Guten Morgen {{vorname}}
Politiker:innen, die eine Schlappe an der Urne verdauen müssen, kommen mir manchmal vor wie der Schwarze Ritter aus Monty Pythons Film Die Ritter der Kokosnuss. Nachdem König Arthur diesem in einem blutigen Schwertkampf alle vier Gliedmassen abgetrennt hat, schlägt der Schwarze Ritter ein Unentschieden vor.

Nach der Bruchlandung der Halbierungsinitiative sagte SVP-Nationalrat Thomas Matter, die SRG sei total demaskiert worden. Und SVP-Bundesrat Albert Rösti will trotz wuchtigem Nein an den SRG-Einschränkungen festhalten.

Derweil stürzt sich die SVP in den nächsten, vermutlich ebenfalls nicht sehr aussichtsreichen Kampf: Diesmal geht es gegen die 10-Millionen-Schweiz. «Ist ja bloss eine Fleischwunde!»

Schweiz · 10-Millionen-Schweiz

Bürgerliche Allianz warnt vor «Chaos-Initiative» der SVP

In knapp zehn Jahren könnten hier eine halbe Million Menschen wohnen: Zürich. (Foto: Unsplash/Andreas Slotosch)

Politik ist auch die Kunst des Schönredens. Nach dem klaren Nein zur SRG-Initiative meinte einer der lautesten SRF-Kritiker, der SVP-Nationalrat Thomas Matter, gegenüber Blue News: «Für uns ist das schön: Die SRG wurde total demaskiert.»

Und deshalb freut man sich bei der SVP wohl auch schon auf den nächsten Alleingang. In 96 Tagen, am 14. Juni nämlich – dem feministischen Streiktag übrigens –, stimmen wir über die 10-Millionen-Initiative der SVP ab. Diese verlangt, dass die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2050 unter 10 Millionen Menschen bleiben soll, notfalls mittels Kündigung des Freizügigkeitsabkommens mit der EU.

Eine breite Allianz aus Wirtschaft und bürgerlichen Parteien will dem Begehren schon früh den Wind aus den Segeln nehmen. Noch vor dem Urnengang letzten Sonntag lancierten sie mit Plakaten den Abstimmungskampf gegen die «Chaos-Initiative».

Gestern nun warnte diese Allianz vor den Medien vor den «verheerenden Folgen» der SVP-Initiative. Eine fixe Obergrenze bedrohe Wohlstand, Sicherheit und Versorgung der Schweiz. Zudem setze das Vorhaben leichtfertig die bilateralen Verträge aufs Spiel und gefährde Freihandelsabkommen. In einer unberechenbaren Welt sei die Schweiz auf stabile Beziehungen und klare Regeln angewiesen.

Der frühe Kampagnenstart zeige, wie ernst die Gegner:innen die 10-Millionen-Initiative nähmen, analysiert Watson. Zwar trete die SVP allein gegen (fast) alle anderen an, aber mit der starken Zuwanderung der letzten Jahre bewirtschafte sie ein Thema, das bei vielen Leuten Unbehagen erzeuge – wegen der Konkurrenz um knappen Wohnraum und vollen Strassen, Trams und Zügen.

Obwohl aktuelle Umfragen eine Ja-Mehrheit zeigen (45 Prozent dafür, 38 dagegen, der Rest unentschlossen), seien die Chancen für das Nein-Lager mehr als intakt, heisst es im Artikel. Der Hauptgrund: 69 Prozent der Befragten lehnen eine Kündigung der bilateralen Verträge ab.

Schweiz · SRG

Doch kein Fussball mehr im Schweizer Fernsehen?

Gucken Sportfans bald in die Röhre? (Foto: Wikimedia)

Was kümmert Bundesrat Albert Rösti das Abstimmungsresultat von vorgestern? Man weiss es nicht so recht. Sicher ist: Als SVP-Nationalrat war er für die Halbierungsinitiative, als SVP-Medienminister musste er dagegen sein.

Vielleicht ist das mit ein Grund, weshalb Rösti weiterhin an den SRG-Einschränkungen festhält – trotz deutlicher Ablehnung der SRG-Initiative durch Volk und Stände. Gemäss SRF plant der Bundesrat, den Spielraum der SRG bei Sport und Unterhaltung einzuschränken. Ab 2029 soll sich das Medienunternehmen schwergewichtig auf Inhalte konzentrieren, die Private nicht abdecken. Diese Pläne seien im Abstimmungsbüchlein transparent gemacht worden, argumentiert Rösti.

Diese Auslegung bringt die Abstimmungssieger in Rage. SP-Nationalrat Jon Pult bezeichnet das Vorgehen als «absurd»: «Nun wird das Volk bestraft, indem man der Minderheit trotzdem ein bisschen entgegenkommt, die die SRG schleifen wollte.»

Auch Sportverbände reagieren heftig. Ruedi Kunz von Swiss Top Sport sagt, man habe kein Verständnis für Sparmassnahmen beim Sport nach diesem Resultat.

Während die SVP die Diskussion über eine stärkere Rolle privater Anbieter begrüsst, warnen Mitte und FDP vor zu starren Vorgaben. FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher betont zwar die Notwendigkeit von Einsparungen, fordert aber unternehmerische Freiheit: «Letztlich werden die Generaldirektoren oder die Chefredaktoren bestimmen, was in der SRG kommt.»

Schweiz · Brandkatastrophe

Jetzt gerät auch Féraud in den Fokus der Ermittler

Walliser Behörden weiten Ermittlungen aus: Gemeindepräsident Nicolas Féraud. (Screenshot: Tages-Anzeiger)

Die Walliser Staatsanwaltschaft hat die Untersuchungen zur Brandkatastrophe in der Bar Constellation ausgeweitet. Neu wird auch der Gemeindepräsident von Crans-Montana VS, Nicolas Féraud, als Beschuldigter geführt. Für den Blick ist deshalb schon jetzt klar: «Der Dorfkönig muss abdanken!»

Insgesamt werde nun gegen neun Personen wegen fahrlässiger Brandstiftung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger schwerer Körperverletzung ermittelt, berichtet der Tages-Anzeiger.

Zentral für das Verfahren ist auch die Herkunft des Akustikschaumstoffs, an dem das Feuer in der Bar ausbrach. Miteigentümer Jacques Moretti reichte kürzlich eine Rechnung einer ostdeutschen Firma ein, laut der das Material als «nicht brennbar» beworben wurde. Die Behörden haben ein internationales Rechtshilfeersuchen gestellt, um die Materialeigenschaften zu klären.

Derweil ermittelt gemäss der SonntagsZeitung das Fedpol gegen die Morettis wegen Geldwäscherei und eines mutmasslichen Schneeballsystems. Jacques Moretti, bereits in Frankreich wegen Betrugs und Zuhälterei vorbestraft, soll Millionen von Banken und Versicherungen durch gefälschte Dokumente und fingierte Brände erschlichen haben, um ein fiktives Gastro-Imperium zu finanzieren. Wie immer gilt: die Unschuldsvermutung.

🍄 Zahl des Tages

Mar10

It’s-a me, Mario! (Screenshot: Mario Run)

926 Millionen Mal schon wurde ein Game aus dem Mario-Universum verkauft. Seit den 80ern gehören der Klempner und seine Kolleg:innen zu den berühmtesten und erfolgreichsten Videospielcharakteren der Welt.

Und heute wird Mario gefeiert. Weshalb gerade heute, fragst du dich? Es ist Mario-Tag! Eigentlich logisch: 10. März = Mar10.

Auf jeden Fall hängt Nintendo mit Mario alle anderen Hersteller ab. Die zweiterfolgreichste Franchise Pokémon kommt nur auf 480 Millionen verkaufte Exemplare.

Ich persönlich habe ein zwiespältiges Verhältnis zu Mario und Co. Das hat mit Bananen und dem sogenannten Stachi-Panzer zu tun. Stets, wenn ich bei Mario Kart mal in Führung liege, fliegt mir so ein Item um die Ohren – und ich verliere kurz vor der Ziellinie. Das war in der Studi-WG so. Und heute bei gelegentlichen Rennen gegen die Kids von Freunden ist es immer noch so.

Wenn dich Games kaltlassen, du am Mario-Tag aber trotzdem mal das Kult-Figürli über Plattformen hüpfen lassen möchtest, gibt es fürs Smartphone die simple App Mario Run. Die ersten Levels lassen sich gratis spielen: «Let's-a go!»

Kurz-News

Lehren aus CS-Untergang · Drei Jahre nach dem Aus der Credit Suisse fordert Finma-Präsidentin Marlene Amstad schärfere Regeln für Banken. Nicht nur Kapital und Liquidität seien entscheidend, sondern die Unternehmenskultur: «Schwächen zeigen sich in Risikokultur und Governance, bevor es zum Problem kommt.» Amstad verlangt gemäss Nau eine Bussenkompetenz für die Finma sowie klare Verantwortlichkeiten für Bankmanager:innen, um präventiv gegen zukünftige Krisen vorzugehen.

Handyverbot für Kinder · Die Mitte-Nationalrät:innen Regina Durrer und Giorgio Fonio reichen heute einen Vorstoss ein, in dem sie ein Smartphone-Verbot für Kinder unter zwölf Jahren fordern. Ziel sei der Schutz vor Schlafstörungen und Konzentrationsmangel, heisst es im Blick. «Wir wollen die Kinder vor den schädlichen Folgen schützen», sagt Durrer im Artikel. Ein gesetzliches Verbot soll zudem Eltern bei der Erziehung entlasten.

Office World schliesst Filialen · Der Bürobedarf-Händler Office World stellt bis Frühling 2027 seinen stationären Handel komplett ein und entlässt 45 Mitarbeitende. Grund sei das veränderte Kaufverhalten, schreibt Watson: Kunden bestellen Büroartikel zunehmend online. «Längerfristig weisen Ausgaben und Einnahmen im stationären Geschäft schlicht kein gesundes Verhältnis mehr auf», sagt Filialleiter Dominik Engeler.

International

Trump droht Iran · US-Präsident Trump warnt den Iran vor einer Blockade der Strasse von Hormus. Sollte der Ölfluss gestört werden, schlage die USA «20mal härter» zurück als bisher. Rund 20 Prozent des weltweiten Öls passieren die Meerenge; Trump drohte gemäss BBC mit der Zerstörung strategischer Ziele: «Tod, Feuer und Zorn werden über sie hereinbrechen – aber ich hoffe und bete, dass es nicht dazu kommt!»

Mehr Rechte für Frauen · Die USA sind bei der 70. Sitzung der Uno-Frauenrechtskommission mit dem Versuch gescheitert, eine gemeinsame Erklärung zu Frauenrechten zu blockieren. 37 von 44 Staaten stimmten gemäss Spiegel für den Text, der den Zugang zur Justiz und den Abbau diskriminierender Gesetze stärkt. Der US-Vertreter kritisierte eine «Gender-Ideologie». SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider sprach von einem wichtigen Zeichen, das man habe senden können.

🥔 Nützliches des Tages

Rösti

Ceci n'est pas une Bratwurst. (Screenshot: Gault Millau/Sam Müller)

Am Wochenende soll das Winterwetter zurückkommen. Wer die Grillsaison noch nicht eröffnet hat, muss sich also nochmals gedulden. Sehen wir es positiv: Nasskalte Tage sind unter anderem dafür da, um sie in der Küche zu verbringen. Mit dem Raffeln von Kartoffeln zum Beispiel. Was gibt es Besseres und Schöneres als Rösti mit Spiegelei?

Wenn du zu träge fürs Kochen bist oder – wie ich – im Laden nie weisst, welche Kartoffelsorte du kaufen musst, kannst du natürlich auch ins Restaurant. Zum Beispiel nach Bangerten BE in den Löwen. Dort tischt Julia Pfäffli eine Rösti auf, die den Testesser von Gault Millau ins Schwärmen bringt. Ein Gedicht sei die Rösti, ein Hochgenuss für die Seele, schreibt der Kollege und krönt Köchin Pfäffli kurzerhand zur Rösti-Königin.

Gluschtig geworden? Es geht wirklich ganz einfach. Zum Beispiel mit diesem Rezept von Kartoffel.ch.

PS: Für jeden Tipp, wie man den delikaten Fladen in der Pfanne wendet, bin ich sehr dankbar. 🍳

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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