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Lange, bevor Adolf Ogi für die SVP in den Bundesrat einzog und später zum Uno-Sonderberater ernannt wurde, absolvierte er eine KV-Lehre bei der Einwohnergemeinde Kandersteg. Die dortige Primarschule, sagte er einst, sei seine «Universität» gewesen.

«Wir müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten, damit die Eltern verstehen, dass die Berufsbildung unter Umständen der bessere Weg ist», sagte Bundespräsident Guy Parmelin gestern im Medienzentrum in Bern.

Womöglich hätte ein Auftritt in der Therme Vals, flankiert von Beatrice Egli und DJ Bobo, mehr Wirkung gezeigt. Peter Zumthor, der sie entworfen hat, startete als Möbelschreiner, Egli als Coiffeuse und DJ Bobo als Bäcker und Konditor.

🎒 Schweiz · Bildung

Junge ohne Lehrabschluss: Parmelin fordert Trendwende

Auch der Ingenieurin ist nichts zu schwör. (Foto: Unsplash/ThisisEngineering)

Die Schweiz entfernt sich zunehmend von ihrem Ziel, dass 95 Prozent der jungen Erwachsenen einen Abschluss auf Sekundarstufe II erreichen. Laut dem aktuellen Bildungsbericht sank die Quote zuletzt auf 90,1 Prozent. Tausende Jugendliche bleiben nach der obligatorischen Schule ohne Lehre oder Matura, schreibt die Limmattaler Zeitung.

Bildungsminister Guy Parmelin (SVP) warnt davor, den Bericht zu ignorieren: «Das Schlimmste wäre, wenn der Bericht einfach in der Schublade verschwinden würde.» Er beobachtet mit Sorge, dass Lernende zu Beginn der Ausbildung weniger Kompetenzen mitbringen. «Wir müssen den Trend umkehren», sagte der Bundesrat gestern in Bern. Um die Quote zu heben, müsse der Wert der Berufslehre gegenüber Eltern und Jugendlichen stärker hervorgehoben werden.

«KI ist ein süsses Gift.»

Stefan Wolter, Bildungsforscher

Auch Dieter Kläy vom Gewerbeverband fordert: «Die Berufslehre muss in ihrer Gesamtheit noch attraktiver und besser dargestellt werden.» Trotz der negativen Tendenz bleibe das ehrgeizige 95-Prozent-Ziel laut Expert:innen weiterhin erreichbar.

Auf SRF warnt derweil Bildungsforscher Stefan Wolter: «Die langfristigen Kosten für Individuum und Gesellschaft sind enorm.» Angesichts sinkender PISA-Leistungen erteilt er der Hoffnung auf künstliche Intelligenz als Ersatz für Wissen eine Absage: «KI ist ein süsses Gift», da ihre Kraft sich nur bei Menschen mit «exzellentem Fachwissen» entfalte. Fachliche Kompetenzen würden durch die KI sogar noch wichtiger.

Schweiz · Kriminalstatistik

Gewalt gegen Frauen und Mädchen nimmt zu

Keine Gewalt von Männern gegen Frauen: Protestschild in Spanien. (Foto: Unsplash/Christian Hergesell)

Im letzten Jahr wurden in der Schweiz 23 Frauen, fünf Männer und sechs Minderjährige infolge häuslicher Gewalt getötet. Drei Viertel der Opfer waren weiblich, schreibt Watson. Das Bundesamt für Statistik meldet für das Jahr 2025 zudem einen Anstieg schwerer Gewaltstraftaten um 8,1 Prozent.

Während die Gesamtzahl der Straftaten aufgrund rückläufiger Diebstähle leicht sank, erreichte die Zahl der Tötungsdelikte mit 55 Fällen fast einen historischen Höchstwert.

Ein weiterer Schwerpunkt der Kriminalstatistik liegt auf der digitalen Kriminalität. Über 57’000 Straftaten wurden im Netz registriert, wobei Frauen besonders häufig Opfer von gefälschten Unterstützungsanfragen oder Romance Scams wurden. Bei der digitalen Erpressung, der sogenannten Sextortion, war zudem ein Drittel der Opfer minderjährig.

Gleichzeitig verzeichnete die Polizei einen deutlichen Rückgang von 12,4 Prozent bei beschuldigten Personen aus der Asylbevölkerung. Die Zahl der beschuldigten Schweizer Staatsangehörigen blieb mit einem Anteil von über 42 Prozent nahezu unverändert.

Schweiz · Geschäft mit Tod

Unruhe in der Schweizer Sterbehilfe

Liberale Gesetzgebung, unethischer Konkurrenzkampf. (Foto: Unsplash/Priscilla Du Preez)

In der Schweizer Sterbehilfebranche tobt gemäss Tages-Anzeiger ein aggressiver Konkurrenzkampf. Während etablierte Organisationen wie Exit oder Dignitas auf Diskretion setzen, buhlen neue Anbieter verstärkt um sogenannte Sterbetouristen. Da es in der Schweiz weder eine Aufsicht noch eine Bewilligungspflicht gibt, konnten in den letzten Jahren vier neue Organisationen entstehen.

Die liberale Gesetzgebung zieht jährlich hunderte Menschen aus dem Ausland an, da die Sterbehilfe in vielen Ländern verboten ist. Die neuen Akteure auf dem Markt stehen jedoch in der Kritik: Anders als die Traditionsvereine setzen sie oft keine unheilbare Krankheit voraus. Zudem werfen sich die Organisationen gegenseitig zweifelhafte Geschäftsmodelle und Verleumdungskampagnen vor, was Betroffene verunsichert.

Besonders ein Fall sorgt für Aufsehen, heisst es im Artikel: Ein Pflegefachmann begleitete innerhalb eines Jahres fast 160 Menschen in den Tod und nahm dabei über 150'000 Franken ein.

Trotz dieser Entwicklungen lehnte der Bundesrat eine strengere Regulierung im Herbst 2025 ab. Er begründete dies damit, dass die Anzahl der Organisationen nicht signifikant ansteige.

🗿 Zahl des Tages

15’000 Jahre

Kehrt zurück: «Venus von Schweizersbild». (Screenshot: SRF/Museum der Kulturen/Omar Lemke)

Kürzlich hatten wir es im 6iBrief von der «Venus von Ostermundigen». Von der grossartigen Schweizer Schauspielerin Ursula Andress nämlich, die ihren 90. Geburtstag feierte.

Heute geht es um die «Venus von Schweizersbild». Die hat noch ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel: 15'000 insgesamt. Ursprünglich stammt die winzige, aus Holz geschnitzte Frauenfigur aus Schaffhausen. Die letzten Jahrzehnte verbrachte die Steinzeit-Schönheit jedoch in Basel. Die dortige Regierung hat nun gemäss SRF beschlossen, die Statuette endlich nach Hause zu schicken.

Das daumengrosse Objekt wurde im 19. Jahrhundert bei Schaffhausen entdeckt und gelangte 1975 als private Schenkung in das Museum der Kulturen Basel. Dort wurde das Fundstück jedoch nie öffentlich ausgestellt. Da die Figur für die Geschichte Schaffhausens eine zentrale wissenschaftliche Rolle spielt, stellte der Kanton im vergangenen Jahr ein offizielles Rückbegehren.

Die Basler Museumsleitung betont, dass es sich nicht um die Korrektur von unrechtmässigem Besitz handelt. Vielmehr sei die Figur in Schaffhausen besser aufgehoben, da sie dort aktiv erforscht und dem Publikum gezeigt werden kann.

Für die Schaffhauser Kantonsarchäologie endet damit eine lange Zeit, in der man lediglich mit einer Kopie arbeiten konnte. Die Rückgabe der Originalfigur wird als grosser Gewinn für das Verständnis der frühen Menschheitsgeschichte in der Region gewertet.

Ob sich Forschende in einer fernen Zukunft den Kopf darüber zerbrechen werden, was «Bockstössige Himbeerbuebe», «tubetänzig» oder «Chiuchefänschterouge» eigentlich genau heisst, ist anzunehmen. Verglichen mit der «Venus von Schweizersbild» oder jener aus Ostermundigen ist Patent Ochsners W. Nuss vo Bümpliz noch ziemlich jung. Dennoch feiert auch sie heuer einen runden Geburtstag: 30 Jahre!

Kurz-News

Beamte arbeiten zu viel · Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) kritisiert Lücken bei der Meldung von Nebenjobs in der Bundesverwaltung. Ein veraltetes System auf Papierbasis führe dazu, dass die Übersicht fehle und Interessenkonflikte drohten, schreibt 20 Minuten. Da die Arbeitszeit maximal 110 Prozent betragen darf, sei die fehlende Kontrolle «kritisch». Nun soll ein elektronisches System her.

AKW Gösgen wieder am Netz · Nach zehn Monaten Unterbruch produziert das AKW Gösgen seit gestern wieder Strom. Umfangreiche Nachrüstungen am Speisewassersystem hatten den längsten Stillstand der 47-jährigen Geschichte verursacht. Laut Kraftwerksleiter Herbert Meineke dauert das vollständige Hochfahren der «komplexen Maschine» zwei bis drei Wochen. Die Eigentümer rechnen mit Ertragsausfällen von über 500 Millionen Franken, berichtet SRF.

Swiss verlängert Flugstopp · Wegen der angespannten Sicherheitslage im Nahen Osten setzt die Swiss gemäss Watson ihre Flüge nach Dubai und Tel Aviv bis Juni aus. Grund sind die anhaltenden militärischen Konflikte zwischen Israel, den USA und dem Iran. Betroffene Fluggäste können laut Swiss kostenfrei umbuchen oder erhalten den vollständigen Ticketpreis zurück.

International

Meloni scheitert · Italiens Regierung erleidet eine schwere Niederlage: In einem Referendum stimmten 53,8 Prozent gegen die geplante Justizreform von Giorgia Meloni. Die Wahlbeteiligung war mit fast 59 Prozent ungewöhnlich hoch. Trotz des Scheiterns ihres zentralen Wahlversprechens schliesst die Ministerpräsidentin einen Rücktritt gemäss Tages-Anzeiger aus. Die Opposition feiert das Ergebnis als Erfolg für den Erhalt der Gewaltenteilung.

Trump verschiebt Ultimatum · US-Präsident Donald Trump hat seine Drohung, iranische Kraftwerke anzugreifen, vorerst ausgesetzt. Er begründete dies mit «produktiven Gesprächen» zwischen Vertreter:innen beider Länder. Das 48-Stunden-Ultimatum wurde bis Freitag verlängert, um der Diplomatie Raum zu geben, berichtet die New York Times. Während Trump eine Einigung für möglich hält, bestritt der Iran offizielle Verhandlungen.

👻 Nützliches des Tages

Ruedi Widmers Cartoons

Pointen und Pinselstriche sitzen: Zeichnung von Ruedi Widmer. (Screenshot: SRF/Ruedi Widmer)

Wer in diesen Tagen die Zeitung aufschlägt, hat selten etwas zu lachen. Kriege und Krisen dominieren das Weltgeschehen. Umso wichtiger ist es laut dem brillanten Cartoonisten Ruedi Widmer, den Humor nicht zu verlieren. Er sei ein unverzichtbares Gegenmittel. Man müsse ihn als Heilmittel einsetzen, sagt er auf SRF, als Therapie oder als Wellness.

Nun hat der Winterthurer den neuen Sammelband Verfassungslos – Die Welt, kurz erklärt mit seinen besten Karikaturen veröffentlicht.

Was ich an Widmers Zeichnungen so schätze: Sie kommen ohne Zynismus aus. Widmer nennt das «humanistischen Humor». Dieser ist oft bissig, manchmal herrlich absurd, dabei immer klug und hinreissend gemalt.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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