Guten Morgen {{vorname}}
Im Mai fahre ich nach Barcelona. Statt zu fliegen, nehme ich die 14-stündige Busfahrt auf mich und zahle etwa das Doppelte dafür. Damit will ich meinen CO2-Ausstoss verringern.

Denn auch ich bin wie viele andere im vergangenen Jahr weite Strecken geflogen: Schweizer:innen legen im Jahr gegen 10’000 Kilometer im Flugzeug zurück. Leider ist Fliegen oft viel billiger und komfortabler als ökologische Alternativen.

Das will eine neue Initiative ändern.

Schweiz · Flugverkehr

Initiative fordert Abgabe auf Flugtickets

Der Flugverkehr war 2023 für rund elf Prozent der Schweizer Treibhausgasemissionen verantwortlich. (Foto: Stefan Schwinghammer/Unsplash)

Die Schweiz ist ein Land von Vielflieger:innen. Nun will eine Initiative eine Abgabe auf Flugtickets erheben.

Laut NZZ verlangt die sogenannte «Mobilitätsbon-Initiative» eine Abgabe von mindestens 30 Franken für Kurzstreckenflüge und mindestens 500 Franken für Privatjets. Ziel ist es, die Klimabelastung durch den Flugverkehr zu reduzieren.

Die Initiant:innen des Vereins Umverkehr sowie Vertreter:innen von SP, Grünen, GLP und Mitte kritisieren, dass auf Kerosin weder Mineralöl- noch Mehrwertsteuer erhoben wird.

Somit werde Fliegen künstlich verbilligt, während die Preise im Schienenverkehr steigen, argumentiert Grüne-Nationalrätin Franziska Ryser.

Das Modell sieht vor, dass die geschätzten Einnahmen von 1,5 Milliarden Franken jährlich zweckgebunden verwendet werden: Zwei Drittel sollen in Form von ÖV-Gutscheinen direkt an die Bevölkerung zurückfliessen. Das verbleibende Drittel soll in den Ausbau des internationalen Bahnverkehrs investiert werden.

Eine vierköpfige Familie, die einmal im Jahr nach Mallorca in die Ferien fliegt, müsste zwar viermal 30 Franken für die Flugticketabgabe bezahlen, erhielte jedoch vier Mobilitätsgutscheine von je 110 Franken.

«Unter dem Strich resultiert für den Haushalt damit ein Plus von 320 Franken pro Jahr», rechnet Ryser vor. Das Nachsehen hätten dagegen jene 10 Prozent, die sehr viel fliegen – beruflich oder privat.

Schweiz · Testprojekt

ÖV-Kosten werden künftig automatisch berechnet

Zug, Tram oder Bus fahren soll noch einfacher werden. (Foto: Christian Meyer/Unsplash)

Wir bleiben beim Bahnverkehr, genauer bei den Bahntickets. Der Branchenverband Alliance Swisspass und die SBB lancieren mit «Be in – Be out» (oder kurz «Bibo») die nächste Stufe des digitalen Ticketing.

Im Gegensatz zum aktuellen «Easyride»-System müssen Fahrgäste künftig nicht mehr manuell via App ein- und auschecken. Das System erkennt über Bluetooth-Sender im Fahrzeug automatisch, wenn eine Person zusteigt, umsteigt oder den ÖV verlässt, und berechnet im Nachgang den korrekten Fahrpreis.

Die technologische Grundlage ist im Rollmaterial der SBB bereits weitgehend installiert. Ausgenommen sind internationale Züge wie der TGV oder ICE.

Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeits­beauftragte (EDÖB) sieht in Bezug auf das neue System keine grundsätzlichen Probleme und begleitet das Projekt.

Ab Ende April startet ein zweimonatiger Feldversuch mit rund 3000 Teilnehmenden. Dabei soll geprüft werden, wie zuverlässig die Reiseerfassung und die Preisberechnung unter realen Bedingungen funktionieren. Bei Erfolg soll die Technologie in die bestehende SBB-Mobile-App integriert werden.

Schweiz · Kreislaufsystem

Altkleidersammlung am Anschlag

Altkleidersammlungen quellen über. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Urs Jaudas)

Das System schien lange gut zu funktionieren. Ungeliebte Kleidungsstücke konnten in die Altkleidersammlung gebracht werden, von wo aus – so die Hoffnung – sie ein zweites Leben fanden.

Immer mehr zeigte sich jedoch, dass die Unmengen an Abfall, die durch Fast Fashion entstehen, nicht verarbeitet werden können.

Da das System vollends zu kollabieren droht, soll ein Recyclingprogramm Abhilfe schaffen. Doch laut Tages-Anzeiger stellen sich Zalando, Shein und Temu quer.

Obwohl die Onlinehändler rund ein Drittel des Schweizer Marktes kontrollieren, weigern sie sich bisher, dem Branchenverein Fabric Loop beizutreten. Dieser plant ein Kreislaufsystem, das über einen vorgezogenen Recyclingbeitrag finanziert werden soll – ähnlich wie beim PET.

Die Branche fordert nun politische Rahmenbedingungen. Eine Motion der FDP-Nationalrätin Regine Sauter verlangt eine Wiederverwertungsquote von 60 Prozent.

Das Ziel liegt jedoch in weiter Ferne: Aktuell werden in der Schweiz nur zwei Prozent der Altkleider sortiert und immer mehr Sammelfirmen sind Konkurs gegangen.

Tell-Tex hätte bereits im Januar in St. Gallen das grösste Recycling­zentrum für Altkleider in der Schweiz in Betrieb nehmen wollen. Doch der Bau ist gestoppt. Es gebe zwar viele geeignete Alttextilien, doch keine Abnehmer:innen. Neues Material sei günstiger als das aus der Recyclingmaschine, sagen Brancheninsider.

Das stellt auch Zürich vor ein Problem. Die Stadt setzt seit Januar auf eine vollständig lokale Wiederverwertung.

Das geplante Tell-Tex-Zentrum stellt dabei einen wichtigen Bestandteil für das Zürcher Kreislaufsystem dar. Bis 2035 sollen die jährlich 2000 Tonnen Zürcher Altkleider nicht mehr ins Ausland exportiert, sondern regional sortiert, repariert oder thermisch verwertet werden.

Aufgeschnappt

Pfauen auf Basel-Tour

Auf Erkundungstour bei unseren Freund:innen von Bajour. (Video: Baselswizz/Instagram)

Ein Pfauenpaar erkundete in den letzten Tagen die Stadt Basel. Nach einer längeren Vogelgrippe-Quarantäne sind die beiden aus dem Tierpark Lange Erlen ausgebrochen. Wer kann es ihnen verübeln?

Gegenüber SRF zeigte sich der Betriebsleiter des Parks unbesorgt, dass die Tiere für immer das Weite suchen und nicht mehr zurückkommen würden. «Sie sind sehr treu und kehren normalerweise nach ihren Ausflügen zurück.»

Inzwischen wurden die Tiere eingefangen und zurückgebracht, wie der Erlenverein bestätigte.

Kurz-News

Dem Bodensee geht die Luft aus · Dem Bodensee, als grösstem Trinkwasserspeicher Europas, macht der Klimawandel zu schaffen. Auch dieses Jahr war die Wasserzirkulation im Bodensee nur schwach ausgeprägt, wie Watson berichtet. Für eine ausreichende Wasserzirkulation bis in grosse Tiefen muss die Temperatur des gesamten Sees ungefähr gleich kalt sein. Die letzte vollständige Durchmischung liegt acht Jahre zurück. Forschende warnen nun vor langfristigen Schäden für das Ökosystem.

Zürich: Andri Silberschmidt soll FDP-Regierungsrat werden · Der 32-jährige Nationalrat Andri Silberschmidt soll bei den Zürcher Regierungsratswahlen 2027 den Sitz der abtretenden Carmen Walker Späh verteidigen. Wie Tsüri.ch berichtet, verzichtet die FDP entgegen ursprünglicher Pläne auf ein Zweierticket und setzt stattdessen auf eine Solokandidatur. Laut Parteipräsident Filippo Leutenegger sei das eine strategische Entscheidung, um die bürgerliche Mehrheit in der Exekutive abzusichern.

Anhörung nach Brandkatastrophe in Crans-Montana · Gut drei Monate nach dem Brand in der Bar «Le Constellation» mit 41 Toten wurde Gemeindepräsident Nicolas Féraud am Montag erstmals von der Walliser Staatsanwaltschaft befragt. Ihm und acht weiteren Beschuldigten werden fahrlässige Tötung, Körperverletzung und Brandstiftung vorgeworfen. Laut SRF kritisieren Opferanwälte den späten Zeitpunkt der Einvernahme, nachdem die Gemeinde bereits im Januar eingeräumt hatte, dass die Bar seit 2019 nicht mehr kontrolliert worden war.

International

Trump attackiert den Papst · US-Präsident Donald Trump hat Papst Leo XIV. scharf angegriffen. Auslöser war die Kritik des Papstes am US-Krieg gegen den Iran. Parallel dazu sorgte Trump für Empörung, als er ein KI-generiertes Bild postete, das ihn als Christus beim Heilen von Kranken zeigte. Laut New York Times bezeichnete die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Angriffe als inakzeptabel. Der Papst selbst erklärte auf dem Weg zu einer Afrika-Reise, er habe «keine Angst» vor der US-Administration und werde weiterhin für den Frieden sprechen.

Was Magyars Sieg für die EU bedeutet · Die Abwahl Viktor Orbans löste in Brüssel Erleichterung aus. Laut NZZ kündigte Magyar eine proeuropäische Kehrtwende und das Ende der ungarischen Blockadepolitik an. Damit könnten bisher verhinderte EU-Milliardenkredite für die Ukraine sowie neue Sanktionen gegen Russland zeitnah deblockiert werden. Trotz des Kurswechsels gilt Magyar in Fragen der Migration und der nationalen Souveränität weiterhin als harter Verhandlungspartner; zudem will er einen EU-Beitritt der Ukraine einem nationalen Referendum unterstellen.

🐦 Nützliches des Tages

Falkenkamera

Die jungen Falken bleiben nach dem Schlüpfen für circa vier Wochen im Nest. (Foto: Grün Stadt Zürich)

Die Nachrichten drehen sich derzeit erstaunlich oft um Vögel: In Basel beschäftigen zwei weltstädtische Pfaue die Öffentlichkeit, in Zürich sorgt eine Taubentötung am Bahnhof Stadelhofen für Kritik.

Und während ich diese Zeilen schreibe, ist mein Blick auf die Falkenkamera der Kehrichtverbrennungsanlage bei der Josefwiese gerichtet. Mindestens ein Küken ist frisch geschlüpft und wird von der Mutter gewärmt. Dieser Vorgang nennt sich «Hudern», wie ich soeben gelernt habe. Über die Webcam ist sogar das Piepsen der Kleinen zu hören 😍

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Bis dann!

Yann

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