Guten Morgen {{vorname}}
Wo waren wir stehen geblieben?
Gerne hätte ich an dieser Stelle Monty Python zitiert: «And now for something completely different» – und jetzt zu etwas völlig anderem. Aber das News-Business ist kein Wunschkonzert, und deshalb handelt auch dieser 6iBrief vom Krieg.
Wenn dir das trübe Weltgeschehen den Schlaf raubt, scrolle ganz nach unten. Dort gibt es einen Tipp, wie es schon nächste Nacht vielleicht besser klappt.
Schweiz · Sicherheit
Der Armeechef über die Irrationalität des Krieges

Benedikt Roos warnt vor Angriffen auf kritische Infrastrukturen. (Screenshot: RTS)
Trotz neuer Spannungen in der Strasse von Hormus schickt US-Präsident Donald Trump heute eine Verhandlungsdelegation nach Pakistan, um über ein Ende des Konflikts mit dem Iran zu beraten. Auch Vizepräsident JD Vance soll an den Gesprächen teilnehmen. Während der Iran die Teilnahme an Verhandlungen gemäss BBC vorerst ablehnt, droht Trump weiterhin mit der Zerstörung iranischer Energieanlagen, sollte keine Einigung erzielt werden.
Es bleibt also kompliziert in diesem Krieg. Und das hat offenbar System. Auf RTS sagte der Schweizer Armeechef Benedikt Roos gestern Abend: «Kriege sind unberechenbarer geworden.» Nicht die militärischen Mittel, sondern die schwer einschätzbaren Absichten der Akteure seien entscheidend: «Die Potenziale kennen wir (...) Was hingegen sehr schwer zu beurteilen ist, sind die Absichten.» Die Schweiz liege im Konfliktfall im Hinterland und biete «lohnende Ziele, um Europa zu destabilisieren». Priorität habe daher der Schutz kritischer Infrastruktur vor Raketen, Drohnen und Cyberangriffen, da die Schweiz in diesem Bereich bereits «jeden Tag» attackiert werde.
Wenn dich das Thema Krieg beschäftigt, lohnt sich vielleicht ein Besuch im Landesmuseum in Zürich. Dort beleuchtet eine neue Ausstellung Wir und der Krieg das spannungsgeladene Verhältnis der Schweiz zu bewaffneten Konflikten. Entgegen dem Image eines rein friedlichen Landes zeigt die Schau, wie tief Kriege die nationale Identität bis heute prägen. Die Ausstellung setzt gemäss SRF Schwerpunkte bei individuellen Fluchtschicksalen und historischen Realitäten. So werden neben bekannten Mythen auch schmerzhafte Niederlagen thematisiert, etwa die Schlacht bei Pavia.
Schweiz · Kita-Krise
Missbrauch, Überforderung und vergessene Kinder

Den Kindern zuliebe: Mehr Wertschätzung und stabilere Kita-Teams. (Foto: Unsplash/Juliane Liebermann)
Die Schweizer Kita-Landschaft steht unter Druck. Nach Jahren rasanten Wachstums auf fast 4000 Einrichtungen offenbaren aktuelle Vorfälle gefährliche Lücken im System. Neben dramatischen Versehen, bei denen Kinder auf Ausflügen vergessen wurden, erschüttern Berichte über sexuellen Missbrauch das Vertrauen der Eltern.
Die Überforderung wird besonders an der Basis deutlich. Die NZZ am Sonntag hatte Einsicht in eine geschlossene Facebook-Gruppe. Darin warnen Betreuungspersonen vor den Folgen des Personalmangels: «Die Verantwortung ist enorm, und viele sind schlicht noch nicht bereit dafür», schreibt ein Mitglied. Es werde oft improvisiert, was gravierende Fehler begünstige und Gelegenheiten für Übergriffe schaffe.
«Es kommt immer wieder vor, dass eine Betreuungsperson allein mit einem Kind ist.»
Laut Branchenverband Kibesuisse liegt die Fluktuation bei 30 Prozent; das Personal ist mit durchschnittlich 29 Jahren jung und oft unzureichend ausgebildet. Kitaleiterin Claudia Rabelbauer bestätigt, dass Schutzkonzepte im Alltag oft an Grenzen stossen: «Es kommt immer wieder vor, dass eine Betreuungsperson allein mit einem Kind ist.» Auch Psychologin Monika Egli-Alge betont, dass Richtlinien allein nicht genügen.
Die Branche fordert nun nationale Standards und eine bessere Finanzierung. Ohne stabile Teams und mehr Wertschätzung, so die Warnung aus der Praxis, bleibe das Risiko für Unfälle und Übergriffe dauerhaft hoch.
Schweiz · 10-Millionen-Schweiz
Demografischer Kollaps droht

Eigentlich ein Grund zur Freude: Den Senior:innen geht es gut! (Foto: Unsplash/Ilia Bronskiy)
Am 14. Juni stimmt die Schweiz über die Zuwanderungsinitiative der SVP ab, welche die Bevölkerung auf zehn Millionen Menschen deckeln will. Doch gemäss Tages-Anzeiger zeigen Daten des Bundes, dass die eigentliche Gefahr für den Wohlstand nicht die Grösse ist, sondern die Überalterung der Bevölkerung. In sieben Kantonen ist die Zahl der Menschen unter 65 Jahren bereits geschrumpft.
Die Initiative trifft das Land in einer kritischen Phase, da ab jetzt wohl nur noch die Gruppe der Senior:innen wächst. Der Kanton Zürich warnt bereits, dass die Wirtschaftsleistung ohne Gegensteuer bis 2050 um 20 Prozent einbrechen könnte. Für das Gedeihen des Landes ist aber das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Pensionierten entscheidend.
Ein Ja zur Initiative würde den Spielraum zur Verjüngung der Gesellschaft einschränken, heisst es im Artikel. Da die Geburtenraten tief bleiben und die Einwanderung aus Europa wegen dortiger Personalnot ohnehin sinkt, drohen den Kantonen explodierende Kosten für Pflege und Gesundheit bei gleichzeitig wegbrechenden Steuereinnahmen.
Um den drohenden Wohlstandsverlust abzuwenden, müssten bei einer Annahme der Initiative andere Hebel umso stärker greifen: ein höheres Rentenalter, deutlich höhere Arbeitspensen oder massive Produktivitätssprünge durch künstliche Intelligenz.
🔪 Zitat des Tages
«Ich sagte: Leckt mich. Da stellten sie mich auf die Strasse.»

Gibt den Kochlöffel ab: Kult-Küchenchef Franz Faeh. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Manuela Matt)
Seit der SRF-Dok Inside Gstaad Palace wissen wir: Küchenchef Franz Faeh mag gut gesalzene Speisen und gepfefferte Voten. Deshalb gleicht ein Interview mit dem kernigen «Saanebueb» dem Zubereiten eines Rühreis: Nichts kann eigentlich schiefgehen.
Auch im Gespräch mit dem Tages-Anzeiger serviert Faeh, der nächstes Jahr pensioniert wird, lauter 5-Sterne-Zitate. Gefragt, wo er im Leben gescheitert sei, antwortet er: «In Jakarta. Ich habe dem General Manager gesagt, was für ein Arschloch er sei. Da wurde ich ins Head Office zitiert. So spreche man nicht mit Vorgesetzten, hiess es. Als ich ihnen sagte: ‹Leckt mich›, stellten sie mich auf die Strasse. Dann hatte ich längere Zeit keinen Job, wir kehrten wieder zurück ins Saanenland. Ich bildete darauf Leute an der Hotelfachschule aus. Das war aber langweilig.»
Des Weiteren verrät Faeh, was man bei ihm zu Hause im Kühlschrank findet: «Gutes Fleisch, Fisch nur zweimal die Woche. Dazu Kaviar, Foie Gras, eine Flasche Dom Pérignon und ein Louis Roederer.» Man könne nicht im Palace arbeiten und es sich selbst nicht gut gehen lassen. «Ich war schon immer einer, der es genossen hat. Auch in Asien. Meine Tochter hat Dom Pérignon probiert, als sie sechs Monate alt war. Sie hat es immer noch gerne.»
Im Gespräch geht es dann auch noch um Kaviarschmuggel, Waffen, eine Krabbe für 3000 «Stutz» und neureiche «Grosskotze» aus St. Moritz. Ein Lesevergnügen!
Kurz-News
Mattea Meyer kehrt zurück · Nach einer krankheitsbedingten Auszeit wegen Erschöpfung nimmt SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer ihre Arbeit im Nationalrat wieder auf. «Ich bin voller Energie», sagt die Zürcherin im Tages-Anzeiger. Sie wird an der Sondersession Ende April teilnehmen. Meyer hatte im November die Notbremse gezogen und professionelle Hilfe beansprucht.
App gegen Depressionen · Ab dem 1. Juli übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die App «Deprexis», die bei leichten bis mittelschweren Depressionen hilft. Das BAG hat die Anwendung als erste ihrer Art zugelassen, um die langen Wartelisten bei Therapieplätzen zu überbrücken, berichtet SRF. Expert:innen loben den besseren Zugang zur Hilfe, betonen aber, dass die App eine persönliche Therapie nicht ersetzen kann und bei Krisen ungeeignet ist.
6i-Läuten in Zürich · Viele Zürcher:innen haben heute Nachmittag frei. Es ist Sechseläuten! Um 18 Uhr wird auf einem grossen Platz ein künstlicher Schneemann verbrannt. Zu sehen gibts das Spektakel live auf SRF, moderiert von Cornelia Boesch (ab 15.35 Uhr). Je eher es den Böögg verjagt, umso besser soll der Sommer werden. Boesch tippt im Blick auf 17 Minuten.
International
Katastrophe in Malaysia · Ein Grossbrand hat gestern ein Dorf auf Borneo fast vollständig zerstört. Über 1000 Häuser brannten nieder, wodurch rund 9000 Menschen obdachlos wurden. Starke Winde und Ebbe erschwerten die Löscharbeiten in der dicht besiedelten Küstenregion. Laut Behörden wurde das Gebiet zum Katastrophenzentrum erklärt. Die Regierung koordiniert gemäss New York Times Notunterkünfte und Soforthilfe für die betroffenen Familien.
Wahlen in Bulgarien · Der EU-kritische Ex-Präsident Rumen Radev hat die Parlamentswahlen in Bulgarien gewonnen. Seine Gruppierung «Progressives Bulgarien» erreichte laut Hochrechnungen 44 Prozent der Stimmen und damit die absolute Mehrheit. Radev, der engere Beziehungen zu Russland anstrebt und Militärhilfe für die Ukraine ablehnt, sprach gemäss Guardian von einem «Sieg der Hoffnung». Die Wahlbeteiligung lag bei über 50 Prozent.
😴 Nützliches des Tages
Guter Schlaf

Auch Otter wissen: Schlaf ist die beste Meditation. (Foto: Unsplash/Nader Saremi)
Na, gut geschlafen? So selbstverständlich ist das nicht. In der Schweiz leidet nämlich jede dritte Person unter Schlafstörungen. Ein Grund dafür könnte das Missachten der inneren Uhr sein. Im Beobachter sagt Schlafforscher Christian Cajochen: «Wir fühlen uns am wohlsten, wenn wir zu den Zeiten schlafen, die uns unsere innere Uhr vorgibt.» Am besten schlafen wir, wenn wir unserem genetischen Chronotyp – ob «Eule» oder «Lerche» – folgen. Während Frühtypen vormittags ihr Leistungshoch erreichen, blühen Spättypen erst nachmittags oder abends richtig auf, heisst es im Artikel.
Um den Rhythmus zu stabilisieren, helfen vier Strategien:
Erstens ist Tageslicht der wichtigste Taktgeber; besonders morgens hilft natürliches Licht, den Zyklus zu festigen, während blaues Displaylicht am Abend den Schlaf stört.
Zweitens fördern konstante Schlafzeiten von sieben bis neun Stunden die Regeneration, wobei die erste Stunde entscheidend ist.
Drittens raten Experten vom Snoozen ab. Das wiederholte Drücken der Schlummertaste verwirrt das Gehirn und stiehlt wertvolle Tiefschlafphasen.
Viertens sollten Sport und schwere Mahlzeiten nicht spätabends stattfinden, um widersprüchliche Signale an Organe wie die Leber zu vermeiden.
Wem diese Tipps nicht reichen, findet Unterstützung mit dem neuen KI-Chatbot des Beobachters. Er liefert personalisierte Ratschläge für besseren Schlaf. Einfach nicht im Bett auf dem Handy ausprobieren. 🐑
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter
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