Guten Morgen {{vorname}}
«Alles. Und noch mehr.» So lautet ein Slogan des Flughafens Zürich. Müsste man eigentlich verbieten. Es handelt sich dabei nämlich um eine kapitalistische Formel, also um Politik.
Unsinn, sagst du? Am kleinen Flughafen in Bern-Belp sind sie da anderer Meinung. Dort liess der Direktor einen Social-Media-Post zum Pride-Monat löschen, in dem es hiess: «Flieg, wie du bist.»
Alles ist politisch, heisst es zwar – Empathie sollte es nicht sein.
Schweiz · Freihandelsabkommen
Bauern fordern 880 Millionen für Mercosur-Deal

Geld oder Referendum: Bauernpräsident Markus Ritter. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Jürg Candrian/Boris Müller/Moritz Hager)
In Bundesbern eskaliert der Streit um das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. Bauernpräsident Markus Ritter (Mitte) fordert zusätzliche Subventionen in Höhe von 880 Millionen Franken über acht Jahre. Ohne diese Finanzspritze droht sein Verband mit dem Referendum, was den Deal an der Urne zu Fall bringen könnte.
Ritter bezeichnete die Pläne von Bundesrat Guy Parmelin (SVP) als «Provokation». Die Bauern befürchten durch billige Importe von Fleisch und Wein jährliche Einbussen von bis zu 115 Millionen Franken. Bauernverbands-Direktor Martin Rufer sagt im Tages-Anzeiger: «Das Abkommen mit den Mercosur-Staaten hat eine neue Dimension. Daher sind auch zum ersten Mal Begleitmassnahmen nötig.»
«Die Forderungen sind völlig überrissen.»
Wirtschaftsvertreter:innen und bürgerliche Parteien reagieren mit Unverständnis. GLP-Präsident Jürg Grossen bezeichnete das Vorgehen als «Erpressung» und «schamlos». Die Forderungen seien völlig «überrissen», da die Landwirtschaft bereits bei anderen Sparpaketen geschont wurde.
Aber auch von links gerät das Abkommen unter Druck. Die SP verlangt strengere Umweltauflagen und die Übernahme der EU-Entwaldungsverordnung. «Bei Entwaldung und Zwangsarbeit muss nachgebessert werden», sagt etwa SP-Nationalrat Jon Pult.
Damit das Prestigeprojekt von Guy Parmelin nicht scheitert, wird im Bundeshaus nun händeringend nach einem Kompromiss zwischen Agrarsubventionen und Umweltschutz gesucht.
Schweiz · USA
Trump droht schon wieder mit Zöllen

Will auch mehr Geld: US-Präsident Donald J. Trump. (Foto: Unsplash/Dave Lowe)
«Nach den Zöllen ist vor den Zöllen», schreibt die NZZ. Die Rede ist – natürlich – von US-Präsident Donald Trump. Der droht der Schweiz mit neuen Einfuhrzöllen von 12,5 Prozent. Nachdem das Oberste Gericht der USA Trumps frühere Zölle für illegal erklärt hatte, baut das Weisse Haus nun eine neue Drohkulisse auf.
Der offizielle Grund für die Strafzölle ist der Vorwurf der Zwangsarbeit. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer wirft insgesamt 60 Handelspartnern vor, Importgüter nicht ausreichend zu prüfen. Das «Versagen» der Partner sei «inakzeptabel».
Die EU kommt mit zehn Prozent glimpflicher davon, weil sie bereits Importverbote für solche Güter besitzt oder plant.
Die Abgaben treten nicht sofort in Kraft. Die betroffenen Staaten haben einen Monat Zeit für eine Stellungnahme. Aus Sicht von Trump drängt die Zeit, da temporäre Übergangszölle Ende Juli auslaufen.
Was tut unsere Regierung? Gespräche führen, wie der Blick aus «zuverlässigen Quellen» erfahren haben will. So sei am Rande des OECD-Ministertreffens in Paris ein direktes Gespräch zwischen Bundesrat Guy Parmelin (SVP) und dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer geplant.
Schweiz · 🏳️🌈
Flughafenchef lässt Social-Media-Beitrag löschen

Will man nicht in Bern: Regenbogenpiste. (Screenshot: Berner Zeitung/Instagram/Flughafen Bern-Belp)
Beginnen wir mit einem kleinen Quiz: Handelt es sich bei folgenden Zeilen um Politik – oder Empathie?
«Am Bern Airport fliegen wir auf Vielfalt. Egal welche Herkunft, welche Hautfarbe, wen du liebst, welche Identität. Bei uns hat jeder Mensch seinen Platz. Ihr macht unseren Flughafen erst lebendig. Flieg, wie du bist.»
Für den Flughafenchef Urs Ryf ist die Antwort klar: Politik. Nachdem ein Social-Media-Post zum Pride-Monat für Turbulenzen gesorgt hatte, liess er den Beitrag kurzerhand löschen. «Wir wollen keine politischen Statements abgeben», sagt er in der Berner Zeitung.
Das hochgeladene KI-Bild zeigte die Startbahn des Flughafens Bern-Belp in Regenbogenfarben. Der Social-Media-Manager habe das Bild ohne Absprache veröffentlicht, sagt Ryf. Interne Konsequenzen gebe es nicht, das Ziel sei es nun, «die internen Abläufe zu verbessern und solche Missverständnisse künftig zu vermeiden».
Der Post hatte im Netz eine Debatte ausgelöst. Neben viel Zustimmung mit rund 1000 Likes gab es auch Kritik. Einige Kommentatoren stuften die Aktion als «ideologischen Schwachsinn» ein. Einer schrieb: «Der Regenbogen ist ein Naturphänomen und kein politisches Statement.»
Was soll man da noch sagen? Vielleicht: Bälpmoos, Bälpmoos, schpick mi furt vo hie!
Good News 🎆
Schluss mit Böllern

Freut sich: Katze. (Foto: Unsplash/Loan)
Ich besitze weder ein Büsi noch einen Fido. Tiere mag ich trotzdem sehr, besonders Vögel. Deshalb ärgere ich mich immer, wenn irgendwelche Leute gedankenlos rumböllern. Für Tierfreund:innen ist der 1. August kein Feiertag.
Die gute Nachricht: Knallendes Feuerwerk wird in der Schweiz verboten. Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat einer entsprechenden Änderung des Sprengstoffgesetzes zugestimmt, berichtet SRF.
Die Gesetzesänderung dient als indirekter Gegenvorschlag zur Feuerwerksinitiative, die in der Bevölkerung grossen Rückhalt geniesst.
Künftig sind Feuerwerkskörper, die ausschliesslich der Knallerzeugung dienen, schweizweit untersagt. Zudem wird die zollfreie Einfuhr von Kleinfeuerwerk wie Wunderkerzen oder Tischbomben auf 2,5 Kilogramm pro Tag und Person beschränkt. Für grössere, gefährlichere Pyrotechnik ist künftig eine Bewilligung nötig.
Feuerwerke mit rein optischen Effekten sowie Vulkane bleiben weiterhin erlaubt, da sie eine geringe Gefahr darstellen und kaum Lärm erzeugen. Auch das traditionelle 1.-August-Feuerwerk ist nicht gefährdet: Die Kantone und Gemeinden behalten die Autonomie, das Abbrennen für Festbräuche zu erlauben oder zeitlich einzuschränken.
Bundesrat Albert Rösti (SVP) plädierte in der Debatte für Augenmass: «Dieses Stück Kultur sollten wir uns nicht entgehen lassen.» Zieht das Initiativkomitee das Begehren nun zurück, treten die neuen Regeln in Kraft. Andernfalls entscheidet das Volk an der Urne über noch strengere Verbote.
Kurz-News
Féraud schliesst Rücktritt aus · Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS bricht Gemeindepräsident Nicolas Féraud sein Schweigen. Einen Rücktritt schliesst er im Lokal-TV Canal 9 aus: «Aufzugeben wäre Feigheit.» Vorwürfe einer illegalen Absprache mit einem Mitbeschuldigten nach seiner zwölfstündigen Justiz-Vernehmung wies er als «normalen Akt der Freundschaft» zurück. Trotz drohender Millionenkosten und eines langen Zivilverfahrens seien keine Steuererhöhungen geplant, berichtet SRF.
Zoo will weiter Elefanten züchten · Der Zoo Zürich hält trotz des jüngsten Todesfalls an der Elefantenzucht fest. Ein am Montag geborenes Kalb musste wegen einer Beinfehlbildung eingeschläfert werden. Laut Zoodirektor Severin Dressen hatte der Vorfall nichts mit der Haltung zu tun: Es sei ein frustrierender Einzelfall ohne kausalen Zusammenhang. Von acht Geburten verliefen vier negativ. Tierschützer:innen fordern wegen der Misserfolge erneut einen sofortigen Zuchtstopp im Zoo, schreibt die SDA, nachzulesen bei Watson.
Herzog kritisiert Jositsch · Die Basler SP-Ständerätin Eva Herzog kritisiert ihren Ratskollegen Daniel Jositsch und weist dessen Attacken gegen die Parteispitze zurück. Jositsch habe ein persönliches Problem mit der Kantonalpartei, sagt sie im Tages-Anzeiger. Seine Behauptung, sozialliberale Positionen hätten keinen Platz mehr, sei «dreist», «falsch» und «anmassend».
International
Niederlage für Trump · Das US-Repräsentantenhaus will die Kriegsvollmachten von Präsident Donald Trump einschränken. Die grosse Kammer verabschiedete mit 215 zu 208 Stimmen eine Resolution für den Abzug des US-Militärs aus den Kampfhandlungen mit dem Iran. Vier Republikaner stimmten gemäss SRF mit den Demokraten. Trump hatte den Iran im Februar eigenmächtig angegriffen.
Kim Jong-un will mehr Bomben · Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un fordert einen Ausbau des Atomwaffenvorrats. Die Produktion von nuklearem Material solle «exponentiell» steigen, verlangte Kim beim Besuch einer neuen Anlage. Die Kapazitäten seien bereits in den letzten fünf Jahren verdoppelt worden, schreibt der Tages-Anzeiger. Trotz Sanktionen setzt das Land auf nukleare Aufrüstung. Pjöngjang nennt das Arsenal Selbstverteidigung, während die USA, Südkorea und Japan es als direkte Bedrohung sehen.
🐐 Nützliches des Tages
Heidi

Legendär: Heidi. (Screenshot: SRF/Studio 100 International)
Vermutlich sah ich Heidi das erste Mal im Wohnzimmer der Grosseltern in Bümpliz. Was ich damals nicht wusste: Der Erfinder dieser ikonischen Heidi-Figur war der geniale japanische Animationsfilmer Isao Takahata.
Das Lausanner Museum mudac widmet dem 2018 verstorbenen Mitbegründer des legendären Studio Ghibli eine Ausstellung (bis 27. 9.). Die Werkschau lege ein besonderes Augenmerk auf seine Verbindung zur Schweiz, schreibt SRF.
Takahatas Anime-Serie Heidi machte die Schweizer Geschichte ab 1974 in Japan populär und löste einen regelrechten Tourismusboom aus. Mudac-Direktor Marco Costantini sagt: «Mich hat interessiert, wie ein Japaner ausgerechnet auf eine Schweizer Geschichte kommt und wie der Blick des japanischen Animationsfilms auf die Schweiz aussieht.»
Da Takahata selbst nicht zeichnete, spiegeln die Exponate vor allem die Kunst seiner talentierten Weggefährten wider. Die Ausstellung zeigt neben riesigen Filmlandschaften und Drehbüchern auch originale Handzeichnungen von Studio-Ghibli-Mitgründer Hayao Miyazaki aus gemeinsamen Recherchen im Bündnerland. Am Ende des Rundgangs ist zudem Takahatas Goldener Leopard zu sehen, den er 2009 in Locarno für sein Lebenswerk erhielt.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Peter
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