Guten Morgen {{vorname}}
Weisst du noch, was du am 20. März 2020 um 12.30 Uhr gemacht hast? Vielleicht hast du dein Homeoffice gelüftet und dem Pflegepersonal applaudiert. Dieses hatte damals, mitten in der Coronakrise, alle Hände voll zu tun.
In einem Punkt herrschte eine gewisse Einigkeit: Die Arbeitsbedingungen für Menschen, die sich um andere Menschen kümmern, müssen besser werden. Die Pflegeinitiative wurde etwas mehr als ein Jahr später mit satten 61 Prozent angenommen.
Jetzt, da es um die Umsetzung geht, ist es vorbei mit der Solidarität. Zu teuer seien die vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen, finden die Bürgerlichen im Parlament.
Schweiz · Pflegekrise
Bürgerliche Mehrheit lehnt bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege ab

Pflegende fordern bessere Arbeitsbedingungen – und mehr Respekt. (Screenshot: SRF/Peter Schneider)
Der Nationalrat hat die bundesrätliche Vorlage zur Pflegeinitiative zerzaust. Eine bürgerliche Mehrheit strich gemäss SRF zentrale Verbesserungen wie die Reduktion der Wochenarbeitszeit – aus Kostengründen. Die SVP kritisierte den Entwurf als «gut gemeint, aber nicht gut gemacht».
«Nichts zu unternehmen, kommt das Gesundheitssystem noch teurer zu stehen», warnte Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (SP) vergeblich. GLP-Nationalrat Patrick Hässig meinte zum Entscheid: «Schlicht ungenügend.»
Es gehe darum, eine finanzierbare Regelung zu finden, verteidigt sich FDP-Nationalrätin Regine Sauter im Gespräch mit SRF. Der Bundesrat gehe mit seinen Forderungen zu weit und belaste Prämienzahler:innen sowie Spitäler.
Laut der Präsidentin des Spitalverbandes H+ müsse man gemeinschaftlich Arbeitszeitmodelle aushandeln, die die Zufriedenheit der Pflegenden fördern, statt starre Gesetze zu erlassen.
Obwohl der Pflegenotstand real ist, warnt Sauter vor einer einseitigen Besserstellung. Man müsse Lösungen suchen, «die beiden Seiten Rechnung tragen», um die Gesundheitsversorgung nachhaltig und bezahlbar zu sichern.
Als Nächstes befasst sich der Ständerat mit der Vorlage. Dieser müsse dringend «nachbessern», schreibt der Pflegeverband in einer Stellungnahme.
Schweiz · G7-Gipfel
Frankreich lässt Schweiz auf Millionenkosten sitzen

Macron holt im Juni Trump an den Genfersee. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Aaron Schwartz)
Der bevorstehende G7-Gipfel in Evian sorgt für einen diplomatischen Zwist zwischen der Schweiz und Frankreich. Während Präsident Emmanuel Macron im Juni internationale Staatschefs wie Donald Trump empfängt, bleibt die Schweiz auf den Sicherheitskosten sitzen.
Dass unser Nachbar eine finanzielle Beteiligung ablehnt, sorgt am Genfersee für reichlich Empörung. «Frankreich spart auf dem Rücken der Schweiz», sagt der Genfer Ständerat Mauro Poggia im Tages-Anzeiger.
Für die Dauer des Gipfels hat der Bundesrat den Einsatz von bis zu 5000 Soldaten bewilligt. Laut offizieller Botschaft gehen die Vorkehrungen «über die üblichen Standards für diese Art von Ereignissen hinaus». Erstmals setzt die Armee ein neues Drohnenabwehrsystem ein, um potenzielle Gefahren wie Spionage oder Destabilisierungsaktionen abzuwehren. Die Kosten werden auf mindestens 20 Millionen Franken geschätzt.
Zusätzlich erhitzt ein drohendes Demonstrationsverbot in Genf die Gemüter. Während Wirtschaftsverbände vor Ausschreitungen wie im Jahr 2003 warnen, als schon einmal ein G7-Gipfel in Evian stattfand, halten Politiker:innen dagegen. So sagt etwa die Grünen-Nationalrätin Delphine Klopfenstein Broggini: «Die Demonstrationen von 2003 waren in erster Linie friedlich. Ich habe zusammen mit 80'000 Menschen daran teilgenommen – und ich wehre mich dagegen, dass diese Proteste im Nachhinein kriminalisiert werden.»
Schweiz · Finanzplatz
Finanzministerin warnt vor UBS-Lobbying im Bundeshaus

Bundesrätin Karin Keller-Sutter spricht Klartext. (Screenshot: Blick/Keystone)
Finanzministerin Karin Keller-Sutter (FDP) kritisiert die UBS und äussert die Befürchtung, dass Parlamentarier:innen aus Angst vor gestrichenen Parteispenden vor der Grossbank einknicken. Die Bank versuche, eine strengere Regulierung durch Lobbying zu verhindern, sagte die Bundesrätin im Blick. «Es entspricht nicht dem gängigen Stil, dass man so dezidiert gegen unsere Institutionen antritt.»
Sie höre von Parlamentarier:innen, so Keller-Sutter, die fürchteten, dass die UBS die Zuwendungen an ihre Partei reduzieren könnte. Allein im Jahr 2025 flossen rund 1,2 Millionen Franken an bürgerliche Parteien wie SVP, FDP und Mitte. Während die Linke von «Gift für unsere Demokratie» spricht, weist das bürgerliche Lager die Vorwürfe zurück.
Die Grossbank selbst schweigt bisher zu den Vorwürfen. CEO Sergio Ermotti und Präsident Colm Kelleher lehnten Stellungnahmen ab. Nächste Woche könnten Ermotti und Keller-Sutter beim St. Galler Symposium erstmals seit Monaten wieder direkt aufeinandertreffen.
🍄🟫 Aufgeschnappt
Ex-Finanzkontrolleur weibelt für «Pilzli» und LSD

Auf Aufklärungstour im Jura: Michel Huissoud. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Clara Neugebauer)
Michel Huissoud, der ehemalige Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle, sorgt nach seiner Pensionierung für Aufsehen. Der einstige «Sheriff von Bern», der jahrzehntelang unerbittlich die Staatsfinanzen prüfte, tourt heute als Drogenaktivist mit seinem «Bus Champignon» durch die Schweiz. Sein Ziel: die Legalisierung und Entkriminalisierung von Substanzen wie LSD, MDMA und Psilocybin.
Auslöser für diesen Wandel war eine persönliche Erfahrung, schreibt der Tages-Anzeiger. Huissoud nahm unter professioneller Aufsicht LSD und zeigt sich nachhaltig beeindruckt: «Es war wunderschön.» Heute setzt er sich gemeinsam mit dem Psychedelischen Verein Schweiz für eine «Magic Evolution» ein.
Huissoud verweist auf Berichte des Bundesamts für Gesundheit, wonach das Risiko dieser Stoffe geringer eingestuft wird als das von Alkohol oder Tabak. «Es ist ein Unsinn, dass diese Substanzen illegal sind», sagt Huissoud. Besonderes Augenmerk legt er auf das therapeutische Potenzial bei Depressionen oder Traumata.
Für Huissoud ist die Tour «pour la bonne cause» – eine Mission für den guten Zweck also. Und für wann ist der nächste Trip geplant, will der Journalist wissen? «Wohl nicht so bald», sagt Huissoud. «Erst dann, wenn ich Lust dazu habe. Und Zeit.»
Kurz-News
Maulwurf im Fedpol · In einem seltenen Kriminalfall wurde ein Mitarbeiter des Fedpol wegen mutmasslicher Bestechung verhaftet. Er soll vertrauliche Informationen gegen Geld an das Drogenmilieu weitergegeben haben, berichtet das Echo der Zeit. Direktorin Eva Wildi-Cortés zeigt sich tief betroffen: «Kriminelle Organisationen können sogar die Polizei unterwandern.» Der Verdächtige arbeitete beim Bundessicherheitsdienst und wurde sofort freigestellt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Reiche Schweiz · Das Schweizer Haushaltsvermögen hat 2025 erstmals die Grenze von fünf Billionen Franken überschritten, heisst es bei Nau. Laut Nationalbank stieg das Reinvermögen um 4,6 Prozent auf 5132 Milliarden Franken. Haupttreiber waren höhere Immobilienpreise und Gewinne an den Börsen. Auch die Schulden, vor allem Hypotheken, nahmen auf 1070 Milliarden zu. Dennoch bleibt die Bilanz positiv: In den letzten 25 Jahren hat sich das Reinvermögen unter dem Strich verdoppelt.
Kein volles Ständerecht · Basel-Stadt und Basel-Landschaft bleiben im helvetischen Machtgefüge «halbe Portionen», berichtet die NZZ. Der Nationalrat hat eine Standesinitiative zur Aufwertung der beiden Kantone deutlich abgelehnt. Damit erhalten sie weiterhin weder einen zweiten Sitz im Ständerat noch eine ganze Standesstimme. Mitte-Nationalrat Gerhard Pfister nannte das Begehren ein «Perpetuum mobile der Vergeblichkeit», da eine solche Änderung wohl kaum eine Mehrheit in Volk und Ständen fände.
International
The King's Speech · König Charles III. hat vor dem US-Kongress eindringlich zur Einheit des Westens aufgerufen, schreibt die deutsche Tagesschau. Angesichts der Spannungen im Iran-Konflikt betonte er die Bedeutung der Nato: Kein Land könne Herausforderungen «alleine bewältigen». Ohne Donald Trump direkt zu nennen, widersprach er dessen Nato-Kritik und mahnte zum Klimaschutz. Trump lobte den Auftritt dennoch als «grossartige Rede». Es war die erste royale Ansprache vor dem Kongress seit 1991.
Emirate verlassen Ölkartell · Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verlassen gemäss New York Times das Ölkartell OPEC. Dieser Schritt schwächt den Einfluss der Organisation, da die Emirate zu den weltweit grössten Produzenten zählen. Die Regierung begründet den Austritt mit den starren Förderquoten, die eigene Exporte unfair einschränkten. Inmitten regionaler Spannungen wollen die VAE künftig eigenständig über Fördermengen entscheiden, um ihre nationalen Interessen besser zu wahren.
Nützliches des Tages
Rumantsch

Verstehen jetzt ihre Kollegen in der Surselva: Steinböcke auf dem Col du Jorat. (Foto: Unsplash/Ruben Vermeulen)
Wenn Politiker:innen besonders feierlich klingen wollen, wechseln sie in ihren Ansprachen oft für ein Sätzchen ins Rätoromanische. Künftig können sie dafür auf ein ausserordentlich nützliches Tool zurückgreifen, das Forschende der Uni Zürich entwickelt haben. Das KI-Übersetzungsmodell Alas beherrscht alle fünf rätoromanischen Idiome sowie die Schriftsprache Rumantsch Grischun.
Das Programm schliesse damit eine bedeutende Lücke, da herkömmliche Systeme wie ChatGPT bisher vor allem an der regionalen Vielfalt der Sprache scheiterten, berichtet Inside IT. Die Vielfalt aus Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Puter und Vallader stelle für die Informatik eine enorme Herausforderung dar.
«Alas» wurde gezielt mit Daten von RTR, Zeitungen und Schulbüchern trainiert. Jannis Vamvas von der Uni Zürich: «Am Anfang brachte das KI-Modell die Idiome noch durcheinander, doch im Lauf des Trainings wurde es immer besser darin, sie auseinanderzuhalten.»
PS: Ein nützliches Tool, um in fast alle anderen Sprachen zu übersetzen, ist DeepL.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Grazia fitg per la lectura.
E fin damaun, sche ti vuls.
Peter
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