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In der Schweiz sind die Vermögen in den letzten 25 Jahren fast doppelt so stark gewachsen wie die Einkommen. Während das BIP nur moderat stieg, kletterten die vererbbaren Werte auf 3600 Milliarden Franken. Zu diesem Schluss gelangt eine neue Studie.
Angesichts der Finanzierungslöcher bei AHV und Armee plädiert Wirtschaftsprofessor Marius Brülhart bei SRF für eine Bundesvermögenssteuer statt höherer Lohnabzüge oder Mehrwertsteuer.
Gehör findet er nun offenbar auch bei den Grünliberalen.
Schweiz · Politik
GLP will Superreiche besteuern

Wer wird Millionär:in? (Foto: Unsplash/David Suarez)
Die Grünliberalen (GLP) schlagen eine nationale Vermögenssteuer vor, um die Milliardenlöcher bei der AHV und der Armee zu stopfen. «Der Bund hat grossen Bedarf an zusätzlichen Einnahmen», sagt GLP-Nationalrat Patrick Hässig im Tages-Anzeiger.
Die Idee ist nicht neu, mittlerweile wird sie aber von etlichen Superreichen unterstützt. «Wir brauchen eine progressive Besteuerung des Vermögens», sagte etwa Alfred Gantner, der Mitbesitzer der Partners Group, nach dem Nein zur Juso-Erbschaftsinitiative. «Es kann nicht sein, dass einige wenige in diesem Land sehr viel Vermögen haben, und andere Leute wissen nicht, wie sie ihre Krankenkassenprämien und ihre Miete bezahlen sollen.»
«Dies ist eine smarte Besteuerung.»
Der GLP-Plan sieht eine Steuer von etwa 0,33 Prozent auf Vermögen ab fünf Millionen Franken vor. Dies würde jährlich rund 2,7 Milliarden Franken generieren, ohne den Mittelstand zu belasten. Hässig: «Dies ist eine smarte Besteuerung.»
Der Bundesrat hält bislang wenig von diesem Vorhaben. «Die Einführung würde eine Verfassungsgrundlage mit Volks- und Ständemehr sowie eine Gesetzgebung bedingen», schreibt das Verteidigungsdepartement. Man befürchtet zudem den Wegzug vermögender Personen, was die Steuereinnahmen insgesamt schmälern würde.
Schweiz · Gesundheitskosten
Krankenkasse will Kantone entmachten

«Jedem Täli sein Spitäli»: Damit soll Schluss sein. (Screenshot: NZZ/Gaëtan Bally/Keystone)
Die Spitalplanung in der Schweiz ist ineffizient und ignoriert die Realität der Patient:innen, schreibt die NZZ. Eine neue Studie der Universität St. Gallen im Auftrag der Groupe Mutuel zeigt, dass sich in vielen Gebieten bis zu 50 Prozent der Menschen ausserkantonal behandeln lassen. Sie orientieren sich an Qualität und Fachwissen statt an Kantonsgrenzen.
«Die interkantonale Versorgung ist kein Nischenthema, sondern die Realität», sagt Alexander Geissler, Professor an der HSG. Da viele der rund 270 Spitäler rote Zahlen schreiben und Mindestfallzahlen unterschreiten, fordert die Groupe Mutuel nun eine radikale Reform: Die Schweiz soll in fünf bis sieben Gesundheitsregionen aufgeteilt werden.
Diese neue Ebene zwischen Bund und Kantonen soll die Versorgung koordinieren und das «künstliche Am-Leben-Erhalten» ineffizienter Kliniken durch Subventionen beenden.
Thomas Grichting von der Groupe Mutuel räumt ein, dass eine solche Umgestaltung aufgrund der nötigen Verfassungsänderung «kein Spaziergang» werde. Ziel sei jedoch nicht das reine Schliessen von Standorten, sondern eine sinnvolle Nutzung. So könnten untergenutzte Regionalspitäler in ambulante Gesundheitszentren umgewandelt werden, um eine moderne und bezahlbare Medizin zu garantieren.
Schweiz · Rechtsextremismus
«Heimatschützer» mit Nazi-Parolen

Bereiten sich auf den Rassenkrieg vor: Prügelnde Männer. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Michael Treuthardt)
Sogenannte «Active Clubs» – lose organisierte Gruppen nach US-Vorbild – gewinnen in der Schweiz an Zulauf. Doch hinter harmlosen Wanderungen und Kampfsporttrainings verbirgt sich eine wachsende rechtsextreme Gefahr, schreibt der Tages-Anzeiger.
In Zürich fielen zuletzt etwa die Mitglieder der Gruppe «Schweizer Nationalisten» (SN) durch eine vermeintlich nette Weihnachtsaktion auf, bei der sie Gebäck mit rassistischen Symbolen verteilten.
Die Strategie ist gezielte PR: «Es wird suggeriert, man befinde sich längst in einer Kriegssituation», erklärt Rechtsextremismusexperte Damir Skenderovic. Die Gruppen bereiten sich auf einen «Tag X» vor und nutzen Kampfsport, um junge Männer anzusprechen.
In internen Chats werden Adolf Hitler und Benito Mussolini verehrt; Codes wie «HH» (Heil Hitler) oder «XIV» als Verweis auf einen nationalsozialistischen Slogan sind allgegenwärtig. «Das Hakenkreuz als Symbol ist normalisiert, Adolf Hitlers ‹Mein Kampf› wird als Glaubensbuch des deutschen Volkes stilisiert», heisst es im Artikel.
Die Aktivisten geben sich nach aussen als «Heimatschützer». In einem Statement gegenüber der Presse betonten sie, man wolle eine «Nation innerhalb der Nation» aufbauen.
Expert:innen warnen, dass die Inszenierung von Körperkraft und Kameradschaft nur dazu diene, rassistische Ideologien zu normalisieren.
Der Nachrichtendienst beobachtet die Strukturen, greift aber erst bei konkreter Gewalt ein.
Und wenn du dich jetzt fragst, wie es so weit kommen konnte, empfehle ich dir dieses neue (englischsprachige) Video von John Oliver. Darin erklärt der Comedian zum Beispiel, wie der Twitter-Algorithmus rechtsextreme Beiträge pusht und welche zerstörerischen Konsequenzen Fakenews in der Realität haben können. Twitter sei, so Oliver, gerade auch für News-Konsument:innen «schlimmer als unbrauchbar» geworden.
Gut investierte 30 Minuten. Auch für unsere Regierungsmitglieder, die immer noch auf der gemeingefährlichen Plattform posten.
🎭 Zitat des Tages
«Videoschiri isch s FBI»

Machen sich über das 0,29-Kind lustig: «Gwäägi». (Screenshot: NZZ/Georgios Kefalas/Keystone)
Wo die NZZ politisch steht, ist bekannt. Sicher nicht im rotgrünen Basel. Trotzdem kommt die «Alte Tante» ihrer Chronistinnenpflicht nach und hört sich an der Basler Fasnacht Schnitzelbänke an.
Für «wenig geistreiche Verunglimpfungen» von US-Präsident Trump gibts Tadel, dafür freut man sich bei der NZZ umso mehr über folgende Strophe von «Dr Schyynhailig»: «Unsre Bundesroot Jans, dä lächlet so brait, doo dermit wär vo iim s Wichtygscht scho gsait.»
Besser, du liest selbst. Hier drei Highlights:
Eso gohts nit, und dorum muess jetzt d Schwyz das richte
zum Grönland schütze gege all die nit ganz Dichte.
D Schwyzer Armee, die wär paraat und könnt bald starte,
nur mien mir zerscht uff d Mehrwärtstüürerhöhig warte.
(Frau Fasnacht)
D SVP het Angscht, es woone in dr Schwyz bald zää Millione,
obwool d Geburte-Roote uff em Diefpunggt ligt.
Dr Schwyzer het, de glaubsch es nit,
ains Komma zwai niin Kind im Schnitt.
Das finde mir vom Durchschnitts-Schwyzer nit soo gschiggt.
S erschte Kind isch sicher härzig, aber s bruucht doch denn nit mee,
will s Komma-zwai-niin-Kind, das wäält jo speeter sicher d SVP.
(Gwäägi)
Fiir d WM-Mätsch in de USA
basst d Fifa iiri Reegle aa.
Me darf jetz grätsche, voll in d Bai,
Videoschiri isch s FBI.
Das entscheidet au: Ischs Absicht oder nit?
Und d Schwyz? Die spiilt e bitzli mit.
(Die Umbaute)
Kurz-News
Giftnotruf unter Druck · 123 Mal wurde im vergangenen Jahr die 145 gewählt. Doch trotz der hohen Relevanz sei die Finanzierung von Tox Info Suisse nur bis Ende 2026 gesichert, berichtet Watson. Stiftungsratspräsident Josef Widler kritisiert den Bund: «Der Personalbestand ist seit Jahren knapp.» Während das BAG auf private Mitfinanzierung setzt, fordert Widler eine staatliche Lösung, um die kostenlose Beratung langfristig zu retten.
Radio 32 zieht um · Radio 32 verlässt nach 35 Jahren Solothurn und zieht per Ende Jahr nach Aarau um. Besitzer CH Media begründet den Schritt mit veralteter Studiotechnik und einer geplanten Arealentwicklung vor Ort. Ein Stellenabbau sei nicht vorgesehen. Die Solothurner Regierung bedauert gemäss SRF den Wegzug ausserordentlich und befürchtet einen Verlust der regionalen Identität.
Weniger Asylgesuche · Die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz ist im Januar auf 1694 gesunken – ein Rückgang von fast 16 Prozent gegenüber dem Vormonat. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) spricht von einer saisonal bedingten Entwicklung. Die meisten Gesuche stammten von Menschen aus Afghanistan und Algerien. Insgesamt entschied das SEM im Januar über 2436 Gesuche, wovon 397 bewilligt wurden. Gleichzeitig haben rund 500 Personen das Land kontrolliert verlassen, berichtet Nau.
International
Ex-Botschafter verhaftet · Der ehemalige britische Botschafter Peter Mandelson wurde wegen des Verdachts auf Amtspflichtverletzung festgenommen. Die Polizei untersucht seine Verbindung zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Ihm wird gemäss Guardian vorgeworfen, als Minister vertrauliche Informationen an Epstein weitergegeben zu haben. Mandelson wurde nach einer Befragung auf Kaution entlassen und bestreitet die Vorwürfe.
Orban blockiert Unterstützung · Zum vierten Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine scheitert die EU an neuen Milliardenhilfen und Sanktionen. Hauptgrund ist gemäss Watson die Blockade durch Ungarn unter Viktor Orban. EU-Ratspräsident Costa wirft Orban vor, die Glaubwürdigkeit der EU zu untergraben. Ungarn begründet sein Veto mit gestoppten Öllieferungen durch die Ukraine, während Kiew russische Angriffe dafür verantwortlich macht.
🐒 Nützliches des Tages
Tiervideos

Ging mit seinem Plüschtier viral: Äffchen Punch. (Screenshot: Guardian/David Mareuil/Anadolu/Getty Images)
Es gibt viele Rechtfertigungen, auf Facebook zu bleiben. Eine beliebte lautet so: Ich brauche die Plattform, um mit meinen Freund:innen aus aller Welt in Kontakt zu bleiben. Ich persönlich nutze Facebook ausschliesslich wegen der Tiervideos: Lustige Hunde, die in Schneehaufen springen, freuen mich einfach.
Diese herzerwärmenden Clips, wenn etwa ein zerzaustes Strassenkätzchen aufgepäppelt wird und ein neues Zuhause findet, sind allerdings nicht immer ganz unproblematisch. So schreibt mir Aldo Hitz von der Stiftung ProTier: «Aus Sicht Tierwohl und Tierethik ist bei emotionalen Rettungsvideos grosse Vorsicht geboten: Sie zeigen oft nur das Happy End, nicht aber die Hintergründe oder mögliche Inszenierungen.»
Problematisch werde es, wenn Tiere für Reichweite in Stresssituationen gefilmt oder riskante «Rettungen» nachgestellt würden. Hitz empfiehlt Tierfreund:innen, die Kanäle von Tierschutzorganisationen zu nutzen. Auch dort finde man berührende Tiergeschichten. Zum Beispiel jene von Büsi Max.
PS: Vermutlich hast du die Bilder und Videos von Äffchen Punch und seinem Plüsch-Orang-Utan gesehen. Der englische Guardian erklärt hier, weshalb Punchs Mutter den jungen Makaken in einem japanischen Zoo verstossen hatte.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter



