Guten Morgen {{vorname}}
«Eigentor von rechts», titelt der Spiegel zur gestern abgelehnten Neutralitätsinitiative – und schreibt, dass die Initiative den Ruf der Schweiz geschädigt hat. Die Abstimmung sorgte international für Schlagzeilen, und natürlich starten wir die Woche auch im 6iBrief mit einem Blick auf die gestrigen Abstimmungsresultate.
Heute gehts ausserdem um die Berufs-WM, bei der die Schweiz brilliert hat und das unangenehme Thema Prämienanstieg. Guten Start!
Schweiz · Abstimmungssonntag
Reaktionen und Resultate: Die Abstimmung im Überblick

Klares Nein: Beim Nein-Komitee der Neutralitätsinitiative freute man sich. (Screenshot: Watson / Keystone)
Zweimal abgelehnt, zweimal am Volks- und Ständemehr gescheitert: Sowohl die Neutralitätsinitiative (mit 70,2 Prozent Nein-Stimmen) als auch die Ernährungsinitiative (mit 72,5 Prozent) wurden gestern an der Urne abgeschmettert.
Die eidgenössischen Vorlagen und regionalen Resultate (Genf sagt als erster Kanton Ja zu kostenloser Verhütung!) inklusive Übersicht, wie deine Gemeinde abgestimmt hat, kannst du dir im Detail ansehen – Grafiken haben etwa SRF, der Tagi, Watson, die NZZ oder 20 Minuten. Die Neutralitätsinitiative und die Ernährungsinitiative haben übrigens leicht überdurchschnittlich mobilisiert: 47 Prozent der Berechtigten gaben zu den beiden Vorlagen ihre Stimme ab.
Für Ignazio Cassis ist das Nein zur Neutralitätsinitiative kein Votum gegen die Neutralität: «Die Schweiz war gestern neutral, ist heute neutral und wird es auch in Zukunft bleiben», sagte der Aussenminister in Bern. Die Stimmbevölkerung habe mit ihrem Entscheid Nein zu einem strengeren Rahmen für die Neutralität in der Verfassung gesagt. Und für Landwirtschaftsminister Guy Parmelin ist die Diskussion über eine verstärkte einheimische Nahrungsmittelversorgung nach dem Nein zur Ernährungsinitiative nicht abgeschlossen.
Das Nein zur Neutralitätsinitiative ist eine Niederlage für Christoph Blocher, der fünf Millionen Franken in den Abstimmungskampf investierte. Der Alt-Bundesrat findet laut Tagi, dass der Entscheid die Schweiz unsicherer gemacht habe. Naja, damit steht er offenbar recht allein da. Gemäss Tages-Anzeiger (Artikel noch nicht online) stimmten selbst unter den SVP-Wähler:innen 29 Prozent für Nein.
Spannende Einordnungen zu den gescheiterten Initiativen liest du von der Politologin Jenny Roberts bei 20 Minuten. Politgeograf Michael Hermann analysierte die Ergebnisse in der Schweiz vom Sonntag.
Schweiz · WorldSkills 2026
Die Schweiz räumt an der Berufs-WM in China ab

Fina Niebergall aus Zürich gewann bei der Berufs-WM eine Goldmedaille in der Kategorie «Hotel Reception».
(Screenshot: 20 Minuten / Facebook)
Kennst du die Berufs-WM? Solltest du, denn it's a thing und wir sind auch noch richtig gut darin: Insgesamt zwölf Medaillen gewann das Schweizer Team bei den WorldSkills 2026 in Shanghai. Mit insgesamt vier Gold-, zwei Silber- und sechs Bronzemedaillen beendete die Schweiz die Berufsweltmeisterschaften in China laut Nau als Europas bestes Team und unter den Top drei weltweit. 🚀
Laut 20 Minuten traten rund 1400 Wettkämpfer:innen aus mehr als 60 Ländern und Regionen in 64 Disziplinen gegeneinander an. Von der Schweizer Delegation stellten 42 junge Berufstalente ihr Können unter Beweis.
Die vier Weltmeistertitel gingen an Ian Hofer aus Turbenthal ZH und Cyrill Koller aus Rossrüti SG in der Kategorie «Industry 4.0», an die Hotel-Kommunikationsfachfrau Fina Niebergall aus Zürich, an den Sanitärinstallateur Matthias Steiner aus Lyssach BE sowie an den Baumaschinenmechaniker Sandro Amrhein aus Balterswil TG.
Die Schweiz hat bei der Berufs-WM übrigens nicht zum ersten Mal abgeräumt: Bereits an den letzten WorldSkills 2024 in Lyon hatte unser Team 15 Medaillen gewonnen und landete ebenfalls als beste europäische Nation auf dem dritten Rang der Nationenwertung. 2022 holte die Schweiz sogar 19 Medaillen.
Schweiz · Wirtschaft
Krankenkassen: Drohender Prämienanstieg von rund fünf Prozent

Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider kündigt morgen einen Prämienanstieg an. (Screenshot: SonntagsZeitung / Keystone)
Zu den Dingen, die man an einem Montagmorgen bitte nicht lesen möchte, gehört die Blick-Schlagzeile «Dieser Herbst wird verdammt teuer!» 🫠
Dahinter steckt, dass die Teuerung im September in der Schweiz laut Prognosen gegenüber dem Vormonat von 0,8 auf 1 Prozent steigen soll. In den kommenden Monaten soll sie noch höher werden: So prognostiziert die Schweizerische Nationalbank für das kommende halbe Jahr eine Teuerung von 1,2 Prozent.
Das bedeutet unter anderem wachsende Ausgaben für Heizöl, Benzin, Mieten und Krankenkassenprämien. Für Letztere rechnet das Vergleichsportal Bonus.ch im kommenden Jahr erneut mit einem Prämienanstieg von 4,5 bis 5 Prozent. Auch gemäss SonntagsZeitung wird Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider am Dienstag wohl einen Anstieg der Krankenkassenprämien von rund fünf Prozent ankündigen.
Und: Für die Prämien 2028, die in einem Jahr verkündet werden, sieht es aufgrund einer vor zwei Jahren beschlossenen Finanzierungsreform glücklicherweise besser aus.
Besonders zu spüren bekommen die Teuerungswellen Haushalte mit tiefen Einkommen und aus der Mittelschicht. Nicht nur bei steigenden Krankenkassenprämien, sondern auch beim Heizen. Wer mit Öl heizt, zahlt aktuell 162 Franken für 100 Liter – ein Aufschlag von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
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Zahl des Tages
70 Jahre

Zwangsräumung nach 70 Jahren: Die 87-jährige Maricarmen Abascal wurde zum Symbol des Protests. (Screenshot: FAZ / Reuters)
Okay, stell dir das mal vor: Du wirst nach 70 Jahren aus deiner Wohnung geschmissen, im Alter von 87 Jahren. Das ist der Spanierin Maricarmen Abascal in Madrid passiert. Der eindrückliche Fall löste nicht nur in Spanien grosse Betroffenheit aus, sondern sorgt gerade international für Aufsehen.
Denn die Seniorin wurde zum Symbol des Protests gegen zu hohe Mietpreise. Beim vierten Versuch gelang es der spanischen Polizei laut FAZ am Mittwoch, die Wohnung von Abascal im Madrider Stadtteil Retiro zu räumen. Sie wurde auf einer Trage aus ihrer Wohnung geholt und befindet sich seither in einem Spital. Ein Investor hatte das Haus, in dem sie wohnte, erworben und die Miete laut Spiegel um 275 Prozent erhöht.
Tausende Menschen demonstrierten nach der Zwangsräumung in Madrid für bezahlbaren Wohnraum und mehr Mieterschutz, wie ZDFheute berichtet: Gemäss Innenministerium gingen 25’000 Personen auf die Strasse, die Veranstalter:innen vom Mieterverband «Sindicato de Inquilinas» sprechen von 300’000 Menschen. Auf Demo-Bannern hiess es etwa: «Du könntest die nächste Maricarmen sein» und «Keine einzige Maricarmen mehr».
Der Mieterschutzbund verbreitete eine Videobotschaft, in der Abascal dazu aufrief, für bezahlbaren Wohnraum zu demonstrieren. «Ich will, dass es den Leuten Mut macht, zu kämpfen und die Gesetze zu verändern, die meine Zwangsräumung zugelassen haben», so die Seniorin.
Kurz-News
Noch mal ein Rekord von über 30 Grad in Basel · Am Wochenende wurde in Basel-Binningen mit 30,1 Grad nochmals ein Temperaturrekord gemessen. Auch an anderen Orten wurde es spätsommerlich warm: In Delsberg im Jura stieg das Thermometer auf 29,6 Grad. Gemäss MeteoNews wurde noch nie so spät im Jahr ein Hitzetag auf der Alpennordseite registriert, schreibt Nau. In den kommenden Tagen werden ebenfalls 25 bis 29 Grad erwartet.
Einzelwagenladungsverkehr: Bündnis macht Druck · Weil SBB Cargo per Dezember jeden fünften Bedienpunkt streicht, fordern Wirtschaftsverbände wie Economiesuisse und Swissmem und Politiker:innen vom Parlament, einzugreifen. Laut Tages-Anzeiger (Artikel noch nicht online) ging das Papier des Bündnisses an die Mitglieder der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrats. Die Wirtschaftsverbände fürchten, dass Gütertransporte dauerhaft auf die Strasse abwandern und verlangen einen Aufschub des Abbaus.
Sprengstoff-Fund bei Hausräumung · Bei der Räumung eines Einfamilienhauses in Eptingen BL wurde am Samstag Sprengstoff entdeckt, wie 20 Minuten berichtet. Spezialist:innen der Kantonspolizeien Bern und Basel-Stadt konnten das Material bergen und abtransportieren. Bewohner:innen angrenzender Häuser wurden vorsorglich evakuiert. Gemäss der Polizei bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Öffentlichkeit.
International
Terrorverdacht in England: Fünf Festnahmen · Fünf Männer wurden gestern ausserhalb des von der US-Luftwaffe genutzten britischen Militärstützpunkts RAF Fairford verhaftet. Sie werden der Vorbereitung eines Terroranschlags und Sprengstoffdelikte verdächtigt, wie die BBC berichtet. Der Polizei waren drei verdächtige Fahrzeuge gemeldet worden, die in Richtung des Stützpunkts in Gloucestershire fuhren. Anwohner:innen von rund 85 Häusern in der Nähe wurden laut Reuters evakuiert.
Serbischer Präsident Aleksandar Vučić tritt zurück · Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vučić ist, wie bereits Ende Juni angekündigt, zurückgetreten. Wie der Spiegel schreibt, wolle Vučić Regierungschef werden und als Spitzenkandidat seiner Fortschrittspartei bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 25. Oktober antreten. Das Amt des Staatsoberhaupts übernimmt übergangsweise die Parlamentspräsidentin Ana Brnabić, berichtet die Tagesschau.
🔧 Nützliches des Tages
Ein Kränzli (aka eine Playlist) für den Herbst

Satte Herbstsonne ist einfach was Schönes: Hör jetzt in meine Herbst-Playlist auf Spotify rein, wenn du Lust hast. (Foto: Privat)
Marroni-Duft, das Licht, die schönen Farben in der Natur: Ich mag den Herbst so sehr, du auch? Ich kann vor allem nicht fassen, dass schon Ende September ist, was für mich gleichzeitig schon die Halbzeit meiner 6iBrief-Autorinnenschaft bedeutet. Zeit für eine entsprechende Playlist, finde ich.
Hier kommen Songs, zu denen du hoffentlich zufrieden in die goldene Herbstsonne blinzeln oder dir feine Vermicelles reinstellen kannst, und die von erhellend und lüpfig bis moody und melancholisch reichen. Hör mal rein, vielleicht gefällt dir der eine oder andere Track. ❤️
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Bis morgen!
Vanja
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