Guten Morgen {{vorname}}
Nach so einem Abstimmungs- und Wahlsonntag träume ich jeweils von Kuchen und Kurven. Nur leider nicht in Form von süssen Gebäcken oder fröhlichen Passfahrten. Deshalb herrscht bei mir ab heute Mittag eine Diagramm-Diät.

Zunächst aber etwas Zahlensalat.

Sobald die wichtigsten Resultate bekannt sind, interessieren die Anekdoten: In welcher Waadtländer Gemeinde stimmten fast sämtliche Bewohner:innen für die Bargeldinitiative? In Mollens. In welcher Stadt sagten die meisten Ja zur Klimafondsinitiative und Nein zur Halbierungsinitiative? Natürlich in Bern. Und in welchem Kreis wäre Përparim Avdili (FDP) Zürcher Stadtpräsident geworden? In keinem.

Schweiz · Heiratsstrafe

Volk will Ehepartner getrennt besteuern

Haben künftig noch besser lachen: Ehepaare. (Foto: Unsplash/Andres Molina)

Die Stimmberechtigten haben gestern mit rund 54 Prozent Ja gesagt zur Individualbesteuerung aller Privatpersonen, ob verheiratet oder nicht.

«Eine Mehrheit sieht es offenbar als Selbstverständlichkeit an, dass die Frauen ihre Steuererklärung selbst ausfüllen», sagt Politgeograf Michael Hermann im Tages-Anzeiger.

Für den Leiter des Forschungsinstituts Sotomo ist dieses deutliche Resultat Ausdruck eines tiefgreifenden gesellschaftspolitischen Wandels. Obwohl die Reform im Parlament nur eine hauchdünne Mehrheit fand, stimmten selbst Mitte-Hochburgen wie Luzern oder Freiburg zu.

Die unterlegene Mitte-Partei hält unter ihrem neuen Präsidenten Philipp Matthias Bregy jedoch an ihrer eigenen Initiative zur Abschaffung der Heiratsstrafe fest. Hermann räumt dem Vorhaben durchaus Chancen ein, da auch die Kantone der Individualbesteuerung skeptisch gegenüberstehen.

Für die neue FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher ist der Sieg indes ein wichtiger Erfolg für den progressiven Parteiflügel. Hermann: «Das gibt ihr nun ein Mandat und widerlegt den Eindruck, dass sie die Partei gar nicht richtig repräsentiere.»

Alle Resultate zur gestrigen Volksabstimmung hat die Bundeskanzlei.

Apropos Steuererklärung: Falls du keine Fristerstreckung beantragt hast, wirds langsam Zeit, die Steuererklärung einzureichen. In Bern zum Beispiel bis zum 15. März. 😱

Schweiz · SRG

Roger Elsener soll neuer SRF-Direktor werden

Medienmanager mit Sparauftrag: Roger Elsener. (Screenshot: Watson/Keystone)

Keine Chance an der Urne hatte die Halbierungsinitiative der SVP. Knapp 62 Prozent lehnten sie ab. «Lasst die SRG endlich in Ruhe!», forderte SP-Nationalrätin Jacqueline Badran nach Bekanntwerden des Resultats gemäss Tages-Anzeiger. Die Bevölkerung stehe felsenfest hinter der SRG.

In einer auch sonst sehr emotionalen Ausgabe von Late Night Switzerland sagte die abtretende SRF-Direktorin Nathalie Wappler am Abend: «Es ist wirklich eine Erleichterung, einen solchen Rückhalt in der Bevölkerung zu spüren. Dafür bin ich dankbar.»

Derweil berichtet die Republik, dass Roger Elsener kurz vor der Ernennung zum neuen Direktor von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) stehe. Der Nominationsausschuss habe den 49-jährigen Medienmanager als einzigen Kandidaten vorgeschlagen. Die offizielle Wahl durch den SRG-Verwaltungsrat am morgigen Dienstag gelte als reine Formsache.

Elsener, aktuell CEO des Streaming-Anbieters Zattoo und langjähriger Unterhaltungschef bei CH Media, würde die Nachfolge in einer Phase tiefgreifender Umstrukturierungen antreten, liest du bei Watson.

Die Personalie gilt als medienpolitisches Signal. Kritiker:innen sehen in Elsener eher einen Experten für Unterhaltung und Vermarktung als einen Verfechter des klassischen Service Public. Im Auswahlverfahren soll er sich gegen die SRF-interne Kandidatin Anita Richner durchgesetzt haben.

Schweiz · Armee

Viele Trucks, keine Raketen

Swiss-Half-Finish. (Foto: Unsplash/Patrick Von)

Wenn man Kindern eine Lektion in Geduld und ein Gespür für Geld mitgeben will, schenkt man ihnen zu Ostern Schienen, zum Geburtstag eine Lokomotive und zu Weihnachten einen Wagen zweiter Klasse.

In Rüstungsangelegenheiten ist das Prinzip weniger durchdacht. Trotzdem haben die Verantwortlichen offenbar danach gehandelt. Und so hat die Schweiz nun bald ein Set massgeschneiderter Lastwagen, wartet wohl aber noch sehr, sehr lange auf die Abfangraketen aus den USA, die sie eigentlich darauf montieren möchte.

Grund sei der «Swiss-Finish», wie die NZZ am Sonntag berichtet. Statt die US-Standard-Lastwagen von Oshkosh zu nutzen, bestellte die Armee eine Spezialflotte von 62 Iveco-Trucks. Diese helvetische Sonderlösung wurde gewählt, weil US-Modelle angeblich zu breit für Schweizer Passstrassen seien und europäische Normen wie das ABS nicht erfüllten.

Sicherheitspolitiker:innen kritisieren die teuren Extrawünsche und warnen vor einem Fiasko wie bei der Elbit-Drohne. Falls die Schweiz nun zusätzlich ein europäisches Abwehrsystem kauft, bleibt unklar, ob die bereits modifizierten Lastwagen dafür überhaupt nutzbar sind.

🔵 Zitat des Tages

«Ob wir nun 7 zu 2 verlieren oder 8 zu 1, spielt keine Rolle.»

Die neue Stadtzürcher Regierung: Finde den FDPler! (Screenshot: NZZ/Gaëtan Bally)

Wenn in der Meisterschaft der Absteiger bereits feststeht, könnte der Trainer der unglücklichen Equipe sagen: «Ob wir nun 7 zu 2 verlieren oder 8 zu 1, spielt keine Rolle.» Wie damit die Herzen der Fans zurückgewonnen werden sollen, ist allerdings schleierhaft. Wozu noch ins Stadion?

Das Zitat stammt indes nicht aus dem Fussball oder Volleyball, sondern vom gestrigen Wahlsonntag in der Stadt Zürich. Die bittere Feststellung gemacht hat gemäss NZZ Sonja Rueff-Frenkel, die Vizepräsidentin der FDP. Ihre Partei konnte den zweiten Sitz in der Regierung nicht verteidigen.

Die grösste Stadt der Schweiz wird künftig also von drei Grünen (neu: Balthasar Glättli), vier SP-Mitgliedern und je einem FDPler und GLPler regiert. Neuer Stapi wird nach einem zweiten Wahlgang aller Voraussicht nach Raphael Golta (SP). Alles Wichtige zu den Wahlen in Zürich findest du auf Tsüri.ch.

Kurz-News

Ehrendoktortitel aus Russland · Der Genfer SVP-Grossrat Guy Mettan erhielt Anfang Februar in St. Petersburg einen Ehrendoktortitel. Eine Bewilligung des Parlaments benötigte er dafür nicht, berichtet «Le Matin Dimanche» (nicht online). Die Reise sorge dennoch für politischen Zündstoff: Andere Parteien prüften nun, ob Mettan 2027 noch als Präsident des Grossen Rates tragbar sei. In zwei Monaten stünde zunächst seine Wahl zum Vizepräsidenten an.

Lorrainebad wird saniert · Meine Lieblingsbadi in Bern wird ein «echtes» Flussbad: Mit 83,1 Prozent haben die Stimmberechtigten einen Kredit von 22,3 Millionen Franken für das Lorrainebad angenommen. Damit wird das traditionsreiche Bad ab Herbst 2027 umfassend erneuert und wieder direkt mit der Aare verbunden. Geplant sind gemäss SRF zudem ein Kinderbereich und mehr Schattenplätze. Wegen der Bauarbeiten bleibt das Bad im Sommer 2028 geschlossen; die Wiedereröffnung ist für 2029 vorgesehen. «Vorgesehen.» 😬

Glühen am Nachthimmel · Teile eines Meteoriten haben gestern Abend in Südwestdeutschland Schäden an Häusern und Dächern angerichtet. Betroffen sind laut Polizei Regionen wie der Hunsrück, die Eifel und Koblenz. Die leuchtende Erscheinung war gemäss Watson in weiten Teilen Westdeutschlands sowie im Aargau und in Zürich am Himmel zu sehen. In sozialen Medien kursieren zahlreiche Videos des glühenden Schweifs.

International

Grossbrand in Glasgow · Ein Grossbrand in der Nähe des Bahnhofs Glasgow sorgt für weitreichende Ausfälle im Bahnverkehr. Das Feuer brach gestern in einem Gebäude an der Union Street aus, das teilweise einstürzte. Der verkehrsreichste Bahnhof Schottlands bleibt am heutigen Montag bis voraussichtlich Ende des Tages geschlossen. Reisende sind gemäss Guardian aufgerufen, das Gebiet zu meiden. Verletzte wurden bisher keine gemeldet.

Black Monday · Der Ölpreis ist infolge des Iran-Kriegs auf über 111 US-Dollar pro Barrel (Brent) gesprungen. Grund ist die faktische Blockade der Strasse von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fliesst. Die Börsen in Asien reagierten gemäss Watson mit Kursstürzen von über 6 Prozent. Während US-Präsident Trump von einem «geringen Preis für Sicherheit» spricht, warnen Expert:innen vor einem weiteren Anstieg auf bis zu 150 Dollar.

🖌️ Nützliches des Tages

Zeichnungen

Erstaunlich treffsicher: Montagsmaler-KI. (Screenshot: Google/Quickdraw)

Früher gab es im deutschen Fernsehen die formidable Sendung «Die Montagsmaler». Das Prinzip war ganz einfach: Jemand zeichnete und verzweifelte, die anderen versuchten, möglichst rasch zu erraten, welcher Begriff gemeint war: «Hund, Katze, Maus!»

Heute, an einem Montag Jahrzehnte später, lassen wir das schöne Spiel wieder einmal aufleben. Mit der ebenfalls bereits älteren Anwendung Flugs gezeichnet! von Google. (Über Risiken und Nebenwirkungen beim Verschenken von Daten und Füttern von Algorithmen kommerzieller Unternehmen machen wir uns morgen wieder Gedanken.)

Wer loslegt, darf sechs Begriffe zeichnen. Für jeden Begriff hat man knapp 20 Sekunden Zeit. Eine KI versucht herauszufinden, um was es sich handelt (Ton an!). Diese Mausgymnastik am frühen Morgen im Büro kann ziemlich stressig sein. Es macht aber auch Spass. Cool auch: die Abertausenden von Skizzen von Menschen aus aller Welt bewundern. Eine Sonne zeichnen fast alle gleich, ein Haus nicht. Das ist erhellend, witzig, manchmal rührend.

Jede Runde Flugs gezeichnet! trainiert das neuronale Netzwerk. Google schreibt dazu: «Diese Kritzeleien bilden einen einzigartigen Datensatz, der Forscher:innen dabei hilft, Muster in der Art und Weise zu erkennen, wie Menschen auf der ganzen Welt zeichnen, und Künstler:innen dabei hilft, Dinge zu schaffen, an die wir noch gar nicht gedacht haben.»

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

PS: Die Schweiz besteht nicht nur aus Zürich und Bern. Gestern wurde auch in Winterthur gewählt, in Freiburg oder in St. Gallen. Und vermutlich wurde da und dort auch über Wichtigeres als die Lorrainebadi abgestimmt. Da der 6iBrief aber nicht zum 6i-bis-11i-am-Abend-Brief ausufern soll, musst du dir die restlichen Resultate selbst zusammensuchen. Ein guter Startpunkt ist hier.

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