Guten Morgen {{vorname}}
Da, wo ich diese Zeilen gerade schreibe, lieben die Leute TV-Seifenopern. Die Serien laufen in den Cafés, im Tante-Emma-Laden (obwohl der hier natürlich anders heisst) und sogar im Taxi. Drama pur!
Ein gutes Drehbuch für so eine Vorabend-Show lieferte auch die Affäre um das Bundesgericht in Lausanne. Nachdem sich dort ein Richter und eine Richterin privat gefunden hatten, stellten sich die Laienhenker im Land die Frage: Dürfen die das überhaupt?
Dürfen schon, meint nun der Richter, trotzdem sei die Beziehung «unangemessen» gewesen.
Schweiz · Bundesgericht
«Unsere Liebesgeschichte war nicht illegal»

Wehrt sich: Bundesrichter Yves Donzallaz. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Adrian Moser)
Die Liebesbeziehung zwischen den beiden Bundesrichter:innen Yves Donzallaz und Beatrice van de Graaf war laut Donzallaz zwar unangemessen, aber nicht illegal. Im Interview mit dem Tages-Anzeiger nimmt der Walliser Richter nun erstmals Stellung, nachdem die «Weltwoche» die Beziehung publik gemacht und einen Verstoss gegen das Unabhängigkeitsgebot kritisiert hatte.
Die Beziehung dauerte von Mai 2025 bis Ostern 2026. Donzallaz sagt, dass das Verbot einer «dauernden Lebensgemeinschaft» nie verletzt wurde, da sie weder den Wohnsitz noch ein gemeinsames Lebensprojekt geteilt hätten. Van de Graaf habe lediglich an rund zwei Wochenenden pro Monat bei ihm übernachtet.
Donzallaz sieht sich als Opfer einer politischen Kampagne und greift die SVP, mit der er seit 2020 zerstritten ist, scharf an. Die Affäre sei instrumentalisiert worden, um ihn aus dem Amt zu drängen. Rückblickend gesteht der Bundesrichter: «Ich war sehr naiv.»
Trotz der Kritik kündigte er an, für die Amtszeit 2027 bis 2032 erneut zu kandidieren. Ein externer Expertenbericht zu dem Fall wird Ende Juni erwartet.
Schweiz · Schadstoffe
SBB planen aufwändige Asbest-Verschrottung

Giftige Fasern verbaut. Jetzt wirds teuer. (Screenshot: Watson/Keystone)
Die SBB müssen in den kommenden Jahren rund 400 schadstoffbelastete Fahrzeuge ausrangieren. Betroffen sind vor allem Züge mit Asbest, darunter die Typen EW IV, DPZ und NPZ Domino. Für Passagiere besteht keine Gefahr, da die giftigen Fasern fest verbaut sind. Die fachgerechte Entsorgung erfordere jedoch strenge Sicherheitsvorkehrungen, schreibt CH Media, nachzulesen etwa bei Watson.
Über eine Ausschreibung sucht die Bahn nun ein spezialisiertes Unternehmen. Die Anforderungen sind hoch: Die Arbeiten müssen in einer speziellen Innenhalle unter permanentem Unterdruck stattfinden, damit keine lebensgefährlichen Fasern nach aussen dringen. Das beauftragte Unternehmen soll Betriebsflüssigkeiten und Bestandteile, die gefährliche Stoffe enthalten, entnehmen sowie bedarfsweise funktionstüchtige Ersatzteile demontieren und an die SBB zurückgeben. Für die Sanierungs- und Laboranalysen haben die SBB 2,25 Millionen Franken vorgesehen.
Bei Neubeschaffungen setzt die Bahn heute auf strenge Materialnachweise. SBB-Sprecherin Sabrina Schellenberg sagt indes: «Stoffbewertungen können sich ändern, sodass künftig heute zulässige Stoffe anders bewertet werden könnten. Deshalb werden stetig neue Erkenntnisse bei den SBB geprüft und bei Bedarf in Anforderungen und Nachweisen berücksichtigt.»
International · Asylregeln
EU macht Weg frei für Abschiebezentren in Drittstaaten

EU verschärft Regeln für Migrant:innen. (Screenshot: SRF/Keystone)
Die EU verschärft ihre Asylregeln. Vertreter:innen des Europaparlaments und der Mitgliedsländer haben sich gestern Abend darauf geeinigt, abgelehnte Asylbewerber:innen künftig in sogenannten «Return Hubs» ausserhalb der EU unterzubringen. Die Zustimmung des Parlaments und der EU-Staaten gilt als Formalie.
In diese Zentren sollen Personen kommen, deren Herkunftsländer eine Rücknahme verweigern oder zu denen keine diplomatischen Beziehungen bestehen, berichtet SRF. Ausgenommen sind unbegleitete Minderjährige, während Familien mit Kindern einbezogen werden können. Voraussetzung ist ein Abkommen mit einem Partnerstaat, der im Gegenzug Geld oder Visa-Vorzüge erhält. Welche Drittstaaten diese Zentren beherbergen, ist noch offen.
Zudem wird der Druck auf Ausreisepflichtige erhöht. Bei fehlender Mitwirkung drohen die Streichung von Unterhaltsleistungen oder die Beschlagnahme von Dokumenten. Zudem ist eine Abschiebehaft von maximal 24 Monaten möglich, die in Sonderfällen um sechs Monate verlängert werden kann.
Die Reform folgt auf eine Phase sinkender Asylzahlen. Laut EU-Kommission wurden im vergangenen Jahr rund 28 Prozent der ausreisepflichtigen Migrant:innen tatsächlich zurückgeführt.
🍌 Kurioses
Alles Banane?

Gestohlen und gegessen: Kunstwerk. (Screenshot: The Art Newspaper/Centre Pompidou-Metz/Romain Gamba)
Das weltberühmte Kunstwerk «Comedian» des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan – eine mit Klebeband an die Wand geheftete Banane – wurde am Wochenende aus dem Centre Pompidou-Metz gestohlen. Die Täter:innen sind bislang unbekannt, das Museum habe Anzeige erstattet, berichtet The Art Newspaper.
Da es sich bei der Banane um das «verderbliche Element des Werks» handelt, konnte die Installation gemäss dem offiziellen Protokoll umgehend restauriert werden. Das Museum betonte, dass der eigentliche Wert der Arbeit im Echtheitszertifikat liege und kein bleibender Schaden entstanden sei. Dennoch verurteilte die Institution den Diebstahl.
Es ist nicht das erste Mal, dass Cattelans Werk für Wirbel sorgt. Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Besucher die Banane in Metz einfach aufgegessen. Zuvor wurde die Frucht bereits 2019 in Miami von einem Performance-Künstler und 2023 in Seoul von einem hungrigen Studenten verspeist.
Cattelan selbst erklärte einst, das Werk sei kein Witz, sondern ein Kommentar zum Kunstmarkt: «Wenn ich auf einer Messe sein müsste, könnte ich eine Banane verkaufen wie andere ihre Gemälde. Ich könnte innerhalb des Systems spielen, aber nach meinen Regeln.»
Kurz-News
Keine Krankenkassenpflicht für ausländische Häftlinge · Inhaftierte ohne Schweizer Wohnsitz müssen auch künftig nicht obligatorisch krankenversichert werden, berichtet SRF. Der Ständerat hat eine entsprechende Ausdehnung der Versicherungspflicht im Eiltempo abgelehnt. Damit scheiterten die Kantone und der Bundesrat, die die Kostenabwicklung vereinheitlichen wollten. Die bürgerliche Mehrheit argumentierte, das Eintreiben von Prämien bei Personen ohne Schweizer Wohnsitz sei nach der Haftentlassung faktisch unmöglich.
Nationalrat beschliesst GAV-Vorrang · Der Nationalrat will landesweit geltende Gesamtarbeitsverträge (GAV) höher gewichten als kantonale Mindestlöhne. Die bürgerliche Mehrheit folgte damit dem Ständerat und stellte sich gegen den Bundesrat sowie 25 Kantone. Bereits bestehende Mindestlöhne bleiben durch einen Kompromiss vorerst geschützt. Die SP spricht gemäss NZZ von einem «Miniputsch» gegen die direkte Demokratie. Gewerkschaften prüfen nun das Referendum.
Mehr Vorfälle in der Zivilluftfahrt · Die Zahl der gemeldeten Unfälle in der Schweizer Zivilluftfahrt ist 2025 um rund 20 Prozent gestiegen, berichtet die SDA, nachzulesen bei Nau. In der Freizeitfliegerei starben bei vier Unfällen sechs Menschen, ein weiterer Todesfall betraf die Landwirtschaft. Die kommerzielle Luftfahrt blieb unfallfrei. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt registrierte fast 15’000 Meldungen. Gründe für das Plus sind mehr Verkehr, eine bessere Meldekultur und gestörte GPS-Signale.
International
Mette Frederiksen bleibt · Zehn Wochen nach der Parlamentswahl hat Dänemark eine neue Regierung: Die Sozialdemokratin Mette Frederiksen einigte sich mit drei weiteren Parteien auf eine Links-Mitte-Koalition und tritt damit ihre dritte Amtszeit an. Die neue Regierung stellt gemäss SRF eine Minderheitsverwaltung mit 82 von 90 nötigen Sitzen dar und ist somit auf externe Unterstützung angewiesen. Die offizielle Vorstellung der Minister folgt am Mittwoch.
Ghana verschärft Gesetz gegen LGBTQ+ · Ghanas Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das die Identifikation als LGBTQ+ sowie die Unterstützung entsprechender Aktivitäten unter Strafe stellt. Bei Verstössen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Die queere Gemeinschaft im Land reagiert mit Panik, berichtet der Guardian, da Existenzängste und die Furcht vor Denunziation wachsen. Es wird erwartet, dass Präsident John Dramani Mahama das Gesetz bald unterzeichnet.
🧘 Nützliches des Tages
Mandala

Menschen mögen Mandalas. (Screenshot: Mandalagaba)
Mandalas sind kreisförmige Symbole, die in vielen Kulturen für Ordnung, Ganzheit und das Universum stehen. Das Wort stammt aus dem Sanskrit und bedeutet «heiliger Kreis».
Im Buddhismus helfen sie bei Meditation und spiritueller Schulung. Manche Mandalas werden aus farbigem Sand gelegt und nach ihrer Fertigstellung wieder zerstört, um die Vergänglichkeit der Dinge zu verdeutlichen.
Der Schweizer Psychiater C.G. Jung (1875–1961) machte Mandalas im Westen bekannt. Er beobachtete, dass Menschen in bestimmten Lebenssituationen spontan kreisförmige Muster zeichneten. Für ihn waren Mandalas Ausdruck des Strebens nach innerer Ordnung und Selbstfindung.
Hätte ich sieben Jahre Zeit, würde ich mein Mandala natürlich mit Sand malen. Für den Moment passt es aber auch mit der wunderbaren App Mandalagaba.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Ommmmm…
Peter
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