

Vielleicht muss es aber besonders schnell und unkompliziert gehen oder dein Gegenüber wird von heftigen Allergien gegen Flora geplagt. Dann ist möglicherweise die Webseite Digibouquet das Richtige für dich.

Auf der hübsch illustrierten Webseite kannst du ein digitales Bouquet zusammenstellen und natürlich auch eine schöne Notiz an den oder die Empfänger:in schreiben. Den Strauss aus Tulpen, Pfingstrosen, Sonnenblumen und Co. abschicken – zack, fertig. 🌻

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Bis dann! 🌝

Vanja

Reply

Avatar

or to participate

Keep Reading