Guten Morgen {{vorname}}
Es ist wieder die Zeit im Jahr, die Planespotter:innen und Autogrammjäger glücklich macht. Und vielleicht noch ein paar Hausbesitzer:innen in Davos, die ihre Logen vergolden können.

Mich persönlich amüsierte früher immer WEF-Gründer Klaus Schwab, weil er mich an Professor Farnsworth aus der Zeichentrickserie «Futurama» erinnert. Heuer fehlt er leider. Item.

Eigentlich ist es ja eine gute Sache, wenn Entscheidungsträger:innen zusammenkommen, um über eine bessere Welt zu reden. Wenn nur mal etwas dabei herauskäme. Vielleicht in diesem Jahr?

Schweiz · WEF

Irans Aussenminister reist nach Davos

Hier kann es auch ganz idyllisch sein: Davos. (Foto: Unsplash/Evangeline Shaw)

In Davos GR beginnt heute die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF). Rund 3000 Vertreter aus Politik und Wirtschaft, darunter Wolodymyr Selenskyj sowie Top-Manager wie Jensen Huang (Nvidia), nutzen das Treffen als Fieberthermometer der Weltpolitik.

Im Fokus steht US-Präsident Donald Trump, der am Mittwochnachmittag eine Rede halten soll. Sein Gebaren, etwa mit den neuen erpresserischen Zollankündigungen gegen Europa in der Causa Grönland, trübt allerdings die Stimmung in der vorübergehenden Bergfestung im Landwassertal.

Neben Handelsfragen werden drängende globale Krisenherde wie die Ukraine, der Iran und Venezuela diskutiert. Trotz seiner Rolle als «Anti-Davos-Man» sichert Trump dem WEF durch seine Präsenz weltweite Aufmerksamkeit.

Für Stirnrunzeln und Unverständnis sorgt gemäss Blick die kurzfristige Einladung an Irans Aussenminister Abbas Araghtschi. Trotz der brutalen Niederschlagung der Proteste durch das Regime in Teheran erhält er am Donnerstag in Davos eine Bühne.

Kritiker wie der französische Publizist und Philosoph Bernard-Henri Lévy nennen die Teilnahme einen Skandal. Auf X schreibt er, Davos biete einem Regime, das gerade 20'000 seiner eigenen Bürger massakriert habe, seine Plattform.

Alles zum WEF findest du etwa in diesem Ticker des Tages-Anzeigers.

Schweiz · Umweltschutz

Massenhaft verbotene Pestizide im Einsatz

Grosszügige Bewilligungspraxis hebelt Gewässerschutz aus. (Screenshot: NZZ/Christian Beutler/Keystone)

In der Landwirtschaft werden trotz offizieller Verbote weiterhin auf tausenden Feldern hochwirksame Pestizide eingesetzt. Obwohl etwa das Insektizid Deltamethrin seit 2023 für die meisten Bauernhöfe untersagt ist, stellen die Behörden massenhaft Ausnahmebewilligungen aus.

Gemäss einer Recherche der NZZ am Sonntag wurden ausgerechnet im Jahr des Verbots 129 Kilogramm des hochpotenten Gifts verspritzt – so viel wie noch nie. Diese grosszügige Praxis heble den Gewässerschutz aus.

Die Folgen sind bereits deutlich messbar. Im Fluss Wyna im Kanton Luzern wurden extrem hohe Konzentrationen des Stoffs nachgewiesen, der als hochgiftig für Wasserorganismen gilt.

«Da stehen mir die Haare zu Berge.»

Hans Maurer, Gewässerschutzexperte

Anwalt Hans Maurer, einer der besten Kenner des Gewässerschutzrechts, sagt im Artikel: «Da stehen mir die Haare zu Berge.» Es widerspreche dem Gedanken der Sonderbewilligung, wenn diese zum Normalfall werde.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) verteidigt die Erteilung der Sonderbewilligungen. Diese seien gesetzlich klar geregelt und nur zulässig, wenn keine Alternativen zum Schutz der Kulturen existierten.

Laut BLW wird Deltamethrin etwa gegen Schädlinge wie den Rapsstengelrüssler oder den Rübenerdfloh bewilligt, für die es keine anderen wirksamen Mittel gebe. Zur hohen Anzahl von jährlich tausenden Ausnahmen äusserte sich das Amt in seiner Stellungnahme nicht.

Schweiz · Crans-Montana

Anwälte der Barbetreiber machen ihren Job

Die Anwälte und die Anwältin: «Morettis haben Normen eingehalten.» (Screenshot: SRF)

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS nehmen eine Anwältin und zwei Anwälte von Jessica und Jacques Moretti gegenüber RTS erstmals öffentlich Stellung.

Sie betonen, dass das Wirtepaar alle gesetzlichen Bauvorschriften befolgt habe: «Die Morettis entschieden nicht über die Grösse der Treppe oder über die Anzahl der Notausgänge. Es waren Normen, die ihnen auferlegt wurden.»

Zum Auslöser des Feuers – Akustikschaumstoff, der durch Sprühkerzen Feuer fing – erklären die Verteidiger, man habe auf die Angaben der Händler vertraut. «Moretti hat nicht einen Moment daran gedacht, dass sich der Schaumstoff auf diese Weise entzünden könnte», so Anwalt Patrick Michod.

Zudem wehren sich die Anwälte gegen Berichte über blockierte Fluchtwege. Der Notausgang im Keller sei mit einem Panikgriff ausgestattet gewesen, den man nicht abschliessen könne. Die Betreiber hätten nach Ausbruch des Feuers sofort geholfen, die Feuerwehr zu alarmieren und Verletzte zu versorgen.

In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger bezeichnet derweil Beatrice Tschanz, die nach dem Swissair-Absturz von 1998 bei Halifax Massstäbe in der Krisenkommunikation gesetzt hatte, die Entschädigungen für die Opferfamilien von Crans-Montana als «lächerlich».

Statt der geplanten 10'000 Franken fordert sie deutlich höhere Summen und mahnt zu radikaler Offenheit: Verantwortliche müssten sich der Schuldfrage stellen, statt sich hinter juristischen Abwehrstrategien zu verstecken.

Zitat des Tages

«Er ist ein Idiot»

O’Leary gegen Musk: Ein Hahnenkampf auf Top-Ebene, aber auf tiefstem Niveau. (Foto: Unsplash/ The Cleveland Museum of Art)

Wenn sich zwei obszön reiche Männer in die Haare geraten, klingt es bisweilen wie auf dem Pausenplatz. (Sorry, Schülerinnen und Schüler!)

Jüngstes Beispiel ist die öffentlich ausgetragene Fehde zwischen Michael O’Leary, dem Chef der Billigfluglinie Ryanair, und dem Tech-Milliardär Elon Musk.

Kurz: O’Leary nannte Musk einen Idioten. Worauf Musk O’Leary ebenfalls einen Idioten nannte.

Grund für den Zank ist die Entscheidung der irischen Airline, ihre Flotte nicht mit Musks Satelliten-Internet Starlink auszurüsten.

In einem Interview mit dem Radiosender Newstalk bezeichnete O’Leary Musk als «einen Idioten». Einen sehr reichen zwar, «aber immer noch ein Idiot». Dessen Plattform X (ehemals Twitter) nannte O'Leary eine «Kloake».

Worauf Musk aus ebendieser Kloake blubberte: «Der CEO von Ryanair ist ein absoluter Idiot. Feuert ihn.»

Kurz-News

Migros mit Rekordgewinn· Die Migros hat 2025 einen Rekordgewinn eingefahren, obwohl der Umsatz sank. Grund dafür sind Firmenverkäufe (Hotelplan, Mibelle) im Wert von 1,2 Milliarden Franken sowie der Abbau von 1500 Stellen. Während der Bereich Lebensmittel gemäss Watson kaum wuchs, verlor die Migros gegenüber Konkurrent Coop weiter an Boden. Um die schwindende Kundentreue zu stoppen, plant die Migros Preissenkungen.

Freiwillig in die RS · Zum Start der Rekrutenschule sind am vergangenen Montag auch 45 junge Auslandschweizer:innen eingerückt – und das trotz fehlender Militärpflicht. Insgesamt haben fast 13'000 Männer und Frauen ihren Dienst angetreten. Die Zahl der Freiwilligen aus dem Ausland hat sich seit 2020 fast verdoppelt, berichtet SRF. Viele nutzen den Dienst, um ihre Verbindung zur Schweiz zu stärken oder sich persönlich weiterzuentwickeln.

Milchpulver gegen Hunger · SVP-Nationalrat Martin Hübscher fordert, Milchüberschüsse als Nahrungsmittelhilfe in Krisengebiete wie den Sudan zu senden. Das solle Leben retten und den Milchmarkt entlasten, schreibt 20Minuten. Hübscher will so das 2021 eingestellte «Milchprogramm» wiederbeleben. Kritik kommt von links: SP-Nationalrat Fabian Molina betont, humanitäre Hilfe dürfe keine Exportförderung sein. Zudem fehle in Krisengebieten oft das saubere Wasser, um das Pulver sicher anzurühren.

International

Zugunglück in Spanien · In Südspanien sind gestern Abend zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert. In der Nähe von Adamuz entgleiste ein Iryo-Zug und rammte einen entgegenkommenden Renfe-Zug. Mindestens 21 Menschen kamen ums Leben, rund 100 wurden verletzt. Die Unfallursache auf der geraden Strecke war bei Redaktionsschluss gemäss Reuters noch unklar. Rettungskräfte und Militär waren im Einsatz, um Eingeklemmte aus den Trümmern zu befreien. Der Zugverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde eingestellt.

EU plant Gegenzölle · Als Reaktion auf Drohungen von US-Präsident Donald Trump bezüglich Grönland erwägt die EU laut Financial Times massive Gegenmassnahmen. Trump fordert die Kontrolle über die Insel und kündigte Zölle von 10 Prozent auf Waren aus Nato-Ländern an, die an einer Militärübung in der Arktis teilnehmen. Die EU prüft nun Strafzölle gegen die USA im Wert von 93 Milliarden Euro sowie Markteinschränkungen für US-Firmen.

🔧 Nützliches des Tages

Ein ABC fürs Portemonnaie

Das Monatsende naht, der Geldbeutel wird leichter. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Michael Treuthardt)

Steigende Preise sind laut einer Umfrage die Hauptsorge der Schweizer Bevölkerung. Dabei liesse sich das Haushaltsbudget oft schon mit kleinen Umstellungen spürbar entlasten, schreibt der Tages-Anzeiger in seinem nützlichen «ABC fürs Portemonnaie».

Was ich mir hinter die Ohren geschrieben habe:

  • J wie Jahresabo Ungenutzte Abos für Apps, Zeitschriften oder fürs Fitnesscenter kosten jährlich oft hunderte Franken. Um dieses Geld zu sparen, sollte ich meine Fixkosten einmal pro Jahr prüfen. Was ich in den letzten drei Monaten nicht genutzt habe, gehört gekündigt. (Zuerst muss ich aber noch die letzte Staffel von «Stranger Things» bingen.)

  • O wie Onlineshopping Onlineshopping verleitet zu schnellen Impulskäufen. Experten raten dazu, bei grösseren Beträgen mindestens eine Nacht darüber zu schlafen, da der erste Kaufreiz oft schnell verfliegt. Ein Kauf lohne sich nur, wenn ich das Produkt wirklich brauche. Je teurer die Anschaffung, desto mehr Bedenkzeit solle ich mir einräumen. (Aber von dieser signierten LP gibts nur 300 Stück!)

  • G wie Gratisausflüge Tolle Ausflüge müssen kein Vermögen kosten. Viele kostenlose Angebote verbinden Natur und Kultur direkt in der Nähe des Wohnorts. In der Schweiz listet beispielsweise die Plattform Swissactivities über hundert Gratis-Tipps auf. Beliebte Ziele für Familien sind etwa der Tierpark Lange Erlen in Basel oder die Grotten von Mont Vully, die sich perfekt für Entdeckungstouren eignen. (Darum gehe ich jetzt an den Strand.)

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Einen guten Start in die Woche!

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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