Guten Morgen {{vorname}}
Beim Zelten schwingt ja immer auch ein metaphysisches Gruseln mit: Habe ich gerade ein Totemügerli um die Latrine schleichen gehört? Oder ist es nur der Waschbär, der sich über unsere allzu nonchalant weggesperrten Vorräte hermacht?

Dieser Nervenkitzel gehört für mich zum Campieren wie der Gaskocher oder die Stirnlampe. Weniger lustig ist es allerdings, wenn reale Gefahren drohen. Ein Felssturz zum Beispiel oder eine Sturzflut.

Im Kanton Wallis haben die Behörden präventiv 13 Campingplätze gesperrt. Jetzt befürchten die Betreiber:innen, dass der Sommer ins Wasser fällt. 🦝

Schweiz · 🗳️

EU-Reform ist Wasser auf die Mühlen der SVP

Grenzübergang bei Konstanz. (Screenshot: NZZ/Ennio Leanza)

Für die Gegner:innen der 10-Millionen-Initiative sind das keine guten News: Die EU-Staaten haben gestern einen Durchbruch bei der Reform der Sozialsysteme erzielt. Für die Schweiz könnte es teuer werden. Künftig soll nämlich verstärkt das Arbeitslandprinzip gelten: Wer hierzulande arbeitet und seine Stelle verliert, soll seine Leistungen auch von der Schweizer Arbeitslosenversicherung (ALV) erhalten.

Für Grenzgänger:innen, die mindestens 21 Wochen in der Schweiz tätig waren, müsste die Schweiz künftig bis zu sechs Monate Arbeitslosengeld an das Wohnland überweisen. Suchen die Grenzgänger:innen direkt in der Schweiz Arbeit, wäre das RAV zuständig – mit Leistungsansprüchen von bis zu zwei Jahren. In Bern kursieren gemäss NZZ Schätzungen über Mehrkosten von bis zu einer Milliarde Franken jährlich.

«Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten, aber mit dem Verstand, nicht mit der Hellebarde.»

Pascal Couchepin, Alt-Bundesrat (FDP)

Der Zeitpunkt der EU-Reform ist politisch brisant: Am 14. Juni stimmt das Volk über die 10-Millionen-Initiative ab, die das Ende der Personenfreizügigkeit bedeuten könnte. Im Tages-Anzeiger warnte Alt-Bundesrat Pascal Couchepin gestern eindringlich vor einem Ja.

Die SVP-Initiative gefährde die existenziellen Beziehungen zur EU, so Couchepin. Eine Tamedia-Umfrage prognostiziert derzeit eine knappe Annahme der Initiative. Der Walliser fordert nun mehr Knochenarbeit: weg von sterilen Verbandsparolen, hin zu direktem Bürgerkontakt: «Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten, aber mit dem Verstand, nicht mit der Hellebarde.»

Schweiz · Bandenkriminalität

Dem «Wolfsrudel» wird der Prozess gemacht

Enorme kriminelle Energie: Mitglied der Gang. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Robert Honegger)

In Rheinfelden AG stehen sechs junge Schweizer im Alter von 20 und 21 Jahren vor einem Mammutprozess. Die Gruppe, die sich selbst «Wolfsrudel» nannte, muss sich für über 40 Delikte verantworten, darunter Sabotage am Glasfasernetz, Zugsabotage und Cyberangriffe. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 450’000 Franken.

Trotz ihrer bürgerlichen Herkunft entwickelten die Männer gemäss Tages-Anzeiger eine enorme kriminelle Energie. Als Motiv nannten die Hauptbeschuldigten vor Gericht Gruppendruck und Adrenalin. Einer der Anführer erklärte: «Ich wollte der Gruppe beweisen, dass ich mutig bin. Ich war geblendet von der Verbundenheit innerhalb der Gruppe.» Ein Kollege ergänzte, dass sie sich nach zahlreichen Taten unangreifbar fühlten: «Wir fühlten uns sehr, sehr sicher.»

Die einstige Freundschaft ist offenbar zerstört; die Angeklagten belasten sich heute gegenseitig. Während die Staatsanwaltschaft für die Haupttäter Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren fordert, zeigen sich die Beschuldigten teilweise uneinsichtig. Zu den Internetausfällen an Weihnachten sagte einer: «Es stimmt, viele hatten kein Internet, aber wir haben doch niemandem psychischen Schaden zugefügt.» Das Urteil wird für den 11. Juni erwartet.

Schweiz · 🏕️

Camper im Clinch mit dem Kanton

Just a happy camper. (Foto: Unsplash/Pascal Debrunner)

Im Wallis tobt ein heftiger Konflikt um die Sicherheit von Campingplätzen, berichtet die Rundschau auf SRF. Mitte März entzog die kantonale Baukommission 13 Betrieben die Bewilligung wegen akuter Naturgefahren.

Für viele Betreiber:innen geht es um die Existenz. «Es ist eine Enteignung, was da läuft», sagt Katherina Steiner-Bucher vom Camping Riverside in der Gemeinde Goms. Ihr Partner Pim Beijen: «Wir haben viele offene Rechnungen. Bis Ende April brauchen wir einen Entscheid, sonst droht der Konkurs.»

Kritik kommt auch von politischer Seite. Der Gommer Gemeindepräsident Gerhard Kiechler warnt vor den Folgen der Sperrungen. Man werde viel mehr Wildcamper haben, die in ungesicherten Zonen weit gefährdeter seien. «Ich verstehe das überhaupt nicht.»

Die Behörden hingegen bleiben hart. Hans-Jörg Arnold von der kantonalen Baukommission rechtfertigt das Vorgehen: «Man kann die Gefahren nicht ignorieren.» Man sei in der Vergangenheit bei kritischen Ereignissen oft nur «mit einem blauen Auge davongekommen».

Trotz der verhärteten Fronten gibt es nun erste Lichtblicke: Ein neues Gutachten im Goms deutet darauf hin, dass die Sicherheit durch eine neue Ausweichrinne und Alarmsysteme gewährleistet werden kann. Betreiber wie William Jerjen vom Campingplatz Rhodania in Reckingen freut das: «Hoffen wir mal, dass es für uns gut rauskommt.» Hoffen wir doch alle.

Zürich abseits vom Paradeplatz*

*Medienpartnerschaft mit Tsüri.ch

Die schönsten Flecken liegen oft nah. Wer demnächst mal wieder Zürich besuchen (oder als Local neu entdecken) möchte, dem sei dieses neue Büechli wärmstens ans Herz gelegt.

Die Redaktion von Tsüri.ch, zu der auch dieser 6iBrief gehört, hat einen Stadtführer der etwas anderen Art zusammengestellt. Anstatt starrer Routen liefert das Buch 78 Erlebnisse und 26 Aktivitäten, die sich ganz nach Lust und Laune kombinieren lassen. Von den schönsten Spaziergängen abseits des Trubels über versteckte Pärke bis hin zu den tollsten Flohmärkten lässt sich die Stadt so völlig neu erleben.

Das macht das Büechli nicht nur zur idealen Inspiration für den eigenen Städtetrip, sondern auch zum perfekten Geschenk – egal, ob für waschechte Zürcher:innen, die Tante aus dem Aargau oder den Onkel aus dem Oberland.

Zitat des Tages

«Wird die Initiative angenommen, brechen wir mit Europa.»

Hört auf: Daniel Lampart. (Screenshot: Blick/Keystone)

Einer, dem ich immer gerne zuhöre, verlässt die Arena: «Arbeitgeber-Schreck» Daniel Lampart tritt als Chefökonom und Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes ab. «Es war eine wunderbare Zeit, in der wir einiges erreicht haben», sagt der 57-Jährige im Interview mit Blick.

Dann ist es aber auch schon vorbei mit der Nettigkeit. Bis Ende Jahr will Lampart nämlich noch Vollgas geben. Etwa im Kampf gegen die 10-Millionen-Initiative der SVP, die er als existenzielle Bedrohung für die Schweiz sieht: «Wird die Initiative angenommen, brechen wir mit Europa, werden Familien zerrissen und die Arbeitsbedingungen verschlechtert. Dann bekommen wir eine dunkle und einsame Schweiz. Das will ich nicht.»

In Frührente geht Lampart natürlich nicht. Er hat vor, zum PK-Netz zu wechseln, um sich dort der zweiten Säule zu widmen. Sein Credo für die Zukunft der Vorsorge: «Die zweite Säule ist ein Sozialwerk und kein Business!» Angesichts der blockierten Finanzierung der 13. AHV-Rente im Parlament findet er klare Worte: «In der Schweiz gilt: Erhält man eine Rechnung, wird diese auch bezahlt.»

Kurz-News

Rösti im Homeoffice · Bundesrat Albert Rösti (SVP) hat seine Rückenoperation erfolgreich überstanden. «Ich bin erleichtert und dankbar», teilte er via Instagram mit. Nach der Versteifung der Lendenwirbelsäule steht nun die Erholung an: «In dieser Phase werde ich vorübergehend kürzertreten und von zu Hause aus arbeiten.» Die Führung des UVEK bleibt sichergestellt, rapportiert die NZZ: Rösti nimmt telefonisch an Sitzungen teil.

Zügeln muss man sich leisten können · Wer in der Schweiz umzieht, muss mit einem Kostenhammer rechnen: Laut einer Analyse von Wüest Partner liegen die Neumieten im Schnitt 10,5 Prozent über den Bestandsmieten. Besonders extrem ist die Lage in Genf mit einem Aufpreis von 50 Prozent. Dies führt zum «Lock-in-Effekt», schreibt Blick: Mieter:innen bleiben in zu grossen oder unpassenden Wohnungen, um Geld zu sparen.

Mann zielt auf Passant:innen · Die Polizei hat gestern Abend in Volketswil ZH einen 48-jährigen Mann festgenommen. Dieser hatte zuvor vom Balkon aus mit einer Waffe auf Passant:innen gezielt. Spezialkräfte stürmten gemäss Watson das Gebäude am Rütiweg und stellten in der Wohnung des Schweizers diverse Schusswaffen sicher. Verletzt wurde niemand. Das Motiv des Täters ist noch unklar; die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

International

Hässiger Hegseth · Der Iran-Krieg hat die USA bisher 25 Milliarden Dollar und 14 Soldatenleben gekostet. Dies erklärte das Pentagon bei einer Anhörung, in der Verteidigungsminister Pete Hegseth Kritiker:innen scharf angriff: «Der grösste Gegner sind die rücksichtslosen und defätistischen Worte von Kongressmitgliedern.» Trotz ausbleibender Antworten zu einem Kriegsende nannte Hegseth die Mission gemäss New York Times einen «erstaunlichen militärischen Erfolg».

Wall-E am Flughafen · Japan Airlines (JAL) testet ab Mai am Flughafen Tokio-Haneda humanoide Roboter:innen für die Gepäckabfertigung. Die bis 2028 befristete Testphase soll den akuten Personalmangel lindern. Die 130 cm grossen Maschinen bewegen Koffer und Fracht auf dem Rollfeld. Laut JAL-Präsident Yoshiteru Suzuki werde dies «die Belastung der Mitarbeiter:innen unweigerlich verringern». Während Robotende auch Kabinen reinigen könnten, bleibe das Sicherheitsmanagement in Menschenhand, schreibt der Guardian.

🥁 Nützliches des Tages

Indonesian Emo Rap

Heute etwas Funk aus Neapel auf die Ohren? Oder doch wieder nur Social Media Pop? (Screenshot: Everynoise)

Wenn mich jemand fragt, welche Musik ich denn gerne mag, antworte ich meistens und recht unverbindlich: «Ich höre eigentlich alles. Ausser Hardcore-Techno aus den Niederlanden, wie ihn etwa das Rotterdam Terror Corps spielt. Grässlich.»

Seit ich die nerdige (und schon etwas ältere) Seite Everynoise im Netz entdeckt habe, muss ich allerdings relativieren: Alles? Wirklich? Die Seite listet Hunderte von Musikstilen auf (einfach mal runterscrollen …): Noch nie gehört habe ich etwa von «Japanese Math Rock», «South Carolina Metal» oder «Vintage French Psychedelic». Das Beste daran: Man kann auf die exotischen Begriffe klicken – und bekommt flugs einen Eindruck, wie diese Musik klingt. Das ist ganz wunderbar, finde ich.

Wenn mich also künftig jemand fragt, was bei mir so läuft, sage ich: «Ach, das Übliche halt: Indonesian Emo Rap, kennst du?»

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Morgen gibts keinen 6iBrief. Da, wo mein Server steht, feiert man den Tag der Arbeit. Bis Montag also, wenn du magst!

Peter

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