Guten Morgen {{vorname}}
Die grosse österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, die heute ihren 100. Geburtstag feiern würde, schreibt in ihrem Gedicht «An die Sonne»:

Schöner als der beachtliche Mond und sein geadeltes Licht,

Schöner als die Sterne, die berühmten Orden der Nacht,

Viel schöner als der feurige Auftritt eines Kometen

Und zu weit Schönrem berufen als jedes andre Gestirn,

Weil dein und mein Leben jeden Tag an ihr hängt, ist die Sonne.

Ich bin da ganz bei Bachmann, stets im Team Sonne, mit Sarastro statt der Königin der Nacht. Und obwohl ich mir Bachmanns «Steh auf und geh! Es ist dir kein Knochen gebrochen»-Zitat sehr wohl verinnerlicht habe, sage ich dir heute: Bleib besser im Schatten liegen. Und mache die Nacht zum Tag. 🌑

Schweiz · ☀️

Hitzeforscherin regt gekühlte Klima-Schutzräume an

Hundstage schon im Juni. (Foto: Unsplash/Akanda Kilicarslan)

Als hätte der Wetterbericht einen Sprung in der Platte: «Meist sonnig, meist sonnig, meist sonnig, meist sonnig.» Bis Sonntag dauert sie an, die Hitze. Und ab Montag dann, Stand der Prognose heute: «Wahrscheinlich recht sonnig.»

Wer in die Badi kann oder in die Berge, hats gut. Für viele werden anhaltend hohe Temperaturen aber zum Problem. Gestern sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf: «Extreme Hitze zählt zu den schwerwiegendsten und am schnellsten wachsenden Gesundheits- und Sicherheitsbedrohungen, die durch den Klimawandel entstehen.»

Eine halbe Million Menschen würde jährlich weltweit an Hitzefolgen sterben, heisst es bei Nau. Die WHO fordert besonders für Risikogruppen bessere Schutzmassnahmen. Dazu gehören alte Menschen, Kranke, Schwangere und Kinder, aber auch Arbeiter:innen und sozial benachteiligte Personen.

Die Schweiz hinke bei diesen Massnahmen gegen die Hitze hinterher, sagt die Berner Hitzeforscherin Vicedo Cabrera in einem lesenswerten Interview in den Tamedia-Zeitungen: «Wir brauchen ambitioniertere und umfassendere Vorgaben auf nationaler Ebene.» Die Zeit dränge, so Cabrera: «Alle hitzebedingten Todesfälle – im Schnitt rund 200 pro Jahr – und alle Auswirkungen, die wir beobachten, wären vermeidbar.»

«Wir werden alternative Orte zum Zusammensein suchen müssen.»

Vicedo Cabrera, Hitzeforscherin

Hierzulande seien Häuser nur gut gegen Kälte gerüstet, sagt die Forscherin. «Weil man früher dachte, Hitze sei in der Schweiz nur etwa zwei Wochen im Jahr ein Thema.» Deshalb gebe es auch viele Häuser, die nach Süden ausgerichtet sind, mit riesigen Fenstern. «Das wird noch jahrelang ein Problem bleiben.»

Mehr Zeit im Freien zu verbringen, um der Hitze in den eigenen vier Wänden zu entfliehen, sei bei extremen Verhältnissen keine gute Idee. «Inzwischen herrschen draussen Temperaturen, die nicht mehr gesund sind», sagt Cabrera. «Wir werden alternative Orte zum Zusammensein suchen müssen. Es gibt da die Idee von climate shelters, also Klima-Schutzräumen.»

Wir seien in der Schweiz jetzt an einem Punkt angelangt, an dem wir unsere Gewohnheiten überdenken müssten, sagt Cabrera. «Wir müssen flexibler werden, wie wir unsere Arbeitszeit und unser soziales Leben gestalten. Zum Beispiel mit mehr Spielraum, wo man an heissen Tagen arbeitet. Oder mit neu gestalteten kühlen Innenräumen, in denen Kinder spielen, Familien Zeit verbringen und ältere Menschen sich treffen können.»

PS: «Schule findet statt», heisst es im Kanton Zürich. In Dübendorf kratzt man nun aber an diesem Prinzip. Dort haben 2000 Primarschüler:innen diese Woche nachmittags «hitzefrei light», wie SRF berichtet.

Schweiz · Finanzen

Bundesrat will bei der Auslandshilfe sparen

«Strategische Anpassungen»: EDA-Vorsteher Ignazio Cassis. (Screenshot: SRF/Peter Schneider)

Der Bundesrat plant einschneidende Spar- und Umbaumassnahmen bei der Internationalen Zusammenarbeit (IZA). Ab nächstem Jahr wollen das Wirtschafts- und das Aussendepartement über 100 Millionen Franken einsparen. Der Abbau kostet rund 100 Stellen beim Bund und im Ausland.

Das Engagement in Lateinamerika wird komplett aufgegeben, berichtet das Echo der Zeit auf SRF. Auch in Südafrika, Ghana und Aserbaidschan wird die Entwicklungszusammenarbeit eingestellt. Die SP kritisierte die Pläne als menschenverachtend und kündigte Widerstand an.

Der Entscheid werde das Gesicht der Schweiz in der Welt verändern, kommentiert der Tages-Anzeiger. Dank des jahrzehntelangen Engagements geniesse die Schweiz in vielen Ländern des Südens Vertrauen und Ansehen. «Es ist ein Fehler, diese Errungenschaft ohne jegliche Not zu gefährden.»

Die Bundesfinanzen stehen nämlich besser da als erwartet: Dank 1,8 Milliarden Franken Mehreinnahmen kann der Bundesrat auf geplante Kürzungen von 540 Millionen Franken verzichten. Die Mehrwertsteuer für die Armeeausgaben soll gemäss SRF um lediglich 0,5 statt 0,8 Prozentpunkte erhöht werden.

Ebenfalls auf SRF verteidigt Finanzministerin Karin Keller-Sutter die Budgeterhöhungen für die Armee: «Um zu merken, dass die Bedrohungslage sich verändert hat, muss man nicht wahnsinnig gescheit sein.»

PS: Ebenfalls nicht wahnsinnig gescheit muss man sein, um den Zusammenhang zwischen Hilfe im Ausland und innerer Sicherheit zu verstehen. Wer sagts Ignazio Cassis? 🤷

Schweiz · Rüstung

Schweiz erhält Patriot-Systeme vielleicht doch schon 2027

Dringend benötigt: Schutzschirm. (Foto: Unsplash/Etienne Girardet)

Die Schweiz erhält ihre Patriot-Luftabwehrsysteme vielleicht doch schon ab 2027. Eigentlich drohten wegen globaler Krisen Lieferverzögerungen von bis zu sieben Jahren. Nun verkündeten Bundesrat Martin Pfister (Mitte) und Rüstungschef Urs Loher gemäss CH Media Verhandlungen über einen Ringtausch mit Deutschland und den USA.

Hintergrund ist, dass Deutschland zwei für die Schweiz konfigurierte Systeme aus US-Produktion erhalten hat, diesen «Swiss Finish» aber nicht wünscht. Nun wird geprüft, ob Deutschland diese Systeme an die Schweiz abtritt. Nachdem die Schweiz ihre Zahlungen als Druckmittel vorübergehend gestoppt hatte, lenkten die USA ein. Die Schweiz nimmt die Zahlungen nun wieder auf.

Verteidigungsminister Pfister fährt eine Doppelstrategie: Sollte die Patriot-Lieferung klappen, wird die geplante Beschaffung eines dringend benötigten Zusatzsystems für die Luftabwehr nach hinten verschoben. Kommen die Patriot-Systeme nicht rechtzeitig, hat das Zusatzsystem Priorität. Das Bundesamt für Rüstung evaluiert dafür bereits vier Systeme aus Frankreich/Italien, Südkorea und Israel.

Zahl des Tages

2:1

Manzambi trifft weiter. (Screenshot: 11 Freunde/Bob Frid)

Fussball kann ganz schön langweilig sein.

Nicht so bei den Kolleg:innen des deutschen Fussballmagazins 11 Freunde. Seit Jahrzehnten tickert die Redaktion die Partien bei grossen Turnieren.

Das letzte WM-Gruppenspiel der Schweizer Fussball-Nati gegen Kanada habe ich verschlafen. Also rein in den Ticker, aus dem ich hier ein paar Highlights zitiere (lohnt sich auch, wenn man das Resultat bereits kennt):

3. Die Schweiz komplett in Rot, Kanada komplett in Weiss. Würde mich nicht wundern, wenn die Spieler auf dem Rasen gleich im Rahmen einer André-Heller-Performance die jeweiligen Landesflaggen nachstellen.

12. Erste grosse Chance für die Schweiz! Ricardo Rodriguez spielt Embolo mit einem tollen Pass frei, doch der Stürmer scheitert am herausstürzenden kanadischen Keeper. Stark gehalten! Ich ziehe meinen Hut und sage Crepeau!

17. Manzambi geht nach einem leichten Schubser zu Boden. Aber dafür gibt es natürlich keinen Penalty. Wir sind hier immer noch beim Eishockey!

24. Ja, ist denn schon wieder Hydration Break? Jap! Blick auf die Kanadier: viele Flaschen zu sehen. Und dann trinken die auch noch.

38. Und während Xhaka einen Schweizer Freistoss übers Tor ballert, fällt im Parallelspiel das 2:0 für Bosnien. Infantino schwenkt langsam um: «Today I feel Bosnian!»

47. Die Schweiz führt! Weil Manzambi über die rechte Seite durchprescht, den Ball scharf in die Mitte gibt, wo Vargas ihn völlig frei annehmen und ihn stramm ins kurze Eck schweizen darf. Hach, was sind diese Kanadier nett.

59. Uff! Und dann passiert das: Erste Annäherung der Kanadier in der zweiten Hälfte. Flanke aus dem Halbfeld, aber Kanadas Stürmer kommt nicht ran. Geht ein bisschen Larin-Fari ins Duell. Im Gegenzug schlagen die Schweizer wieder zu: Embolo macht einen langen Ball fest, legt rüber zu Manzambi. Der fackelt nicht lang und netzt ein. Lege mich fest: Für die Schweizer ist bei diesem Turnier was drin. Bzw.: Schweiz ist geil!

76. Nur noch 1:2! Sekunden nach seiner Einwechslung trifft Promise David. Versprechen eingelöst!

79. Huihuihui, nächste Chance für Kanada. Doch ein findiger Schweizer beruft per Eilantrag einen Volksentscheid zur Obergrenze bei Gegentoren herbei.

Kurz-News

Jeden vierten Tag wird ein Kind entführt · In der Schweiz nehmen internationale Kindesentführungen durch ein Elternteil sprunghaft zu. Mittlerweile ist alle vier Tage ein Kind betroffen. Laut einer SRF-Recherche stieg zudem die Zahl der als entführungsgefährdet gemeldeten Kinder auf 734 an – fast eine Verdreifachung seit 2019. Gründe sind die Zunahme binationaler Paare und Konflikte ums Sorgerecht.

Rimoldi entgeht Strafe nach Gewalt-Post · Der umstrittene «Mass-voll»-Chef Nicolas Rimoldi wurde in Bern vom Vorwurf der Drohung freigesprochen. Er hatte Juso-Gegendemonstrierende auf Telegram gewarnt, sie würden bei Grenzübertritten «in der Notaufnahme landen». Das Gericht nannte die Entgleisung zwar «geschmacklos und grenzwertig», sah den Tatbestand wegen mangelnder Einschüchterung rechtlich aber nicht erfüllt. Der Richter warnte den bereits mehrfach verurteilten Rimoldi dringend vor weiteren solchen Posts, heisst es in den Tamedia-Zeitungen.

Armee sagt PC-7-Flugshow in Interlaken ab · Die Schweizer Luftwaffe hat den Auftritt des PC-7-Teams am Trucker & Country Festival in Interlaken kurzfristig abgesagt. Grund dafür ist die enorme Belastung von Personal und Material durch die Friedenskonferenz auf dem Bürgenstock und den G7-Gipfel, berichtet der Blick. Um den Kernauftrag und die Regeneration der Truppe zu sichern, musste die Armee Prioritäten setzen. Die Festivalleitung bedauert den Entscheid, bietet aber kein Ersatzprogramm auf.

International

Schwere Erdbeben erschüttern Venezuela · Zwei der stärksten Erdbeben seit über einem Jahrhundert haben Venezuela innerhalb einer Minute erschüttert. Die Beben erreichten Stärken von 7,2 und 7,5. In der über 150 Kilometer vom Epizentrum entfernten Hauptstadt Caracas stürzten gemäss SRF mehrere Gebäude ein. Um Explosionen zu verhindern, wurde die Gaszufuhr unterbrochen. Innenminister Diosdado Cabello spricht von einer äusserst alarmierenden Lage und warnt vor schweren Nachbeben.

Schildkröten-Retterin getötet · Die bekannte 76-jährige Umweltpionierin Mona Khalil ist nach einem israelischen Luftangriff im Libanon gestorben. Sie erlag zwei Wochen nach dem Raketentreffer auf ihr «Orange House» am 6. Juni ihren Verletzungen, schreibt der Tages-Anzeiger. Khalil weigerte sich trotz des Krieges zu fliehen, um gefährdete Meeresschildkröten bei der Eiablage zu schützen. Ihr jahrzehntelanger Kampf bewahrte einen der letzten unberührten Strände des Landes vor illegaler Bebauung.

🎧 Nützliches des Tages

Mixtape

Never Forget. (Montage: Unsplash/Gregory wong/Peter Aeschlimann)

Regelmässige Leser:innen des 6iBriefs wissen, dass mir beim Zusammenstellen der News auch immer wieder ein Song einfällt, der irgendwie zum Inhalt einer Nachricht passt. Über die letzten sechs Monate ist dabei ziemlich viel Musik zusammengekommen.

Früher schenkte man Menschen, die einen eine bestimmte Zeit lang im Leben begleitet haben, zum Abschied ein Mixtape. Heute muss eine Spotify-Playlist reichen. Viel Spass!

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Und morgen gibts dann noch das versprochene Bolo-Rezept.

Danke fürs Lesen!

Peter

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