Guten Morgen {{vorname}}
Auch als Pazifist ist mir nicht entgangen, dass die Welt nicht friedlicher und sicherer geworden ist. Deshalb würde ich heute kaum mehr an einer GSoA-Demo mitlaufen.
Aber ob ich es toll fände, für mein neues Raclette-Öfeli mehr bezahlen zu müssen, um Ersatzteile für US-Kampfjets zu finanzieren, bin ich mir nicht so sicher.
Ginge es nicht auch anders? Zum Beispiel mit einer gerechteren Besteuerung von Superreichen?
Schweiz · Aufrüstung
Bundesrat Pfister will Steuererhöhung für die Armee

Wer soll das bezahlen? Bundesrat Martin Pfister. (Screenshot: NZZ/Anthony Anex/Keystone)
Wenn sogar die «Alte Tante» von einem «Paukenschlag» schreibt, hat das etwas zu bedeuten. Aber was?
Der Bundesrat, so berichtet die NZZ, wolle die Mehrwertsteuer ab 2028 befristet auf zehn Jahre um 0,8 Prozentpunkte erhöhen. Damit sollen jährlich rund drei Milliarden Franken zusätzlich in die Aufrüstung der Armee fliessen.
Der Bundesrat begründet den drastischen Schritt mit der «verschlechterten Bedrohungslage». Mitte-Verteidigungsminister Martin Pfister sagte gestern, die Armee sei auf die wahrscheinlichsten Bedrohungen wie Cyberangriffe oder Drohnen «nicht ausreichend vorbereitet».
Politisch steht die Vorlage indes auf wackligen Beinen. Bisher unterstützt nur Pfisters eigene Partei den Vorschlag. Linke Parteien lehnen die Steuer als unsozial ab, während SVP und FDP Steuererhöhungen kategorisch ablehnen. Ohne Kompromisse droht das Vorhaben also im Parlament zu scheitern. Und über die Verfassungsänderung müsste letztlich das Volk entscheiden.
Der Bundesrat mache es sich zu einfach, schreibt der Tages-Anzeiger in einem Kommentar: «Alles andere als einfach würde es für jene, die schon heute nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen.»
Wer nach mehr Geld rufe, solle deshalb zuvor sparen. Aber darin sei das Parlament schwach, urteilt die Zeitung. Ebenfalls gelte es, Steuerschlupflöcher zu stopfen. «Bevor der Bund mit einer höheren Mehrwertsteuer alle Haushalte zur Kasse bittet, sollte er sicherstellen, dass die direkte Bundessteuer nicht mehr so einfach ausgetrickst werden kann.»
PS: Die GSoA schreibt in einer Mitteilung übrigens von einem «No-Go». Man werde eine solche Erhöhung «aktiv bekämpfen».
Schweiz · Justiz
Sanija Ameti wegen Störung der Glaubensfreiheit verurteilt

«Würste für die Freiheit»: Sanija Ameti hat ihren Stuhl im öffentlichen Leben geräumt. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Keystone)
Das Bezirksgericht Zürich hat die ehemalige GLP-Politikerin Sanija Ameti (34) gestern zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 50 Franken sowie einer Busse von 500 Franken verurteilt. Der Einzelrichter sprach sie der Störung der Glaubensfreiheit schuldig, nachdem sie 2024 auf Instagram ein Kalenderbild von Maria und dem Jesuskind mit Schusslöchern gepostet hatte.
«Wer das tut, äussert unzweifelhaft eine Geringschätzung des christlichen Glaubens», begründete der Richter das Urteil. Ametis Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert und von einem traumatischen Ausnahmezustand sowie einem politischen Missbrauch des Verfahrens gesprochen.
Das Gericht hielt diese Schilderungen jedoch für nicht ausreichend belegt. Strafmildernd wirkten sich die öffentliche Entschuldigung und die massiven Todesdrohungen gegen Ameti aus.
Statt einer geplanten Rede hinterliess Ameti nach der Verhandlung vor dem Kunsthaus einen Teller mit Würsten und ein zweiseitiges Statement, in dem sie ihren Rückzug aus dem öffentlichen Leben ankündigt. Sie wolle, zitiert daraus der Tages-Anzeiger, nicht mehr Teil einer Öffentlichkeit sein, die je nach Geschlecht und Identität unterschiedlich scharf urteile.
In einem Kommentar kritisiert die NZZ die Hintergründe, die zum Urteil des Zürcher Bezirksgerichts im Fall Ameti geführt haben. Obwohl das Verdikt sich am geltenden Recht orientiere, stelle sich die Frage: «Ist das Recht in diesem Fall noch richtig?»
Klar sei, dass Ametis Aktion «dumm und verletzend» gewesen sei. Eine strafrechtliche Verfolgung und Verurteilung passe indes schlecht zu einem säkularen, freiheitlichen Land wie der Schweiz. «Der Blasphemieartikel ist nicht nur aus der Zeit gefallen, er schränkt die Meinungsäusserungsfreiheit unnötig ein – eines der höchsten Güter in einer liberalen Demokratie.»
Schweiz · Prix de Soleure
Gaza-Doku «Qui vit encore» gewinnt Solothurner Filmpreis

Ihr früheres Leben liegt in Schutt und Asche: Geflüchtete aus Gaza. (Screenshot: Firsthandfilms.ch)
Die 61. Solothurner Filmtage sind gestern mit der Verleihung der Hauptpreise zu Ende gegangen. Der Dokumentarfilm Qui vit encore des Genfer Regisseurs Nicolas Wadimoff wurde mit dem mit 60'000 Franken dotierten «Prix de Soleure» ausgezeichnet. Das Werk, das am 5. Februar ins Kino kommt, thematisiert die Schicksale von neun Geflüchteten aus Gaza in einer formal reduzierten Inszenierung, berichtet SRF.
Wadimoffs Film verzichtet auf drastische Kriegsbilder. Stattdessen lässt er neun Geflüchtete aus Gaza in einem neutralen Raum auf einer skizzierten Karte von ihrer Heimat und ihren Verlusten erzählen. Die Jury lobte die radikale Reduktion, die ein tieferes Verständnis für die menschlichen Opfer schaffe.
Den Publikumspreis («Prix du Public», 20'000 Franken) sicherte sich der Tessiner Spielfilm Becaària von Erik Bernasconi. Die in den 1970er-Jahren spielende Coming-of-Age-Geschichte überzeugte die Zuschauer:innen mit warmen Bildern und einer einfühlsamen Erzählweise.
Weitere Auszeichnungen:
Bester Kurzfilm: Versuch, einen Baum in Zürich zu fällen (Lara Alina Hofer)
Bester Animationsfilm: Ich bin nicht sicher (Luisa Zürcher)
Nachwuchspreis «Visioni»: Nessuno vi farà del male (Dino Hodic)
(Echtes) Zitat des Tages
«Fake News verkörpern das Böse»

Träumer aus Holz: Pinocchio. (Foto: Unsplash/Vlad Hilitanu)
«Fake News verkörpern das Böse.» Klar, kann man so unterschreiben. Bemerkenswert ist aber der Urheber dieses Zitats: Tom Kummer.
Der Tom Kummer aus Bern also, der uns vor einem Vierteljahrhundert mit fantastischen Interviews mit Hollywood-Stars begeistert – und an der Nase herumgeführt hatte. Fast alles in seinen Texten war: einfach sehr gut erfunden.
Und weil diese Texte nicht etwa als Fantasy-Romane im Buchhandel angeboten wurden, sondern in den renommiertesten Zeitungen und Magazinen erschienen sind, müsste man rückblickend wohl von Fake News sprechen.
Differenzierter sieht das Tom Kummer selbst, wie er im Tagesgespräch mit SRF sagt: «Heutige Fake News sind kurz, prägnant, spaltend und aggressiv. Sie appellieren an niedere Instinkte. Meine Texte waren 20 Seiten lang, gingen in die Tiefe und zeigten Empathie, eine Lust auf eine gute Welt. Fake News verkörpern das Böse.»
Rückblickend räumt Kummer aber auch Versäumnisse ein: «Man hätte diese Deklarierung machen müssen», sagt er über seine Texte, die er als Literatur versteht. Es sei ihm damals darum gegangen, die Welt nicht nur zu beschreiben, wie sie ist, sondern wie sie sein könnte: «Eine bessere Welt.»
Am 14. März erscheint Tom Kummers neuer Roman: Freiwürfe mit einem Diktator handelt von Kim Jong Uns Zeit in der Schweiz.
Kurz-News
Ermittlungen ausgeweitet · Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS weitet die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aus. Neben dem Bar-Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti steht gemäss NZZ nun auch ein ehemaliger Sicherheitsbeauftragter der Gemeinde im Visier der Justiz. Dem Mann wird vorgeworfen, für die seit 2019 fehlenden Brandschutzkontrollen verantwortlich zu sein. Die Untersuchung soll klären, ob seine Versäumnisse strafrechtlich relevant sind.
Mehr Zugverbindungen · Der Bundesrat plant bis 2045 massive Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Kernstück der Bahnoffensive sei der Viertelstundentakt zwischen Bern und Zürich, berichtet 20 Minuten. SVP-Verkehrsminister Albert Rösti will zudem Halbstundentakte nach Luzern und Basel sowie im Mittelland einführen. Insgesamt fliessen 24 Milliarden Franken in die Schiene. Auf der Strasse sollen Engpässe im Aargau und Genf beseitigt werden, während 30 andere Autobahnprojekte gestrichen werden.
Millionengeschenk an Bund · WEF-Gründer Klaus Schwab will dem Bund das Grundstück des Hauptsitzes in Cologny GE schenken. Das Areal hat einen geschätzten Wert von 200 Millionen Franken. Schwab möchte damit sein Lebenswerk dauerhaft in der Schweiz verankern und Spekulationen verhindern. Der Bundesrat hat das Angebot bereits diskutiert, weiss der Blick, prüft aber noch die rechtliche Basis. Zudem muss der zerstrittene WEF-Stiftungsrat der Schenkung zustimmen.
International
US-Beamte suspendiert · Nach dem mutmasslichen Mord an Alex Pretti wurden gemäss Spiegel zwei US-Beamte suspendiert. Sie sollen den Krankenpfleger am Rande einer Razzia erschossen haben. Wahrend die Regierung Pretti zunächst als Terroristen darstellte, hält ein neuer Bericht fest, dass er bereits überwältigt am Boden lag und seine Waffe zu keinem Zeitpunkt gezogen hatte. Der Vorfall löste landesweite Proteste gegen Polizeigewalt aus.
Handyverbot an Schulen · Schweden plant ab dem 1. August ein Handyverbot an Grundschulen. Laut dem Gesetzesentwurf der Regierung müssten Schüler:innen ihre Geräte morgens abgeben. Bildungsministerin Simona Mohamsson begründet den Schritt gemäss Deutschlandfunk mit Schutz vor Mobbing und Förderung der psychischen Gesundheit. Während viele Rektor:innen Verbote bereits umsetzen, würde das Gesetz eine landesweite Pflicht schaffen, die auch für die Nachmittagsbetreuung gelten würde.
✊ Hörtipp
«Streets of Minneapolis»

Neuer Protestsong vom Boss. (Screenshot: brucespringsteen.net)
In den Neunzigern spaltete ein Virus die Gesellschaft. Wer sich mit HIV infizierte, wurde stigmatisiert und diskriminiert.
Immer noch sehenswert ist der Film «Philadelphia» (1993). Darin zieht der homosexuelle und von seiner Aids-Erkrankung geschwächte US-Anwalt Andrew Beckett (Tom Hanks) nach seiner Entlassung gegen seine Kanzlei vor Gericht – und gewinnt.
Den ikonischen Titelsong Streets of Philadelphia, der mir auch heute noch unter die Haut geht, schrieb damals Bruce Springsteen.
Heute, über 30 Jahre nach «Philadelphia», ist die amerikanische Gesellschaft wieder gespalten. Dieses Mal ist es kein Virus, das tötet. Es sind Bundesbeamte, die unschuldige Menschen auf der Strasse erschiessen.
Streets of Minneapolis heisst darum das neue Lied, das Bruce Springsteen letzte Nacht veröffentlicht hat. Darin singt der US-Musiker von Tränengas und Gummigeschossen, von blutigen Fussabdrücken auf schneebedeckten Strassen. Und von den beiden Ermordeten: Renee Good und Alex Pretti.
Im Refrain heisst es: «Hier in unserer Heimat töteten und wüteten sie, im Winter 2026. Wir werden uns an die Namen derer erinnern, die starben, in den Strassen von Minneapolis.»
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



