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Die Welt schaut auf Deutschland: Die als rechtsextremistisch eingestufte AfD steht mit einem vorläufigen Rekordergebnis als Wahlsieger der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fest. Während die AfD gestern Abend feierte, demonstrieren in deutschen Städten Tausende gegen die Partei.
Die britische Zeitung The Times bezeichnete das Ergebnis als «persönliche Demütigung» für Friedrich Merz, Elon Musk gratulierte der AfD (🚽), und der polnische Regierungschef Donald Tusk zeigte sich fassungslos: «In Polen können sich nur Idioten oder Verräter am Triumph der AfD in Deutschland erfreuen.» Mehr dazu liest du weiter unten.
Heute beschäftigen uns ausserdem die Berechnungen für ein neues Schweizer AKW, die laut Forschenden «verzerrt» sind. Und die Eltern des mutmasslichen Schützen von Aarau, die öffentlich über ihren Sohn sprechen.
Schweiz · Amoklauf
Er hatte eine Schizophrenie-Diagnose: Eltern des mutmasslichen Schützen von Aarau entschuldigen sich

Die Eltern des mutmasslichen Amokläufers von Aarau äussern sich erstmals öffentlich.
(Screenshot: Le Quotidien Jurassien / Keystone)
Nach dem Amoklauf in Aarau und der Festnahme des mutmasslichen Schützen im Kanton Jura sprechen nun die Eltern des 43-jährigen Mannes über ihren Sohn. Sie entschuldigen sich öffentlich und drücken gegenüber der Lokalzeitung «Le Quotidien Jurassien» ihr Bedauern aus. «Unsere Gedanken sind in erster Linie bei den Opfern. Bei der jungen Frau, die gestorben ist, ihrer Familie, den Verletzten, all den Menschen… Es ist furchtbar… Wir entschuldigen uns für unseren Sohn.»
Die Familie erlebte den Mann nach eigenen Aussagen nie als gewalttätig, wie Blick berichtet. Der mutmassliche Amokläufer habe vor langer Zeit die Diagnose Schizophrenie erhalten und sei vor etwa 20 Jahren drei Wochen lang in einer psychiatrischen Klinik in Delsberg JU behandelt worden. Er habe es nicht mehr «ertragen können», unter Menschen zu sein und hätte nicht mehr normal arbeiten können.
Die Eltern bestätigen ausserdem Medienberichte, dass der Mann im jurassischen Dorf Montsevelier sehr zurückgezogen lebte und praktisch nur noch seine Eltern sah. «Wir wussten nichts über sein Leben. Er wollte nicht über sich selbst sprechen. Sobald wir ihn etwas fragten, antwortete er, das ginge uns nichts an», sagen sie.
Am Tag vor dem Amoklauf hatten die Eltern ihren Sohn zum letzten Mal gesehen, sie wollten sich in der folgenden Woche in Italien zu gemeinsamen Ferien treffen. In der Nacht auf vergangenen Montag wurde er verhaftet.
Schweiz · Sexualisierte Gewalt
Missbrauchsfall um Zürcher Arzt: Behörden wussten seit Jahren Bescheid

Ein Arzt in Zürich soll Frauen jahrzehntelang missbraucht haben – und durfte weiterpraktizieren, obwohl er den Behörden bekannt war. (Screenshot: NZZ am Sonntag / Ida Götz)
Jahrzehntelang soll ein Arzt in Zürich seine Patientinnen in seiner Praxis sediert, nackt gefilmt und missbraucht haben. Anfang Juli wurde er verhaftet – doch wie Recherchen der NZZ am Sonntag zeigen, ist der österreichische Gastroenterologe den Behörden bereits seit sechs Jahren bekannt.
Schon 2020 reichte eine junge Frau in Zürich eine erste Strafanzeige gegen ihn ein. Sie warf dem Arzt vor, sie nackt fotografiert und bei einer Darmspiegelung sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen zu haben, während sie sediert gewesen sei. Die Polizei fand daraufhin im April 2020 bei der Durchsuchung seiner Praxis eine Spy Cam. Er durfte weiter praktizieren, obwohl gegen ihn ermittelt wurde.
2021 zeigte ihn in Graz, wo der Mann eine weitere Praxis hatte, eine zweite Frau an, doch die Ermittlungen wurden eingestellt. Eine Auflage gegen den Arzt wurde vom Amt für Gesundheit 2022 erlassen, als ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet wurde. Demnach durfte er Patientinnen nur noch in Anwesenheit einer medizinischen Praxisassistentin behandeln. Doch er soll weiterhin Übergriffe verübt haben: Patientinnen und Pharmavertreterinnen in der Schweiz und in Österreich berichten von starken Unterleibsschmerzen nach Darmspiegelungen und fragwürdigen vaginalen Untersuchungen.
In Österreich, wo inzwischen ebenfalls ermittelt wird, sprechen die Behörden von Opferzahlen im zweistelligen Bereich.
Falls du reden willst oder Unterstützung brauchst, findest du bei der Opferberatung Support.
Schweiz · AKW-Neubau
Kritik an Kostenschätzungen der Akademien der Wissenschaften für neues AKW

Forschende bemängeln die Studie zur Kosteneinschätzung eines neuen Schweizer AKW. (Screenshot: Tamedia / Urs Jaudas)
Die Kostenschätzungen der Akademien der Wissenschaften für ein neues Schweizer AKW sind «verzerrt» – das kritisieren nun zumindest Forschende: Nachdem das Parlament im Juni entschieden hat, das Neubauverbot für Atomkraftwerke aufzuheben, wurde bekannt, dass ein neues AKW die Schweiz laut einer Studie der Akademien der Wissenschaften im schlechtesten Szenario bis zu 43 Milliarden Franken kosten könnte. Doch sieben Forscher:innen der ETH Zürich, der EPFL Lausanne und des Paul-Scherrer-Instituts (PSI) kritisieren diese Zahl in einem Brief, wie 20 Minuten berichtet.
Die Forscher:innen bemängeln im Dokument, das der NZZ am Sonntag vorliegt, dass die Kosten für ein neues AKW «irreführend» dargestellt werden und aus der Studie nicht hervorgehe, wie genau die Zahl berechnet wurde. Im Schreiben werden «fehlende Transparenz», «erhebliche methodische Schwächen» und «nicht nachvollziehbare Annahmen» kritisiert. Die Studie sei weiter auch nicht unabhängigen Fachexpert:innen zur Gegenprüfung vorgelegt worden.
Urs Neu, Autor der kritisierten Studie, verteidigte gegenüber der NZZ am Sonntag das Vorgehen: Er habe für seinen Bericht hauptsächlich öffentlich bekannte und zugängliche Zahlen zusammengetragen. Er wolle die Botschaft verbreiten, dass «erhebliche Unsicherheiten» beim Bau von neuen AKWs bestünden und er zeige bewusst auch ein zweites Szenario mit tieferen Kosten auf. Ende Februar stimmt das Volk über den AKW-Neubau ab.
Zahl des Tages
43,8%

Die AfD, hier Alice Weidel, Ulrich Siegmund und Tino Chrupalla, gestern in Magdeburg. (Screenshot: NZZ / imago)
Die AfD feiert ihren Wahlsieg in Sachsen-Anhalt: Die als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei steht mit einem Rekordergebnis von 43,8 Prozent (vorläufiges Ergebnis) laut Schweiz heute und SRF als Wahlsieger der Landtagswahlen fest. Dies laut NZZ mit einer extrem hohen Wahlbeteiligung von 77,8 %.
Der Politikwissenschafter Albrecht von Lucke spricht gegenüber 20 Minuten von einer «historischen Zäsur»: «Erstmals hat eine als erwiesen rechtsextremistisch eingestufte Partei eine Wahl gewonnen – und zwar so klar, dass sie eigentlich regieren muss.»
Er hält eine AfD-Regierung für sehr wahrscheinlich und sagt, dass der Wahlausgang der «maximale Weckruf an die deutsche Demokratie» sei. Dass die zuvor regierende CDU auf rund 17,2 Prozent fiel und sich damit praktisch halbierte, erklärt der Experte mit einer «gewaltigen Enttäuschung» der Bevölkerung über die CDU.
Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat laut Tages-Anzeiger ein Koalitions-Angebot des BSW abgelehnt und bezeichnete das Angebot der Partei, sich auf einen überparteilichen Ministerpräsidenten zu einigen, als «Gewurstel».
Weltweit berichten Medien über die Ergebnisse (Der Spiegel und Watson haben gute Übersichten). Auch US-Präsident Donald Trump thematisierte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt laut der Zeit auf seinem Truth-Social-Account, wo die Abbildung einer Hochrechnung gepostet wurde.
In mehreren deutschen Städten gab es nach der Landtagswahl Proteste gegen die AfD. In Frankfurt am Main demonstrierten nach Polizeiangaben rund 2'500 Menschen dafür, ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu prüfen. Am Brandenburger Tor in Berlin ist für heute Abend eine grössere Kundgebung gegen die AfD angemeldet, erwartet werden 5'000 Menschen.
Kurz-News
Jugendlicher in Bern von Zug überrollt · Am Bahnhof Europaplatz in Bern wurde am Samstagabend ein Jugendlicher von einem Zug überrollt und ist gestorben. Wie Blick berichtet, geriet er in den Gleisbereich zwischen Perron und einem losfahrenden Zug und erlag noch vor Ort seinen Verletzungen. Die Kantonspolizei Bern hat Ermittlungen zu den Hintergründen und dem Unfallhergang aufgenommen. Die Polizei geht laut Watson von einem Unfall aus.
FDP und SVP wollen sechs F-35 mehr kaufen · Die Schweiz muss den USA bis Anfang 2027 verbindlich mitteilen, wie viele Flieger sie kaufen will. Wie der Tages-Anzeiger (Artikel noch nicht online) berichtet, kämpfen SVP und FDP im Parlament dafür, an der ursprünglichen Bestellmenge von 36 Jets festzuhalten. Dies, nachdem der Bundesrat Anfang des Jahres die Beschaffungsmenge reduziert hat. Sie votierten in der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats geschlossen dafür, dass der Zusatzkredit für den Kauf der F-35-Kampfjets von 394 auf 1044 Millionen Franken erhöht wird.
Schweiz hat Mangel an Kinderärzt:innen · Es gibt zu wenig Kinderärzt:innen in der Schweiz, wie SRF berichtet. Auf eine Ärztin kommen im Schnitt 1600 Kinder, empfohlen wäre von der Schweizer Ärztevereinigung FMH ein Verhältnis von 1:1000. Gemäss einer Studie der Universität Bern sind die kantonalen Unterschiede gross – demnach fehlen besonders viele Kinderärzt:innen in der Zentral- und Ostschweiz.
International
Fünf Tote bei Flugzeugunglück in Miami · Ein Amazon-Frachtflugzeug fing am Sonntagnachmittag am Miami International Airport in Florida Feuer, nachdem der aus Puerto Rico ankommende Flug über die Landebahn hinausgeschossen war. Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, wie The Guardian berichtet. Fünf weitere Personen wurden verletzt. Die Boeing 767, die für Amazon Prime Air im Einsatz war, prallte in mehrere Fahrzeuge, wodurch mehrere Menschen eingeklemmt wurden.
UN stimmt für neue Weltkarte · Die Vereinten Nationen haben für eine Reform der Weltkarte gestimmt: Sie soll realistischer dargestellt und durch eine neue Version ersetzt werden, die die Grösse Afrikas präziser darstellt. 164 Staaten unterstützen die Resolution «Correct the map», sechs Länder enthielten sich. Nur die USA stimmte laut ZDFheute dagegen. Das Abstimmungsergebnis soll weltweit zu Änderungen an Karten und der Verwendung einer Karte vom Typ «Equal Earth» führen, die die tatsächliche Grösse der Länder genauer wiedergibt.
🔧 Nützliches des Tages
Mol öpis schlaus

Geschichtliche Fun Facts, aber in hübsch: Histography.
(Foto: Histography)
Apps oder Webseiten, mit denen man visuell ansprechend Dinge lernt, die wirklich hängen bleiben (aka nicht todlangweilig sind), find ich super. Neulich habe ich Histography entdeckt: Hier findest du eine spannende Visualisierung von geschichtlichen Ereignissen. Oder anders gesagt: 400 Jahre Geschichte vom Jahr 1600 bis 2000 chronologisch geordnet und als Punkte dargestellt.
Auf der interaktiven Zeitleiste klickst du dich so durch Tausende historische Ereignisse und kannst bei den Punkten, die dich besonders interessieren, direkt mehr erfahren. Du kannst auch nach bestimmten Epochen oder Themen suchen und siehst auf den ersten Blick, wie nah die Ereignisse zeitlich zusammenhängen.
Wusstest du zum Beispiel, dass zwischen der Erfindung des Telefons (1876) und der Entdeckung des Uranus (1781) nur fast hundert Jahre liegen?
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Hab einen schönen Tag, bis morgen.
Vanja
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