Elio Donauer Vanja Kadic Simon Jacoby
ELIO DONAUER VANJA KADIC SIMON JACOBY

Guten Morgen {{vorname}}

Weisch was würd mi? Einen Newsletter schreiben, wenn bei einem Sturm plötzlich der Strom ausfällt und man weder genug Laptop-Akku noch genug Internet hat. Dass die heutige 6iBrief-Ausgabe dich nun doch erreicht, grenzt an ein kleines Wunder und ich freue mich nach einer ✨ abenteuerlichen ✨ Schicht im Dunkeln sehr darüber.

Weiter unten liest du, warum «Würd mi» heute nochmal eine Rolle spielt, was es mit dem mutmasslichen Millionenbetrug eines früheren SBB-Kadermannes auf sich hat und wieso immer mehr Alleinerziehende in Schweizer Städten auf Sozialhilfe angewiesen sind.

Schweiz | Korruptionsfall

Ex-SBB-Kader soll Millionen veruntreut haben: Bundesanwaltschaft fordert Freiheitsstrafe

Der wohl grösste Betrugsfall in der jüngeren Geschichte der SBB: Ein Ex-SBB-Kadermann zweigte laut Bundesanwaltschaft fast neun Millionen Franken ab.
© Tages-Anzeiger / Getty Images

Das könnte auch die Handlung eines Krimis sein: Über 17 Jahre lang soll ein ehemaliger SBB-Abteilungsleiter mithilfe von Tarnfirmen rund neun Millionen Franken veruntreut haben. Wie der Tages-Anzeiger und SRF berichten, flog der Fall nur wegen einer Affäre und eines Streits um Geld auf.

Aber von Anfang an: Der Hauptbeschuldigte begann 2007 wegen Geldmangels, bei den SBB Scheinrechnungen über 10’000 bis 15’000 Franken auszustellen. Weil seit der Anklage weitere Taten verjährt sind, geht es vor Gericht «nur» noch um 4,4 Millionen Franken.

Ermöglicht hat dies laut Anklage ein Kontrollversagen bei den Bundesbahnen: Der Angeklagte hebelte das Vieraugenprinzip im SBB-Werk Olten aus, indem er den Materialbedarf im System selbst erfasste und Aufträge an Tarnfirmen vergab. Vier Fünftel der Rechnungen waren Scheingeschäfte.

Erst im Herbst 2024 zerbrach das Betrugssystem – wegen einer kaputten Männerfreundschaft: Über zehn Jahre lang standen sich der Kadermann und der spätere Whistleblower nah, ehe die Freundschaft endete, weil der SBB-Mann eine Affäre mit der Ehefrau seines Vertrauten begann. Ende September 2024 erstatteten die SBB Anzeige, im November wurde der Angeklagte verhaftet. Neben dem Hauptbeschuldigten sind vier weitere Personen angeklagt.

Die Bundesanwaltschaft forderte nun im Prozess vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona fast sechseinhalb Jahre Gefängnis für den früheren SBB-Kadermann. Er ist geständig und anerkennt den Millionenschaden.

Schweiz | Armut

Auf Sozialhilfe angewiesen: Immer mehr Alleinerziehende in Schweizer Städten betroffen

Viele Alleinerziehende beziehen zusätzlich zu ihrem Lohn Sozialhilfe, weil es sonst nicht reicht. © SRF / Keystone / Karl-Josef Hildenbrand

In Schweizer Städten sind Alleinerziehende häufig auf Sozialhilfe angewiesen, wie der gestern veröffentlichte Kennzahlenbericht der Städteinitiative Sozialpolitik zeigt. Laut Tagesschau bezieht in vielen Städten rund ein Viertel der Einelternhaushalte mit minderjährigen Kindern Sozialhilfe.

Betroffen sind mehrheitlich Frauen und ihre Kinder: Deren Anteil an allen minderjährigen Unterstützten stieg seit 2010 von 52 auf 59 Prozent. Viele Alleinerziehende beziehen Sozialhilfe zusätzlich zu ihrem Lohn, weil dieser für den Familienunterhalt nicht reicht.

Für Einelternhaushalte ist das Armutsrisiko fast fünfmal so hoch wie dasjenige aller Haushalte. «Wer alleine einen Haushalt führt, ist oft mit mehreren Herausforderungen konfrontiert», erklärte Studienautorin Michelle Beyeler von der Universität Zürich. Dazu zählen beispielsweise finanzielle oder gesundheitliche Belastungen sowie Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit. Und: Diese Herausforderungen könnten sich gegenseitig verstärken.

Vor allem fehlende Berufsabschlüsse seien laut Bericht dafür verantwortlich, dass Betroffene oft jahrelang auf Unterstützung angewiesen bleiben. Ausserdem fehlt es an passenden Ausbildungsangeboten, wie die städtischen Sozialdienste kritisieren. «70 Prozent der Alleinerziehenden in der Sozialhilfe haben keine anerkannte Ausbildung. Eine solche nachzuholen, ist für sie oft sehr schwierig», so Beyeler weiter.

Die Betreuungssituation kommt erschwerend dazu: Die Kinderbetreuung sei eine wichtige Grundlage, damit eine Erwerbstätigkeit oder eine Ausbildung überhaupt möglich sei, so Beyeler. «Dort, wo Alleinerziehende – das sind meistens Frauen – Betreuung benötigen würden, gibt es sie nicht.»

International | Gewalt

Neuer Bericht: Schweizer Ex-Miss-Kandidatin beschuldigt Trump der Vergewaltigung

Die Schweizerin Béatrice Keul wirft Trump vor, sie vergewaltigt zu haben.
© Watson / beatricekeulofficial

Kurz vor den Kongresswahlen in den USA greifen die US-Demokraten die Anschuldigungen einer Schweizerin auf, wie Watson und Schweiz heute berichten. In einem neuen Untersuchungsbericht, der am Montag vom demokratischen Abgeordneten Jamie Raskin veröffentlicht wurde, werden schwere Vorwürfe gegen US-Präsident Donald Trump erhoben – im Zentrum der Anschuldigungen steht die Schweizerin Béatrice Keul. Im Bericht geht es unter anderem um Trumps Freundschaft zum 2019 verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.

Béatrice Keul, Vize-Miss-Schweiz des Jahres 1992, reiste 1993 mit 24 Jahren nach New York, wo sie am «Donald J. Trump American Dream Pageant» teilnahm. Während einer Presseveranstaltung im Plaza-Hotel in New York traf sie auf Trump, auch Epstein war dort. Er soll sich Keul mit den Worten «Ich bin Jeffrey, Dons bester Freund» vorgestellt haben. Beide Männer hätten ihr eine Karriere in den USA versprochen.

Trump versprach ihr ausserdem einen Studienplatz an der New York University, weshalb sie gleichentags der Aufforderung einer seiner Vertrauten folgte und ihn in einer «Plaza»-Suite persönlich traf. Trump habe sie im Hotelzimmer vergewaltigt, sagt sie. «Keul beschrieb ihre Vergewaltigung als ‹brutal›», ist im Bericht der Demokraten nachzulesen.

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz sei sie von ihm telefonisch kontaktiert worden, habe aber seine Angebote abgelehnt. Keul hatte im Herbst 2024 erstmals öffentlich über ihr Zusammentreffen mit Trump gesprochen.

Dass ihre Geschichte nun international Schlagzeilen mache, überwältige sie, erzählt Keul der annabelle: «Aber ich mache das für die Gerechtigkeit, für die Wahrheit und um Leben zu retten. Deshalb ist es mir das wert.»

Brauchst du Unterstützung? Bei der Opferhilfe findest du Support.

Zahl des Tages

«Würd mi»

Die Schweiz darf sich über ihr erstes Jugendwort des Jahres freuen. © SRF / Shutterstock

Es gibt für alles ein erstes Mal. Heute freut es mich besonders, dir das erste Schweizer Jugendwort des Jahres präsentieren zu dürfen: ✨Würd mi✨ ist laut SRF der strahlende Gewinner-Ausdruck, den die Jury unter anderem gewählt hat, weil er schweizerdeutsch ist. Ein Bezug zur Schweiz war zwar wünschenswert, wurde der Jury aber nicht vorgeschrieben.

«Würd mi», also übersetzt «Das würde mich nerven», wurde zum allerersten Jugendwort des Jahres der Deutschschweiz gekürt. Gewählt hat das Wort eine zehnköpfige Jury von 14- bis 19-jährigen Jugendlichen. «Am Siegerwort gefällt mir, dass es ein schweizerdeutscher Ausdruck ist», sagte ein Jury-Mitglied. «‹Würd mi› hat keine Chance, das deutsche Jugendwort des Jahres zu werden. Deshalb ist es wirklich cool, dass wir ein schweizerdeutsches Wort gewählt haben.» «Würd mi» war der Jury übrigens auch so sympa, weil es im Alltag so vielfältig eingesetzt werden könne, lol.

Auf Platz zwei landete der Ausdruck «nöd so deep», was man mit «nicht so ernst» übersetzen kann. Platz drei ging an den englischen Ausdruck «peak» (also «super» oder «grossartig»), der es schon in Deutschland in die Top drei schaffte.

Organisiert wurde die Wahl des ersten Schweizer Jugendwortes von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die seit 2017 auch die Wahl des Schweizer Wortes des Jahres verantwortet.

Kurz-News

Schweiz

Ignazio Cassis reist nach Nordkorea und Südkorea
Ende Oktober reist Bundesrat Ignazio Cassis für drei Tage nach Nord- und Südkorea, berichten 20 Minuten und die Tagesschau. Wie das Aussendepartement (EDA) mitteilt, wird er in Nordkorea in Pjöngjang an der Wiedereröffnung diplomatischer Büros teilnehmen. Ausserdem führt Cassis «politische Gespräche» mit den Behörden beider Koreas. Ob er sich mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un trifft, ist unbekannt. Spannend: Erstes und letztes Bundesratsmitglied in Nordkorea war vor 23 Jahren Micheline Calmy-Rey.

 

Reformen bei der Lausanner Polizei wegen Rassismusvorfällen
Die Stadtpolizei Lausanne treibt nach mehreren Todesfällen und Skandalen laut SRF ihre Reform voran. In den vergangenen Jahren geriet die Lausanner Stadtpolizei wiederholt in die Kritik: unter anderem wegen rassistischer und sexistischer WhatsApp-Gruppen unter Polizisten, dem Tod zweier junger Rollerfahrer auf der Flucht vor der Polizei sowie Todesfällen bei Polizeieinsätzen. Für Verbesserungen sollen Schulungen gegen Diskriminierung oder eine bessere Personalführung sorgen. Die Stadtregierung habe erste Massnahmen im Rahmen der «Reform 2030» verabschiedet, teilte die Stadt Lausanne mit.

 

Niedrigwasser: Expovina muss erstmals an Land ausstellen
Die Weinmesse Expovina in Zürich muss dieses Jahr wegen Niedrigwassers erstmals an Land ausstellen. Wie der Tages-Anzeiger berichtet, stehen vier der gewohnten sieben Grossschiffe der Messe nicht zur Verfügung – der Pegel des Zürichsees liegt aktuell fast 70 Zentimeter unter dem Normalwert. Während Besucher:innen normalerweise von Schiff zu Schiff flanieren, um Wein zu degustieren, wird dieses Jahr am Schanzengraben auf 1000 Quadratmetern ein Messezelt aufgebaut. Die Messe findet vom 29. Oktober bis zum 12. November statt.

International

Nach Wahlniederlage: Flávio Bolsonaro in die USA geflüchtet
Flávio Bolsonaro hat nach der Wahlniederlage in Brasilien gegen Luiz Inácio Lula da Silva das Land verlassen, wie der Spiegel und BBC berichten. Er soll sich auf dem Weg in die USA befinden. Dies, nachdem der Senator nur wenige Stunden zuvor eine gerichtlich gesetzte Frist zur Abgabe seiner Reisepässe verstreichen liess. Das US-Aussenministerium bestätigte, dass er und seine Familie Visa bekommen sollen. Die brasilianische Polizei ermittelt gegen Bolsonaro wegen Korruptions- und Geldwäscheverdachts. Weiter ordnete ein Richter des Obersten Gerichts Ermittlungen zu möglichen ausländischen Wahlkampfhilfen an.

 

Prognosen zur Wahl in Israel: Benjamin Netanyahu hat verloren
In Israel wird ein neues Parlament gewählt: Das Regierungsbündnis des langjährigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu hat die Wahl nach aktuellem Stand in Israel verloren. Laut Tages-Anzeiger liegt das Oppositionsbündnis unter Gadi Eisenkot laut ersten Prognosen vorne. Allerdings erreichten weder Netanyahu noch die Opposition bisher die nötige Parlamentsmehrheit. Eisenkots Lager holte laut Hochrechnungen (21 Uhr deutscher Zeit) insgesamt 53 Sitze im Parlament. 50 waren es für Netanyahus Block, auch wenn sein Likud mit 25 Sitzen die stärkste Partei war.

Das Nützliche zum Schluss

Drei gfürchige Filme (und ein Job 👀)

Wenn du psychologische Thriller magst, lege ich dir Jordan Peeles «Get Out» ans Herz.
© Universal Pictures

Spooky Season und gruselige Filme haben einen besonderen Platz in meinem Herzen. Und weil bald Halloween ist, kommen hier drei Empfehlungen für gfürchige psychologische Thriller, die du dir am 31. Oktober auf dem Sofa reinziehen kannst:

«Get Out» (2017) von Jordan Peele: Chris und seine Freundin Rose fahren übers Wochenende aufs Land, um ihre Eltern zu besuchen. Er ist Schwarz, sie ist weiss. Hat ihre Familie ein Problem damit? Chris deutet das zuvorkommende Verhalten von Roses Familie als nervöse Versuche, ihn willkommen zu heissen – doch das Wochenende nimmt immer seltsamere Züge an. Spannender und haarsträubend gut geschriebener Thriller von Film-Genie Jordan Peele. (Bei Disney+ oder Apple TV)

«The Assessment» (2024) von Fleur Fortuné: In einer utopischen Gesellschaft, die vom unaufhaltsamen Klimawandel gebeutelt ist, dürfen Paare nur mit Zustimmung des Staates Eltern werden. Zu knapp sind die Ressourcen auf der Erde. Bewerbende werden sieben Tage lang von einer Gutachterin auf ihre Tauglichkeit als Elternpaar geprüft. Sehr unheimlich und ein Film, der mich lange beschäftigte. (Bei Cinefile oder Apple TV)

«The Menu» (2022) von Mark Mylod: Ein junges Paar reist auf eine abgelegene Insel, um in einem exklusiven Restaurant zu speisen. Der Küchenchef hat für diesen Abend ein, nun ja, ganz besonderes Menü vorbereitet. Krasser Film, den ich nicht genug empfehlen kann. (Apple TV, Prime Video, Sky Store oder Disney+)

(Anderes Thema, aber wo wir gerade bei Horror sind: Der Stellenmarkt für Medienschaffende ist ein Albtraum. Umso schöner, dass jetzt eine ganz besondere Stelle frei wird – meine, nämlich! Der aufregendste Job, den ich je hatte, endet im Dezember, und ich bin schon ganz wehmütig. Falls du den 6iBrief für ein halbes Jahr von irgendwo auf der Welt als Redaktor:in übernehmen willst, kannst du dich jetzt unter [email protected] bewerben.)

Love’n’Peace!
Merci fürs Lesen.
VANJA KADIC

Vanja Kadic

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

Du gibst ein Wort ein.

Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

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