Guten Morgen {{vorname}}
Während du schliefst oder bestimmt Besseres zu tun hattest, habe ich mir Trumps Rede zur Lage der Nation in voller Länge angehört. Es gab ein bisschen Tumult, die üblichen Übertreibungen und Lügen, und ein paar US-Hockeyaner, die eben erst Olympia-Gold gewonnen hatten, tauchten auch noch überraschend auf und lächelten verlegen.

Nicht, dass man es anders erwartet hätte. Aber es ist schon erstaunlich, wie dieser Mann offenbar in einer Parallelwelt lebt, in der alles «grösser, besser, reicher und stärker ist als jemals zuvor». Alles sei ihm in kürzester Zeit gelungen, plaschauerte Trump. Nur einen roten Faden zu finden, das schafft er immer noch nicht.

Nach so viel toxischem Gerede hätte ich fast die Nummer des Giftnotrufs gewählt. Aber ich wollte die Leute dort nicht noch mehr beschäftigen. Im Jahr 2025 nahmen sie nämlich im Schnitt rekordverdächtige 123 Anrufe PRO TAG an. Und nicht pro Jahr, wie ich gestern im 6iBrief plaschauert hatte.

Schweiz · Abstimmungen

Deutlicher Nein-Trend bei SRG-Halbierungsinitiative

Durchatmen an der Fernsehstrasse: Studio im Leutschenbach. (Foto: Unsplash/Konrad Weber)

Kurz vor dem Abstimmungssonntag am 8. März zeigen neue Umfragen von YouGov Schweiz klare Tendenzen für die vier nationalen Vorlagen. Das deutlichste Signal gibt es gemäss Watson bei der Halbierungsinitiative, bei der sich ein Nein-Trend verfestigt. Aktuell sprechen sich 58 Prozent der Befragten gegen das Begehren aus, während nur 38 Prozent zustimmen würden.

Zu einem ähnlichen Resultat gelangt die neuste Umfrage von Tamedia: 57 Prozent lehnen die SRG-Halbierung ab, nur noch 42 Prozent sind dafür.

Ebenfalls vor dem Aus steht die Klimafonds-Initiative. Mit 71 Prozent Ablehnung ist ein Erfolg an der Urne gemäss den YouGov-Umfragewerten praktisch ausgeschlossen.

Spannender bleibt es bei der Individualbesteuerung. Zwar sank die Zustimmung auf 49 Prozent, eine Annahme ist mit 44 Prozent Nein-Stimmen aber weiterhin im Bereich des Möglichen. Hier stehen sich Argumente der zeitgemässen Anpassung und Befürchtungen über bürokratischen Mehraufwand gegenüber.

Bei der Bargeld-Initiative hat sich das Blatt gewendet. Der behördliche Gegenentwurf geniesst mit 63 Prozent mittlerweile deutlich mehr Rückhalt als die ursprüngliche Initiative mit 52 Prozent. Auch in der entscheidenden Stichfrage liegt der Gegenentwurf vorn.

Schweiz · Menschenrechte

EDA setzt auf «respektvollen Dialog auf Augenhöhe»

Kann man nicht oft genug wiederholen: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. (Foto: Unsplash/Markus Spiske)

Angesichts weltweiter Kriege und der Unterdrückung von Minderheiten hat das Schweizer Aussendepartement (EDA) gestern seine Menschenrechts-Leitlinien für die Jahre 2026 bis 2029 vorgestellt.

Botschafter Tim Enderlin, Leiter der Abteilung Frieden und Menschenrechte, sagt im Rendez-vous auf SRF, dass das Hauptproblem nicht fehlende Gesetze seien: «An Regeln mangelt es nicht. Aber mit der Umsetzung und Einhaltung der internationalen Vereinbarungen hapert es zurzeit.»

Die Schweiz verzichte daher bewusst auf die Forderung nach neuen Abkommen und konzentriere sich stattdessen auf die Akzeptanz bestehender Standards.

Bundesrat Ignazio Cassis betont in seinem Vorwort zu den Leitlinien, dass die Schweizer Politik glaubwürdig und wirksam bleiben müsse, indem sie den Schutz des Individuums ins Zentrum rückt. Dabei setzt das EDA auf einen «respektvollen Dialog auf Augenhöhe» statt auf ein schulmeisterliches Auftreten. Dies gelte auch für schwierige Partner wie China oder den Iran.

Während Kritiker solche Gespräche oft als Alibiübung abtun, verteidigt Botschafter Enderlin die Strategie: «Wir wollen langfristig Wirkung erzielen. Mit den Menschenrechtsdialogen schaffen wir eine gemeinsame Basis und Vertrauen.»

Amnesty International begrüsst zwar das Bekenntnis zur universellen Geltung der Menschenrechte, bemängelt jedoch das Fehlen spezifischer Schutzmassnahmen, etwa für Homosexuelle oder Transmenschen. Ob die Leitlinien gegenüber wirtschaftlichen oder migrationspolitischen Interessen bestehen können, müsse die Praxis der nächsten Jahre zeigen.

Schweiz · Absurdistan

«König der Schweiz» ärgert die Kantone

Kauft, was niemandem gehört: Cosplayer Jonas Lauwiner. (Screenshot: Blick/Helena Graf)

Wer will in diesen Zeiten überhaupt noch die Last einer Krone tragen? Jonas Lauwiner natürlich, einer der schrägsten Vögel im Land, wohnhaft in Burgdorf BE und selbsternannter «König der Schweiz».

Seit Jahren macht sich der IT-Fachmann, der gern eine weisse Uniform trägt, eine Gesetzeslücke zunutze: Er eignet sich systematisch eigentümerlose Grundstücke an. Mittlerweile umfasst sein «Reich» bereits 154 Parzellen auf knapp 120'000 Quadratmetern. «Was niemandem gehört, nehme ich an mich», sagt er im Blick.

«Ich hätte nie gedacht, dass ich so wichtig werde.»

Jonas Lauwiner, Cervelat-Royal

Besonders lukrativ sind diese Flecken Land, wenn Strassen im Spiel sind: Für Wegrechte verlangt Lauwiner hohe Gebühren. «Wir haben uns in der Mitte getroffen, bei 25’000 Franken», erzählt er über einen Deal mit Anwohner:innen.

Den Kantonen passt dieses Geschäftsmodell nicht in den Kram. Bern etwa will nun das Gesetz anpassen, damit Gemeinden bei herrenlosen Grundstücken künftig den Vorrang erhalten. Andere Kantone planen ähnliche Schritte. Lauwiner zeigt sich allerdings unbeeindruckt: «Ich hätte nie gedacht, dass ich so wichtig werde.»

🇺🇸 Zitat des Tages

«Bigger, Better, Richer, Stronger»

Liess sich von den Seinen feiern: Donald Trump. (Screenshot: New York Times/Kenny Holston)

Wenn du jetzt an den grossartigen Song Harder, Better, Faster, Stronger der französischen Band Daft Punk denkst, muss ich dich leider enttäuschen. Es handelt sich nur um die einleitenden Worte von US-Präsident Donald Trump, die er vor wenigen Stunden in seiner Rede zur Lage der Nation im Kapitol herausposaunt hatte: «Our nation is back. Bigger, better, richer, stronger than ever before.» Und auch sonst wiederholte er sich mehrheitlich.

Es war die längste State-of-the-Union-Rede aller Zeiten. Erst nach knapp zwei Stunden – manche Demokrat:innen hatten den Saal längst verlassen – sagte Trump die erlösenden Worte: «Thank you, and God bless the United States of America.»

Und die Faktenchecker der New York Times machten sich an die Arbeit: Trump log, als er abermals behauptete, er habe die Wahlen 2020 gewonnen (das war Joe Biden). Trump log, als er den Demokrat:innen vorwarf, auch bei den nächsten Wahlen bescheissen zu wollen. Und Trump log, als er sagte, er werde Sozialversicherung, Medicare und Medicaid stets schützen. Um nur auf einige der Lügen und Halbwahrheiten einzugehen.

In einer Stunde und 47 Minuten hat der US-Präsident also nicht viel Neues erzählt. Alles tipptopp in den USA? Der «Proof of the pudding» folgt dann bei den Zwischenwahlen.

Kurz-News

SMI im Allzeithoch · Der Schweizer Leitindex SMI hat erstmals die Marke von 14'000 Punkten geknackt. Treiber seien die lockere Geldpolitik der Notenbanken und die Hoffnung auf eine globale Konjunkturerholung, schreibt SRF. Besonders Industrie- und Nahrungsmittelaktien wie Nestlé oder ABB legten zu. Investor:innen scheinen sich zudem an die US-Zollpolitik gewöhnt zu haben, was für Stabilität sorge.

Leere Büros · In der Schweiz stehen so viele Büros leer wie nie zuvor. Rund 3,17 Millionen Quadratmeter sind ungenutzt, besonders in der Agglomeration. Gründe für diesen Rekordwert sind gemäss Tages-Anzeiger der Trend zum Homeoffice und der Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt. Während zentrale Lagen beliebt bleiben, kämpfen Orte wie Opfikon ZH mit hohen Leerständen.

Toter eingebürgert · Das Thurgauer Parlament hat versehentlich einen verstorbenen Mann eingebürgert. Der 77-jährige Deutsche stand auf einer Liste von 140 Personen, obwohl sein Tod den Behörden gemeldet war. Als Grund werden mangelhafter Datenaustausch und lange Vorlaufzeiten in der Verwaltung genannt. Der Vorfall entfacht nun gemäss SRF eine Debatte darüber, ob das Parlament noch die richtige Instanz für Einbürgerungen ist oder die Kompetenz an die Verwaltung gehen sollte.

International

Louvre-Chefin tritt ab · Die Präsidentin des Louvre, Laurence des Cars, ist nach massiver Kritik zurückgetreten. Auslöser war ein spektakulärer Raub von napoleonischem Schmuck im Wert von 88 Millionen Euro. Eine Untersuchung deckte nun systemische Mängel und Managementversagen auf. So waren etwa nur 39 Prozent der Räume mit Kameras überwacht, schreibt der Guardian. Zudem belasteten ein Ticketbetrug und Streiks das Pariser Museum. Emmanuel Macron nahm den Rücktritt als «Akt der Verantwortung» an.

KI schenkt nicht ein · KI-Investitionen haben gemäss Gizmodo praktisch nichts zum US-Wirtschaftswachstum 2025 beigetragen. Dies belegt eine Analyse von Goldman Sachs. Obwohl Firmen wie Google oder Meta Milliarden investieren, profitiert das US-BIP kaum. Zudem zeigen Umfragen unter 6000 Führungskräften, dass die KI-Nutzung die Produktivität bisher nicht massgeblich steigern konnte.

🐣 Nützliches des Tages

Noch mehr Tiervideos

Nachwuchs im Tierpark Goldau: Bartgeier-Küken. (Foto: Tierpark Goldau)

Das Bartgeierpärchen Mascha (36) und Hans (33) im Natur- und Tierpark Goldau SZ hat wieder Nachwuchs. Da es in der Vergangenheit oft Probleme gab, wurde das am 29. Dezember gelegte Ei in einem Brutapparat ausgebrütet.

Auch diesmal verlief der Prozess nicht reibungslos, berichtet Watson. Nachdem das Küken die Schale zwar angepickt hatte, der Vorgang aber zum Stillstand kam, musste das Team handeln. Pascal Marty, Kurator und Leiter Zoologie, sagt: «Es zeigte sich, dass der junge Bartgeier ohne Unterstützung nicht vollständig schlüpfen konnte. Deswegen hat unsere Tierärztin eingegriffen und ihm den erfolgreichen Schlupf ermöglicht.»

Das vitale Jungtier wurde vorgestern zurück in den Horst zu seinen Eltern gebracht. Dank des ausgeprägten Bruttriebs wurde das Küken von Mascha und Hans sofort angenommen. Ob der junge Geier später ausgewildert oder in einem anderen Park leben wird, ist noch unklar.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

PS: NO KINGS!

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