Guten Morgen {{vorname}}
Über 30 Prozent der jungen Männer halten sich gemäss einer neuen Studie wahrhaftig für die Herren der Schöpfung. Sie finden Gewalt okay und auch, dass «echte Männer» keine Emotionen zeigen sollten.
Was soll man diesen verlorenen Seelen raten? Sich statt Pappnasen wie Andrew Tate den Dude aus Big Lebowski zum Vorbild nehmen, zum Beispiel. Der pfeift auf Statusdenken, Dominanz und Selbstoptimierung.
Und gerade deshalb will Maude Lebowski ein Kind von ihm.
Schweiz · 🤝
USA und Iran treffen sich auf dem Bürgenstock

Aussicht auf Frieden? (Foto: Peter Aeschlimann)
Es geht also wieder auf den Bürgenstock. Ob dieses Mal etwas Zählbares herauskommt? Auf jeden Fall wollen die USA und der Iran im Luxusresort, wo 2024 ein Ukraine-Gipfel stattfand, ein Abkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnen. Das berichtete gestern zuerst CH Media.
Das Eidgenössische Aussendepartement (EDA) bestätigte die Pläne: «Eine solche Unterzeichnung ist aktuell für den Freitag, 19. Juni auf dem Bürgenstock vorgesehen.»
Der Standort wurde von den Mediatoren Pakistan und Katar sowie den Kriegsparteien vorgeschlagen. Katar, dessen Staatsfonds Besitzer des Resorts ist, tritt als Gastgeber auf. Wer die Delegationen konkret anführt, ist noch unklar. In Berichten werden US-Vizepräsident JD Vance und Irans Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf genannt.
Die Schweiz zeichnet sich für die Logistik, die Infrastruktur und die Sicherheit verantwortlich.
«Es handelt sich um beste PR.»
Für die Berner Diplomatie bedeute der Auftrag einen willkommenen Erfolg, schreibt die NZZ in einem Kommentar. «Dennoch wäre es unangebracht, sich auf die Schulter zu klopfen.» Der Grund: zu viele Pannen in jüngster Zeit. Die Schliessung der Botschaft in Teheran im März etwa. Das EDA könne keinen Diplomaten zwingen, gegen seinen Willen in einem akuten Krisengebiet auszuharren, heisst es im Artikel. «Dennoch sandte die Schweiz mit der Schliessung der Botschaft ein fragwürdiges Signal aus.»
Die geplante Unterzeichnung der Absichtserklärung auf dem Bürgenstock zeige, dass die Schweiz nach wie vor das Vertrauen der Konfliktparteien geniesst, schreibt die NZZ. «Es handelt sich um beste PR.» Die Schweiz werde ihre Rolle gewohnt professionell ausfüllen. «Aber sie sollte es vermeiden, erneut einen redseligen Diplomaten nach Iran zu entsenden, der sich als Fehlbesetzung erweist.»
Schweiz · Crans-Montana
Gemeindepräsident Nicolas Féraud zum Rücktritt aufgefordert

Nicolas Féraud beginnt die Gemeindeversammlung mit einer Schweigeminute. (Screenshot: NZZ/Cyril Zingaro)
An der ersten Gemeindeversammlung in Crans-Montana VS seit der Brandkatastrophe in der Silvesternacht mit 41 Toten und 115 Verletzten ist Gemeindepräsident Nicolas Féraud gestern Abend zum Rücktritt aufgefordert worden. Féraud und ein weiterer Gemeinderat gehören zu den 14 Beschuldigten im Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung.
Bürger:innen äusserten vor 370 Anwesenden unmissverständliche Kritik, berichtet die NZZ. Ein Redner bemängelte, dass dieselben Personen die Gemeinde steuern, die sich im Strafverfahren verteidigen müssen: «Für mich gibt es einen potenziellen Interessenkonflikt.»
«Es ist klar, dass das Vertrauen verloren ist.»
Féraud sagte, er stelle sich die Frage eines Rücktritts jeden Tag. «Es ist klar, dass das Vertrauen verloren ist.» Dennoch lehne er diesen Schritt ab: «Wenn wir, wenn ich, heute meinen Platz räumen würde, würde das ein institutionelles Vakuum schaffen.» Man bleibe im Amt, um der Verantwortung gerecht zu werden.
Trotz der schweren Vorwürfe und der Kritik geniesst Féraud in der Gemeinde weiterhin grossen Rückhalt und erhielt für seine Ausführungen am Ende Applaus. Die finanzielle Zukunft der Gemeinde sieht er trotz drohender Schadenersatzforderungen nicht gefährdet.
Schweiz · Manosphere
Jeder dritte junge Mann hat ein toxisches Männerbild

Bessere Vorbilder, mehr Selbstwert. (Foto: Unsplash/Morgan Basham)
«Wann ist ein Mann ein Mann?», sang/fragte Herbert Grönemeyer schon 1984. Wenn er Frauen überlegen ist, Gleichstellung ablehnt und Gewalt legitimiert, würden ihm heute «Männer» aus der Manosphere antworten, einer Internet-Bewegung, die Frauenhass verbreitet.
Dass auch Schweizer Männer misogyne Ideologien gut finden, belegt eine neue Studie der Uni Zürich und des Verbands männer.ch. Gemäss der repräsentativen Befragung hat jeder fünfte Schweizer Mann restriktiv-dominante Männlichkeitsvorstellungen, heisst es im Tages-Anzeiger: «Er ist also beispielsweise der Meinung, dass Gewalt ein legitimes Mittel sei, dass ihm gegenüber einer Frau eine Vormachtstellung zustehe, oder dass ein echter Mann niemals Emotionen zeige.»
Vor allem Männer im Übergang zum Erwachsenenalter neigten zu diskriminierenden Einstellungen: 31 Prozent der 18- bis 24-Jährigen zählen zur Hochrisikogruppe.
männer.ch-Co-Präsident Markus Theunert macht das nachdenklich: «Ganz grob zeigen die Daten, dass restriktiv-dominante Männlichkeitsvorstellungen überall dort auf einen fruchtbaren Boden fallen, wo Ressourcen und Perspektiven dünner gesät sind.»
Heisst: Toxische Männer leben häufig auf dem Land, haben ein tiefes Bildungsniveau, wenig Einkommen und Väter, die ausserhalb der Schweiz in patriarchalen Strukturen geboren wurden. «Diese Männer versuchen vermutlich mit einer Zur-Schau-Stellung ihrer dominanten Männlichkeit wieder mehr Selbstwert zu erlangen», so Theunert.
Allein im Jahr 2025 starben in der Schweiz 34 Personen durch häusliche Gewalt. Um der toxischen Männlichkeit entgegenzuwirken, fordert die Studie nun mehr männliche Lehrpersonen sowie eine stärkere Väterarbeit. Buben bräuchten laut Theunert im Alltag echte Vorbilder bei der Frage: «Was heisst es heute, gut und fair Mann zu sein?»
Visualisierung
Herz von Europas Stromnetz im Visier

Kein Mittel gegen Langstrecken-Raketen. (Screenshot: SRF)
Der Ständerat hat die Armeebotschaft 2026 unverändert angenommen: 3,4 Milliarden Franken für Rüstung, Immobilien und Cyberabwehr. Angesichts der verschärften Sicherheitslage soll so die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz erhöht werden.
Dazu gehört gemäss dem SRF auch ein umstrittener Zusatzkredit von rund 394 Millionen Franken für die Beschaffung von 30 F-35-Kampfjets. Kritik der Ratslinken an den hohen Kosten und der Priorisierung blieb erfolglos. Nun ist der Nationalrat am Zug.
Was mit «verschärfter Sicherheitslage» gemeint ist, zeigt ebenfalls das SRF in aufwendig aufbereiteten «fiktiven Szenarien», in denen der Stern von Laufenburg, das Herz von Europas Stromnetz, Opfer eines russischen Luftangriffs wird. Schön gemacht, unschöne Erkenntnisse.
Kurz-News
Geldstrafe wegen Hassmails an BAG-Chefin · Das Strafgericht Basel-Stadt hat einen 62-Jährigen wegen Hassnachrichten zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Der Mann hatte zahlreiche E-Mails mit antisemitischen Verschwörungstheorien und Holocaust-Leugnungen an Behörden und Medien verschickt. Zu den Opfern zählten BAG-Chefin Anne Lévy und Opferberaterin Agota Lavoyer. Die Verteidigung forderte wegen Schizophrenie erfolglos einen Freispruch, heisst es beim SRF. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
5G-Mobilfunk hat sich in der Schweiz etabliert · Knapp zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung nutzen den Mobilfunkstandard 5G auf dem Handy. Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov hat sich die Technologie trotz anfänglichem Widerstand durchgesetzt. Dennoch hat ein Viertel der Befragten gesundheitliche Bedenken wegen der Strahlung, schreibt die SDA, nachzulesen bei Nau. Diese Sorge ist in der Westschweiz (38 Prozent) sowie bei den 18- bis 29-Jährigen (33 Prozent) besonders stark ausgeprägt.
Weniger Geld für Ferien · Die Schweizer Bevölkerung gibt weniger Geld für Luxusreisen aus. Laut einer Studie von Swiss Bankers sank der Anteil der Reisebudgets über 6000 Franken deutlich von 19 auf knapp 12 Prozent. Stattdessen dominiert das mittlere Preissegment: Rund 42 Prozent planen jährlich Ausgaben zwischen 2000 und 4000 Franken. Wegen globaler Konflikte meidet gemäss SDA mehr als die Hälfte den Nahen Osten. Gefragt sind stattdessen nähere Ziele in Südeuropa und der Schweiz, schreibt Watson.
International
Russische Warnschüsse im Ärmelkanal · Ein russisches Kriegsschiff hat im Ärmelkanal (!) Warnschüsse nahe einer britischen Jacht abgegeben. Laut Moskau war das Boot auf einem «gefährlichen Annäherungskurs». Das pensionierte Ehepaar an Bord widerspricht gemäss BBC vehement: Sie seien «definitiv nicht auf Kollisionskurs» gewesen. Die Schüsse seien «völlig unnötig» gewesen, man habe den Vorfall als Gefahr für die Schifffahrt gemeldet, «weil man das eben so machen muss».
Bären vor Tokio · In Japan dringen Bären aufgrund von Nahrungsmangel immer weiter in bewohnte Gebiete vor. Im vergangenen Jahr wurden landesweit über 50'000 Sichtungen registriert; 13 Menschen kamen bei Angriffen ums Leben, 238 Menschen wurden verletzt. Da sich die Population seit 2012 verdreifacht hat, erreichen die Tiere mittlerweile auch städtische Regionen. In Utsunomiya, rund 100 Kilometer von Tokio entfernt, führte das jüngst zu weitreichenden Schulschliessungen, heisst es bei Tamedia.
📋 Nützliches des Tages
Listen

To-do-Liste im Film Kill Bill. (Screenshot: X)
SRF-Autorin Gisela Feuz liebt Listen. «Das Leben wird übersichtlicher, wenn man Dinge fein säuberlich auflistet und nummeriert», schreibt sie. «Obwohl man dann meistens doch nicht alle erstellten Punkte abarbeitet.»
Erledigte Listen seien ein sichtbarer Beleg der eigenen Arbeit, heisst es im Artikel. «Man sollte sie aufhängen und sich zum getanen Werk gratulieren.»
Ein lesenswerter Roman, in dem sich vieles um Listen dreht, ist High Fidelity (1995) von Nick Hornby.
Von Listen handelt auch die aktuelle Ausstellung Listed Lives im Zürcher Musée Visionnaire (bis 20. Dezember).
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
✔️
Peter
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