Guten Morgen {{vorname}}
Wenn ich – wie gerade jetzt – lange Zeit im Ausland verbringe, beginne ich vieles in der Schweiz zu vermissen.
Eines aber ganz bestimmt nicht: die Fahrten im Dosto-Zug zwischen Zürich und Bern. Es schüttelt, es rüttelt, und in regelmässigen Abständen reisst einen ein völlig unerklärlicher Knall aus dem Schlaf (an Arbeiten ist im Dosto eh nicht zu denken).
Bald soll aber alles besser werden, versprechen die SBB. Und luden die Medien zu einer Testfahrt in einem umgebauten Prototyp ein. Na dann los.
Schweiz · Schüttelzug
Volle Becher bleiben auch im umgebauten Dosto ein Risiko

Hier soll das Arbeiten bald wieder möglich sein: 1. Klasse im Dosto. (Screenshot: SRF/Peter Klaunzer)
Der Schüttelzug der SBB, der FV-Dosto, soll (endlich) ruhiger werden. Nach jahrelanger Kritik an seinem ruckelnden Fahrstil, der bei vielen Reisenden Übelkeit auslöst, präsentierten die SBB gestern einen umgebauten Prototyp.
Natürlich wagten sich zahlreiche Journalistinnen und Journalisten auf eine Testfahrt. Diese begann, schreibt etwa SRF, mit einer Panne. Eigentlich hätte zum Vergleich dieselbe Strecke zweimal gefahren werden sollen – einmal ohne und einmal mit umgebautem Zug. Doch es kam anders: Grund dafür war eine technische Störung an der Bahnanlage. Der Zug musste umgeleitet werden.
Zunächst aber zum Technischen: Um die Stabilität des Pannenzugs zu erhöhen, griffen Ingenieure zu einer radikalen Massnahme: Das komplexe Wankkompensationssystem wurde entfernt. Ursprünglich sollte diese Technik schnellere Kurvenfahrten ermöglichen, um Fahrzeit zu sparen.
Insgesamt 90 Millionen Franken kostet die Anpassung der 62 Züge. Passagiere müssen sich allerdings noch gedulden. Der serienmässige Umbau beginnt erst Ende 2026, sobald die Betriebsbewilligung vorliegt. Es wird voraussichtlich sieben Jahre dauern, bis die gesamte Flotte umgerüstet ist.
Doch wie verlief nun die gestrige Jungfernfahrt?
«Wie die Testfahrt zeigt, schüttelt der umgebaute FV-Dosto tatsächlich weniger», heisst es bei SRF. Der Tages-Anzeiger schreibt: «Auf dem Nachbarstischchen zittern die Kohlensäureblasen in der Wasserflasche, und Becher sollten nicht zu voll sein, sonst könnte das Getränk überschwappen.» Und die NZZ kommt zum Schluss: «ungewohnt ruhig».
Ich glaube es erst, wenn ich es selbst ausprobiert habe.
Schweiz · Abfuhr für Rösti
Breite Front gegen Steuerpläne für Elektroautos

E-Autos sollen gemäss Regierung Löcher in der Kasse stopfen. (Foto: Unsplash/Juice)
Verkehrsminister Albert Rösti (SVP) stösst mit seinem Vorhaben, Elektroautos ab 2030 stärker zu besteuern, auf massiven Widerstand. Der Bundesrat möchte damit drohende Löcher in der Bundeskasse stopfen: Pro E-Auto entgehen dem Bund jährlich rund 600 Franken an Mineralölsteuern. Doch die Pläne werden von fast allen Seiten zerzaust, berichtet der Blick.
Interessanterweise äussern sich der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) und der Importeurverband Auto Schweiz, den Rösti einst präsidierte, ausnahmsweise einig. Beide halten die Einführung im Jahr 2030 für verfrüht.
Während der VCS und die SP fürchten, dass höhere Kosten die Klimaziele torpedieren und den ohnehin schleppenden Verkauf bremsen könnten, fordert Auto Schweiz, erst bei einem Marktanteil von 30 Prozent über Steuern nachzudenken.
Sogar Röstis eigene Partei lehnt die neuen Abgaben ab. Einzig die Grünen unterstützen den SVP-Bundesrat für einmal: Sie verweisen auf Feinstaub durch Reifenabrieb und die Kosten der Infrastruktur, die auch von E-Autos verursacht werden.
Schweiz · Extremsport
Snowboardlegende Ueli Kestenholz tödlich verunglückt

Ueli Kestenholz liebte die Berge. Am Sonntag kam er bei einem Lawinenunglück ums Leben. (Screenshot: Watson/Michi Portmann)
Der Berner Oberländer Ueli Kestenholz ist am Sonntag bei einem Lawinenunglück im Lötschental VS ums Leben gekommen. Der Snowboardpionier wurde 50 Jahre alt. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.
Kestenholz sei weit mehr gewesen als ein Extremsportler, schreibt Watson in einem Nachruf. Er habe ein Verständnis von Freiheit gehabt, das Disziplin voraussetze, und von Abenteuer, das ohne Ernsthaftigkeit nicht zu haben sei. «In einer Zeit, in der das Extreme oft zur Attitüde verkommt, war Ueli Kestenholz eine leise, glaubwürdige Ausnahme.»
In den 1990er-Jahren verhalf Kestenholz dem Snowboarden zu weltweiter Anerkennung. Sein Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano war ein historischer Moment, der den Sport auch in der Schweiz aus der Nische ins Rampenlicht rückte.
Im selben Jahr gewann Gian Simmen Gold in der Halfpipe. Dieser sagt über seinen ehemaligen Weggefährten auf SRF: «Das Snowboard war für Ueli Kestenholz auch Lifestyle, hatte sehr viel Cooles. In erster Linie aber war es Sport, wobei man sich mit anderen messen kann.»
«Leben wir unser Leben, wie wir es wollen. Kosten wir es aus. So werden wir glücklich.»
Kestenholz galt als Freigeist, der für das Speedriding und die Berge lebte. Er wusste um die Gefahren, betonte jedoch stets seine tiefe Verbundenheit zur Natur. Erst vor wenigen Wochen erklärte er bei einer Begegnung mit der Berner Zeitung seine Leidenschaft: «Ich bin einfach so. Ich kann nicht anders. Ich bin tief in mir drin ein Extremer.»
Sein Vermächtnis ist eine Einladung zur Lebensfreude: «Leben wir unser Leben, wie wir es wollen. Kosten wir es aus. So werden wir glücklich.»
Aufgeschnappt
Hitzewelle in Australien setzt «Gärtnern des Waldes» zu

42 Grad sind für sie lebensgefährlich: Australiens Flughundbestände nehmen ab. (Screenshot: Tages-Anzeiger)
Im Südosten Australiens sind infolge einer extremen Hitzewelle tausende Graukopf-Flughunde verendet. Massenweise tote Tiere lägen auf dem Boden, schreibt der Tages-Anzeiger. Es handle sich um das schwerste Massensterben dieser geschützten Art seit dem verheerenden Sommer 2019, als auf dem Kontinent ausgedehnte Busch- und Waldbrände wüteten. Damals kamen 33 Menschen sowie geschätzt drei Milliarden Tiere ums Leben.
In den Bundesstaaten South Australia, Victoria und New South Wales kletterten die Temperaturen in den vergangenen Tagen auf über 42 Grad. Für die fliegenden Säugetiere ist diese Hitze tödlich.
Freiwillige Helfer kämpften gegen das Sterben an: Sie versuchten, entkräftete Tiere mit Wasser zu versorgen oder sie in kühlere Schattenplätze zu bringen. Dennoch gehen Forscher bereits jetzt von mehreren tausend Opfern aus.
Das Sterben der Graukopf-Flughunde ist für die Natur ein Desaster. Die Tiere gelten als «Gärtner des Waldes». Indem sie sich von Nektar und Pollen ernähren, leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Bestäubung zahlreicher Pflanzenarten. Gleichzeitig sorgen sie für die Regeneration der Vegetation, da sie durch ihren Kot Samen über weite Strecken transportieren und im gesamten Land verteilen.
Kurz-News
Entlassungen bei Globus · Die Warenhausgruppe Globus streicht an ihrem Hauptsitz in der Schweiz knapp 50 Stellen. Betroffen sind unterstützende Funktionen wie IT, Marketing, Finanzen und Einkauf, die künftig zentral von der Muttergesellschaft Central Group in Mailand gesteuert werden. Läden und Logistik seien nicht betroffen, schreibt die Handelszeitung. Ziel der Restrukturierung sei eine Senkung der Kosten, da Globus rote Zahlen schreibe.
Konto leergeräumt · Im Kanton Schwyz haben Betrüger letzte Woche einem einzelnen Opfer 250'000 Franken gestohlen. Dies berichtet Watson. Die Täter gaben sich am Telefon als Bankmitarbeitende aus und behaupteten, das Konto sei gehackt worden. Unter dem Vorwand eines Virenscans brachten sie das Opfer dazu, eine Fernwartungssoftware zu installieren. So verschafften sie sich Zugriff auf das E-Banking und räumten das Konto leer. Die Kantonspolizei warnt eindringlich vor dieser Masche und hat Ermittlungen aufgenommen.
Keine politische Werbung · Private Radio- und TV-Sender dürfen gemäss Zentralplus auch künftig keine politische Werbung ausstrahlen. Die zuständige Ständeratskommission lehnt eine entsprechende Lockerung ab und widerspricht damit dem Nationalrat. Dieser wollte die Werbung erlauben, um den Sendern neue Einnahmen zu ermöglichen. Während Online-Medien und Zeitungen politische Inserate verbreiten dürfen, bleibt das Verbot für den Rundfunk somit vorerst bestehen.
International
«Dilbert»-Schöpfer verstorben · Comic-Zeichner Scott Adams ist infolge einer Krebserkrankung im Alter von 68 Jahren in Kalifornien verstorben. Berühmt wurde er durch seine Figur «Dilbert», schreibt der Spiegel. Zuletzt hagelte es Kritik: Aufgrund rassistischer Äusserungen in seinem Video-Blog hatten zahlreiche Zeitungen Adams’ Comic abgesetzt. Trotzdem würdigte ihn US-Präsident Donald Trump auf Truth Social als einen «fantastischen Typen».
Vorwürfe gegen Sänger Iglesias · Zwei ehemalige Angestellte werfen dem spanischen Weltstar Julio Iglesias (82) sexuelle Belästigung und Missbrauch vor. Eine Haushaltshilfe und eine Physiotherapeutin berichten gemäss Nau von systematischen Übergriffen und einer Atmosphäre der Einschüchterung in seinen Anwesen. Sie haben in Spanien Anzeige wegen Menschenhandels und sexueller Gewalt erstattet. Während Iglesias zu den Vorwürfen bislang schweigt, erhält er Rückendeckung aus der spanischen Politik.
🔧 Nützliches des Tages
Dieses Bolo-Rezept ist der «Goldstandard»

Kochzeit: mindestens vier Stunden. (Foto: Unsplash/Homescreenify)
Zu den Speisen, die mich am glücklichsten machen, gehören zweifelsfrei Spaghetti Bolognese. Im Netz findet man hunderte Rezepte, und viele Autor:innen preisen ihre Variante als «beste der Welt» an.
Ich halte mich heute an jenes aus der Feder der berühmten Kochbuchautorin Marcella Hazan (1924–2013). In der New York Times sind sich über 29'000 Hobbyköchinnen und -köche einig: fünf Sterne! Hazans Bolo, schwärmt jemand, sei der «Goldstandard».
Und so geht’s:
Zwiebel in Öl und Butter glasig dünsten. Sellerie und Karotten hinzufügen und zwei Minuten mitgaren.
Hackfleisch (oder Vegihack) dazugeben, mit Salz und Pfeffer würzen.
Etwas Milch einrühren und einkochen lassen. Eine Prise Muskatnuss hinzufügen. Wein dazugeben und vollständig verkochen lassen.
Tomaten einrühren. Die Sauce dann bei kleinster Hitze ohne Deckel mindestens drei Stunden köcheln lassen. Bei Bedarf wenig Wasser hinzufügen. Am Ende sollte das Wasser verdampft sein und sich das Fett von der Sauce trennen.
Die Sauce mit den gekochten Pasta und einem Esslöffel Butter vermengen. Mit frisch geriebenem Parmesan servieren.
Jetzt muss ich nur noch schauen, ob mein Seven-Eleven-Supermarkt ums Eck die Zutaten dafür hat. Buon appetito!🍝
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



