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Föderalismus ist meistens eine gute Sache. Wenn es darum geht, die Energiewende zu beschleunigen, ist er aber offenbar nicht sehr förderlich. So bringen es die Kantone bislang nicht auf die Reihe, genügend Standorte für mehr Windräder zu finden.

Der Energiekonzern Axpo prescht jetzt vor: Gelingt es nicht, mehr Schwung in die Sache zu bringen, soll der Bund das Ruder übernehmen.

Schweiz · Brisanter Vorschlag

Axpo fordert straffere Führung bei Windenergie

Windrad oberhalb von Andermatt. (Foto: Unsplash/Peter Wormstetter)

Um den schleppenden Ausbau der Windkraft in der Schweiz zu beschleunigen, fordert der Energiekonzern Axpo ein stärkeres Durchgreifen des Bundes. Bis in vier Jahren müssten rund zehnmal mehr Windräder installiert sein als heute.

Cédric Aubert, Leiter Windportfolio Schweiz bei Axpo, warnt in der Tagesschau von SRF vor dem aktuellen Flickenteppich: «Wenn jeder macht, was er will, könnte die Gefahr oder das Risiko bestehen, dass wir nicht genügend Strom produzieren.»

Bisher liegt die Planungshoheit bei den Kantonen, was oft zu Verzögerungen führt. So gab der Kanton Zürich zuletzt 15 potenzielle Gebiete wieder auf. Die Axpo schlägt daher einen Runden Tisch vor. Erreichen die Kantone ihre Ausbauziele nicht, soll der Bund ihnen Standorte für Windparks vorschreiben können.

In den Kantonen stösst dieser Vorstoss auf vorsichtige Offenheit. Der Zürcher Regierungsrat Martin Neukom betont zwar, dass Kantone ungern Kompetenzen abgeben, räumt aber ein: «Wenn man aber in den nächsten fünf Jahren sieht, dass es wirklich nicht funktioniert auf kantonaler Ebene, dann darf man auch darüber nachdenken, dass das vielleicht auf Bundesebene gelöst werden sollte.»

Schweiz · Demo

Rimoldi versammelt rechtsextreme Szene in Luzern

Für Rimoldi noch schlimmer als Impfzertifikate: EU-Verträge. (Screenshot: NZZ am Sonntag/Keystone)

Mehrere hundert Personen haben am Samstag in Luzern gegen die geplanten Verträge mit der EU demonstriert. Nicolas Rimoldi, Chef der zu Recht in Vergessenheit geratenen Gruppe «Mass-voll», nutzte die Kundgebung gegen den «Knechtschaftsvertrag», um seine rechtsnationale Vernetzung zu zelebrieren. Neben dem ehemaligen SVP-Politiker Oskar Freysinger traten auch Vertreter der rechtsradikalen bulgarischen Partei «Vazrazhdane» auf.

Freysinger polterte: «Sagen wir Ja zu dieser Schummelpackung, werden uns die gekauften, pharmageilen Euro-Eliten den Marsch blasen.» Applaus erhielt er auch von Mitgliedern der rechtsextremen «Jungen Tat».

Rimoldi rechtfertigt in der NZZ am Sonntag die Zusammensetzung der Rednerliste: «Wir arbeiten dann mit anderen Parteien zusammen, wenn wir uns inhaltlich einig sind.» Während linke Gruppen zu einer Gegendemonstration aufriefen, blieb die SVP dem Anlass fern. Laut Polizei verliefen die Kundgebungen ohne grössere Zwischenfälle.

In Zürich formiert sich derweil eine neue rechtsextreme Gruppe, die sich «Schweizer Nationalisten» nennt. Sie tarne ihre faschistische Ideologie als modernen Lifestyle aus Sport und Naturverbundenheit, heisst es in diesem lesenswerten Hintergrundartikel auf Tsüri.ch. Der Nachrichtendienst warnt: «Fälle von Minderjährigen und jungen Erwachsenen, die sich online radikalisieren und terroristische Absichten entwickeln, nehmen zu.»

Schweiz · 🦗

Coop kippt Mehlwurm-Burger aus dem Sortiment

Leckerbissen für die einen, Mutprobe für die anderen. (Foto: Unsplash/Davis Dai)

In Bangkoks Backpackerviertel bieten Strassenverkäufer:innen seit Jahrzehnten grillierte Skorpione zum Snacken an. Für die Tourist:innen ist das Zubeissen eine Mutprobe – oder ein Häkchen auf der Bucket List. Nur um satt zu werden, gehen sie dann doch lieber zu McDonald’s.

Zurück in der Schweiz ists dann endgültig vorbei mit der Gourmet-Exotik. Wohl auch deshalb nimmt nun der Detailhändler Coop seine Insekten-Produkte wie Grillen-Riegel oder Mehlwurm-Burger aus dem Sortiment. Die Nachfrage sei von einem zuletzt ohnehin schon tiefen Niveau nochmals weiter gesunken, lässt sich das Unternehmen im SonntagsBlick zitieren.

Was vor rund zehn Jahren als grosser Hype um das «Superfood der Zukunft» begann, scheiterte an der psychologischen Hürde der Kundschaft. Trotz ökologischer Vorteile und moderner Vermarktung als Fleischalternative erwies sich der «Ekelreflex» der Konsumenten als unüberwindbar, heisst es im Artikel. Die Produkte seien zwar als gesund und ressourcenschonend angepriesen worden, doch die Revolution auf dem Teller blieb aus.

Einer, der in Insekten-Food investiert, ist der Unternehmer und ehemalige Spitzensportler Jean-Yves Cuendet. In der NZZ am Sonntag hielt er schon vor ein paar Monaten ernüchtert fest: «Niemand hat je Geld damit verdient.»

Heute betreibt Cuendet einen Kiosk im Jura, um sein Insekten-Business zu finanzieren: Zeitschriften, Rubbellose und Zigaretten. Er werde aber weitermachen, solange er könne. «Weil es sinnvoll ist.»

Zitat des Tages

«Ich wehre mich dagegen, über meine Herkunft definiert zu werden.»

Chagai Friedlander will eine Debatte über Rassismus anstossen. (Screenshot: Bund/Franziska Rothenbühler)

Die Zahl antisemitischer Vorfälle im Internet ist in der Schweiz stark angestiegen. Allein auf Telegram wurden im letzten Jahr 1445 Fälle registriert.

Eines der Opfer ist Chagai Friedlander. Der in Bern lebende Softwareingenieur wurde von einem langjährigen Bekannten via Messenger wüst beschimpft und bedroht, weil er in Israel geboren wurde.

Der Angreifer schrieb in einer Nachricht: «Wir werden deine Landsleute in den Himmel schicken. Respektier das oder geh zurück in dein Heimatland.» Als Friedlander nachfragte, wer gemeint sei, lautete die Antwort kurz: «Juden.» Später wurde er gewarnt, er solle sich zurückhalten, oder er erntete die Früchte für das, was er gesät habe.

Experten wie Philip Bessermann von der Stiftung gegen Antisemitismus und Rassismus beurteilen die Aussagen als «klar antisemitisch» und werten sie als «Tötungsandrohung».

Friedlander will nicht für die Taten der israelischen Regierung haftbar gemacht werden: «Ich wehre mich dagegen, über meine Herkunft definiert zu werden», sagt er in der Zeitung Bund. Trotz der Drohungen tritt er bewusst an die Öffentlichkeit, um eine Debatte über die zunehmende Radikalisierung in digitalen Gruppen anzustossen.

Kurz-News

Farmy ist pleite · Der Schweizer Onlinehändler Farmy ist am Ende. Nach langwierigen Krisen hat das 2014 gegründete Unternehmen die Bilanz deponiert und den Betrieb eingestellt, berichtet Watson. Zuvor geplante Sanierungsmassnahmen sowie die Fusion mit Pico Lebensmittel im Januar 2025 scheiterten an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Farmy setzte auf regionale und nachhaltige Produkte von über 1200 Produzenten, konnte sich aber finanziell nicht dauerhaft stabilisieren.

FDP fordert PUK · Die Zürcher FDP fordert nach den Enthüllungen über die Herzchirurgie am Universitätsspital eine umfassende politische Aufarbeitung, heisst es im Tages-Anzeiger. Notfalls soll eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) klären, weshalb jahrelang nicht gegen die Missstände eingeschritten wurde. Unter dem früheren Klinikchef Francesco Maisano starben statistisch 70 Personen zu viel. Während die FDP auf Aufklärung pocht, sehen SP und SVP derzeit keinen Bedarf für eine PUK.

Demo für Armee · Schweizer Milizverbände rufen gemäss Limmattaler Zeitung zu einer grossen Demonstration für die Sicherheit auf dem Bundesplatz auf. Sie fordern höhere Armeeausgaben und warnen, die Schweiz werde zum Sicherheitsrisiko in Europa. Auch der Bundesrat warnt erstmals vor Sanktionen und dem Ausschluss aus Forschungsprojekten, falls die Schweiz keinen höheren Beitrag zur europäischen Sicherheit leiste.

International

Trump nicht einverstanden · US-Präsident Donald Trump hat die Antwort des Irans auf den US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges als «völlig inakzeptabel» zurückgewiesen. Teheran forderte unter anderem ein sofortiges Ende der Kämpfe an allen Fronten und den Stopp der US-Seeblockade, berichtet die BBC. Trump betonte auf Truth Social, er sei mit den Bedingungen nicht einverstanden. Israels Premier Netanjahu verlangt zudem den Abbau iranischer Uranbestände, bevor der Konflikt enden könne.

Starmer in der Krise · Nach dem Debakel bei den britischen Kommunalwahlen gerät Premier Keir Starmer immer stärker unter Druck, schreibt der Tages-Anzeiger. Die Labour-Abgeordnete Catherine West drohte damit, ihn heute stürzen zu wollen und selbst für das Amt zu kandidieren. Labour verlor in Wales und Schottland dramatisch an Boden, während Unabhängigkeitsparteien und Reform UK historisch siegten. Starmer lehnt einen Rücktritt ab und holte Ex-Premier Gordon Brown als Berater in sein Team.

🏨 Nützliches des Tages

Hotel

Coco Chanel im Ritz. (Screenshot: SRF/Getty)

Es gibt Hotels, die würde man am liebsten vergessen. Die «Krone» am Zürcher Limmatquai war so ein Haus. Ehe es vor ein paar Jahren (zum Glück) dichtmachte, verbrachte ich eine Nacht dort. Titel meines Erlebnisberichts von damals: Hotel from Hell.

Und dann gibt es Hotels, da würde man am liebsten für mehrere Monate oder Jahre einchecken. So wie der deutsche Musiker Udo Lindenberg, der seit 1995 im Hamburger Hotel «Atlantic» lebt. Sein Grund: «Wenn Bach den Kehricht hätte hinunterbringen müssen, wären weniger Kantaten von ihm erschienen.»

In einem lesenswerten Artikel nimmt SRF das Phänomen der prominenten Langzeitgäste unter die Lupe. Ob in luxuriösen Grand Hotels wie dem «Ritz» Paris, wo Coco Chanel über 30 Jahre residierte, oder im berüchtigten «Chelsea Hotel» in New York: You can check out any time you like, but you can never leave.

PS: Wo früher das «Hotel from Hell» einquartiert war, gibts heute ein wunderbares und preisgünstiges Pop-Up-Hotel.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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