Guten Morgen {{vorname}}
Im Schweizer Medizin Eid (einer modernen Fassung des Hippokratischen Eids) steht unter anderem: «Ich betrachte das Wohl der Patientinnen und Patienten als vorrangig und wende jeden vermeidbaren Schaden von ihnen ab.»
Ob der Chirurg, der seit gestern in Bern vor Gericht steht, je einen Eid abgelegt hat, wissen wir nicht.
Gut ist, dass wir längst vom falschen Bild der «Götter in Weiss» abgerückt sind. Ärzte und Ärztinnen sind Menschen. Und wo Menschen zu Werke gehen, passieren Fehler. Selten kommen diese absichtlich vor. Dann kommen andere Menschen zum Zug: Juristinnen und Juristen.
Schweiz · Implantate-Skandal
Berner Chirurg wegen Körperverletzung vor Gericht

Verschwieg der Arzt vor seinen Eingriffen die Risiken? (Screenshot: SRF/Erika Bardakci-Egli)
Seit gestern muss sich ein 78-jähriger Chirurg vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem schwere Körperverletzung und mangelhafte Aufklärung vor, berichtet das Echo der Zeit von SRF.
Der Arzt soll zwischen 2011 und 2013 sieben Patient:innen das umstrittene Implantat Cadisc-L eingesetzt haben, obwohl dieses bereits in Tierversuchen Mängel aufwies.
Das Produkt wurde 2014 vom Markt genommen, nachdem sich Berichte über Risse und Zersetzungsprozesse gehäuft hatten.
Besonders brisant: Der Angeklagte, für den die Unschuldsvermutung gilt, war nicht nur behandelnder Arzt, sondern als Präsident des wissenschaftlichen Beirats der Herstellerfirma direkt an der Entwicklung beteiligt.
Laut Anklage verschwieg er seinen Patient:innen bewährte Alternativen sowie die spezifischen Risiken und versprach stattdessen eine «lebenslange Garantie». Zudem soll er Betroffene nach dem Marktrückzug nicht über die notwendigen Nachuntersuchungen informiert haben.
Die Verteidigung erzielte zum Prozessauftakt einen Teilerfolg: Ein Teil der Patientenprotokolle darf nicht verwertet werden, da die Anwält:innen bei den Befragungen nicht anwesend sein durften.
Der Prozess, in dem auch Expert:innen und weitere Geschädigte aussagen werden, dauert über eine Woche an. Ein Urteil wird für den 9. Februar erwartet.
Schweiz · Lohndumping
Barbershops drohen hohe Strafen

Feine Klingen, tiefe Löhne: Barbershops wenden GAV selten korrekt an. (Foto: Unsplash/Nate Johnston)
Angesichts alarmierender Zahlen verschärft die aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehende Paritätische Kommission ab diesem Jahr die Kontrollen im Coiffeurgewerbe massiv.
Künftig werden gemäss Gewerkschaftszeitung Work jährlich über 400 Betriebe überprüft. Bisher waren es rund 250. Ziel der Massnahme sei es, die flächendeckende Einhaltung des Gesamtarbeitsvertrags (GAV) zu erzwingen.
Besonders im Visier: die zahlreichen Barbershops. Igor Zoric, Branchenleiter Coiffure bei der Unia, sagt im Artikel: «Barbershops wenden den GAV noch seltener korrekt an als herkömmliche Coiffeursalons.»
Die aktuelle Statistik unterstreicht den dringlichen Handlungsbedarf: Von den 2024 geprüften Salons hielten lediglich vier Prozent alle Bestimmungen ein. Bei fast drei Vierteln der Betriebe mussten aufgrund schwerer Verstösse Konventionalstrafen ausgesprochen werden.
Fehlbaren Betrieben drohen neu Strafen von bis zu 25’000 Franken. Kontrolliert wurden sie bislang nur alle zwanzig Jahre. Dieser Abstand sinkt nun auf zehn Jahre. Aus Sicht der Gewerkschaft Unia immer noch zu selten. Zoric: «Wir wollen mit dem nächsten GAV die finanziellen Mittel schaffen, damit Betriebe alle fünf Jahre kontrolliert werden.»
Schweiz · Wohnungsmarkt
Mieter müssen raus – weil Bob Dylan einzieht?

Wohnt hier wirklich ein Musikgenie zur Miete? The answer is blowing in the wind… (Screenshot: Beobachter)
Ein bizarrer Fall an der Zürcher Klosbachstrasse zeigt die Schattenseiten des Mietmarkts. Drei Parteien erhielten kurz nach einem Besitzerwechsel die Kündigung. Die Begründung: dringender Eigenbedarf. Angeblich benötigte die Stieftochter des Vermieters zusätzlichen Platz für ein Malatelier.
Doch eine Recherche des Beobachters deckt nun Ungereimtheiten auf. Statt der künstlerisch tätigen Verwandten zog in eine der Wohnungen eine Frau aus Deutschland ein, die zudem eine höhere Miete zahlt als ihre Vorgängerin.
Besonders skurril: An einem der neuen Klingelschilder prangt nun der Name des US-Musikers «Bob Dylan» – ein offensichtliches Phantom.
Walter Angst vom Mieterinnen- und Mieterverband sagt dazu im Artikel: «Wenn drei Wohnungen in einem Haus mit der Begründung Eigenbedarf gekündigt werden, besteht ein Anfangsverdacht, dass der angegebene Kündigungsgrund nicht zutreffend ist.»
Da juristische Kontrollen fehlen, haben Vermieter:innen oft leichtes Spiel, um Wohnungen nach einer Kündigung teurer zu vermieten. Expert:innen raten betroffenen Mieter:innen, Kündigungen wegen Eigenbedarfs grundsätzlich anzufechten und bereits im Schlichtungsverfahren hohe Schadenersatzforderungen für den Fall zu stellen, dass der Eigenbedarf nie realisiert wird.
Der Zürcher Vermieter selbst schweigt bislang zu den Vorwürfen.
Zahl des Tages
10 Prozent

Jeder zehnten Person im Alter von 25 Jahren in der Schweiz fehlt ein Abschluss. (Foto: Unsplash/Element5 Digital)
Vor 20 Jahren setzte sich die Schweiz ein hehres Ziel: 95 Prozent der jungen Erwachsenen sollen bis zu ihrem 25. Altersjahr einen Abschluss nach der obligatorischen Schulzeit haben. Dafür gab man sich zehn Jahre Zeit.
Und was ist seither passiert? Fast nichts, wie Gymi-Lehrer und Dozent für Didaktik Philippe Wampfler in der Republik anprangert. Noch immer habe hierzulande jede zehnte Person im Alter von 25 Jahren keinen Abschluss. Die Quote blieb seit 2006 also praktisch unverändert bei 10 Prozent.
Um diese endlich zu heben, fordert Wampfler nun eine gezielte Sprachförderung, attraktivere Lehrbedingungen durch höhere Löhne sowie eine spätere Berufswahl. Und er schlägt vor: «Besonders gefährdete Jugendliche werden in der Oberstufe identifiziert und danach begleitet. Finden sie keine Lehrstelle oder brechen sie eine Lehre oder andere Ausbildung ab, werden sie konsequent gecoacht.»
Kurz-News
Kellnerin unter den Opfern · Die Kellnerin, die den Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana VS mutmasslich auslöste, ist selbst unter den Opfern. In der Silvesternacht geriet die Frau beim Servieren von Champagner mit Sprühkerzen gefährlich nahe an die Deckenisolation, woraufhin das tödliche Feuer ausbrach. Laut Einvernahmeprotokollen, die dem Tages-Anzeiger vorliegen, stand sie den Bar-Betreibern persönlich sehr nahe. Die Familie des Opfers betont, ihre Tochter habe nur Anweisungen befolgt.
Bernina plant Wegzug · Die Thurgauer Nähmaschinenherstellerin Bernina prüft die Verlagerung ihrer Produktion von Steckborn nach Thailand. Grund für diesen Schritt sind gemäss SRF die hohen US-Zölle sowie der starke Franken, da das Unternehmen rund 70 Prozent seines Umsatzes mit hochpreisigen Geräten in den USA erzielt. Von den Plänen wären maximal 40 der 334 Angestellten am Hauptsitz betroffen. In Thailand produziert Bernina bereits seit 1990 Nähmaschinen im tiefen und mittleren Preissegment. Bis zum 11. Februar läuft ein Konsultationsverfahren, um die Zukunft der Fertigung zu klären.
Schweiz will Winterspiele · Die Schweiz will die Olympischen Winterspiele 2038 ausrichten. Gestern informierte der Verein Switzerland 2038 in Bern über die Pläne: Statt Neubauten werde bestehende Infrastruktur in Clustern wie der Romandie und Graubünden genutzt, schreibt der Bund. Das Budget von 2,2 Milliarden Franken soll zu 82 Prozent privat finanziert werden. Als einzige Kandidatin im «privilegierten Dialog» mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOK) hat die Schweiz nun bis 2027 Zeit für ein finales Konzept.
International
Klage gegen US-Regierung · Der US-Bundesstaat Minnesota klagt gegen die US-Regierung, um Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE zu stoppen. Per einstweiliger Verfügung soll das Vorgehen der «aggressiven und bewaffneten Agenten» beendet werden, denen der Generalstaatsanwalt rechtswidriges Verhalten und Terror vorwirft. Dies berichtet unter anderem der Guardian. Hintergrund der Eskalation ist der Tod einer 37-jährigen amerikanischen Mutter während eines ICE-Einsatzes in Minneapolis vergangene Woche.
«Pompeji von Wales» entdeckt · Archäologen haben im walisischen Margam Country Park die bisher grösste römische Villa von Wales entdeckt. Mittels Bodenradar fanden Forscher der Swansea University das rund 572 Quadratmeter grosse Gebäude mitsamt Befestigungsanlage weniger als einen Meter unter der Erdoberfläche. Die Entdeckung werde als «Pompeji von Port Talbot» gefeiert, berichtet die BBC, da die Überreste aussergewöhnlich gut erhalten seien. Der Fund belege zudem, dass die Region zur Römerzeit ein bedeutendes Machtzentrum mit hoher Lebensqualität war.
✅ To-Do Liste
Falls noch nicht geschehen: X-Account löschen!

Twitter war nützlich und oft auch lustig. X bereitet nur noch Ärger. (Foto: Unsplash/Marten Bjork)
«Wie cool, nützlich und anregend Twitter doch war! Doch Elon Musk, russische Troll-Fabriken und anonyme Schweizer Wutbürger haben aus Twitter ein Güllenloch namens X gemacht.»
Das sagt Markus Häfliger, Public-Affairs-Verantwortlicher der Heilsarmee und ehemaliger Bundeshausjournalist, in diesem (nicht nur für Medienschaffende) lesenswerten Interview auf der Website von Matthias Zehnder.
Und er hat natürlich recht. Das beweisen nicht zuletzt die jüngsten News zu X. Dessen KI-Chatbot Grok ermöglicht es gemäss NZZ Nutzern, Nacktaufnahmen von Frauen und Kindern zu erstellen und auf X zu verbreiten.
Als Reaktion auf internationalen Druck durch Regierungen führte X eine Massnahme ein, die für zusätzliche Empörung sorgt: Die entsprechenden Funktionen zur Bildbearbeitung wurden nicht etwa gesperrt, sondern sind fortan zahlenden Abonnenten vorbehalten.
Malaysia und Indonesien blockieren Grok inzwischen, wie die BBC berichtet. Die britische Aufsichtsbehörde Ofcom hat gemäss New York Times eine formelle Untersuchung gegen die Plattform eingeleitet. Musk drohen Bussen von bis zu zehn Prozent des Umsatzes oder ebenfalls eine Blockade.
Und was passiert in der Schweiz? Da tummeln sich immer noch zahlreiche Politikerinnen und Politiker auf X.
Ein Umstand, den etwa Reto Vogt, Studienleiter Digital am MAZ in Luzern, in seiner Kolumne auf dnip scharf kritisiert: «Ein Account auf X ist wie ein Stand auf einem Marktplatz, auf dem Hetzer, Rechtspopulisten und Sexualstraftäter nicht nur ungestraft patrouillieren, sondern vom Platzwart persönlich mit den Werkzeugen für ihre Übergriffe ausgestattet werden.»
Heute wäre also ein guter Tag, sich von X zu verabschieden. Ich habs soeben getan.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



