Guten Morgen {{vorname}}
Seit ein paar Wochen prangt in meinem Impfbüchlein eine ganze Menge neuer Sticker. Auf Empfehlung meiner Ärztin habe ich mich gegen allerlei tropisches Ungemach schützen lassen. Für mich eine Selbstverständlichkeit.
Aber natürlich sehen das nicht alle so. Impfskepsis ist weit verbreitet in der Schweiz. Oftmals läuft sie ins Leere – so wie jetzt zum Beispiel in St. Gallen.
Schweiz · Gesundheit
Aufruhr um Impfpflicht: Ein Sturm in der Ampulle

Ein Piks als Akt der Solidarität: Während der Coronapandemie gab es keine Impfpflicht. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Adrian Moser)
Im Kanton St. Gallen sorgt das neue Gesundheitsgesetz für heftige Debatten. Die Regierung will die Kompetenz erhalten, in Pandemiefällen eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen zu erlassen – inklusive Bussen von bis zu 20'000 Franken für Verweigerer.
Die SVP kritisiert dies als faktischen Impfzwang, berichtet der Tages-Anzeiger. Nationalrat Mike Egger etwa sagt, dass Bussen in dieser Höhe den Entscheidungsspielraum der betroffenen Personen aufheben würden.
Was in der Diskussion oft untergeht: St. Gallen ist keineswegs ein Einzelfall. Bereits 17 andere Kantone haben ähnliche Regelungen längst in ihren Gesetzen verankert. Die gesetzliche Basis dafür bietet das eidgenössische Epidemiengesetz, dem das Schweizer Volk bereits 2013 zustimmte.
Auch bei der Höhe der angedrohten Strafen liegt St. Gallen im Vergleich eher im Mittelfeld. So sieht der Kanton Zürich etwa Bussen von bis zu 50'000 Franken vor. In Basel-Landschaft drohen theoretisch sogar bis zu 100'000 Franken.
International · Grönland
Krisentreffen in Washington bringt keinen Erfolg

Der dänische Aussenminister Lars Løkke Rasmussen und die grönländische Aussenministerin Vivian Motzfeldt. (Screenshot: Guardian/Andrew Leyden)
Die diplomatische Krise zwischen den USA, Dänemark und Grönland spitzt sich zu. Trotz des gestrigen Treffens in Washington zwischen dem dänischen Aussenminister Lars Løkke Rasmussen, seiner grönländischen Kollegin Vivian Motzfeldt sowie US-Vizepräsident J. D. Vance und Aussenminister Marco Rubio bleibt die Lage gemäss Guardian festgefahren.
Während US-Präsident Donald Trump gestern abermals die strategische Bedeutung der Insel für die nationale Sicherheit betonte, wehren sich Dänemark und Grönland entschieden gegen die Annexionspläne.
Rasmussen erklärte nach dem Treffen, man habe die US-Position nicht ändern können: «Es ist klar, dass der Präsident den Wunsch hat, Grönland zu erobern.» Er stellte unmissverständlich klar, dass dies nicht im Interesse Dänemarks liege.
«Grenzen können nicht mit Gewalt geändert werden.»
Trump betrachtet Grönland als vital für ein geplantes Raketenabwehrsystem. Europa verstärkt derweil die Unterstützung für Kopenhagen. Frankreich, Deutschland und Norwegen kündigten erhöhte Militärpräsenz in der Arktis an.
Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen sagte bereits am Dienstag: «Grenzen können nicht mit Gewalt geändert werden, und kleine Länder sollten keine Angst vor grossen Ländern haben müssen.»
Eine Arbeitsgruppe soll nun versuchen, die massiven Differenzen zu klären.
International · Iran
Zwischen Hoffnung, Wut und Trauer

Kampf für Freiheit im Iran: Demonstrantin in Istanbul. (Screenshot: Tages-Anzeiger)
Die Nachrichten und Bilder, die uns täglich aus dem Iran erreichen, sind schrecklich. Seit Ausbruch der Proteste sind Aktivistinnen und Aktivisten zufolge mindestens 3’428 Demonstrierende getötet worden, berichtet die deutsche Tagesschau.
Der Tages-Anzeiger hat sich in einer lesenswerten Reportage bei Exil-Iraner:innen umgehört. Zum Beispiel bei Clubbesitzer Homayon Tatari aus dem türkischen Van. Er floh vor Jahren vor dem Regime, nachdem man ihn beim Auflegen auf geheimen Partys erwischt hatte.
Seit das Mullah-Regime mit beispielloser Härte gegen die eigene Bevölkerung vorgeht, bleibt Tataris Dancefloor meist leer. Wenn Landsleute kommen, dann zum Reden. Ihre Hoffnung richten sie auch auf die USA: «Will Trump nicht als Lügner dastehen, dann muss er uns jetzt helfen.»
Auch die Sehnsucht nach einer Rückkehr zur Monarchie unter Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schahs, ist in der Exilgemeinde gross. «Der Sohn des Königs ist unsere letzte Chance auf Freiheit», glaubt etwa Seyedeh Poorhashemi, die vor dem Weissen Haus demonstriert.
Pahlavi selbst gab sich bei einem Fernsehinterview siegessicher: «Das Regime steht kurz vor dem Zusammenbruch. Lasst es uns über die Klippe stossen.»
Während in Washington geredet wird, herrscht an der Grenze zur Türkei die nackte Angst. Ankommende nutzen die ersten Minuten im Ausland, um Lebenszeichen an Verwandte zu senden.
Die Bitterkeit gegenüber dem Westen wächst mit jedem Opfer: «Er hat alle auf die Strassen gerufen, dann sind sie dort getötet worden», sagt eine geflohene Frau über Trump.
Zahl des Tages
32,6 Millionen

Am Flughafen Zürich herrscht immer mehr Betrieb – auch wenns schneit. (Foto: Flughafen Zürich AG)
Flugscham ist passé. Über den Wolken herrscht offenbar wieder die grenzenlose Freiheit. Das registriert auch der Flughafen Zürich. Erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie lagen die Passagierzahlen im vergangenen Jahr über dem Niveau von 2019.
Insgesamt reisten 32,6 Millionen Menschen über den grössten Schweizer Flughafen. Dies entspricht einem Zuwachs von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert gleichzeitig einen neuen Jahresrekord (103,4 Prozent im Vergleich zu 2019).
Obwohl die Passagierzahlen deutlich zunahmen, stieg die Zahl der Flugbewegungen weniger stark an, berichtet Aerotelegraph. Mit 270'116 Starts und Landungen (plus 3,5 Prozent gegenüber 2024) erreichte der Flugverkehr etwa 98 Prozent des Volumens von 2019.
Dass dennoch mehr Passagiere befördert wurden, liegt an einer verbesserten Effizienz: Die Sitzplatzauslastung stieg auf 79,8 Prozent. Gemäss Flughafenbetreiber ist dies auf den Einsatz grösserer Flugzeugtypen und eine optimierte Belegung zurückzuführen.
Kurz-News
Wertlose Auto-Extras · Seit der Abschaltung des 3G-Netzes Anfang 2026 sind viele ältere Fahrzeuge in der Schweiz offline. Betroffen seien Funktionen wie Live-Navigation und das Notrufsystem E-Call, berichtet der Beobachter. Hersteller wie BMW oder Mercedes lehnen technische Nachrüstungen oft ab und verweisen auf die Mobilfunkbetreiber. Nur bei einigen Marken (VW, Skoda, Seat) ist ein Software-Update möglich. Rechtlich haben Besitzer laut TCS keine Handhabe, da 3G zum Kaufzeitpunkt dem Stand der Technik entsprach.
Schweizer bezahlen mehr · Bad News für Mona-Lisa-Fans: Ab sofort kostet der Eintritt in den Pariser Louvre für Personen aus Nicht-EWR-Staaten 32 statt wie bisher 22 Euro. Vom Aufschlag um 45 Prozent ist gemäss Tages-Anzeiger auch die USA betroffen. Das Museum begründet den Schritt mit hohen Kosten für Instandhaltung und Sicherheit. Eine Gewerkschaft kritisierte die Preisstaffelung: Sie schaffe ungleichen Zugang zum französischen Kulturerbe.
Fisch(li) des Jahres· Der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) hat die munzige Elritze zum Fisch des Jahres gewählt. In der Schweiz leben mindestens vier verschiedene Elritzenarten. Doch die Freude über die Vielfalt sei getrübt, schreibt der Blick. Viele Arten sein vom Aussterben bedroht. Als wichtiger Indikator für die Gewässerqualität mache die Elritze – auch «Butzli» genannt – auf das Artensterben in Schweizer Gewässern aufmerksam.
International
Schweres Zugunglück in Thailand · Bei einer Kollision im Nordosten Thailands sind gestern mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen. Ein Baukran, der an einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke arbeitete, stürzte gemäss Reuters auf einen vorbeifahrenden Zug. Zwei Waggons entgleisten und fingen Feuer, 66 Personen wurden verletzt. Die Regierung ordnete eine lückenlose Untersuchung gegen die bereits umstrittene Baufirma ITD an.
Marsmission gestoppt · Das Vorhaben der Nasa, Gesteinsproben vom Mars zur Erde zu bringen, ist vorerst gescheitert. Der US-Kongress hat dem Milliardenprojekt die Mittel entzogen, berichtet SRF. Seit 2021 sammelt der Rover Perseverance Hinweise auf mögliches früheres Leben, darunter organische Moleküle. Die Rückholung hätte bis zu 11 Milliarden Dollar gekostet. Wegen massiver Sparmassnahmen in der US-Wissenschaftspolitik bleiben die wertvollen Proben nun vorerst auf dem Mars liegen.
🔧 Nützliches des Tages
Eine der nützlichsten Seiten des Internets feiert heute Geburtstag

Jimmy Wales gründete die Online-Enzyklopädie Wikipedia vor 25 Jahren. (Screenshot: Tages-Anzeiger)
Heute feiert die Online-Enzyklopädie Wikipedia ihren 25. Geburtstag. Was als Graswurzelprojekt begann, ist mittlerweile eine Säule der Informationsgesellschaft, schreibt der Tages-Anzeiger.
Doch zum Jubiläum blicke das werbefreie «gallische Dorf» des Internets in eine ungewisse Zukunft. Zwei Entwicklungen setzen das Projekt massiv unter Druck: künstliche Intelligenz und zunehmende gesellschaftliche Spaltung.
Tech-Milliardär Elon Musk kritisiert die Plattform als zu links und lancierte mit «Grokipedia» eine KI-generierte Alternative. Diese nutzt auch Quellen aus dem rechtsextremen Spektrum, um vermeintliche Ausgewogenheit herzustellen.
Noch bedrohlicher ist der technologische Wandel. Die Wikimedia Foundation verzeichnete 2025 einen Rückgang der Seitenaufrufe um acht Prozent.
Da immer mehr Menschen Informationen direkt bei Chatbots wie ChatGPT abrufen, schwindet der direkte Kontakt zur Enzyklopädie. Dies gefährdet nicht nur die Sichtbarkeit der Quellen, sondern auch das Engagement der ehrenamtlichen Autorenschaft, von der das Projekt lebt.
Ironischerweise sägen die KI-Modelle an dem Ast, auf dem sie sitzen: Wikipedia ist eine der wichtigsten Quellen für das Training grosser Sprachmodelle. Ohne die von Menschen kuratierten und belegten Fakten der Enzyklopädie fehlt den Chatbots die solide Datengrundlage.
In ihrem gestrigen Gastkommentar in der NZZ schreibt Jenny Ebermann, Geschäftsführerin von Wikimedia Schweiz, dass es für die Allgemeinbildung fatal sei, wenn Sachinformationen falsch sind oder gänzlich unbekannt bleiben. «Noch gravierender ist es, wenn richtig oder falsch gar keine Kategorien mehr sind – sondern alternative Fakten.»
Deshalb, auch wenn dort nicht immer alles perfekt ist: Im Zweifel lieber Wikipedia konsultieren, als einem undurchsichtigen Chatbot vertrauen.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



