Guten Morgen {{vorname}}
Findest du immer die richtigen Worte? Ich jedenfalls nicht – weder im Alltag noch im Berufsleben, und oft auch nicht in diesem Newsletter. Dennoch gebe ich mir stets Mühe.
Manchmal fehlt uns das Gespür für den passenden Ton, oder wir sind schlichtweg erschöpft. In manchen Momenten fehlen die Worte sogar komplett, besonders angesichts tragischer Ereignisse wie der Brandkatastrophe in Crans-Montana.
Doch genau dort wird von den Verantwortlichen nun rhetorisches Fingerspitzengefühl erwartet. Da dies bei der gestrigen Medienkonferenz misslang, fordern die Schweizer Zeitungen nun fast unisono den Rücktritt des Gemeindepräsidenten.
Schweiz · Brandkatastrophe
Rücktrittsforderungen an Gemeindepräsident Nicolas Féraud

Unter Druck: Nicolas Féraud (links), Gemeindepräsident von Crans-Montana. (Screenshot: Südostschweiz/Cyril Zingaro)
Nach der Medienkonferenz im Kongresszentrum von Crans-Montana VS verschärft sich die Kritik an der Gemeindeführung. Präsident Nicolas Féraud (FDP) steht unter massivem Druck, einen Rücktritt lehnt er jedoch ab.
Besonders Férauds Aussage, die Gemeinde sei von der Katastrophe «mehr als alle anderen betroffen», stösst auf Unverständnis und wird gegenüber den Opferfamilien als Hohn empfunden.
«Verantwortung übernehmen hiesse in diesem Fall, zurückzutreten.»
Unter dem Titel «Ein Rücktritt wäre das einzig Richtige» kritisiert die Südostschweiz die Haltung Férauds scharf.
Dass dieser mit der Metapher ablehnt, man verlasse das Schiff nicht im Sturm, bezeichnet die Zeitung als das Gegenteil von Verantwortung: «Verantwortung übernehmen hiesse in diesem Fall, zurückzutreten.»
Zum gleichen Schluss kommt auch der Tages-Anzeiger. Es handle sich um «ein Versagen auf der ganzen Linie». Der Ruf der Schweiz stehe jetzt auf dem Spiel.
Die NZZ schreibt ebenfalls von einem strukturellen Versagen: So wurde die Katastrophenbar «Le Constellation» entgegen gesetzlicher Pflichten seit sechs Jahren nicht mehr kontrolliert.
Gemeindeweit wurden 2025 weniger als ein Drittel der nötigen Brandschutzprüfungen durchgeführt, laut Gemeindepräsident Féraud ohne erklärbaren Grund.
Besonders brisant: Der brennbare Akustikschaumstoff wurde bei früheren Kontrollen fatalerweise als «akzeptabel» eingestuft.
Die Betreiber der Bar liessen über ihre Anwälte derweil verlauten, sie seien «am Boden zerstört« und kooperierten vollumfänglich mit der Justiz. Gegen sie wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, berichtet Blue News.
Die Gemeinde Crans-Montana tritt im Verfahren als Nebenklägerin auf, schreibt SRF, sieht sich jedoch nun selbst mit ersten Strafanzeigen wegen Amtsmissbrauch und Versäumnissen in der Aufsichtspflicht konfrontiert.
In der Silvesternacht verwandelte sich die Bar «Le Constellation» binnen Sekunden in ein Inferno. Ausgelöst durch Wunderkerzen an Champagnerflaschen, entzündete sich die Deckenisolierung aus brennbarem Akustikschaumstoff.
Die Katastrophe forderte 40 Todesopfer, darunter viele Jugendliche, sowie 116 Verletzte. Es ist das schwerste Brandunglück in der modernen Geschichte der Schweiz.
Schweiz · Ist nur Bares Wahres?
Abstimmungskampf um Bargeld-Initiative beginnt

Cash ist für ihn King: Richard Koller kämpft gegen Plastikgeld-Pflicht. (Screenshot: SRF/Peter Klaunzer)
In Bern haben die Befürworter der Initiative «Bargeld ist Freiheit» offiziell ihren Abstimmungskampf lanciert. Am 8. März entscheidet das Stimmvolk darüber, ob die Versorgung mit physischem Geld in der Verfassung verankert werden soll.
Die Initianten der Freiheitlichen Bewegung Schweiz (FBS), angeführt von Richard Koller, warnen gemäss SRF vor einer schleichenden Verdrängung von Noten und Münzen. Bargeld sei nicht nur ein Symbol für Freiheit und Souveränität, sondern garantiere auch in Krisenzeiten das Funktionieren von Wirtschaft und Staat.
Unterstützt wird das Anliegen von SVP und EDU, die auf die Bedeutung des Bargelds für kleine Betriebe und die Robustheit gegenüber digitalen Systemen verweisen.
Zwar halten Bundesrat und Parlament das Anliegen grundsätzlich für berechtigt, haben jedoch einen direkten Gegenvorschlag ausgearbeitet.
Diesen lehnen die Initianten als zu vage ab, da er unter anderem die Zuständigkeit bei der Nationalbank statt beim Bund sieht.
Während die Zahl der Bankomaten sinkt und digitale Bezahldienste wie Twint boomen, fordern die Befürworter eine klare staatliche Garantie für den Erhalt von Münzen und Banknoten.
Schweiz · Rekordkälte
Das sehr grosse Bibbern

Es sei gerade ziemlich kühl in der Schweiz, schreibt mir ein guter Freund. Wohl eine Untertreibung. Aus der Ferne bleibt mir der Blick in die Zeitung. Von der «kältesten Nacht in diesem Winter», schreibt etwa das St. Galler Tagblatt.
So sanken die Temperaturen am Dienstagmorgen im Mittelland auf neue Tiefstwerte: In Kloten ZH wurden eisige -14 Grad Celsius gemessen, in der Kältekammer La Brévine NE klirrte die Luft bei -28,4 Grad.
Die eisigen Temperaturen setzten auch den SBB zu: Es kam zu Verspätungen, besonders im Raum Zürich und auf der Strecke zwischen Bern und Zürich, berichtet Nau.
Hauptursache waren Störungen an den Weichenheizungen. Laut SBB müssen Züge bei extremer Kälte zudem ähnlich wie Autos «warmlaufen».
Ursache für die aussergewöhnliche Kälte ist arktische Polarluft, die seit Weihnachten bei uns festsitzt. Am Wochenende bringt ein Wetterumschwung in den Bergen Schneesegen: bis zu 60 Zentimeter Neuschnee.
Während sich Wintersportler also freuen können, zeigt der Winter in Europa auch seine Schattenseiten. Die extreme Kältewelle hat bereits mehrere Todesopfer gefordert. Besonders betroffen ist Osteuropa: In Polen und Tschechien erfroren Menschen in unzureichend beheizten Wohnungen oder im Freien.
Zahl des Tages
2,26 Meter

Überragt alle: die chinesische Basketballerin Zhang Ziyu. (Screenshot: Watson)
Mit ihren 2,26 Metern ist Zhang Ziyu vermutlich die grösste Frau der Welt (offiziell ists die Türkin Rumeysa Gelgi mit 2,15 m).
Nun sorgt die Chinesin im Profi-Basketball für Aufsehen. Die 18-Jährige gab am vergangenen Sonntag ihr Debüt in der chinesischen Frauen-Liga (WCBA) für das Team Shandong, wie Watson berichtet.
In nur zwölf Einsatzminuten erzielte die Centerin zwölf Punkte und sechs Rebounds, wobei ihre körperliche Überlegenheit die Gegnerinnen vor unlösbare Aufgaben stellte.
Kurz-News
Preisstreit eskaliert · In Migros-Regalen klaffen wieder Lücken: Die Brauerei Feldschlösschen hat die Belieferung von Denner- und Migrolino-Läden gestoppt. Grund ist ein eskalierter Preisstreit mit der Migros-Gruppe, wie Blick berichtet. Betroffen sind neben der Marke Feldschlösschen auch internationale Biere wie Guinness und Grimbergen sowie Softdrinks wie Pepsi.
Datenmissbrauch · In Zürich wurde ein grosser Betrugsfall in der Arbeitslosenversicherung aufgedeckt: Eine Ex-Angestellte soll gemäss SRF Daten von Arbeitslosen gestohlen und an Komplizen weitergegeben haben. Damit wurden Kredite aufgenommen und Luxusgüter finanziert. Der Schaden beläuft sich auf rund 500'000 Franken. Für die Opfer ist die Lage belastend, da sie mit unberechtigten Forderungen und negativen Bonitätseinträgen kämpfen.
Grüne gegen Trump · Grünen-Chefin Lisa Mazzone fordert gemäss 20 Minuten ein Einreiseverbot für Donald Trump zum WEF in Davos. Sie bezeichnet den US-Präsidenten als «Piraten» und wirft ihm vor, mit der Festnahme von Nicolás Maduro in Venezuela das Völkerrecht massiv verletzt zu haben. Die Schweiz dürfe ihm keinen roten Teppich ausrollen. Das Aussendepartement (EDA) sieht jedoch keine rechtliche Grundlage für eine Einreisesperre, obwohl es die US-Aktion als völkerrechtswidrig einstuft.
International
Truppeneinsätze in Ukraine · Der britische Premierminister Keir Starmer plant nach einem Waffenstillstand den Einsatz britischer und französischer Truppen in der Ukraine. Dies berichtet Watson. Eine entsprechende Absichtserklärung mit Präsident Macron soll den rechtlichen Rahmen für die Sicherung des Luft- und Seeraums sowie den Wiederaufbau der ukrainischen Armee ebnen. Zudem ist der Bau von Militärstützpunkten und geschützten Anlagen geplant.
International, Politik · Der frühere CIA-Agent und Überläufer Aldrich Ames ist im Alter von 84 Jahren in einem Gefängnis im US-Bundesstaat Maryland gestorben, schreibt der Tages-Anzeiger. Ames hatte zwischen 1985 und 1994 für rund 2,5 Millionen Dollar hochsensible Geheimdienstinformationen an die Sowjetunion und später Russland verraten. Sein Verrat führte zur Enttarnung und Hinrichtung mehrerer westlicher Agenten und gilt als einer der schwersten Spionageskandale in der Geschichte der CIA. Er verbüsste eine lebenslange Haftstrafe ohne Bewährung.
🔧 Nützliches des Tages
Vielleicht der klügste Newsletter der Welt

Eigentlich fast immer die richtigen Worte findet der Musiker, Autor und Künstler Nick Cave. Und das nicht nur in seinen wunderbaren Songs.
Im Blog und Newsletter «The Red Hand Files» beantwortet der gebürtige Australier seit 2018 Briefe von Fans aus aller Welt. Seine in englischer Sprache verfassten Texte sind reflektiert, manchmal dunkel, oft tröstend und stets präzise formuliert.
Was den Blog für mich auszeichnet, ist seine menschliche Wärme: Nick Cave belehrt nicht. Er zweifelt oft, erinnert sich – und er hört zu.
Wenn du also mal eine Pause von all den News benötigst: unbedingt reinlesen!
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



