Guten Morgen {{vorname}}
Heute wird es im doppelten Sinn «grusig».
Im ersten Fall ist das eine Untertreibung: Was Frauen in der Schweiz an Manipulationen und Übergriffen erleiden, nachdem sie auf einer Dating-App einen harmlosen Wisch nach rechts gemacht haben, ist verstörend. Ebenso verstörend sind die neuesten Entwicklungen bei den Epstein-Files.
Im zweiten Fall geht es ums Wetter: Auch dieses präsentiert sich heute, je nach Betrachtungsweise, von seiner eher «grusigen» Seite.
Schweiz · Dating
Tinder-Alptraum: Machtlos gegen Täter

Nein heisst Nein. (Foto: Unsplash/Markus Spiske)
Millionen Menschen nutzen Tinder oder Bumble, doch für viele Frauen endet die Suche nach Liebe via App im Horror. Ein Transparenzbericht der Match Group (Tinder) verzeichnete in einem Jahr eine Million Meldungen wegen Missbrauchs in der EU. Auch in der Schweiz berichten Betroffene von Stalking und sexuellen Übergriffen.
Die Sicherheitsmassnahmen greifen oft zu kurz, berichtet der Tages-Anzeiger. Täter können trotz Sperrung leicht neue Profile erstellen. Eine Betroffene sagt: «Ich habe einen Typen gemeldet – aber er tauchte immer wieder mit neuem Profil auf.» Ein Selbstversuch der Zeitung bestätigt zudem, dass Meldungen folgenlos bleiben.
Viele Frauen verzichten aus Scham auf eine Anzeige. «Wer würde mir schon glauben?», fragen sie, da Beweise oft fehlen. Eine 30-Jährige schildert, wie ihr Date sie in seine Wohnung lockte und dort die Tür abschloss. Als er sie bedrängte, geriet sie in Panik: «Ich begann zu schreien (...) Erst als ich die Polizeinummer 117 eingetippt und ihm gezeigt habe, hat er aufgeschlossen.»
Im Uber-Taxi nach Hause wollte sie ihn melden – doch er hatte sein Profil bereits gelöscht.
Schweiz · Wetter
Stürmischer Wochenbeginn

Viel Wind, viel Schnee: Monte Tamaro im Tessin (2018). (Foto: Unsplash/Ricardo Gomez Angel)
Ein heftiger Föhnsturm fegt heute über die Schweizer Alpen. Das verursachende Biskaya-Tief sorgt für extreme Druckdifferenzen und bringt den typischen Föhntälern Windspitzen von 110 bis 130 km/h. Besonders betroffen sind das Urner Reusstal, das Haslital und das Rheintal, berichtet die Berner Zeitung.
Für Wintersportler:innen wird es also ungemütlich: In vielen Skigebieten müssen Bahnen und Gondeln aufgrund der Orkanböen vorübergehend den Betrieb einstellen. Meteo Schweiz hat für die am stärksten betroffenen Regionen eine Unwetterwarnung der Stufe drei herausgegeben.
Während der milde Fallwind im Norden für aussergewöhnliche Temperaturen von bis zu 14 Grad sorgt, versinkt der Süden im Schnee. Im Tessin werden oberhalb von 1’000 Metern innerhalb von 24 Stunden bis zu 50 Zentimeter Neuschnee erwartet.
Laut Meteorolog:innen soll der Sturm im Laufe des Dienstagabends abflauen. Am Mittwoch folgt eine Kaltfront, die der Alpennordseite Niederschläge und eine Schneefallgrenze um 1200 Meter bringt.
Schweiz · Epstein-Files
«Mein gefährlicher Jeffrey»: Epsteins Spuren in die Schweiz

Sexualstraftäter Jeffrey Epstein pflegte auch Kontakte in die Schweiz. (Screenshot: Blick)
Am Freitag veröffentlichte das US-Justizministerium weitere drei Millionen Seiten aus seinen Ermittlungsakten zum Epstein-Skandal. Der SonntagsBlick machte sich auf die Suche nach Spuren in die Schweiz – und wurde fündig.
So pflegte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (1953-2019) offenbar systematisch Kontakte zu jungen Frauen in der Schweiz. Die meisten von ihnen stammten aus Russland oder der Ukraine.
Epstein finanzierte mindestens fünf Frauen hierzulande Hotels, Visa und Flugtickets. Einer jungen Russin zahlte Epstein über Mittelsmänner 34'510 Franken für einen Sommerkurs an einer Eliteschule am Genfersee.
«Hallo aus der Schweiz!» steht gemäss der Recherche im Betreff eines E-Mails an Jeffrey Epstein, abgeschickt am 1. Oktober 2014. Die Absenderin zitiere darin aus dem Roman «Lolita» und schreibe von «Assistentinnen», die es zu finden gelte. «Damit du mit ihnen machen kannst, was du willst, mein gefährlicher Jeffrey ;)»
Auch international schlagen die neuen Akten Wellen. Gemäss NZZ ist Peter Mandelson, der britische Ex-Botschafter in den USA, aus der Labour-Partei ausgetreten, um der Regierung «weitere Peinlichkeiten» zu ersparen. Die neuen Dokumente belegen seine Verstrickungen mit dem Sexualstraftäter.
Auch Prinz Andrew gerät immer stärker unter Druck. Premierminister Keir Starmer fordert dessen Aussage vor dem US-Kongress, nachdem Fotos auftauchten, die Andrew in kompromittierenden Posen zeigen.
🐴 Aufgeschnappt
Unglückliches Pferdchen geht in China viral

Das Glück der Erde sieht anders aus: Trauriges Feuerpferd. (Screenshot: New York Times/Nicoco Chan)
Ist es stiller Protest – oder doch nur ein Produktionsfehler? Auf jeden Fall geht in China ein weinendes Plüschpferdchen gerade viral.
Eigentlich hätte es lächeln sollen. Optimismus verströmen fürs chinesische Jahr des Feuerpferdes, das am 17. Februar beginnt. Doch mit der um 180 Grad verdreht angenähten Mundpartie schaut das Pferdchen eher traurig in die Welt hinaus. Und diese Traurigkeit macht es nun zum Maskottchen einer erschöpften Generation, wie die New York Times berichtet.
«Eigentlich bin ich ein Esel. Ein Pferd ist weniger müde als ich.»
Unter dem Hashtag «Weinendes Pferd» generierte das Spielzeug auf der Plattform Douyin (dem chinesischen TikTok) bereits über 190 Millionen Aufrufe. Für viele junge Angestellte ist das Stofftier ein Symbol für die eigene Desillusionierung.
Für Jessica Lan etwa, die in einem Reisebüro arbeitet. Sie lässt sich während langer Arbeitstage vom Pferdchen auf ihrem Schreibtisch Gesellschaft leisten. «Eigentlich bin ich ein Esel. Ein Pferd ist weniger müde als ich.»
PS: Auch echte Tiere haben in China selten etwas zu lachen. Wie die NZZ berichtet, werden dort Schweine inzwischen in Hochhäusern gezüchtet: 600'000 Tiere auf 26 Etagen. Nachdem ich das gelesen hatte, entschied ich: Heute gibt es Tofu zum Reis.
Kurz-News
Weiteres Opfer verstorben · Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS ist ein weiteres Opfer verstorben. Ein 18-jähriger Schweizer erlag gemäss SRF im Unispital Zürich seinen Verletzungen. Damit steigt die Zahl der Toten auf 41. Rund siebzig Personen mit schweren Verbrennungen befinden sich noch in Spitalbehandlung. «Für uns gibt es 2026 nicht. Seit der Silvesternacht steht alles still», sagt ein Vater eines Opfers gegenüber RTS.
SVP bekämpft Solarpflicht · Die SVP Obwalden wehrt sich gegen die neue Solarpflicht bei Neu- und Umbauten. Mit einer kantonalen Volksinitiative will die Partei den Passus im Baugesetz streichen, der eine eigene Stromproduktion vorschreibt. Die SVP kritisiere dies als unnötige Verschärfung und «krassen Eingriff ins Wohneigentum», schreibt Watson. Zudem will sie mögliche Heizungsverbote verhindern.
Cassis will nach Moskau · Aussenminister Ignazio Cassis will als OSZE-Präsident sowohl Kiew als auch Moskau besuchen. Dies kündigte er gemäss 20 Minuten am Samstag an der FDP-Delegiertenversammlung an. Ein Besuch in beiden Hauptstädten wäre eine Premiere: Cassis wäre der erste westliche Politiker seit Kriegsbeginn, der beide Orte offiziell bereist. Ziel sei es, alle Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen.
International
Kurden geben Selbstverwaltung auf · Die kurdisch geführten SDF und die syrische Übergangsregierung haben ein Abkommen geschlossen. Die SDF wird militärisch und administrativ in den syrischen Staat eingegliedert, womit die kurdische Autonomie endet. Dies erhöht gemäss SRF den Druck auf den türkischen Präsidenten Erdogan: Da sein Hauptargument gegen inländische Reformen – die Autonomie an der Grenze – wegfällt, fordern Kurden-Parteien nun endlich Fortschritte im Friedensprozess.
Ehre für Eilish, Spott für Trump · Comedian Trevor Noah moderierte heute Nacht in Los Angeles die 68. Grammy-Gala und sparte dabei nicht mit Seitenhieben auf US-Präsident Donald Trump. In den USA gebe es ein neues Trinkspiel, witzelte Noah gemäss New York Times: «Jedes Mal, wenn man die Nachrichten anschaltet, trinkt man.» Bis Redaktionsschluss standen Billie Eilish mit Wildflower als Gewinnerin für den Song des Jahres sowie Kendrick Lamar für das beste Rap-Album («GNX») fest. Als beste Newcomerin wurde Olivia Dean geehrt.
🍿 Absehtipp
«Melania»: Immerhin die Kritiken sind unterhaltsam

Vielleicht reichts ja tatsächlich für einen «Fifa-Oscar». (Screenshot: Facebook/Guy Venables)
Möglicherweise hast du es mitbekommen: Seit ein paar Tagen ist der Dokumentarfilm Melania im Kino. In der Schweiz allerdings nicht; hier müssen sich die Fans noch gedulden, bis das Werk auf dem Streamingdienst Amazon Prime veröffentlicht wird.
Ich habe das Wochenende damit verbracht, die Verrisse zu «Melania» zu lesen – und mich dabei köstlich amüsiert. Wenn etwas richtig schlecht ist, laufen Rezensentinnen und Rezensenten stets zu Höchstform auf.
Xan Brooks für den Guardian etwa: Er beschreibt das Werk als vergoldetes Müll-Remake von The Zone of Interest (2023). In diesem (sehenswerten) Film wird der banale, privilegierte Alltag der Familie des KZ-Kommandanten Rudolf Höss unmittelbar neben den Mauern von Auschwitz gezeigt.
«Melania» hingegen lasse jegliche Tiefe vermissen, schreibt Brooks. Der Film konzentriere sich auf triviale Vorbereitungen zur Amtseinführung ihres Gatten, Donald Trump. Melania agiere dabei wie ein lustloser Automat, deren Hauptsorge eine zu weite Bluse ist. «Es ist entmutigend, es ist tödlich langweilig und es ist spektakulär unaufschlussreich.»
Brooks’ Fazit: «Zwei Stunden Melania fühlen sich wie die reine, endlose Hölle an.»
Auch Variety ätzt: «Eine Käsebällchen-Dauerwerbesendung von erschütternder Trägheit.» Und The Hollywood Reporter: «Zu sagen, dass ‹Melania› eine Hagiografie ist, wäre eine Beleidigung für Hagiografien.»
So lustig das alles ist: «Melania» ist leider mehr als ein Flop. Dass Amazon 75 Millionen Dollar investiert hat, dürfte auch politische Gründe haben, wie etwa SRF berichtet. Jeff Bezos (und nicht nur er) will es sich mit dem Machthaber im Weissen Haus nicht verscherzen. Da hilft auch Müll, solange er vergoldet ist.
Die Propaganda funktioniert vielleicht nicht an der Kinokasse, doch sie verfängt trotzdem. Die immer extremere Polarisierung im Land der nicht mehr so unbegrenzten Möglichkeiten macht ein Blick auf das Filmportal Rotten Tomatoes deutlich: Hier bekommt «Melania» von den Filmkritiker:innen im Schnitt ein Rating von miserablen 10 Prozent. Dafür fand das geneigte Publikum den Film ganz wunderbar: 4,9 von 5 Sternchen.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche.
Peter



