Guten Morgen {{vorname}}
US-Präsident Donald Trump benötigt keine Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Er hat ja seinen Gesundheitsminister Robert Kennedy Jr., die Hofberichterstatter von Fox News und Elon Musks KI-Monstrum Grok.

Wie gut er damit fährt, werden die Zwischenwahlen im Herbst zeigen.

In der Schweiz lässt sich die Regierung von 15 unabhängigen Persönlichkeiten aus Bildung, Forschung und Innovation beraten, dem sogenannten Wissenschaftsrat.

Klingt vernünftig, oder? Wenn es nach dem Bundesrat geht, soll sich das aber bald ändern.

Schweiz · Politik

Bundesrat will Wissenschaftsrat auflösen

Was er wohl davon gehalten hätte? Albert Einstein. (Foto: Unsplash/Collab Media)

Nach über 60 Jahren steht der Schweizerische Wissenschaftsrat (SWR) vor dem Aus. Der Bundesrat hat dem Parlament gemäss SRF empfohlen, das 1965 gegründete Gremium aus 15 unabhängigen Fachpersonen aufzulösen. Es ist Teil eines grösseren Abbaus von insgesamt neun ausserparlamentarischen Kommissionen.

Die Regierung begründet den Schritt mit dem Bedarf an mehr Effizienz. Nationale und internationale Herausforderungen verlangten heute «schnelle, spezialisierte Expertise statt langwierige Berichte». Die klassische Beratung durch den SWR entspreche nicht mehr den aktuellen Anforderungen im Bereich Forschung und Innovation. Stattdessen setzt der Bundesrat auf neu geschaffene Netzwerke, die in Krisen (z. B. Pandemien oder Cybersicherheit) schneller reagieren können.

Der Wissenschaftsrat selbst warnt vor diesem Schritt. Mit der Auflösung würde die Schweiz im internationalen Vergleich einen Sonderweg beschreiten, heisst es in einer Stellungnahme.

Kritiker:innen befürchten, dass ohne den SWR der unabhängige, langfristige Blick auf die Bildungs- und Forschungslandschaft verloren geht. Während der SWR weitgehend ehrenamtlich arbeitet, müssten künftige Evaluationen wohl teuer an externe Expert:innen vergeben werden.

Schweiz · Plastikgeld

BLS schafft Bargeldzahlung an Ticketautomaten ab

Cash ist hier bald nicht mehr King: BLS-Ticketautomat. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Christian Pfander)

Das Bahnunternehmen BLS stellt bis Mitte 2026 ihre Ticketautomaten in den Kantonen Bern, Freiburg, Solothurn und Wallis komplett auf bargeldlose Zahlung um. Ziel ist eine jährliche Ersparnis von 400’000 Franken durch geringere Unterhaltskosten.

Doch das Vorhaben stösst gemäss Tages-Anzeiger auf Widerstand. Kritiker:innen, allen voran der Verband Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU), bezeichnen die Einsparung als unverhältnismässig klein. Laut Berechnungen des Verbands spart die BLS pro Automat und Tag lediglich 7.96 Franken, was etwa dem Preis eines halben Brots in Zürich entspricht.

Angesichts der hohen staatlichen Subventionen sei es nicht gerechtfertigt, die Bedürfnisse von Kundinnen und Kunden zu ignorieren, die nach wie vor auf Bargeld setzen. «Wir wollen nicht, dass Personen ohne Kreditkarte der Zugang zum ÖV erschwert wird», sagt AefU-Geschäftsleiter Martin Forter. Es bestehe die Gefahr, dass Menschen ohne digitale Zahlungsmittel vermehrt auf das Auto umsteigen.

Die BLS hält dennoch an ihrem Kurs fest, da der Barumsatz an den Geräten massiv gesunken ist. Laut Sprecher Stefan Locher betragen die Bareinnahmen durchschnittlich weniger als 90 Franken pro Tag und Automat. Nur durch günstigere Betriebskosten könne die Grundversorgung mit Automaten langfristig gesichert werden.

Schweiz · Brot

Warum Hefe-Hipster 16 Franken für ein Pfünderli bezahlen

Statussymbol aus Mehl und Wasser: Brot. (Foto: Unsplash/Kate Remmer)

Mein Lieblingsbäcker war früher Oski Kuhn an der Badenerstrasse in Zürich. Dort gab es einen ehrlichen «Chnebel» für ein paar Fränkli. Heute bleibt mir das John-Baker-Gipfeli fast im Hals stecken, wenn ich das Portemonnaie zücke.

Der Beobachter hat nun aufgedröselt, weshalb in Schweizer Backstuben die Preisschere so drastisch auseinanderklafft. Während gewisse Discounter Brot schon für 99 Rappen anbieten, verkaufen Zürcher Manufakturen wie etwa Freja Edel-Laibe für bis zu 16 Franken.

«Wir erwarten nicht, dass unser Brot für alle etwas ist.»

Anna Forshufvud, Sourgood

Die hohen Preise rechtfertigen die Bäcker:innen mit aufwendigen Methoden. Anna Forshufvud von Sourgood erklärt etwa, die Herstellung dauere sieben Tage: «Wir erwarten nicht, dass unser Brot für alle etwas ist.» Es sei eher mit hochwertigem Wein vergleichbar.

Andreas Hopp, Geschäftsführer von Jung, verteidigt die stolzen Preise mit sozialen Standards: «Wir könnten günstigeres Brot anbieten. Dazu müssten wir allen langjährigen Mitarbeitenden kündigen.»

Nicht alle Kund:innen ziehen indes mit. «10 Franken für ein Brot? Nein, danke», schreibt ein Google-Rezensent. Stammkunden der Bäckerei Jung hätten sich nach der «Aufhipsterung» des Ladens über die Preise geärgert, heisst es im Artikel weiter: «Ein Maisbrötli für Fr. 2.30 ist mir zu teuer. Mein Pausenbrötli kaufe ich nun in der Migros, dort kostet es die Hälfte.»

Zum Schluss knetet Ernährungswissenschaftlerin Christine Brombach einen Kompromissvorschlag: «Nicht jedes teure Brot ist automatisch gesünder, und umgekehrt ist nicht jedes Industriebrot minderwertig.»

Zitat des Tages

«Immerhin im Musikhören sind wir frei»

Kolonialbauten, moderne Hochhäuser, Pagoden: Yangon in der Dämmerung. (Screenshot: NZZ/Lauren Decicca)

In Myanmar (Burma) haben in der vergangenen Woche so etwas wie Wahlen stattgefunden – die ersten seit dem Militärputsch vor fünf Jahren. Um Demokratie vorzugaukeln, liess die Junta ausnahmsweise sogar ausländische Journalisten in das südostasiatische Land einreisen. Einer davon war Andreas Babst von der NZZ. Sein Fazit nach dem Besuch im abgeschirmten Land: «Nichts passt zusammen.»

Die Reportage schildert eindrücklich, wie die Myanmarer:innen trotz aller Widrigkeiten versuchen, irgendwie ein Leben in Normalität zu führen. Indem sie tanzen, zum Beispiel: «In Yangon, der grössten Stadt des Landes, läuft Techno im Klub über dem Parkhaus, in irgendeiner Ecke in irgendeiner Mall mit weissem Fliesenboden. In ein paar Stunden beginnen die Wahlen. Der Wahlbeobachter aus Nicaragua hängt zugedröhnt an der Bar.»

Die grossen Nachtklubs seien von der Regierung toleriert, schreibt Babst; niemand könne in Yangon ein Geschäft eröffnen, ohne Beamte zu bestechen. Aber es gebe auch kleinere, weniger kommerzielle Klubs. Dort steckten Menschen wie etwa Aung (die eigentlich anders heisst) fast ihre ganze Energie in die Musik, um sich weniger hilflos zu fühlen: «Manchmal laufe ich durch die Strassen, und ich erwische mich dabei, wie ich meine Faust fest zusammenpresse, einfach so.»

Und jemand sagt: «Immerhin im Musikhören sind wir frei.»

Die Wahlen seien vor allem ein Schauspiel für die anderen, heisst es im Text. Für China, Indien, Russland. Im Land gibt es Bodenschätze, und niemand wolle einen Bürgerkrieg in der Nachbarschaft. Militärdiktator General Min Aung Hlaing dürfte sich zum gewählten Präsidenten ausrufen lassen. «Das Land hat nach den Wahlen die gleiche Regierung wie vorher, nur in Zivilkleidern.»

Der ganze Text liest sich wie ein tropischer Fiebertraum. Und trotz der deprimierenden Ausgangslage macht er auch Hoffnung. Leseempfehlung!

Kurz-News

Brandkatastrophe · Die Walliser Staatsanwaltschaft verweigert der Gemeinde Crans-Montana die Parteistellung im Strafverfahren zum Brand in der Bar «Le Constellation». Die Gemeinde sei kein direktes Opfer und könne daher nicht als Privatklägerin auftreten. Die Ermittlungen wurden derweil auch auf den derzeitigen Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde ausgeweitet, berichtet die NZZ. Es bestehe der Verdacht, dass Brandschutzkontrollen jahrelang vernachlässigt worden seien.

Keine Polizist:innen mit C-Bewilligung · Im Kanton Baselland dürfen weiterhin nur Schweizer Staatsangehörige zur Polizei. Das Parlament lehnte gemäss SRF eine Öffnung für Personen mit C-Bewilligung knapp ab: Bei einem Patt von 40 zu 40 Stimmen gab der Stichentscheid des Vizepräsidenten den Ausschlag. Während Linke auf die Fähigkeiten der Bewerber setzten, betonten Bürgerliche, dass das Gewaltmonopol in Schweizer Hand bleiben müsse.

Queer-freundliches Alterszentrum · In Zürich-Albisrieden wurde der Grundstein für das erste queer-freundliche Alterszentrum der Schweiz gelegt, berichtet Watson. Im Neubau Espenhof sind 26 Wohnungen speziell für die LGBTIQ+-Gemeinschaft reserviert. Das Projekt soll ab 2028 einen sicheren Ort bieten, da sich viele queere Menschen aus Angst vor Intoleranz im Alter wieder verstecken. Willkommen seien alle, die ein offenes und tolerantes Umfeld schätzen.

International

Guterres fordert Zurückhaltung · Angesichts gewaltsamer Einsätze von Bundesbeamten in Minnesota mahnt Uno-Chef António Guterres zur Mässigung. Das Recht auf Protest sei ein essenzielles Gut. Einsatzkräfte müssten «unverzichtbare Zurückhaltung ausüben». Auslöser der landesweiten Unruhen ist die brutale Abschiebepolitik der US-Regierung unter Donald Trump. Nach tödlichen Schüssen auf zwei unschuldige Menschen hofft Guterres gemäss Spiegel auf unabhängige Untersuchungen.

Gefährliche Abholzung · Im brasilianischen Regenwald stechen Mücken immer häufiger Menschen statt Wildtiere. Eine neue Studie zeigt, dass Insekten durch die Zerstörung ihrer Lebensräume die ursprünglichen Blutquellen verlieren. Da Vögel und Reptilien schwinden, weichen Mücken auf den Menschen aus. Dies steigert die Gefahr von Infektionen mit Dengue, Zika oder Gelbfieber massiv, heisst es im Tages-Anzeiger. Der Schutz des Regenwaldes sei somit auch eine direkte Vorsorge für die menschliche Gesundheit.

🧘 To-Do

Abschalten

Wasserfall statt Newsticker. (Foto: Unsplash/Mandy Choi)

Dass du immer noch mitliest, ist für mich keine Selbstverständlichkeit. Natürlich ist es wichtig, informiert zu bleiben. Aber Nachrichten können einen manchmal auch erschöpfen. Darum ist es wichtig, ab und zu das Handy wegzulegen, die Finger vom Refresh-Button zu lassen und abzuschalten.

Mir gelingt das am besten, wenn ich irgendwo draussen in der Natur bin. Wenn im Hintergrund ein Bach plätschert, die Vögel fröhlich zwitschern und vielleicht ein Gewitter naht. Diese Geräusche haben für mich stets eine beruhigende Wirkung.

Nun ist es aber leider so, dass man nicht immer das Glück hat, im Regenwald aufzuwachen, in einem Gasthaus auf einer schottischen Insel oder auf dem Sofa vor einem knisternden Kamin.

Aber auch dafür gibt es natürlich eine App (Handy wieder hervorholen, aber nur für das hier!). Mit der wunderbaren Anwendung A Soft Murmur kannst du dir eine Geräuschkulisse ganz nach eigenem Gusto zusammenstellen. Ich lausche gerade der Brandung, und gelegentlich fahre ich den Regler mit dem Vogelgesang hoch. Namaste! 🐦‍⬛

🔧 Witziges zum Schluss

Witziges der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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🎲 Rätsel

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Ich wünsche dir ein ruhiges Wochenende.

Peter

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