Guten Morgen {{vorname}}
SVP-Präsident Marcel Dettling ist ein belesener Mann. Johanna Spyris «Heidi» hat er zum Beispiel intus: Stadt böse, Land gut. Nachdem die Stimmbevölkerung am Sonntag Nein gesagt hatte zur 10-Millionen-Initiative seiner Partei, jammerte Dettling in der SRF-Präsidentenrunde: «Das Land wurde überfahren von den Schweizer Städten.»
Natürlich gönne ich Dettling seine Meinung. Sonst gönnt man sich ja kaum mehr was in diesem Land. Im Kanton Bern lehnte eine Mehrheit einen Kredit fürs Kunsthaus ab, der Kanton Zürich sagte Nein zu einer Besserstellung der Mieter:innen. In beiden Fällen hätte man auch sagen können: «Die Schweizer Städte wurden überfahren vom Land.»
Schweiz · 🌃-🚜-Graben
Matcha Latte vs Kafi Luz

Lieber Park statt Graben: Bern. (Foto: Unsplash/Omar M.)
In Unteriberg SZ sagten 91 Prozent der Stimmberechtigten Ja zur 10-Millionen-Initiative der SVP. In der Stadt Bern waren es gerade mal 16 Prozent. Kein Wunder, reden jetzt wieder alle vom Stadt-Land-Graben. Im Tages-Anzeiger sagt die Politologin und Bauerntochter Rahel Freiburghaus: «Stadt und Land sind im Deutungskampf, wer die ‹echte Schweiz› verkörpert.»
Dass es diesen Graben tatsächlich gibt, zeigt ein Blick auf die Abstimmungskarte. Sie offenbart grosse Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Regionen. Während zum Beispiel die Kleinstadt Zofingen AG die Vorlage deutlich ablehnte, stimmte das direkt angrenzende Uerkheim AG mit über 70 Prozent Ja.
«Wenn ich aus der Stadt zu meinen Eltern fahre, merke ich beinahe physisch, wie sich die Atmosphäre ändert.»
Für Freiburghaus ist das Auseinanderdriften ein Zeichen für tiefere Spannungen. Wer einen höheren Bildungsabschluss habe und progressiv eingestellt sei, ziehe eher in die Stadt. «Dies ergibt eine selbstverstärkende Dynamik.» Freiburghaus spricht aus eigener Erfahrung: Wenn sie aus der Stadt zu ihren Eltern fahre, merke sie «beinahe physisch, wie sich die Atmosphäre ändert». Sie spreche dann anders, fahre anders als in der Stadt nicht Velo, trinke frühmorgens keinen Matcha Latte.
Besonders bei den anstehenden EU-Verträgen könnte dieser Graben zur Zerreissprobe werden. Falls die Verträge am Ständemehr scheitern oder ein einfaches Volksmehr ohne Kantonsmehr reicht, werden sehr schwierige Diskussionen folgen, sagt Freiburghaus. Gemäss einer neuen Tamedia-Umfrage befürworten derzeit 46 Prozent das EU-Paket, 40 Prozent sind dagegen.
Um die Spaltung zu überwinden, brauche es Berührungspunkte abseits von Social Media. Als sie jüngst in ihrer Heimat Mühleberg BE einen Vortrag hielt, hätten sich die Leute aufrichtig für ihr Leben in der Stadt und ihre Arbeit an der Uni interessiert. Gleichzeitig, sagt Freiburghaus, würde es vielen Städter:innen guttun, sich einmal unvoreingenommen mit Landwirt:innen zu unterhalten.
Schweiz · Energiewende
Nationalrat stoppt Röstis AKW-Pläne – vorerst

Das Ringen ums AKW-Verbot geht weiter. (Screenshot: NZZ/Bruno Kissling/CH Media)
Das AKW-Neubauverbot in der Schweiz bleibt vorläufig bestehen. Nach einer über neunstündigen Debatte hat der Nationalrat den indirekten Gegenvorschlag zur «Blackoutinitiative» äusserst knapp an den Bundesrat zurückgewiesen. berichtet die NZZ. Mit nur drei Stimmen Unterschied verhinderte eine hauchdünne Mehrheit, dass das Verbot kippt.
Entscheidend war das Stimmverhalten der Mitte, die den Atomausstieg unter ihrer Bundesrätin Doris Leuthard einst initiiert hatte. Zwar liebäugelten Teile der Fraktion mit einer Aufhebung, doch am Ende forderten die Finanzpolitiker:innen der Partei zuerst Klarheit über die Kosten. Nun muss der Bundesrat die Vorlage überarbeiten und klären, wie ein neues AKW überhaupt finanziert werden soll.
Für Energieminister Albert Rösti ist das Resultat ein herber Rückschlag. Er hatte in einer emotionalen Brandrede vergeblich vor künftigen Engpässen gewarnt: «Wie, um Gottes willen, sollen wir die Versorgungssicherheit im Winter sicherstellen?»
Bereits heute muss sich der Ständerat zum weiteren Vorgehen positionieren. Auch in der kleinen Kammer wird das Schicksal der Vorlage massgeblich vom Stimmverhalten der Mitte-Vertreter:innen abhängen. Lehnt der Ständerat den Rückweisungsantrag ab, geht das Geschäft zurück in den Nationalrat.
Schweiz · Cyberangriff
VBS untersucht Lösegeldzahlung der Ruag

Hacker drohten, Ruag-Daten im Darknet zu veröffentlichen. (Foto: Glen Carrie)
Der Cyberangriff auf eine US-Tochterfirma des Schweizer Rüstungskonzerns Ruag und die anschliessende Lösegeldzahlung werden vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung (VBS) untersucht. Wie der Bundesrat in einer Antwort an sieben Nationalräte bekannt gab, werden die Umstände des Vorfalls derzeit analysiert. Die parlamentarischen Aufsichtskommissionen sollen anschliessend über die Erkenntnisse informiert werden, heisst es beim SRF.
Die Hackergruppe «Akira» hatte im vergangenen Herbst die IT-Systeme der Ruag LLC im US-Bundesstaat Virginia angegriffen und Daten gestohlen. Um eine Veröffentlichung im Darknet zu verhindern, zahlte das Rüstungsunternehmen den Kriminellen «einen kleinen Betrag», wie Verwaltungsratspräsident Jürg Rötheli vor einer Woche öffentlich machte. Eine genaue Summe nannte er nicht, betonte aber: Das Unternehmen habe so alle Daten zurückerhalten.
Das VBS wurde vorab nicht über die Zahlung informiert. Der Vorfall widerspricht der offiziellen Linie des Bundes. Der Bundesrat betonte, dass er an der Empfehlung des Bundesamtes für Cybersicherheit festhalte, bei einem Vorfall mit Ransomware Lösegeldforderungen nicht nachzukommen. Solche Gelder würden kriminelle Aktivitäten finanzieren. Die betroffene US-Tochtergesellschaft liefert Ersatzteile für Kampfflugzeuge, verfügt laut Ruag jedoch über eigenständige IT-Systeme.
Zahl des Tages
55:26 Minuten

Jonathan Schmid meisterte die längste Treppe der Welt in Rekordzeit. (Foto: Niesenbahn AG)
Jonathan Schmid aus Adelboden BE hat beim 23. Niesen-Treppenlauf einen Streckenrekord aufgestellt. Der Berner Oberländer bezwang die längste Treppe der Welt – mit 11'674 Stufen und 1700 Höhenmetern – in der Rekordzeit von 55:26 Minuten. Damit unterbot er die 15 Jahre alte Bestmarke des Waadtländers Emmanuel Vaudan um 29 Sekunden.
«Die Bedingungen waren ideal und ich habe im letzten Abschnitt gemerkt, dass es zeitlich für den Rekord reichen könnte», sagte Schmid nach seinem Triumph auf der 3,5 Kilometer langen Strecke gemäss SDA (chez Watson).
Erst mehr als acht Minuten nach Schmid erreichte der britische Olympiasieger Alistair Brownlee als Zweiter den Gipfel auf 2362 Metern über Meer. Insgesamt nahmen 482 Läufer:innen aus 38 Nationen an dem Extremrennen auf der Servicetreppe der Niesenbahn teil, die sonst für die Öffentlichkeit gesperrt ist.
PS: Unklar ist, wo Schmid für seinen Rekord trainiert hat. In Adelboden vermutlich nicht. Dort fehlt nämlich immer noch eine Über- oder Unterführung zum neuen Coop!
Kurz-News
Armee-Einsatz in Bosnien · Die Schweizer Armee wird die EU-Schutztruppe in Bosnien und Herzegowina im Jahr 2027 befristet verstärken. Der Nationalrat hat dem zusätzlichen Einsatz für die Eufor-Althea-Mission zugestimmt. Grund ist eine Anfrage Österreichs, das nächstes Jahr den Befehl stellt und sein Kontingent aufstockt. Zudem hat das Parlament den Swisscoy-Einsatz im Kosovo bis Ende 2029 verlängert – dies gegen den Widerstand der SVP, die ein Ende forderte. Das und noch mehr steht im Sessions-Ticker von Tamedia.
KI-Könner:innen gesucht · Die Nachfrage nach Kompetenzen im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) hat in der Schweiz zugenommen. Laut dem KI-Jobbarometer von PWC stieg die Zahl der ausgeschriebenen Stellen mit KI-Bezug im Jahr 2025 um 9000 auf den Rekordwert von 25'000. Gesucht werden vor allem Mitarbeitende, die KI im Alltag anwenden können, liest du bei Nau, während die Nachfrage nach Entwickler:innen weniger stark wuchs.
SBB setzt auf Kreislaufwirtschaft · Ausgemusterte Züge der SBB landen nicht einfach auf dem Schrottplatz, sondern werden recycelt. Die Bundesbahnen verwerten Materialien alter EW4-Waggons wieder, um CO₂-Emissionen zu senken, berichtet SRF. So werden über tausend noch intakte Zugfenster als Fassadenglas in einem SBB-Neubau in Zürich eingesetzt. Auch Innenausstattungen wie die beliebten und unbestritten bequemsten Erstklass-Sitze aller Zeiten werden an Privatpersonen verkauft.
International
B-52-Bomber abgestürzt · Beim Absturz eines US-Langstreckenbombers vom Typ B-52 sind gestern alle acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Das Unglück ereignete sich direkt nach dem Start zu einem Testflug auf der Edwards Air Force Base in Kalifornien, schreibt die BBC. Unter den Opfern befinden sich Soldaten, Zivilisten und zwei Boeing-Angestellte. Der Absturz auf der Startbahn wurde als «nicht überlebbar» eingestuft. Die Unfallursache wird nun untersucht; die Basis wurde vorübergehend gesperrt.
Neue Sanktionen gegen Russland · Beim G7-Gipfel in Frankreich hat der britische Premierminister Keir Starmer gemäss Guardian neue Massnahmen gegen Russland und millionenschwere Energiehilfen für die Ukraine angekündigt. London will Moskaus Finanznetzwerke austrocknen und verstärkt Tanker der russischen Schattenflotte ins Visier nehmen. Zudem erhält die Ukraine umgerechnet rund 225 Millionen Franken zur Sicherung ihrer Atomkraftwerke, um die zerstörte Strominfrastruktur zu stützen.
🏖️ Nützliches des Tages
E-SIM

Nie mehr nach dem Wifi-Passwort fragen müssen. (Foto: Unsplah/Airam Dato-on)
Wenn mich jemand fragt, ob ich auch im Ausland ständig am Surfen bin, sage ich: «Ja, eeeeeeee-SIM!»
Aber genug der mageren Wortspiele. Zu den nützlichen Fakten: Wer in den Sommerferien Roaming-Gebühren sparen will, findet in digitalen E-SIM-Karten eine extrem günstige Alternative zu Swisscom, Sunrise oder Salt.
Anbieter wie Airalo, Nomad oder Ubigi bieten in beliebten europäischen Ferienländern 10 Gigabyte Datenvolumen für unter 10 Franken an, wie die Tamedia-Zeitungen schreiben. Bei Fernreisen wie in die USA oder nach Thailand kostet es oft zwischen 8 und 17 Franken.
Dagegen verlangen traditionelle Schweizer Mobilfunkbetreiber ein Vielfaches: Bei Sunrise schlagen vergleichbare Datenmengen mit 47.90 Franken zu Buche, bei Salt in Fernländern sogar mit bis zu 60 Franken.
Wenn dein Handy E-SIM kann, lohnt sich das also sehr. Obwohl du dann nie mehr verloren gehst in den engen Gassen Neapels oder auf eigene Faust ein neues Lieblingsrestaurant in Paris entdeckst.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter
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