Guten Morgen {{vorname}}
Wenn du mich fragst, welchen Song du heute hören sollst, sage ich dir Altpapier von Lo & Leduc und der grossartigen To Athena.
Wenn du mich fragst, welches Buch du am Wochenende lesen könntest, empfehle ich dir Die Perfektionen von Vincenzo Latronico.
Und wenn du mich fragst, welche romantische Komödie ich beim letzten Mal noch vergessen habe, dann würde ich natürlich mit Sleepless in Seattle antworten.
Wenn du mich hingegen fragst, wie Budgetieren geht, dann verweise ich gerne auf Karin Keller-Sutter.
Wobei…
Schweiz · Finanzen
«Punktlandung» oder «Fehlprognose»?

Will immer noch sparen: Finanzministerin Karin Keller-Sutter. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Peter Schneider)
Trotz düsterer Prognosen schliesst die Schweizer Staatsrechnung 2025 besser ab als erwartet. Dank Zusatzeinnahmen von 2,1 Milliarden Franken – vor allem durch Gewinnsteuern von Unternehmen – resultiert unter dem Strich ein verhältnismässig bescheidenes Plus von 300 Millionen Franken. Oder anders gesagt: eine schwarze Null.
FDP-Finanzministerin Karin Keller-Sutter sprach gestern von einer «Punktlandung». Dennoch hält die Bundesrätin gemäss Tages-Anzeiger an ihrem Sparprogramm fest. «Das ausgeglichene Rechnungsergebnis 2025 ändert an der Notwendigkeit des Entlastungspakets 27 leider nichts», sagte sie. Ohne diese Massnahmen drohe ab 2027 ein strukturelles Defizit von 1,9 Milliarden Franken, getrieben durch Mehrausgaben für die Armee und die 13. AHV-Rente.
«Das Parlament muss das Abbaupaket sofort auf Eis legen.»
Bei den Linken führt die schwarze Null zu roten Köpfen. SP-Nationalrätin Tamara Funiciello kritisierte, es wiederhole sich jedes Jahr dasselbe Szenario: «Zuerst werden äusserst angespannte Finanzen angekündigt, am Ende stehen Überschüsse.» Diese Politik diene nur dazu, den Abbau öffentlicher Ausgaben zu rechtfertigen. Die Grünen fordern, das Sparpaket sofort auf Eis zu legen und drohen mit dem Referendum.
In einem Kommentar stärkt der Tages-Anzeiger der Finanzministerin den Rücken. Grund für die schwarze Null sei ein einmaliger Geldsegen, beschert durch den Kanton Genf mittels nachgeholter Steuerrechnungen. Die Finanzlage sei deshalb nicht so rosig, wie sie wirke.
«Fakt ist, dass enorme Zusatzausgaben anstehen», heisst es im Artikel, der Bund gebe mehr aus, als er einnimmt. «Reagiert das Parlament jetzt nicht, wird die Schuldenbremse erzwingen, dass die Ausgaben beim nächsten Budgetprozess im Eiltempo zusammengestrichen werden.»
Schweiz · Politik
Bratwurst ohne Senf, dafür mit etwas Gift

Ist dem Parlament unsere Gesundheit Wurst? (Foto: Unsplash/Kelsey Todd)
In der kommenden Frühlingssession wird das Parlament aller Voraussicht nach grünes Licht für ein ziemlich schmutziges Trickli geben.
Um den Landwirt:innen im Kanton St. Gallen unter die Arme zu greifen, planen Bundesrat und Parlament eine umstrittene Praxisänderung: Fleisch, das den Grenzwert für die gesundheitsschädigenden PFAS-Chemikalien überschreitet, soll künftig mit unbelastetem Fleisch vermischt werden.
Durch diesen Mix in Produkten wie Würsten oder Hackfleisch würde der Grenzwert rechnerisch eingehalten und das Fleisch bliebe verkaufsfähig.
Bisher ist ein solches Vorgehen explizit verboten, schreibt meine Kollegin Tina Berg im Beobachter. Gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV) wäre die Schweiz das einzige Land mit einer solchen Regelung.
«Damit nimmt man eine Gesundheitsgefährdung der Konsument:innen bewusst in Kauf.»
Das Vorhaben stösst auf Kritik: Der Konsumentenschutz warnt vor einer bewussten Gesundheitsgefährdung, und sogar die Branchenorganisation Proviande fürchtet einen massiven Imageschaden.
Völlig unklar bleibe die praktische Umsetzung, heisst es im Artikel weiter. Weder Behörden noch Detailhändler können sagen, wie die Vermischung kontrolliert wird oder ob eine Deklarationspflicht für die Konsument:innen eingeführt wird.
Da die Änderung auf Verordnungsweg beschlossen werden soll, hat das Stimmvolk keine Möglichkeit, per Referendum einzugreifen.
Schweiz · Verkehr
Wir möchten kleinere Autos – aber nicht in unserer Garage

Säuft auch weniger als ein SUV: Kleinwagen (unten rechts). (Foto: Unsplash/Andy Bridge)
Hier haben wir ein besonders schönes Beispiel fürs Nimby-Prinzip. In diesem Fall müsste man wohl aber von Nimg sprechen: Not in my garage, nicht in meiner Garage.
Worum gehts? Gemäss einer Umfrage von Autoscout24 empfinden sechs von zehn Schweizer:innen die Autos auf hiesigen Strassen als zu gross. Trotzdem besitzen erst vier Prozent ein sogenanntes Mikroauto. Und nur 17 Prozent haben vor, in den nächsten zwei Jahren ein solches Modell anzuschaffen.
Die Gründe für die Zurückhaltung seien deutlich, berichtet Watson. Fast die Hälfte der Befragten bemängelt den geringen Stauraum und den eingeschränkten Insassenschutz.
Noch eingeschränkter ist die Sicherheit auf dem E-Trotti. Und trotzdem sieht man immer mehr davon auf den Strassen. Viele fahren schneller als die erlaubten 20 km/h.
Das führt auch zu mehr Unfällen: 2020 haben sich in der Schweiz 194 Personen bei einem Unfall mit einem E-Scooter verletzt. 2024 waren es bereits 595, 139 davon schwer. Die Polizei verstärke nun ihre Kontrollen gegen illegal getunte E-Trottinette, berichtet SRF.
🐈⬛ Nachruf
Palmerston ist nicht mehr

Vor einem Jahr noch trat Palmerston einen neuen Posten in Bermuda an. (Screenshot: New York Times/Foreign Office/Associated Press)
Palmerston, der ehemalige «Chief Mouser» des britischen Auswärtigen Amtes, ist im Alter von etwa zwölf Jahren in Bermuda verstorben. Der Kater, der 2016 aus einem Tierheim gerettet wurde, entwickelte sich während seiner Dienstzeit in London zu einem echten Social-Media-Star mit fast 100’000 Followern.
«Palmerston, Diplocat extraordinaire, ist friedlich eingeschlafen», hiess es vergangene Woche auf seinem offiziellen Twitter-Account. Das Aussenministerium würdigte ihn gemäss New York Times als «wunderbaren Begleiter mit sanftmütigem Wesen», der als «feline diplomat», als tierischer Diplomat, schmerzlich vermisst werde.
Nach seinem Rücktritt 2020 hatte Palmerston eigentlich geplant, ein ruhigeres Leben zu führen. Doch die Verlockung, weiterhin Krone und Land zu dienen, schien zu gross. Vor einem Jahr verkündete Palmerston, er habe den Posten als Berater für Katzenbeziehungen (im Ruhestand) für den neuen Gouverneur von Bermuda übernommen.
Sein einstiger Rivale Larry aus der Downing Street, mit dem sich Palmerston früher heftige Revierkämpfe lieferte, zeigte sich versöhnlich. Zum Abschied schrieb der berühmteste Kater Grossbritanniens auf Twitter: «Leb wohl, alter Freund.»
Kurz-News
Roche stellt Antibiotika-Produktion ein · Roche stellt bis 2030 die Produktion des lebenswichtigen Antibiotikums Rocephin in Kaiseraugst BL ein. Damit verschwindet gemäss Tages-Anzeiger die letzte grosse Schweizer Herstellungsstätte für Antibiotika. Grund seien hohe Kosten und tiefe Medikamentenpreise. Die Versorgungssicherheit soll künftig durch Nachahmerprodukte aus dem Ausland gewährleistet werden.
Sicherheitslücken bei E-ID · Dass es im Sommer mit der staatlichen E-ID losgeht, ist alles andere als gewiss. Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) warnt gemäss 20 Minuten vor Sicherheitslücken und ungelösten technischen Fragen. Da Schutz vor Angriffen wichtiger sei als Tempo, rät die EFK notfalls zu einer Verschiebung. Der Bund weist die Kritik zurück. Er betont, die Risiken seien bekannt und würden planmässig adressiert.
Datenschützer rüffelt BLT · Seit Ende Januar tragen Kontrolleur:innen in Baselbieter Trams und Bussen Bodycams. Laut dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten fehle dafür die Rechtsgrundlage, berichtet SRF. Eigentlich sollten solche Kameras im ÖV erst nach einer neuen Bundesverordnung zum Einsatz kommen. Die BLT krebst nun halb zurück: Um den Datenschutz zu wahren, nehmen die Kameras nicht mehr ständig auf, sondern werden nur noch im Konfliktfall per Knopfdruck aktiviert.
International
Busse für Schoggihersteller · Lindt & Sprüngli muss dem Comité Champs-Élysées 500'000 Euro Schadenersatz zahlen. Ein Pariser Gericht verurteilte den Schweizer Schokoladenhersteller wegen Urheberrechtsverletzung und Parasitismus. Lindt hatte gemäss Blick in einem Werbespot Bilder der Weihnachtsbeleuchtung der Prachtstrasse verwendet, ohne dafür Lizenzgebühren zu zahlen. Das Komitee, das die Lichtinstallationen mit hohen Investitionen finanziert, sieht darin eine unzulässige Ausnutzung seines Images.
Entschädigung für «Sea-Watch» · Der italienische Staat muss der deutschen Organisation «Sea-Watch» eine Entschädigung von 76'000 Euro zahlen, berichtet der Deutschlandfunk. Das entschied ein Gericht in Palermo. Hintergrund ist die rechtswidrige Festsetzung des Rettungsschiffs «Sea-Watch 3» im Jahr 2019 auf Lampedusa. Die Summe deckt entstandene Kosten für Hafen, Treibstoff und Anwält:innen. Kapitänin Carola Rackete hatte damals trotz Verbots angelegt, um gerettete Menschen sicher an Land zu bringen.
🧊 Nützliches des Tages
Kühlschrankmusik

Wie ein elektrisches Gongbad: Tiefkühltunes. (Screenshot: Guardian/Alim Kheraj)
Jeder Supermarkt klingt anders. Da, wo ich derzeit mein Schinken-Käse-Toastbrot einkaufe, werde ich von einer enthusiastischen Mickey-Mouse-Stimme aus dem Lautsprecher begrüsst: «Hello, welcome!» In ein paar Wochen wirds dann ein von der Belegschaft perfekt synchron intoniertes «Konnichiwa!» sein.
Beides kommt wohl aber nicht an den Sound heran, den die Gefriertruhen im Co-op-Supermarkt an der Ecclesall Road in Sheffield produzieren. Quasi über Nacht sei die Filiale zu einem viralen Hotspot für Klangliebhaber geworden, schreibt der Guardian. Grund dafür sei das ungewöhnliche Summen der Geräte, das von Besucher:innen als hypnotischer Ambient-Sound gefeiert wird. Auf Reddit schreibt User Yaxu: «Es ist wie ein elektrisches Gongbad!»
Der harmonische Klang erinnert viele an die minimalistische Musik von Brian Eno. Während einige darüber diskutieren, ob die Geräte in Cis-Dur gestimmt sind, stellen andere fest, dass der Sound «wie ein guter Wein altert».
Expert:innen erklären den Hype damit, dass solche unerwarteten Klänge uns aus dem Alltag reissen und die Welt neu erleben lassen.
Spitze deshalb deine Ohren, wenn du heute in deinen Supermarkt oder in dein Quartierlädeli gehst: Möglicherweise findest du hinter dem Gemüseregal Inspiration für den nächsten Sommerhit.
PS: Beim Einkaufen auf Kopfhörer verzichten ist auch sonst ganz nützlich. Man kann dann an der Kasse besser «Adiö» und «Merci» sagen. 🙏
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



