Guten Morgen {{vorname}}
Eins ist sicher: Ich besitze mehr Swatch-Uhren als Handgelenke. Und selbst wenn ich – wie einst Nicolas Hayek – an jedem Arm zwei Exemplare tragen würde, blieben noch welche übrig in der Schublade.
Eine meiner ersten Swatches vergesse ich nie. Auf deren Zifferblatt stand der Satz: «La terre n'est pas une vallée de larmes» – die Welt ist kein Tal der Tränen. Auch wenn die Zeiger dieser Uhr längst stehen geblieben sind, rufe ich mir den Spruch immer dann in Erinnerung, wenn mich Zweifel an der Menschheit überkommen.
«Jedem Totsch si Swatch», heisst es. Seit dem Wochenende wissen wir auch, was damit gemeint ist: Vor den Swatch-Läden schlugen sich die Tötsch die Tötze ein, um ein neues Modell zu ergattern.
Schweiz · Gesundheit
Bund plant Werbeverbot für Junk-Food im Umfeld von Kindern

Süsssaure Versuchung. (Foto: Unsplash/Karsten Winegeart)
«Schoggi wotti!» Das hat aber Folgen: In der Schweiz ist jedes fünfte Kind übergewichtig. Nun will der Bund Werbung für ungesunde Lebensmittel wie Chips, Schokolade oder Limonade einschränken, berichtet die NZZ am Sonntag. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) verhandle mit der Branche über eine freiwillige Selbstregulierung.
Geplant ist, gezielte Reklame für ungesunde Produkte bei Kindern unter 13 Jahren praktisch zu verbieten. Betroffen wären Schulen und deren näheres Umfeld sowie Kindersendungen in Radio und Fernsehen, Spiel-Apps und Kinos.
«Die Bundesverfassung gibt vor, dass wir die Gesundheit der Kinder schützen müssen», sagt Michael Beer, stellvertretender Direktor des BLV. «Wir wollen die Eltern entlasten, indem wir dafür sorgen, dass sie und ihre Kinder nicht ständig mit Werbung bombardiert werden.»
Die Lebensmittelfirmen fordern allerdings Ausnahmen vor Weihnachten und Ostern. «Das ist ein Feigenblattansatz, den wir klar ablehnen», sagt Beer dazu.
Im Parlament ist man in der Frage gespalten: Während etwa Mitte-Nationalrat Nicolò Paganini vor zu starken Eingriffen warnt, gehen die Massnahmen der SP-Nationalrätin Nadine Masshardt nicht weit genug.
Schweiz · 🧐
Tränengas und Polizeihunde: Rabiate Szenen vor Swatch-Läden

Sorgt für Chaos: «Royal Pop», eine Kooperation mit dem Uhrenhersteller Audemars Piguet. (Screenshot: Guardian/Krisztián Elek)
Ich stelle mir den typischen Taschenuhrträger so vor: ein Mann um die 70, Zylinder auf dem Kopf, Monokel im rechten Auge, entspannt an einer Tasse Tee nippend. Eher kultiviert also, wie ein Passagier der Ersten Klasse auf der Jungfernfahrt der «Titanic».
Offenbar habe ich mich getäuscht. Der Verkauf einer neuen Taschenuhr von Swatch hat am Wochenende nämlich weltweit zu wüsten Szenen vor Läden geführt. In Paris setzte die Polizei sogar Tränengas ein, um eine 300-köpfige Menge zu kontrollieren. In Grossbritannien, den Niederlanden und Italien mussten Sicherheitskräfte mit Polizeihunden wegen Schlägereien eingreifen. Mehrere Läden blieben daraufhin geschlossen.
Es sei wie bei einem Moshpit gewesen, sagt ein New Yorker Käufer einer Taschenuhr im Guardian. Wie im vorderen Bereich eines Rockkonzerts also, wenn die Post abgeht.
Viele Kundinnen und Kunden campierten tagelang, um die rund 400 Franken teure Uhr zu ergattern und sofort gewinnbringend weiterzuverkaufen. Im Internet wurden bereits Preise von bis zu 4000 Franken erzielt.
Swatch rief die Kundschaft inzwischen zur Ruhe auf und versicherte gemäss Blick, die Kollektion sei noch über mehrere Monate hinweg verfügbar.
Schweiz · Herzklinik-Skandal
Maisano droht Carrel mit rechtlichen Schritten

Bricht sein Schweigen: Herzchirurg Francesco Maisano. (Screenshot: NZZ/Karin Hofer)
Nach heftigen Vorwürfen äussert sich der ehemalige Herzchirurg des Universitätsspitals Zürich (USZ), Francesco Maisano, erstmals ausführlich. Im Interview mit der NZZ am Sonntag weist er die Anschuldigungen aus dem Untersuchungsbericht zurück und kritisiert eine verzerrte Medienberichterstattung: «Was in vielen Schlagzeilen erzählt wird, entspricht nicht dem, was der Untersuchungsbericht des Universitätsspitals tatsächlich aussagt.»
Der Mediziner wehrt sich gegen das Bild eines «skrupellosen Innovators». Alle neuartigen Eingriffe seien auf Video aufgezeichnet worden: «Es herrschte völlige Transparenz.» Gegen seinen Kollegen Thierry Carrel, der von Manipulationen gesprochen hatte, prüft er rechtliche Schritte wegen Verleumdung. Auch seine umstrittenen Industriekooperationen seien vom USZ genehmigt gewesen: «Die Universität selbst erhielt einen Anteil an den Einnahmen aus meinen Kooperationen.»
Die im Bericht erwähnte Übersterblichkeit von bis zu 74 Patienten relativiert Maisano. Seine Klinik habe bewusst schwerste Fälle übernommen, die andere ablehnten: «Ein Chirurg steht vor der Alternative: Operieren und diesem Patienten die Chance auf Überleben bieten. Oder nicht operieren, die eigenen Zahlen schützen und diese Person sterben lassen.»
🤝 Zitat des Tages
«Das HR ist nicht dein Freund»

Chris Williams war für 32’000 Angestellte zuständig. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Chris Williams)
Die Personalabteilung (HR) diene in erster Linie dem Arbeitgeber und nicht den Angestellten. Das behauptet der langjährige HR-Experte Chris Williams in einem lesenswerten Interview mit dem Tages-Anzeiger.
«Wer zum HR geht, steckt bereits in der Klemme», sagt Williams. Das HR agiere eher wie die Polizei und sehe Betroffene als potenziellen Gerichtsfall. Ziel sei es, Haftungsrisiken abzuwenden und Konflikte vom CEO fernzuhalten. Im Zweifel werde eher das Opfer als ein profitabler Täter oder eine profitable Täterin entlassen. «Das HR ist nicht dein Freund», schrieb Williams auf TikTok.
Ein Gang zum HR lohne sich nur mit klaren Belegen. Williams rät, jeden Vorfall präzise mit Datum und Uhrzeit zu dokumentieren und die Kommunikation schriftlich festzuhalten. Da ein einzelner Vorfall selten ausreiche und Firmen Fehlverhalten bei erfolgreichen Managerinnen und Managern oft dulden, müssten Betroffene strategisch vorgehen.
Der stärkste Hebel sei es, dem Unternehmen die wirtschaftlichen Folgen der problematischen Person aufzuzeigen, sagt Williams. «Machen Sie dem Unternehmen klar, wie viel die Person das Unternehmen kostet. Nicht in Gefühlen, sondern in Franken.»
Kurz-News
Sabotage im Cyberspace · Ein schwerer Netzwerkausfall beim Schweizer Telekommunikationsanbieter Salt am letzten Freitag war die Folge eines gezielten Hackerangriffs. Gegen 19 Uhr wurde vor allem der Festnetz-Internetzugang für rund 40 Minuten vollständig blockiert, schreibt der Tages-Anzeiger. Ob bei der Attacke Daten gestohlen wurden, Lösegeldforderungen vorliegen oder wer hinter der Täterschaft steckt, ist noch unklar.
Krieg bremst Tourismus · Der Irankrieg und steigende Kerosinpreise bremsen den Schweizer Tourismus. Wegen gesperrter Lufträume und Unsicherheiten bleiben vor allem Gäste aus Asien aus: Im März sanken die Hotelübernachtungen aus dieser Region um fast 16 Prozent. Besonders beliebte Reiseziele wie das Jungfraujoch verzeichneten im April sogar ein Minus von 25 Prozent. Auch Destinationen wie Luzern, der Titlis oder Zermatt spüren die rückläufige Buchungsdynamik im Fernmarkt, berichtet der Blick.
Economiesuisse warnt · Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder warnt im Interview mit dem SonntagsBlick vor der 10-Millionen-Schweiz-Initiative der SVP. Diese «Chaos-Initiative» gefährde die Personenfreizügigkeit und treibe das Land in die Isolation. Um die reale Wohnungsnot ohne Landverbrauch zu bekämpfen, fordert Mäder mehr Hochhäuser. Kritik äussert er auch an FDP und Mitte wegen deren zaghaften Einsatzes im Abstimmungskampf: «Ich würde mir schon einen etwas kämpferischeren Auftritt wünschen.»
International
Timmy ist tot · Der wochenlang vor der deutschen Ostseeküste gestrandete Buckelwal «Timmy» ist tot. Expert:innen der dänischen Umweltbehörde identifizierten das vor der Insel Anholt gefundene Tier zweifelsfrei anhand eines GPS-Trackers, berichtet die deutsche Tagesschau. Anfang Mai hatte eine private Initiative das geschwächte Tier in einer umstrittenen Rettungsaktion per Lastkahn in Richtung Nordsee transportiert und freigelassen. Fachleute hatten den Transport des kranken Wals kritisiert.
Ebola-Ausbruch in Westafrika · Wegen eines neuen Ebola-Ausbruchs hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. In der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda sind bereits rund 80 Menschen an dem Virus gestorben; es gibt fast 250 Verdachtsfälle. Die Bekämpfung ist besonders schwierig, da es sich um die seltene Bundibugyo-Variante handelt. Für diese gibt es gemäss New York Times bislang weder verlässliche Schnelltests noch Impfstoffe oder Therapien.
🌳 Nützliches des Tages
Kirschbaum

Nicht alle aufs Mal. Gibt ja scheints Bauchweh. (Foto: Unsplash/Joanna Kosinska)
Wer etwas Erdung benötigt, mit Spiritualität oder Religion jedoch nichts am Hut hat, sollte einen Kirschbaum betrachten. Er steht für das Schöne und Vergängliche im Leben.
Praktisch: Im solothurnischen Büsserach kann man ein Exemplar mieten. Die Bürgergemeinde besitzt eine zwei Hektar grosse Plantage mit 370 Kirschbäumen. Während Ortsbürger:innen zwei Bäume gratis erhalten, steht der Rest der Anlage allen offen, berichtete das SRF. Für einen Jahresbeitrag von zehn Franken pro Baum kann sich jede:r die eigenen Kirschen sichern. Je nach Wetter liefert ein Baum zwischen 10 und 20 Kilogramm Kirschen.
Die Pflege übernimmt die Gemeinde mit Unterstützung eines Landwirts und von Schafen, die das Gras kurz halten. Das Regelwerk ist strikt: «Die Nutzniesser der Bäume verpflichten sich, an den Bäumen keine Äste abzureissen und alles zu tun, um die Bäume nicht zu verletzen.»
Obwohl die Kosten den Ertrag übersteigen, soll das Projekt fortgeführt werden. Das Bedürfnis für die Kirschbäume sei nach wie vor gross, sagt Allmend-Präsident Peter Giger.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und einen guten Wochenstart!
Peter
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