Guten Morgen {{vorname}}
Was mir in diesen Tagen am Strand auffällt: Die Leute stecken keinen Sonnenschirm in den Sand – sondern ein Stativ für das Handy. Dann filmen sie sich vor Palmen und türkisblauem Meer und machen Werbung für ihren Youtube-Kanal. Influencer:innen arbeiten eben auch in den Ferien.

Die Folgen mancherorts: Overtourism. Die Social-Media-Hotspots werden überrannt, und das geht den Einheimischen zunehmend auf den Wecker. Beispielsweise in Luzern. Dort wird es an Spitzentagen eng auf der Kapellbrücke oder auf dem Schwanenplatz.

Man könnte darob den Kopf in den Sand stecken. Bessere Ideen hat jedoch Florian Eggli, Tourismusforscher an der Hochschule Luzern. 🏝️

🇨🇭 · Overtourism

Wie Youtube und Instagram unser Reiseverhalten verändern

Äscher: Wie viel Liebe erträgt ein Gasthaus? (Foto: Unsplash/Noah Kocherhans)

«Kritik am Tourismus ist so alt wie der Tourismus selbst», sagt Tourismusexperte Florian Eggli in einem lesenswerten Interview mit der NZZ.

Es gehe aber nicht primär um steigende Zahlen, sondern vielmehr ums Verhalten derer, die kommen. «Reisen wurde demokratisiert. Heute reisen viele Menschen aus Schwellenländern, in denen sich eine kaufkräftige Mittelschicht das Reisen leisten kann», sagt Eggli. Das führe zu Missverständnissen kultureller Art. «Gäste aus solchen Ländern fotografieren, ohne zu fragen, betreten private Gärten oder streichen blonden Kindern übers Haar.»

Wenn man das eigene Reiseverhalten dann hinterfrage, stelle man fest, dass man sich an fremden Destinationen auch nicht immer an die lokalen Regeln halte. Eggli: «So habe ich in Thailand beispielsweise schon eine Pizza bestellt, obwohl diese eigentlich nicht dorthin gehört. Daran sollte man vielleicht auch einmal denken, wenn man streng mit Touristen aus dem Ausland ist.»

Zum Elend mit den Influencer:innen sagt Eggli: «Es gibt Beispiele von Orten, die kaum bekannt waren und plötzlich mit einem Ansturm und allen damit verbundenen Problemen zu kämpfen hatten, weil ein einziger Beitrag auf Social Media sie berühmt gemacht hat.»

«Heute kann der Ansturm über Nacht erfolgen.»

Florian Eggli, Tourismusforscher

So erlangte etwa die Villa Honegg auf dem Bürgenstock weltweite Bekanntheit, weil eine brasilianische Influencerin im Infinity-Pool der Hotelanlage posierte. Und nachdem das Verzascatal während der Corona-Pandemie in einem Post als «Malediven, 100 Kilometer entfernt von Mailand» bezeichnet wurde, fuhr daraufhin halb Oberitalien dorthin, die meisten mit dem Auto.

Die Dynamik sei so enorm, dass die Orte keine Zeit hätten, sich vorzubereiten, sagt Eggli. «Früher gab es viel längere Vorlaufzeiten. Man hatte Zeit, die Infrastruktur an Trends anzupassen. Heute kann der Ansturm über Nacht erfolgen – und ohne, dass es zuvor Anzeichen gab.»

Schweiz · Wirtschaft

Der Krieg im Nahen Osten bedroht unseren Wohlstand

Stürmische Zeiten: KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm. (Screenshot: Blick/Philippe Rossier)

Der Irankrieg und die Sperrung der Strasse von Hormus belasten die Schweizer Wirtschaft zunehmend. KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm warnt heute im Blick vor schwerwiegenden Konsequenzen fürs Land: «Der Krieg bedroht nicht nur den Mittelstand, sondern unseren gesamten Wohlstand.»

Zwar überraschte die Schweiz im ersten Quartal noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent, doch die Folgen des Konflikts erreichen nun die Realwirtschaft. Während höhere Preise an den Zapfsäulen bereits Realität sind, drohen zeitnah teurere Transportkosten und Verzögerungen bei importierten Lebensmitteln wie Kaffee oder Schokolade.

Die grösste Unsicherheit bleibt die Dauer der Blockade am Golf. Sollte der Kaufkraftverlust anhalten, droht ein «heisser Lohnherbst» mit Forderungen nach höheren Salären. Trotz der steigenden Teuerung, die Sturm auf etwa ein Prozent prognostiziert, dürfte die Schweizerische Nationalbank vorerst gelassen bleiben: «Bis Ende Jahr erwarten wir keine Zinserhöhungen in der Schweiz.»

An den Aktienmärkten herrscht dank des KI-Booms derweil noch Rekordstimmung, da die Börse den Krieg als temporär einschätzt. Sturm warnt jedoch vor anhaltenden geopolitischen Risiken, die Korrekturen auslösen könnten.

Schweiz · 🧊

Hallo Sommer, tschüss Gletscher

Verabschiedet sich: Aletschgletscher. (Foto: Unsplash/Meizhi Lang)

Dank der hinreissenden App mAARE bleibe ich stets im Bilde, wie bebadbar die Aare in der Stadt Bern gerade ist. Gestern Nachmittag kratzte sie bereits an der 19-Grad-Marke. Wäre ich zu Hause, fändest du mich ganz bestimmt in der Lorraine-Badi.

Kommts zu einem Rekordsommer, fragen sich jetzt viele. Keine gute Nachricht wäre das etwa für die Gletscher. Laut Meteonews und dem Gletschermessnetz Glamos liegt die Schneeauflage aktuell rund 25 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt: «Für die Gletscher im Alpenraum sind die Vorzeichen sehr schlecht, nach dem aktuellen Stand der Dinge droht ein weiterer katastrophaler Gletschersommer.»

Das drastische Schneedefizit gefährdet die Substanz der Berge direkt, da die schützende Winterschicht bereits wegschmilzt, schreibt CH Media. Schnee reflektiert das Sonnenlicht und isoliert das darunterliegende Eis. Sobald die dunkleren Eisschichten freigelegt werden, beschleunigt sich der Schmelzprozess rapide.

Selbst das kühle Maiwetter brachte keine nachhaltige Entlastung. Bereits am kommenden Freitag klettert die Nullgradgrenze auf 3900 bis 4000 Meter über Meer, was den Zerfall weiter anheizt.

Messungen am Säntis und im Kanton Graubünden bestätigen den besorgniserregenden Trend. Da Langzeitprognosen durchgehend heisse Folgemonate voraussagen, ist das Schicksal der Eisriesen für dieses Jahr quasi besiegelt: «Der Gletscherschwund schreitet voran und beschleunigt sich sogar.»

🎾 Zitat des Tages

«Es ist hart, mich von euch zu verabschieden.»

Auch Stan Wawrinka sagt Adieu. (Screenshot: SRF)

Der dreifache Grand-Slam-Sieger Stan Wawrinka hat sich endgültig von den French Open verabschiedet. Nach seiner Erstrunden-Niederlage gegen den Niederländer Jesper de Jong wurde der 41-jährige Romand auf dem Court sichtlich gerührt geehrt, berichtet das SRF.

«Es ist hart, mich von euch zu verabschieden», sagte ein von Tränen übermannter Wawrinka bei seiner Abschiedsrede an das Pariser Publikum gerichtet. «Wegen Turnieren wie diesen wollte ich Tennisprofi werden. Mein grosses Ziel war, eines Tages hier anzutreten.» Weggefährten wie Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic würdigten ihn per Videobotschaft.

Wawrinka, der in Paris 2003 bei den Junioren und zwölf Jahre später bei den Profis triumphierte, unterlag dem 16 Jahre jüngeren de Jong in einem knapp dreistündigen Kampf. Der Sieger zeigte nach dem Match Grösse: «Heute geht es nicht um mich.»

Gerade noch nicht ans Aufhören denkt unterdessen Novak Djokovic. Er stellte in Paris gemäss Tages-Anzeiger einen historischen Meilenstein auf: Zwei Tage nach seinem 39. Geburtstag feierte der Serbe bei seiner 82. Grand-Slam-Teilnahme einen hart erkämpften Auftaktsieg gegen Giovanni Mpetshi Perricard. Nach dem verwandelten Matchball begeisterte Djokovic das Publikum auf dem Court mit einer Tanzeinlage.

Kurz-News

Ausnahmezustand in St. Gallen · Nach dem ersten Cupsieg des FC St. Gallen seit 57 Jahren feierten am Sonntag bis zu 40’000 Menschen in der Innenstadt. Trotz gesperrter Strassen, Pyros und dichtem Gedränge zog die Stadtpolizei eine positive Bilanz, schreibt Watson. Rund 40 Personen mussten medizinisch betreut werden, zwei kamen ins Spital. Grössere Zwischenfälle blieben aus. Der FCSG hatte den Cupfinal gegen Lausanne-Ouchy mit 3:0 gewonnen.

Hitze setzt Strasse zu · Die Hitze hat auf der A13 bei Sennwald SG den Asphalt explosionsartig aufgerissen und eine gefährliche «Schanze» gebildet. Mehrere Fahrzeuge fuhren gemäss 20 Minuten mit hohem Tempo darüber, zwei Autos erlitten Totalschaden. Verletzt wurde laut Polizei niemand. Ursache ist ein sogenannter «Blowup» bei alten Betonplatten unter dem Asphalt.

Könizer Gemeindepräsidentin beleidigt · Ein Instagram-Video der Könizer SP-Gemeindepräsidentin Tanja Bauer gegen die 10-Millionen-Initiative hat einen massiven Shitstorm ausgelöst. Nach dem viral gegangenen Clip erhielt sie tausende Kommentare und Beleidigungen. Eine Analyse im Auftrag der SP zeigt: Rund 30 Prozent der X-Konten zur Initiative verhalten sich auffällig und könnten Bots oder Fake-Profile sein. Die SVP weist Vorwürfe eines organisierten Einsatzes gemäss Tages-Anzeiger zurück.

International

Trump bombardiert Iran · Die USA haben Raketenstellungen und Minenboote im Südiran nahe der Strasse von Hormus bombardiert, berichtet die BBC. Laut dem US-Militär erfolgten die Schläge zur Selbstverteidigung, obschon die seit April geltende Waffenruhe offiziell andauere. Iran meldete Explosionen nahe Bandar Abbas. Die Angriffe überschatten die laufenden Friedensverhandlungen in Doha. Teheran dämpfte Hoffnungen auf ein baldiges Abkommen: Eine Einigung sei trotz Fortschritten «nicht imminent».

Papst gegen KI-Waffen · Papst Leo XIV. fordert in seiner ersten Enzyklika «Magnifica humanitas» strenge Regeln für Künstliche Intelligenz und stärkt den christlichen Pazifismus. Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen; Entscheidungen über Leben und Tod dürften nie an Maschinen delegiert werden. Leo XIV. verurteilt gemäss der deutschen Tagesschau KI-Waffensysteme scharf, erteilt der traditionellen Lehre vom «gerechten Krieg» eine Absage und plädiert stattdessen für Dialog und Diplomatie.

🍽️ Nützliches des Tages

Langenthaler Porzellan

Robuster geht nicht: Langenthaler Porzellan. (Foto: Privat)

Landsleute, die nach der Ankunft auf dem Campingplatz in Jesolo eine Berner Fahne hissen, waren mir schon immer suspekt. Lokalpatriotismus ist etwas für Kinder oder Menschen, die Michel-Jordi-Schuhe tragen. Aber nur bei Ersteren wirkt er nicht bieder.

Ich muss mich also nicht schämen, wenn ich dir folgende Geschichte aus meiner Kindheit erzähle: Immer, wenn wir an einer fremden Tafel Platz genommen hatten, nahm ich als Erstes den Teller in die Hand und drehte ihn um. Und wenn sich mir dann (wie erhofft und erwartet) auf der Geschirr-Unterseite das bläulich schimmernde Logo der Porzellanfabrik Langenthal offenbarte, sagte ich triumphierend: «Ha, wusste ichs doch!»

Mit der Zeit wurden diese Momente weniger, das der Legende nach unzerstörbare Porzellan verschwand aus den Fliegern der Swissair und den Hotels und Gaststätten dieser Welt. Und irgendwann gab es die «Porzi» nicht mehr. Wie es zum Ruin der Fabrik im Oberaargau kam, erzählt der Historiker und Journalist Oliver Meier in einem neuen Buch (Vernissage am Donnerstag, 19 Uhr, in Langenthal).

Der wirtschaftliche Niedergang des Unternehmens gipfelte im Jahr 2001 im tragischen Unfalltod des Verwaltungsratspräsidenten Jacques Irniger, der auf dem Weg zu einer Krisensitzung in eine Schlucht stürzte, schreibt meine Kollegin Jessica King in einem lesenswerten Artikel im Bund. Darin geht es auch um Gerüchte, die sich bis heute um die Fabrik ranken. Etwa jenes, dass es sich bei der «Porzi» während des Zweiten Weltkriegs um eine «Nazihochburg» gehandelt haben soll.

Um die Porzellanfabrik zu retten, entwickelte man 1993 eine neue Produktelinie namens Bopla: Knallbunte Tassen und Teller, deren Designs von Versace oder LSD-Erfinder Albert Hofmann inspiriert schienen. Doch niemand wollte seine Ovo aus einem Gefäss trinken, das angemalt war wie eine Flikflak-Uhr. Oder eben höchstens Kinder. Oder Menschen, die Michel-Jordi-Schuhe tragen. Damit war das Schicksal der «Porzi» natürlich besiegelt.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

Reply

Avatar

or to participate

Keep Reading