Guten Morgen {{vorname}}
Mein Pultnachbar in der Primarschule hatte einen Vater, der in Florida wohnte. Nach den Sommerferien kam er immer mit den verrücktesten Dingen zurück in die Schweiz.
Am meisten beeindruckten mich die kleinen Sticker, die exotische und wunderbare Düfte verströmten, wenn man an ihnen rieb. Das weckte meine Sehnsucht: Da will ich hin!
Heute weiss ich, was ich damals roch: Wintergreen. Man findet es drüben in Kaugummis, in Bonbons, einfach überall. Nur ist mir die Lust darauf vergangen. In den USA duftet es nicht mehr nach Wintergreen – sondern immer stärker nach Tränengas und Autoritarismus.
Schweiz · Gesundheit
Dem Pflegepersonal geht es (immer noch) schlecht

Arbeiten bis zur Erschöpfung: Pflegende stehen unter psychischem Dauerdruck. (Foto: Unsplash/Vladimir Fedotov)
Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen stehen unter extremem psychischem Druck. Eine neue Studie der Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg belegt, dass ihr Suizidrisiko viermal höher ist als das der übrigen Schweizer Bevölkerung. Von den über 3'000 befragten Fachkräften gaben 1,4 Prozent an, im vergangenen Jahr Suizidgedanken gehabt zu haben.
Studienleiterin Dolores Angela Castelli Dransart spricht gegenüber RTS von einem «Paradoxon der Pflegenden»: «Sie sind diejenigen, die sich um andere kümmern müssen und können dadurch selbst in Schwierigkeiten geraten. Sie sind ständig mit Leid, manchmal auch mit Gewalt konfrontiert, was sie belasten kann.»
Laut Castelli Dransart wird die Problematik verdrängt und stigmatisiert, da Fachpersonen Angst vor «Konsequenzen für ihre Karriere» haben. Um die hohe Qualität der Versorgung für die Gesellschaft zu sichern, sei es daher entscheidend, das Schweigen zu brechen, proaktiv Hilfe anzubieten und feste Unterstützungsstrukturen sowie mehr Anerkennung im Arbeitsalltag zu schaffen.
Es gibt aber auch Erbauenderes zu berichten in Sachen psychischer Gesundheit. Die Generation Z blicke optimistisch in die Zukunft, heisst es etwa im Beobachter. Dies zeige eine Umfrage unter Jugendlichen. Halt geben vor allem soziale Kontakte und kleine Alltagsfreuden.
Courage, 18, sagt etwa: «Ich habe mit Freundinnen einen regelmässigen Fixpunkt im Kalender eingerichtet. Diesen Tag sehne ich regelrecht herbei. Dann machen wir alles, was Spass macht. Tanzen zum Beispiel.»
Und Mustafa, 23: «Wenn ich traurig bin oder nervös, dann gehe ich boxen. Dort hat es einen Sandsack und laute Musik, wie in der Disco. Da komme ich zu mir.»
Schweiz · F-35
Interne Dokumente: Kampfjet-Schlappe für Pfister

Verteidigungsminister Martin Pfister: Wie viele Kampfjets sollen es denn nun sein? (Screenshot: Blick/Keystone)
Verteidigungsminister Martin Pfister (Mitte) erlitt im Bundesrat eine empfindliche Schlappe. Sein Plan, die Luftwaffe auf bis zu 70 Jets aufzustocken, stösst bei seinen Kolleg:innen auf breiten Widerstand.
Das belegen interne Dokumente, die Blick gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz einsehen konnte. Demnach zerrissen gleich vier Departemente die Pläne des VBS in der Ämterkonsultation.
Der ursprüngliche Kauf von 36 F-35-Jets wackelt bereits, da der US-Fixpreis hinfällig ist und das vom Volk beschlossene 6-Milliarden-Budget gesprengt zu werden droht. Dennoch wollte Pfister die Flotte langfristig fast verdoppeln.
Das Justizdepartement äusserte massive Zweifel, ob man sich in ein «nächstes F-35-Beschaffungsabenteuer stürzen sollte – wenn noch nicht einmal der Ausgang des ersten geklärt ist». Man sehe keine realistischen Szenarien, wonach die Schweiz in absehbarer Zeit ihren eigenen Luftraum gegen einen militärischen Angreifer mit Kampfflugzeugen verteidigen können müsste.
Auch die Finanzverwaltung warnt vor Milliardenkosten: «Solange die Finanzierung der Armee nicht geklärt ist, darf der Bundesrat nicht weitere bedeutende Zusatzbeschaffungen in Aussicht stellen.»
Wegen des heftigen Gegenwinds musste Pfister seine offizielle Mitteilung im Dezember drastisch umschreiben. Die Forderung nach einem Ausbau auf bis zu 70 Flieger wurde komplett gestrichen. Und so bleibt es: bei einem Wunsch.
International · ICE
«Staatsterror» in den USA

Trauer und Wut in Minneapolis: Schon wieder mordete der Staat. (Screenshot: New York Times)
Drei Wochen nach dem Mord an Renee Good haben Bundesagenten in Minneapolis erneut einen US-Bürger getötet. Der 37-jährige Krankenpfleger Alex Pretti wurde am Boden liegend von einem Mitglied der Border Patrol mit mehreren Schüssen hingerichtet, nachdem er bereits entwaffnet worden war. Dies belegen zahlreiche Videoaufnahmen.
Pretti geriet ins Visier der Agenten, als er versuchte, eine Frau zu schützen, die von den Beamten massiv mit Pfefferspray attackiert wurde. Er trug seine Waffe mit einer gültigen Lizenz vollkommen legal – und er hatte sie zu keinem Zeitpunkt gezogen. Dennoch spricht die Trump-Administration auch in diesem Fall – und ohne Belege – von Terrorabwehr.
In Minneapolis wachsen derweil die Proteste gegen die Willkür der Bundesbehörden. Unterstützung erhalten sie vom früheren US-Präsidenten Barack Obama und dessen Frau Michelle Obama. Auf Twitter veröffentlichten sie in der Nacht auf heute ein ausführliches Statement. Darin heisst es etwa: «Die Tötung von Alex Pretti sollte ein Weckruf für jede Amerikanerin und jeden Amerikaner sein, ungeachtet der Parteizugehörigkeit, dass viele unserer Grundwerte als Nation zunehmend unter Beschuss geraten.»
«Es gibt eine Logik, und diese Logik hat einen Namen. Sie heisst Staatsterror.»
In der New York Times zieht die renommierte Publizistin M. Gessen eine erschütternde Bilanz der letzten drei Wochen in Minneapolis. Was als Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen getarnt wird, bezeichnet Gessen als die «Ankunft des Staatsterrors». Unter der Trump-Administration agierten Bundesbehörden nicht mehr als Ordnungshüter, sondern als paramilitärische Einheiten, die gezielt Angst verbreiten.
Gessen warnt davor, in diesen Taten eine Logik zu suchen. Staatsterror funktioniere gerade durch seine Willkür: Er trifft Mütter, Krankenpfleger und Kinder gleichermassen. Das Ziel dieser Strategie sei es, den Bürgern das Gefühl von Sicherheit und Handlungsfähigkeit zu rauben. Wer Gewalt als Spektakel auf offener Strasse inszeniert, wolle demonstrieren, dass niemand mehr sicher ist. Gessen zieht düstere Parallelen zu den Verhaftungsquoten unter Stalin: Es geht nicht um Recht, sondern um Unterwerfung.
🧗♂️ Übergeschnappt
Mann erklimmt Gipfel der Dekadenz

Nichts für schwache Nerven: Alex Honnold beim Aufstieg. (Screenshot: Tages-Anzeiger/I-Hwa Cheng/AFP)
Ich bekomme schon schwitzige Hände, wenn ich auf dem Aussichtsturm auf dem Uetliberg ZH stehe. Deshalb verzichtete ich auf das Live-Kletterspektakel auf Netflix.
Dass es Alex Honnold geschafft hat, nahm ich erleichtert zur Kenntnis. Ich verstehe nicht, was er tut, aber irgendwie ist mir der kauzige Amerikaner trotzdem sympathisch. Und immerhin scheint er zu wissen, was er tut.
Auf jeden Fall hat der Kletterstar gestern den 508 Meter hohen Wolkenkratzer «Taipei 101» in Taiwan bezwungen. Rund anderthalb Stunden dauerte der Aufstieg des 40-jährigen Free-Solo-Spezialisten.
Ohne Seil und Sicherung kletterte der zweifache Vater die Glas- und Stahlfassade empor. Ein einziger Fehler hätte den sicheren Tod bedeutet. Die Bilder dazu findest du etwa beim Tages-Anzeiger.
Während Tausende Schaulustige vor Ort den Atem anhielten, löste die Übertragung eine hitzige Debatte aus. Kritiker sprachen von einer «Todsünde des Actionsports», da ein potenziell tödlicher Ausgang für ein Millionenpublikum und kommerzielle Zwecke inszeniert wurde. Für Bewunderer hingegen war es der ultimative Beweis für Alex Honnolds mentale Stärke.
Kurz-News
Gegen Olympische Spiele· Eine repräsentative Umfrage von Watson zeigt: 51 Prozent der Bevölkerung lehnen Olympische Winterspiele 2038 in der Schweiz ab. Hauptgrund für das Misstrauen sind die Kosten für die öffentliche Hand. Während Jüngere und FDP-Wähler das Projekt eher unterstützen, herrscht bei Älteren sowie Anhängern von Grünen und SP grosse Skepsis. Besonders kritisch wird die Finanzierung gesehen: Nur 23 Prozent unterstützen den aktuellen Vorschlag einer 400-Millionen-Beteiligung durch den Bund.
Parmelin reagiert auf Kritik · Nach der scharfen Kritik aus Rom an der Freilassung des Bar-Besitzers Jacques Moretti aus der Untersuchungshaft bemüht sich die Schweiz um Deeskalation. Gemäss NZZ äusserte SVP-Bundespräsident Guy Parmelin im «Corriere della Sera» Verständnis für die italienische Empörung, betonte jedoch die Unabhängigkeit der Gerichte: «Es ist nicht Aufgabe der Politik, in unser Justizsystem einzugreifen.» Moretti war trotz Protesten der italienischen Regierung gegen Kaution freigelassen worden.
SVP will zurück zur alten Schule · Mit einem nationalen Positionspapier fordert die SVP eine radikale Kehrtwende in der Bildungspolitik. Die Partei will den integrativen Unterricht abschaffen und zu Kleinklassen zurückkehren, berichtet der Tages-Anzeiger. Weitere Forderungen sind der Verzicht auf die zweite Fremdsprache in der Primarschule, ein Handyverbot sowie Quoten für Ausländerkinder. Während der Lehrerverband die Debatte begrüsst, warnt er vor rein parteipolitischen Reformen ohne fachliche Basis.
International
Gold so teuer wie nie zuvor · Heute stieg der Preis für Gold erstmals über 5000 Dollar pro Unze. Damit legte das Edelmetall gemäss Handelsblatt seit Jahresbeginn um elf Prozent zu. Preistreiber seien vor allem die geopolitischen Spannungen um Venezuela, den Iran und die Grönlandkrise. Das Misstrauen gegenüber dem Dollar und US-Präsident Donald Trumps Angriffe auf die Notenbank Fed befeuerten den Run zusätzlich.
Schiffsunglück vor den Philippinen · Nach dem Sinken der Fähre «M/V Trisha Kerstin 3» werden vor der philippinischen Küste über 100 Menschen vermisst. Mindestens zwölf Personen kamen bei dem Unglück in der Nacht ums Leben, rund 200 konnten bisher gerettet werden. Die Küstenwache stehe im Grosseinsatz, schreibt der Tagesspiegel. Das Schiff war mit 332 Menschen an Bord auf dem Weg zur Insel Jolo, als es aus noch ungeklärter Ursache unterging. Sicherheitsmängel führen in der Region immer wieder zu Tragödien.
🧶 Nützliches des Tages
Sie revolutionierte das Strickmuster

Barbara G. Walker (1930-2025) erfand rund 1000 Strickmuster. (Screenshot: New York Times)
Früher fand ich «Lismen» mässig cool. Das änderte sich im Gymnasium, als ich in meiner Freizeit in einer Strickwarenfabrik arbeitete. Die Besitzerin kreierte aus Wolle die verrücktesten Pullis und Schals, die selbst auf den Laufstegen in Paris oder Mailand geglänzt hätten.
Zu den grössten Strick-Koryphäen gehörte ohne Zweifel die Amerikanerin Barbara G. Walker, die kurz vor Weihnachten im Alter von 95 Jahren verstorben ist. In einem lesenswerten Nachruf in der New York Times heisst es, sie habe als Autodidaktin das Handwerk von einer rein repetitiven Tätigkeit in eine kreative Kunstform verwandelt.
Barbara G. Walker, die auch als feministische Autorin und Atheistin bekannt war, erfand rund 1'000 eigene Muster und katalogisierte Tausende weitere aus aller Welt. Ihre sieben Standardwerke, darunter das berühmte «A Treasury of Knitting Patterns», verkauften sich hunderttausendfach.
Für die «Kniterati», die weltweite Strick-Gemeinde, bleibt sie die Frau, die den Fokus vom reinen Befolgen von Regeln auf den Genuss am Prozess lenkte. Elizabeth Zimmermann, eine enge Wegbegleiterin Walkers, sagte einmal: «Stricke mit Zuversicht und Hoffnung durch alle Krisen hindurch weiter.»
Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Ausser vielleicht der Verweis auf diese nützliche Seite der Schweizer Familie, auf der du ganz viele tolle Strickmuster findest.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



