Guten Morgen {{vorname}}
Als ich die Sekundarschule besuchte, flogen noch Schlüsselbunde durchs Klassenzimmer. Wer Schabernack trieb, wurde vom Lehrer ins Visier genommen. Allzu viel Eindruck machten uns diese Strafaktionen allerdings nicht. Der Lehrer traf nie.

Mehr hängengeblieben ist mir vom Musikunterricht. Um die Strophen eines Liedes auswendig zu lernen, mussten wir sie 50 Mal auf Ausschusspapier kritzeln: «In einem Bächlein helle, da schoss in froher Eil die launische Forelle vorüber wie ein Pfeil» läuft mir bis heute nach.

Weniger erinnern kann ich mich erstaunlicherweise an die Namen sämtlicher Alpenpässe. Da war wohl alles Göschenen-Airolo.

Zu alten Lernmethoden zurück will jetzt eine überparteiliche Allianz aus Politik und Wirtschaft. Einfach ohne fliegende Schlüsselbunde.

Schweiz · Bildung

Gruppe fordert wieder mehr Autorität im Unterricht

Unerbittlich: Lehrer Lämpel. (Bild: Wikipedia)

Eine parteiübergreifende Allianz fordert unter dem Namen «Wendepunkt Bildung» eine radikale Abkehr von bisherigen Schulreformen. Die Gruppe aus Politik und Wissenschaft kritisiert in einem Manifest sinkende Lernleistungen und eine überforderte Volksschule.

«Die Kinder brauchen wieder eine klare Autorität im Klassenzimmer, die mit ihnen übt und repetiert, bis etwas sitzt», fordert der Basler Heilpädagoge Roland Stark (SP) im Tages-Anzeiger. Das Manifest verlangt eine Rückbesinnung auf Kernaufgaben wie Rechnen, Schreiben und logisches Denken. Die Allianz, der auch Mitglieder von SVP, FDP und GLP angehören, bezeichnet die aktuelle integrative Schule als gescheitert: Sie habe in ihrer «absolutistischen Praxis auf der ganzen Linie versagt».

Kritik übt die Gruppe zudem an den Pädagogischen Hochschulen, die den Bezug zur Realität verloren hätten. Dem widersprechen Erziehungswissenschaftlerinnen wie Katharina Maag Merki. Sie warnt davor, komplexe gesellschaftliche Probleme allein auf Schulreformen zu schieben: «Die Bildungsungleichheit würde zunehmen», wenn man zu alten Modellen zurückkehre.

Schweiz · Jenische und Sinti

«Verbrechen gegen die Menschlichkeit»

Kinder von Fahrenden in den 50ern. (Screenshot: SRF/Keystone)

Der Nationalrat hat die jahrzehntelange Verfolgung von Jenischen und Sinti in der Schweiz offiziell als «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» anerkannt. Damit schliesst sich das Parlament der Einschätzung des Bundesrats an und setzt ein deutliches Zeichen gegen das dunkle Erbe des Hilfswerks «Kinder der Landstrasse».

Zwischen 1926 und 1973 wurden bis zu 2000 Kinder ihren Familien entrissen, um die nomadische Lebensweise gewaltsam zu beenden. SP-Nationalrat Ueli Schmezer betont auf SRF die Bedeutung dieses Schritts: «Es ist Zeit, dass die Schweiz ganz klar zu ihrer Geschichte steht.» Es sei «etwas unglaublich Schlimmes passiert», das nun eine neue Dimension der Anerkennung erfahre.

«Eine Schande für die Schweiz.»

Uschi Waser, Opfer der Zwangsmassnahmen

Kritik kam von der SVP, die die Erklärung als unnötig und rechtlich unverbindlich bezeichnete. Betroffene wie Uschi Waser fordern hingegen eine tiefergehende Aufarbeitung. Für sie ist die systematische Zerstörung ihrer Kultur ein Sonderfall: «Wenn in meiner Akte statt meines Namens steht: ‹Dieser erneute Ableger an Vagantität› – dann ist das eine Schande für die Schweiz.»

Bis Sommer muss der Bundesrat darlegen, welche konkreten Taten auf diese historische Einstufung folgen sollen. Jenische und Sinti verlangen eine unabhängige Kommission, um die rassistischen Strukturen endgültig zu verstehen und zu zerschlagen.

Schweiz · Gerechtigkeitsbarometer

Die Stimmung ist gekippt

Gerechtigkeitsbrunnen in Bern. (Foto: Unsplash/Andreas Fischinger)

Um festzustellen, dass die Gräben, die unsere Gesellschaft spalten, tiefer werden, bedarf es nicht unbedingt einer Meinungsumfrage. Eine Affäre Fischer reicht. Trotzdem ist es gut, dass der Beobachter mit seinem Gerechtigkeitsbarometer genauer hinschaut. Das Fazit, das das Magazin zieht, beunruhigt: Die Stimmung sei gekippt, der soziale Kitt bröckle weiter.

So empfindet erstmals eine Mehrheit der Bevölkerung das Land als ungerecht. Gemäss der von GFS Bern durchgeführten repräsentativen Umfrage bezeichnen 51 Prozent die Zustände als «eher nicht» oder «überhaupt nicht gerecht». 2024 sah dies noch eine knappe Mehrheit anders.

Haupttreiber dieser Entwicklung ist das Geld. Während 65 Prozent der Gutverdienenden das System stützen, sind es bei den Geringverdienenden lediglich 27 Prozent. Laut Cloé Jans, Politikwissenschaftlerin bei GFS Bern, überlagert die Kostenfrage fast alles: «Ob Miete, Krankenkassenprämien oder AHV: Am Ende läuft alles auf dieselbe Konfliktlinie hinaus: Wer trägt die Last – und wer profitiert?»

Neben finanziellen Sorgen vertiefen sich weitere Gräben: Junge kritisieren mangelnde Klimagerechtigkeit, Frauen die unfaire Verteilung von Care-Arbeit. Einzig das Vertrauen in die staatlichen Grundpfeiler wie Demokratie und Freiheit bleibt stabil.

Zitat des Tages

«Bei 34 Femiziden im vergangenen Jahr von einem Durchbruch zu reden, ist absolut fehl am Platz.»

«Schönfärberei»: SP-Nationalrätin Tamara Funiciello. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Beat Mathys)

Man sei auf Kurs, meinte gestern SP-Bundesrat Beat Jans, als er über den Stand im Kampf gegen häusliche Gewalt berichtete. Die Ziele der Roadmap von 2021 habe man grossmehrheitlich erreicht. (Nachzulesen bei SRF)

Von «Schönfärberei» redet nun SP-Nationalrätin Tamara Funiciello im Tages-Anzeiger. Besonders die kantonalen Unterschiede bei Schutzmassnahmen und der neuen Notrufnummer 142 seien inakzeptabel. «Beat Jans und mit ihm der Gesamtbundesrat sollten mehr durchgreifen und den Kantonen mehr Kante zeigen», sagt die Co-Präsidentin der SP Frauen und fordert verbindliche Mindeststandards statt unverbindlicher Empfehlungen. Dass die neue Opferhilfe-Hotline teils durch Freiwillige statt durch Profis betreut wird, vergleicht sie mit einer Ambulanz, bei der Laien den Hörer abnehmen.

Für Funiciello reichen die bisherigen Fortschritte nicht aus: «Bei 34 Femiziden im vergangenen Jahr von einem Durchbruch zu reden, ist absolut fehl am Platz.» Um echten Schutz zu garantieren, planen die SP Frauen nun eine Volksinitiative gegen geschlechtsspezifische Gewalt, die spätestens 2027 lanciert werden soll.

Kurz-News

Romandie sagt «Non» · Die Westschweizer Kantone warnen gemäss NZZ vor der SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» und empfehlen am 14. Juni ein Nein. Eine starre Obergrenze gefährde den Wohlstand und verschärfe den Fachkräftemangel in Branchen wie Bau und Pflege. Zudem drohe das Ende der Personenfreizügigkeit mit der EU. Laut der Regierungskonferenz WRK blende die Vorlage regionale Unterschiede aus und schwäche die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts durch Bürokratie und Unsicherheit.

Halbkantone wollen mehr Macht · Der Nationalrat entscheidet heute über eine Standesinitiative von Basel-Stadt: Die beiden Basel fordern je zwei Ständeratssitze und eine volle Standesstimme. Aktuell verfügen die sechs Kantone mit halber Standesstimme über weniger politisches Gewicht: Eine Urnerin zählt im Ständerat fast zehnmal mehr als eine Liestalerin. Bundesrat und Kommissionen lehnen die Reform jedoch ab, um das historische Gleichgewicht der Kantone nicht zu gefährden, heisst es auf Watson.

Trotti-Raser gestoppt · In Châtel-sur-Montsalvens hat die Kantonspolizei Freiburg ein E-Trottinett beschlagnahmt, das eine Geschwindigkeit von 127 km/h erreichte. Der 58-jährige Fahrer flüchtete zunächst vor einer Kontrolle, konnte aber nach einer Verfolgung mit Blaulicht gestoppt werden. Das Gefährt war gemäss Blick mit 4000 Watt Leistung achtmal stärker als erlaubt und sechsmal schneller als die zulässigen 20 km/h. Der Mann wurde angezeigt und das Turbo-Trotti aus dem Verkehr gezogen.

International

König besucht Möchtegern-König · König Charles III. und Königin Camilla sind zu einem viertägigen Staatsbesuch in den USA eingetroffen. Nach dem Empfang durch US-Präsident Donald Trump im Weissen Haus wird der König heute vor dem Kongress sprechen. In seiner Rede will Charles gemäss BBC zur Verteidigung demokratischer Werte und zur Erneuerung der Partnerschaft aufrufen – trotz politischer Differenzen.

Putin lobt Iran · Russland und der Iran bekräftigen ihre strategische Partnerschaft, berichtet die deutsche Tagesschau. Bei einem Treffen mit dem iranischen Aussenminister Araghtschi in St. Petersburg lobte Präsident Putin den «tapferen Kampf» des Irans um Souveränität. Während die Friedensgespräche mit den USA stocken und der Streit um die Blockade der Strasse von Hormus eskaliert, stellt sich Moskau also demonstrativ hinter Teheran. Die USA lehnen iranische Verhandlungsvorschläge derweil als unzureichend ab.

🚣🏻‍♂️ Nützliches des Tages

Boyband

Howard, oben links, feiert heute Geburi! (Screenshot: Netflix)

Als die grösste Boyband aller Zeiten gegründet wurde, waren viele 6iBrief-Leser:innen noch gar nicht auf der Welt. «Take what?», werden deshalb einige fragen, wenn heute die Rede von Take That ist.

Einer, der nie gross Schlagzeilen machte, gehört nach 36 Jahren immer noch zum inzwischen dreiköpfigen Rumpfteam der Band und feiert heute Geburtstag: Howard Donald. Derzeit frische er für die bevorstehende Tournee seine Einrad-Skills auf, heisst es in einigermassen aktuellen News. Ausserdem habe er jüngst seinen geliebten Camper-Van verkauft.

Früher ging die Post natürlich mehr ab. Nachzusehen etwa im vorzüglichen Dreiteiler Take That auf Netflix. Man lernt darin sehr viel über Ausbeutung im Showbusiness, On/Off-Männerfreundschaften und Eitelkeit. Dazu gibt es natürlich jede Menge hervorragender Musik. Never Forget!

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

I will meet you where the lights are.

Peter

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