Guten Morgen {{vorname}}
In Japan gedachten die Menschen gestern in einer Schweigeminute um 14.46 Uhr der 15'000 Todesopfer, die ein schweres Erdbeben und der darauffolgende Tsunami am 11. März 2011 gefordert hatten.

Das Datum markiert auch den Tag der Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima. Eine sehenswerte Sendung dazu findest du hier.

Während in Tokio die Fahnen also auf Halbmast wehten, machten sich in Bundesbern die Ständerät:innen daran, einen wichtigen Entscheid für die Energieversorgung in der Schweiz zu fällen: Der Neubau von Atomkraftwerken soll wieder möglich werden.

Schweiz · Busbrand

Alle Opfer der Tragödie in Kerzers identifiziert

In Kerzers gedenkt man der Opfer der Tragödie. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Christian Pfander)

Nach dem Postautobrand in Kerzers ist nun bekannt, wer die Opfer sind. Die Kantonspolizei Freiburg hat alle sechs Toten und fünf Verletzten identifiziert. Unter den Todesopfern sind vier Personen aus der Region: zwei Frauen im Alter von 25 und 39 Jahren sowie zwei Männer im Alter von 16 und 29 Jahren. Auch der 63-jährige Busfahrer aus Portugal verstarb bei dem Unglück. Der mutmassliche Täter, ein 65-jähriger Schweizer, ist ebenfalls tot.

Am Tag nach der Katastrophe steht das kleine Dorf im Kanton Freiburg still, schreibt der Tages-Anzeiger. Die Spuren des Feuers sind noch deutlich sichtbar, während Blumen und Kerzen die Unglücksstelle säumen. Anwohner:innen berichten von dramatischen Szenen. Von Schreien und einer gewaltigen Rauchsäule. «Wie konnte er nur?», das fragen sich hier alle. Auch Pfarrer Stephan Urfer hat keine Antwort. «Es gibt keine Worte», sagt er.

Der mutmassliche Täter, ein polizeibekannter und psychisch instabiler Einzelgänger, hatte kein ideologisches Motiv. Im Echo der Zeit vermutet der forensische Psychologe Jérôme Endrass eine «starke, wahnhafte Erkrankung» als Ursache. Vieles deute auf eine Psychose hin. In einem solchen Zustand erlebten Betroffene eine «komplette Realitätsverkennung» und seien in ihrem «Wahnzustand gefangen».

Am Abend nahm Bundespräsident Guy Parmelin (SVP) an einer Gedenkfeier teil und zeigte sich tief bewegt: «Den Angehörigen der Verstorbenen von Kerzers spreche ich mein Beileid aus.»

Schweiz · Blackout-Initiative

Ständerat will AKW-Bauverbot aus Gesetz streichen

Atomgegner:innen entsetzt: Ständerat will neue AKW. (Foto: Greenpeace)

Als die Ständerät:innen gestern früh im Bundeshaus die Seite der NZZ durchscrollten, erfuhren sie von einer neuen Studie von Economiesuisse, in welcher der Wirtschaftsverband zum Schluss gelangt, dass ein neues AKW in der Schweiz kaum ein finanzielles Sicherheitsrisiko darstellen würde.

Das Timing war natürlich perfekt. Denn mit diesem beruhigenden Wissen im Hinterkopf liess sich ein paar Stunden später, am Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Fukushima, viel einfacher ein Grundsatzentscheid fällen, der die Schweizer Energiepolitik auf den Kopf stellen soll. Und so sprach sich die kleine Kammer mit 26 zu 12 Stimmen dafür aus, das Verbot für den Bau neuer Atomkraftwerke aus dem Gesetz zu streichen.

«Ich lade Sie ein, Optionen offenzuhalten.»

Thierry Burkart, FDP-Ständerat

Energieminister Albert Rösti betonte gemäss Watson die Notwendigkeit, langfristig alle Optionen offenzuhalten. Er warnte vor einer massiven Versorgungslücke: «Dort sprechen wir mindestens über den Ersatz der bestehenden Kernkraftwerke.»

Ohne Kernkraft drohten laut Rösti entweder eine Abhängigkeit von Stromimporten oder klimaschädliche Gaskraftwerke. Kommissionssprecher Thierry Burkart (FDP) ergänzte: «Es geht nicht darum, dass wir jetzt entscheiden, ein AKW zu bauen. Ich lade Sie ein, Optionen offenzuhalten.»

Die Ratslinke leistete vergeblich Widerstand. Maya Graf (Grüne) warnte, neue AKW kämen «viel zu spät» und seien ohne staatliche Milliardenhilfen nicht finanzierbar. Zudem sei die Endlagerfrage weiterhin ungelöst. Ihre Partei kündigte umgehend das Referendum an.

Als Nächstes muss sich der Nationalrat mit der Blackout-Initiative und dem Gegenvorschlag befassen. Das letzte Wort wird aber das Stimmvolk haben. Damit steht der Schweiz eine neue, intensive Debatte über Atomkraft bevor.

Schweiz · 📺

Kann der neue SRF-Chef Service public?

Will Publikum zurückholen: Roger Elsener. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Peter Klaunzer)

Roger Elsener heisst, wie erwartet worden war, der neue SRF-Direktor. Der Nachfolger von Nathalie Wappler ist studierter Publizist, war massgeblich am Erfolg von Privatsendern wie 3+ beteiligt und steht für Formate wie «Der Bachelor». SRG-Chefin Susanne Wille würdigt ihn als «erfahrenen, profilierten Medienmanager und Digitalexperten».

Kritiker:innen fragen sich gemäss Tages-Anzeiger trotzdem, ob ein Unterhaltungsmanager den journalistischen Kernauftrag des Service public erfüllen könne. Darauf angesprochen, entgegnet Elsener, die regionalen Radio- und TV-Sender hätten bei ihm stets eine hohe Priorität genossen. Für ihn stehe die Frage im Zentrum: «Wie holen wir das Publikum zu uns?»

«Er ist ein absoluter Profi. Und: Er kann rechnen.»

Roger Schawinski, Medienpionier

Neben der inhaltlichen Weiterentwicklung erwartet Elsener einen harten Sparkurs. Er verspricht einen «Technologiesprung», um SRF digital auf das nächste Level zu bringen.

Medienpionier Roger Schawinski begrüsst die Wahl: «Er ist ein absoluter Profi. Und: Er kann rechnen.» Elsener selbst blickt der Aufgabe optimistisch entgegen. Die Chance, SRF-Direktor zu werden, erhalte man «nur einmal im Leben».

🦜 Aufgeschnappt

Flugunfähiger Papagei wird YouTube-Star

Kakapo mit Küken. (Screenshot: Guardian/Andrew Digby)

Ein kleiner, flauschiger Papagei verzückt gerade das Internet: Menschen aus aller Welt verfolgen den Livestream aus dem Nest von Rakiura, einer Kakapo-Henne. Die Kakapo-Cam biete seltene Einblicke in das Leben des schwersten und einzigen flugunfähigen Papageis der Welt, schreibt der Guardian.

Offenbar geht es den in Neuseeland beheimateten Kakapos besser als auch schon. Laut dem Wissenschaftler Andrew Digby bahnt sich heuer sogar eine Rekord-Brutsaison an – die erste seit 2022. Nun verschiebe sich das Ziel von der Rettung einzelner Tiere hin zur Erholung der gesamten Population, so Digby: «Diese Brutsaison bedeutet einen Wendepunkt.»

Fans in den Chatforen sind tief bewegt vom Schicksal der Vögel. Ein Zuschauer schreibt: «Dieser Livestream ist meine Ablenkung von all den schrecklichen Dingen, die um uns herum in der Welt passieren.»

Die einst fast ausgerotteten Nachtpapageien zählen heute wieder 236 Tiere. Die aktuelle Saison mit bisher 57 geschlüpften Küken lässt die Naturschützer:innen auf eine stabile Zukunft für diese wunderbaren Vögel hoffen.

Kurz-News

Massnahmen gegen Gewalt · Das Parlament fordert nach gewaltsamen Ausschreitungen bei Demonstrationen schärfere Gesetze. Der Nachrichtendienst soll künftig Telefone abhören und Wanzen platzieren dürfen, um gewaltbereite Extremist:innen frühzeitig zu stoppen. Zudem will der Nationalrat die maximale Festnahmedauer auf 48 Stunden verdoppeln und Veranstalter:innen schweizweit stärker an den Kosten beteiligen, berichtet SRF. Während Mitte und FDP von einem nötigen Schutz des Rechtsstaats sprechen, äussern SP und Grüne Bedenken hinsichtlich der Grundrechte.

Rekordzahlen bei den SBB · Die SBB transportierten im letzten Jahr täglich 1,43 Millionen Passagiere – so viele wie nie zuvor. Trotzdem erreichte die Pünktlichkeit mit 94,1 Prozent einen Höchstwert. SBB-Chef Vincent Ducrot führt dies gemäss NZZ auf enorme Anstrengungen im Hintergrund zurück. Der Gewinn stieg auf 496 Millionen Franken. Ducrot warnt jedoch: Um das hohe Niveau zu halten, seien massive Investitionen in den Unterhalt nötig.

Seltene Bücher beschädigt · In der Universitätsbibliothek Basel wurden durch einen Wasserschaden rund 3000 Bücher beschädigt. Ursache war gemäss SRF ein bei Bauarbeiten auf dem Dach entstandenes Leck. Betroffen sind vor allem neuere Bestände im Freihandmagazin, darunter schwer ersetzbare arabische Werke. Eine Spezialfirma übernimmt nun die aufwendige Trocknung. Direktorin Alice Keller fordert angesichts veralteter Leitungen eine rasche Sanierung des Gebäudes, um weitere Schäden zu verhindern.

International

Öltanker angegriffen · Nach Explosionen auf zwei ausländischen Öltankern vor dem irakischen Hafen Basra ist mindestens ein Besatzungsmitglied ums Leben gekommen. 38 Personen konnten gerettet werden; die Suche nach weiteren Vermissten dauert an. Berichten zufolge könnte ein mit Sprengstoff beladenes iranisches Boot die Schiffe gerammt haben. Infolge der Attacke stellten alle Ölterminals in der Region ihren Betrieb ein. Die Hintergründe werden derzeit noch untersucht, berichtet die BBC.

Uber wird für Frauen sicherer · Der Fahrdienst-Konzern Uber hat diese Woche in den USA eine neue Funktion eingeführt, die es Fahrerinnen und Passagierinnen ermöglicht, ausschliesslich miteinander verbunden zu werden. Die Option «Women Drivers» soll gemäss AP das Sicherheitsgefühl auf der Plattform stärken und mehr Frauen zum Mitmachen bewegen. Trotz Kritik wegen angeblicher Diskriminierung von Männern rollte Uber das Tool landesweit aus. In der Schweiz gibt es keine Pläne zur Aufschaltung der Funktion.

💡 Nützliches des Tages

Leuchtstift

Bringen Farbe in den Büroalltag: Leuchtstifte. (Foto: Unsplash/Kim R-K)

Das einzige stabile Genie, das ich kenne, ist mein Stabilo Boss. Als Pizza-Puritaner ist meine Wahl natürlich Neongelb. Wir sind ja nicht zum Malen hier, sondern zum Markieren.

Wann immer ein Drucker in der Nähe ist, drucke ich Dokumente aus, in denen ich Wichtiges und vermeintlich Wichtiges farblich hervorhebe. Hat man einen Stapel ausgedruckter Textseiten mit leuchtenden Markierungen auf seinem Pult, ist das auch ein Beleg für Geschäftigkeit: Seht her, Kolleg:innen, ich lese hier nicht zum Spass!

Die ganze Druckerei ist natürlich überhaupt nicht nachhaltig. Umso erfreulicher ist das Tool, das mir Kollege Matthias Schüssler in seinem tollen Blog Clickomania vorgestellt hat. Bei Ténati handelt es sich um eine Browsererweiterung für Firefox, die es dir ermöglicht, digitale Textmarkierungen auf Webseiten dauerhaft zu hinterlassen. Ein gewichtiger Vorteil gegenüber der physischen Variante: Die Markierungen sind stets schnurgerade.

Das Tool sei simpel aufgebaut, schreibt Schüssler. Nutzer:innen können Textpassagen in sechs verschiedenen Farben – von Pistachio bis Lavender – hervorheben. Die Markierungen bleiben auch dann bestehen, wenn man die Seite schliesst und später wieder öffnet. Da die Daten lokal im Browser-Speicher abgelegt werden, überstehen sie sogar das Löschen des Caches.

Während Ténati auf Firefox spezialisiert ist, gibt es für Chrome und Edge ähnliche Lösungen wie den Super Simple Highlighter oder Web Highlights. Letzterer bietet gegen Aufpreis sogar Cloud-Synchronisation und KI-Zusammenfassungen an.

Schüsslers (und mein) Fazit: «Praktisch!»

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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