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Oft lohnt es sich, auf sein Bauchgefühl zu hören. In der Liebe zum Beispiel oder in der Pizzeria. Heikler wird es bei der Matheprüfung. Was ergibt 10 plus 3? «Hm, mein Kopf sagt 13, aber das ist eine Unglückszahl – also 14.»

Er habe auf sein Bauchgefühl gehört, als er sich ein gefälschtes Covid-Zertifikat kaufte, sagt Patrick Fischer, der ehemalige Trainer der Eishockey-Nati.

Das Resultat ist in beiden Fällen dasselbe: ungenügend.

Schweiz · Nachwuchsprobleme

Schweizer Geburtenrate bricht ein

1,29 Kinder pro Frau. (Foto: Unsplash/Tim Bish)

Die Schweizer Geburtenrate sinkt weiter: Seit 2015 brach die Zahl um 9,5 Prozent auf historisch tiefe 1,29 Kinder pro Frau ein. Eine neue Langzeitstudie der Universität Zürich mit über 5000 Befragten zeigt nun, dass ein bewusster Verzicht auf Nachwuchs sowie unterschätzte Fruchtbarkeitsprobleme im Alter die Hauptgründe dafür sind.

Der Anteil junger Erwachsener, die absolut kinderlos bleiben wollen, stieg in zehn Jahren auf bis zu 17 Prozent. Gleichzeitig werden Erstgebärende im Schnitt immer älter (31,3 Jahre). «Die Lebensplanung ist einfach eine andere, wenn man 85 Jahre vor sich hat», sagt Reproduktionsmediziner Bruno Imthurn in den Tamedia-Zeitungen. Viele unterschätzen jedoch die biologischen Grenzen und wie stark die Fruchtbarkeit ab 40 sinkt: «Viele denken, zur Not können wir immer noch in ein Kinderwunschzentrum gehen. Aber das ist über 40 leider nicht mehr so einfach.»

«Wir machen uns nur wenig Gedanken darüber, was mit einer Gesellschaft passiert, die stark altert.»

Jörg Rössel, Soziologe

«Streitet die Schweiz um die AHV, ist die drohende Überalterung zwar hin und wieder ein Thema», heisst es im Artikel. Doch sonst verlaufe die Debatte über die sinkenden Geburtenraten überraschend entspannt – die Zuwanderung wird es schon richten.

«Beim Klimawandel haben wir detaillierte Szenarien, was die Zukunft in 30, 50 oder 100 Jahren bringt. Wir machen uns aber nur wenig Gedanken darüber, was eigentlich mit einer Gesellschaft passiert, die stark altert», sagt Soziologe Jörg Rössel.

Schweiz · Energiewende

Röstis AKW-Plan wackelt

Noch nicht im Ziel: Albert Rösti. (Screenshot: Limmattaler Zeitung/Keystone)

Der Nationalrat lieferte sich gestern eine Marathon-Debatte über die Rückkehr der Kernkraft. Nach über acht Stunden Diskussion ist völlig offen, ob das seit 2018 gesetzlich verankerte Neubauverbot für AKW fällt. Die Mitte-Partei als Zünglein an der Waage bleibt tief gespalten. Die Entscheidung wurde auf nächsten Montag vertagt, berichtet CH Media.

SVP-Energieminister Albert Rösti will das Verbot per Gegenvorschlag zur Blackout-Initiative kippen. Die Rechten unterstützen den Plan. SVP-Nationalrat Christian Imark warf der Linken vor, die Debatte zu verzögern, wodurch das Netto-Null-Ziel «zu Grabe getragen» werde.

Neue AKW würden im Gegenteil den Ausbau von Wind-, Wasser- und Solarenergie ausbremsen, erwiderten die Gegner:innen des Atom-Comebacks. SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer sagte, die Debatte sei das beste Beispiel dafür, dass Volksentscheide für die SVP und auch ihren Bundesrat offensichtlich nur dann relevant sind, wenn sie ihrer Meinung entsprechen.

Nun droht Röstis Vorlage eine Zusatzschlaufe: Ein Rückweisungsantrag fordert, zuerst die finanziellen Rahmenbedingungen zu prüfen. Stimmt der Nationalrat nächste Woche dafür, geht das Geschäft zurück in den Ständerat.

Schweiz · 😷

Fischer spricht, SRF widerspricht

Hört auf seinen Bauch: Patrick Fischer. (Screenshot: Watson/Youtube)

Morgen beginnt die Fussball-WM. Aber zunächst geht es nochmals (am Rande) um Eishockey. Jetzt spricht nämlich der wegen eines gefälschten Covid-Zertifikats geschasste Trainer der Schweizer Nati, Patrick Fischer. Watson hat transkribiert. «Ich höre stark auf mein Bauchgefühl. Das ist mein Anker. Darauf vertraue ich. Deshalb war für mich klar, dass ich mich nicht impfen lasse», sagt also der Ex-Coach im Gespräch mit dem Ex-Journalisten Peter Röthlisberger.

Aus Sicht eines Nationaltrainers sei die Entscheidung, ein Zertifikat zu kaufen, nicht richtig gewesen, so Fischer. «Die Verantwortung als Nationalcoach habe ich nicht wahrgenommen, für mich selbst aber schon.»

Von SRF, das die Affäre publik gemacht hat, fühlt sich Fischer hintergangen. Es sei klar gewesen, dass der Inhalt des Gesprächs beim Mittagessen, bei dem er seinen Bschiss rausplauderte, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sei. «Es wurde eine Vereinbarung gebrochen.»

Dem widerspricht SRF: «Die Aussage Fischers fiel während eines Drehtages für ein Porträt über ihn.» Vor dem Gespräch habe es keine Off-the-Record-Vereinbarung gegeben.

In einer Einordnung der neusten Entwicklungen schreibt Watson: «Patrick Fischer hat es immer noch nicht kapiert.» Der Trainer, der für den Schlamassel selbst verantwortlich sei, zeige wenig Selbstreflexion. «Fischer sagt, er sei jemand, der für Offenheit und Vertrauen plädiert, während er jahrelang ein ganzes Land angelogen und hinters Licht geführt hat», heisst es im Kommentar. Im November 2021 hat Fischer im Tages-Anzeiger schwarz auf weiss behauptet: «Ich werde am 12. Dezember vollständig geimpft sein.»

Und jetzt Fussball, yay!

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Zitat des Tages

«Unsere Gesellschaft neigt dazu, strukturelle Gewalt gegen Frauen sofort ins Private zu verdrängen»

Dramatikerin Katja Brunner. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Anne Morgenstern)

Die Zürcher Autorin Katja Brunner hat ein neues Buch geschrieben: Die Kunst der Wunde. Im Interview mit dem Tages-Anzeiger prangert die 35-Jährige den gesellschaftlichen Umgang mit Machtstrukturen an: «Auch in der Schweiz gibt es eine enorme, unsichtbare soziale Kontrolle.»

Besonders im Fokus steht für sie die Verharmlosung von Missbrauch. «Unsere Gesellschaft neigt dazu, strukturelle Gewalt gegen Frauen sofort ins Private zu verdrängen», sagt Brunner. Sprache spiele dabei eine tragende Rolle, da sie Täterstrukturen immunisiere. Begriffe wie «Familientragödie» statt «Mehrfachmord» seien eine gezielte Form der Kaschierung, damit das System ungestört weiterlaufe.

Am Freitag findet im Zürcher Schauspielhaus die Buchpremiere statt.

Kurz-News

Bundesanwalt geht von terroristischem Motiv aus · Nach der Messerattacke in Winterthur ermittelt die Bundesanwaltschaft wegen Terrorverdachts. Bundesanwalt Stefan Blättler sagt gegenüber SRF: «Wir gehen von terroristischem Motiv aus.» Bei Kriminellen seien Terrorismus und psychische Krankheiten oft schwer zu trennen. Blättler fordert gesetzliche Änderungen, da Gerichte Ermittlungsdaten teils sperren: «Es ist ein aktueller Fall, der aufzeigt, wo die Grenzen eines Rechtsstaates sind.»

Tierpfleger:innen trennen sich am häufigsten · Die Scheidungsquoten in der Schweiz hängen stark vom Beruf ab, berichten die Tamedia-Zeitungen. Eine Auswertung des Bundesamts für Statistik zeigt die Unterschiede: Während Landwirt:innen (13 Prozent) und Ernährungsberater:innen (18 Prozent) selten geschieden werden, trennen sich Tierpfleger:innen (45 Prozent) und Barkeeper:innen (44 Prozent) am häufigsten. Als Hauptgründe für ein hohes Scheidungsrisiko nennen Forschende unregelmässige Arbeitszeiten, tiefe Löhne sowie viele Kontakte zu Singles am Arbeitsplatz.

Bern erhält am meisten Geld · Der nationale Finanzausgleich zwischen den Kantonen steigt 2027 deutlich an: Insgesamt werden 6,9 Milliarden Franken umverteilt – 527 Millionen mehr als im Vorjahr. Hauptgrund sei der wachsende Ressourcenausgleich, zitiert Nau eine SDA-Meldung. Grösster Geberkanton bleibt weiterhin Zug mit netto 529 Millionen Franken, gefolgt von Genf und Zürich. Am meisten Geld erhält erneut der Kanton Bern mit rund 1,71 Milliarden Franken vor dem Wallis und dem Aargau.

International

USA greifen Iran nach Heli-Abschuss an · Die USA haben als Reaktion auf den Abschuss eines Apache-Militärhelikopters Ziele im Iran angegriffen. Laut US-Zentralkommando handelte es sich um eine «proportionale Antwort auf die ungerechtfertigte iranische Aggression». Die Angriffe fokussierten sich auf Verteidigungs- und Radarsysteme entlang der Küste des Persischen Golfs, schreibt die BBC. Irans Aussenminister drohte umgehend mit Vergeltung.

DNA aus 700'000 Jahre altem Erdhörnchenkot entdeckt · Gefrorener Kot von urzeitlichen Erdhörnchen liefert neue Details über das Ökosystem der Eiszeit. Ein Forschungsteam hat in Kanada bis zu 700'000 Jahre alte, im Permafrost konservierte Kotpillen untersucht, berichtet Science News. Darin fanden sie DNA-Fragmente von Pflanzen, Insekten sowie von Mammuts und Wollnashörnern, an deren Knochen die Nager wohl knabberten. «Kein Zweifel, das ist ein stark nach Kot riechendes Labor», sagt Forscher Tyler Murchie.

🥶 «Nützliches» des Tages

Subzero-Kaffee

Eiskaltes Kännchen – Gen Z flippt aus. (Screenshot: Der Standard/Kevin Recher)

Kalter Kaffee war gestern. Heute trinkt man eiskalten Kaffee. Das zumindest behauptet Der Standard. Der sogenannte «Subzero Coffee» locke die Gen Z in Scharen in das neu eröffnete Lightsout Café in der Josefstädter Strasse in Wien. Der Hype auf Social Media sei riesig.

Der Trick: Die Kaffeegläser werden bei minus 86 Grad schockgefroren, bevor Milch und Kaffee hineingefüllt werden. Nach zehn Sekunden Wartezeit wird umgerührt, danach muss das Getränk zügig innerhalb einer Minute getrunken werden. Der Grund: An den eiskalten Glaswänden gefriert die Mischung schnell zu einer Art Kaffeeeis, das anschliessend ausgelöffelt werden kann.

Das virale Getränk sei cremig, erfrischend und geschmacklich überzeugend, wenn auch kein Schnäppchen, heisst es im Artikel. 6.50 Euro kostet die Standardvariante, die mit Matcha 7.90 Euro. In Zürich erhältlich in 3, 2, 1,…

Danke fürs Lesen!

Peter

PS: Du kannst auch einfach ein Moccaglace essen. 🍨

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