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«Warum sollte ich mich schämen, mich zu zeigen? Er muss sich für das schämen, was er mir angetan hat», sagt Paula L. Das sind richtig starke Worte, vor allem von einer Person, die erst 18 Jahre alt ist.
Die junge Frau will Betroffenen von sexualisierter Gewalt ein Gesicht geben. Dafür wagt sie den mutigen Schritt in die Öffentlichkeit – in einem Missbrauchsfall, der aktuell die Schweiz erschüttert.
Schweiz · Gewalt
Anklage gegen Ex-SVP-Grossrat
wegen mehrfacher Vergewaltigung

Paula L. (r.) und ihre Mutter Iwona L. wollen Betroffenen sexualisierter
Gewalt Mut machen.
(Screenshot: Tages-Anzeiger / Sabina Bobst)
Immer wieder soll der Ex-SVP-Politiker Patrick Frei laut Staatsanwaltschaft bewusstlose Frauen missbraucht haben, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Die Staatsanwaltschaft Aargau wirft dem ehemaligen Kantonsparlamentarier unter anderem mehrfache Vergewaltigung, Schändung, sexuelle Handlungen mit Kindern und auch versuchten Mord vor. Der Aargauer Ex-Grossrat soll seine betäubten Opfer teilweise in Lebensgefahr gebracht haben.
Frei sitzt seit bald drei Jahren in Untersuchungshaft und bestreitet, Frauen mit K.-o.-Tropfen betäubt zu haben. Laut Verteidigung ist er nicht einverstanden damit, wie die Staatsanwaltschaft den Sachverhalt rechtlich einordnet.
Er soll die damals 15-jährige Paula L., ihre Mutter Iwona L. – Freis damalige Partnerin – und eine weitere Frau betäubt und dann sexuelle Übergriffe an ihnen verübt haben, die er mit der Kamera aufzeichnete. Die Staatsanwaltschaft sicherte Videos und Bilder von Dutzenden oft schweren Übergriffen.
Paula L. (heute 18 Jahre) und Iwona L. sprechen öffentlich über das, was sie erlebten und wollen damit Opfern von sexualisierter Gewalt Mut machen. «Zu viele Frauen, auch in unserem Umfeld, haben schon sexuellen Missbrauch erlebt. Aber aus Scham redet niemand darüber», sagen sie. «Warum sollte ich mich schämen, mich zu zeigen? Patrick muss sich doch schämen. Für das, was er mir angetan hat», sagt Paula.
Sie erheben auch schwere Vorwürfe gegen die Aargauer Behörden: Wie der Tages-Anzeiger schreibt, wurden sie nach Freis Verhaftung auch von den Behörden traumatisiert, indem der Kanton über die Wegweisung der beiden Polinnen verfügte und sie strafrechtlich verfolgte.
Die Staatsanwaltschaft beantragt für Frei eine lebenslängliche Freiheitsstrafe sowie eine vollzugsbegleitende Behandlung. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
Falls du Unterstützung brauchst, findest du diese hier bei der Opferhilfe.
Schweiz · Familienpolitik
Petition fordert längere Mutterschaftszeit
in der Schweiz

Eine Petition fordert eine Mutterschaftszeit von sechs Monaten.
(Screenshot: SRF / Marcus Brandt / Keystone / DPA)
14 Wochen reichen nicht: Eine Petition mit 111'000 Unterschriften fordert die Verlängerung der Mutterschaftszeit in der Schweiz auf sechs Monate. Wie SRF berichtet, übergaben Unterstützer:innen die Petition am Montagnachmittag an die Bundeskanzlei in Bern.
Die 98 Tage, die bislang gelten, seien «eine sehr kurze Zeit in einer der wichtigsten Phasen im Leben eines Kindes», schreiben die Initiator:innen auf der Webseite der Petition. «Mit drei Monaten ist ein Baby noch vollständig auf seine Mutter angewiesen. Nähe, Stillen, Bindung und Sicherheit sind entscheidend für die gesunde Entwicklung. Gleichzeitig braucht auch die Mutter nach Schwangerschaft und Geburt ausreichend Zeit zur körperlichen und psychischen Erholung.»
Mit einer Verlängerung auf sechs Monate sollen Familien besser unterstützt werden. Damit wollen die Unterstützer:innen zu einer «familienfreundlicheren» und «zukunftsorientierten» Schweiz anstreben.
Frage in die Runde: Findest du, dass 14 Wochen Mutterschaftszeit zu kurz sind?
Sind 14 Wochen zu kurz?
Schweiz · Flugverkehr
Swissport testet Massnahme für besseren Transport von Rollstühlen

Eine Rampe erleichtert neu im Rahmen eines Pilotprojekts den Transport von Rollstühlen. (Screenshot: Watson / Swissport)
Eigentlich erstaunlich, dass diese Massnahme erst jetzt eingeführt wird: Die Bodenabfertigungsfirma Swissport reagiert auf das Problem, dass beim Transport in und aus dem Frachtraum elektrische Rollstühle regelmässig beschädigt werden. In Zürich wurde vor Kurzem im Rahmen eines Pilotprojekts eine neue Laderampe für den Verlad batteriebetriebener Rollstühle in Frachtcontainer lanciert, um das Schadens- und Verspätungsrisiko zu minimieren. Watson und Schweiz heute berichten.
Mit der Rampe müssten schwere Rollstühle nicht mehr manuell angehoben werden. Bisher fehlte ein standardisierter Prozess. «Dass Swissport diese neue Rampe testet, ist erfreulich, da es immer wieder zu Beschädigungen beim Transport von Rollstühlen kommt», sagt Stephanie Hirsiger vom Reisebüro von Procap, der grössten Schweizer Selbsthilfe- und Mitgliedervereinigung für Menschen mit Behinderungen.
Nur: Laut Hirsiger schränke die Swiss die Flugauswahl für Menschen mit Behinderung zusätzlich ein. Ab Genf setzt Swiss, bei der im Jahr 2025 insgesamt 365 Meldungen zu verspäteten oder beschädigten Rollstühlen eingingen, ausschliesslich A220-Flugzeuge ein. «Deren Cargo-Türen sind jedoch für viele elektrische und nicht faltbare Rollstühle zu klein, sie passen nicht rein», sagt Hirsiger.
Seit vergangenem Herbst hat die Lufthansa-Gruppe ausserdem Rollstühle oder andere Mobilitätshilfen mit einer fest verbauten Lithium-Batterie aus Sicherheitsgründen stark limitiert. Damit sei sie restriktiver als andere Airlines. Sie würde Batteriestärken ablehnen, die vom Airline-Verbund IATA als konform angesehen werden. Hirsiger: «Mit dieser Restriktion diskriminiert die Lufthansa-Gruppe sehr viele Reisende im Rollstuhl.» Man prüfe aktuell die rechtliche Situation mit dem Dachverband der Schweizer Behindertenorganisationen.
Die Swiss nehme die Kritik ernst, sagt Sprecher Remo Müller. Die Entscheidung basiere auf einer umfassenden Risikoanalyse.
Zahl des Tages
18 Meter

Das Start-up Reflect Orbital sorgt mit seinem Satelliten-Projekt für Diskussionen. (Screenshot Symbolbild: Physics World / istock / Psyinkkstudios)
Ein riesiger Spiegel soll im All nachts Sonnenlicht auf die Erde reflektieren: 18 x 18 Meter gross, um genau zu sein. Der beleuchtete Bereich wäre rund fünf Kilometer breit, das einfallende Licht etwa so hell wie der Vollmond. Dies berichtet der Tages-Anzeiger. Dahinter steckt das kalifornische Start-up Reflect Orbital. Eine US-Behörde hat den Test des Satelliten Eärendil-1 bewilligt.
Vielleicht fragst du dich jetzt – genau wie ich: Hä, aber warum?
Die Idee hinter dem Projekt: Der Spiegel soll Solaranlagen auch nachts mit Sonnenlicht versorgen. Eine Lampe aus dem Weltall, quasi. Laut Unternehmen soll der Spiegel etwa bei Katastropheneinsätzen oder Such- und Rettungsaktionen angewendet werden – in den kommenden Jahren könnten Zehntausende solcher XL-Spiegel Licht aus dem All reflektieren.
Ob die Menge an Licht für den wirtschaftlichen Betrieb von Solaranlagen wirklich ausreicht, wird von Expert:innen angezweifelt. So stösst das Vorhaben bei Astronom:innen und Umweltschützer:innen gemäss Physics World auf Kritik: Der Weltraumspiegel könne mit dem künstlichen Licht den Nachthimmel dauerhaft verändern. Bislang wurde nur der Einsatz eines Demonstrationssatelliten genehmigt.
Kurz-News
Tödlicher Badeunfall im Moossee · Beim Schnorcheln im Moossee in Moosseedorf BE ist am Samstagnachmittag ein 62-jähriger Mann verstorben. Dies, obwohl sofort Rettungsmassnahmen eingeleitet wurden, wie die Kantonspolizei Bern laut Watson mitteilte. Die Unfallursache ist unklar.
Wasser in Alpen geflogen · Die Böden bleiben in der Schweiz trotz Gewitter der letzten Tage noch immer stark ausgetrocknet, berichtet SRF. Nach langer Trockenheit kann der Boden den Regen oft nur schlecht aufnehmen. Wegen der Trockenheit musste laut Watson in den vergangenen Wochen Wasser mit Helikoptern auf Alpen im Kanton St. Gallen transportiert werden.
«Heidi-Zug» blieb stecken · Am Flughafen Zürich ist gestern Morgen der «Heidi-Zug» wegen einer technischen Störung stecken geblieben, wie 20 Minuten berichtet. 50 Passagiere mussten aus dem Zug, der Gäste von Terminal E ins Hauptgebäude bringt, evakuiert werden. Der Zug kam rund 200 Meter vor dem Hauptgebäude zum Halt.
International
50-Prozent-Zölle gegen Kanada · US-Präsident Donald Trump verhängt neue Zölle von 50 Prozent auf zahlreiche Importe aus Kanada. Der Grund sei eine aus seiner Sicht «unfaire Behandlung» von US-Autos, Milchprodukten und Alkohol. Die Zölle treten innerhalb von 30 Tagen in Kraft, berichtet BBC. Sie bedeuten eine erhebliche Verschärfung der Handelsspannungen zwischen den Nachbarstaaten.
Andy Burnham neuer Premierminister · Andy Burnham ist nach Keir Starmer der neue Premierminister des Vereinigten Königreichs. Der frühere Bürgermeister von Greater Manchester gilt als klassisch sozialdemokratischer, links der Mitte verorteter Labour-Politiker. Er versprach laut SRF, die Kontrolle über Bereiche wie Energie, Wasser und Verkehr verstärkt in die öffentliche Hand zu bringen.
🔧 Nützliches des Tages
Oldschool-Newsletter

Dicki Poscht: Der Mail Club von Sofía Ostoic. (Foto: Mail Club)
Rechnungen und grelle Werbeflyer für den neuen Kebi-Laden nebenan zählen nicht: Wann hattest du zum letzten Mal so richtig schöne Post im Briefkasten?
Ich bin grosser Fan davon, mir möglichst viele schöne Kleinigkeiten in den Alltag einzubauen – mit handgeschriebenen Notizen, Briefen und liebevoll verschickter Post, zum Beispiel. Darum habe ich vor einigen Monaten eine Zeit lang den Mail Club von Sofía Ostoic abonniert.
Sie verschickt aus Spanien jeden Monat einen Brief mit Stickern, schönen Postkarten, kleinen Überraschungen und lieben Worten an ihre Abonnenten. Auf ihrem Insta-Profil könnt ihr euch ihre bisherigen verschickten Briefli anschauen, ein tolles Projekt.
In der Schweiz gibts übrigens den Brieftaubenklub von Elena Kirchner, der nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Auch da gibts jeden Monat «kleine Freuden auf Papier».
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Machs guet, bis morgen.
Vanja
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