Guten Morgen {{vorname}}
Hast du schon einmal von der Intentions-Verhaltens-Lücke gehört? Ich bis heute auch nicht, obwohl ich Profi darin bin. Gemeint ist die Diskrepanz zwischen der positiven Einstellung oder Absicht einer Person und ihrem tatsächlichen Handeln.

Ich finde zum Beispiel die urbanen Hofläden von Rüedu eine Supersache. Und trotzdem kaufe ich mein Raclette viel zu selten dort ein.

Eine Intentions-Verhaltens-Lücke gibt es offenbar auch in Bezug auf das Bargeld: Die meisten mögen «Schnägg» und «Ameisi» – und zücken doch immer öfter zum Zahlen das Handy.

Schweiz · Bargeldinitiative

Alle lieben Münz und Nötli, aber immer weniger bezahlen damit

Auch Nostalgiker:innen mögens praktisch. (Foto: Unsplash/Jonas Leupe)

Mit dem Bargeld ist es ein bisschen wie mit dem Kino: Alle würden das Verschwinden bedauern, aber immer weniger nutzen es noch.

Die Bargeldinitiative, über die wir am 8. März abstimmen, will Cashless-Weihnachtsmärkten und der allgemeinen Twinterei trotzen und den Status quo erhalten.

Die Initiant:innen dürfte deshalb – trotz breiter Zustimmung – nicht freuen, was die Tamedia-Zeitungen heute berichten: «Über 31 Prozent aller Zahlungen werden bereits mit einem mobilen Gerät abgewickelt, beispielsweise dem Smartphone.»

Mittlerweile bezahle jede:r Sechste fast ausschliesslich mobil, so die Zeitung. Während der Anteil dieser Mobilzahlenden kontinuierlich wachse, nehme jener der Barzahlenden ab. Nur noch neun Prozent der Bevölkerung beglichen mindestens drei Viertel ihrer Zahlungen mit Cash.

Trotz der Liebe zum Bargeld – 86 Prozent tragen Noten und Münzen bei sich – schwinde dessen Nutzung im Alltag. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) warnt deshalb vor einem Teufelskreis: Sinkt die Nutzung, bauen Banken Automaten ab. Wird Geldabheben schwieriger, nutzen die Menschen noch weniger Barbeträge. «Wenn die Mehrheit auch künftig die Möglichkeit haben will, mit Bargeld zu bezahlen, dann muss sie es im Alltag nutzen.»

Gilt übrigens auch fürs Kino.

Schweiz · Repression

Exiliraner:innen fürchten sich vor Überwachung

Demo auf dem Helvetiaplatz in Zürich. (Screenshot: NZZ/Claudio Thoma)

Exiliraner:innen in der Schweiz fühlen sich systematisch vom iranischen Regime überwacht. Bei Kundgebungen, wie etwa jüngst in Zürich, tauchen immer wieder mutmassliche Spitzel auf, um Teilnehmende zu fotografieren und einzuschüchtern.

Im Zentrum der Vorwürfe steht die iranische Botschaft in Bern. Diese sei ein «Nest von Agenten», sagt Aktivistin Saghi Gholipour zur NZZ am Sonntag.

Als kleines Mädchen habe Gholipour keine guten Erfahrungen mit dem Botschaftspersonal gemacht. Ein Mitarbeiter flirtete aufdringlich mit ihr und hatte sie genötigt, ständig neue Fotos für ihren Pass einzureichen. «Als ich nach dem Termin aus der Botschaft lief, weinte und zitterte ich, weil ich mich so gedemütigt fühlte.»

«Sobald ich die Botschaft betrete, können sie mit mir machen, was sie wollen.»

Maryam Banihashemi, Heldin

Viele Exiliraner:innen meiden das Gebäude aus Angst vor Repressalien. Auch die prominente Regimekritikerin Maryam Banihashemi fürchtet sich vor dem Betreten der Vertretung: «Die Botschaft ist iranischer Boden. Sobald ich den betrete, können sie mit mir machen, was sie wollen.»

Die Schweizer Behörden bestätigen das Problem der «transnationalen Repression». Der Nachrichtendienst geht davon aus, dass Geheimdienste Botschaften als Stützpunkte nutzen.

Während das Regime in Teheran Protestierende als «Terroristen» diffamiert, fordern Historiker wie Kijan Espahangizi Konsequenzen: Die Schweiz müsse die Bürger besser schützen.

Dennoch hält der Bund auch aufgrund der traditionellen Rolle der Schweiz als Vermittlerin zwischen Iran und den USA an der Botschaft fest.

International · Super Bowl

Ein gut gelauntes Kaninchen und unwiderstehliche Fischadler

Highlight der Halbzeitshow: Bad Bunny und Lady Gaga. (Screenshot: Guardian/Josh Edelson/AFP/Getty Images)

Und nun zum «Sport»: Vor wenigen Stunden ging in den USA der Super Bowl zu Ende, das Finalspiel um die Meisterschaft der National Football League (NFL). Gewonnen haben gemäss Seattle Times klar mit 29:13 die Seattle Seahawks gegen die New England Patriots.

Mindestens ebenso wichtig wie der sportliche Ausgang des Spektakels ist beim Super Bowl jeweils die Halbzeitshow. Erstmals in 60 Jahren fand diese weitgehend auf Spanisch statt. Der puertoricanische Superstar Bad Bunny verwandelte die Bühne in eine New Yorker Strassenszene und begrüsste Gäste wie Ricky Martin und Lady Gaga.

Trotz politischen Geplänkels im Vorfeld verzichtete der Musiker gemäss New York Times auf direkte Sticheleien gegen US-Präsident Donald Trump. Stattdessen setzte er ein Zeichen der Einheit und zählte Länder von Brasilien bis Venezuela auf. Bad Bunny definierte «Amerika» damit bewusst als gesamten Kontinent, der weit über die Grenzen der USA hinausreicht.

Wer American Football blöd findet, clevere Werbungen aber mag, kommt um den Super Bowl ebenfalls nicht herum. Hier listet die New York Times die besten Spots in diesem Jahr auf. Grossartig: Emma Stone, die tobt, weil ihre gewünschte Internet-Domain nicht mehr erhältlich ist. Und Sabrina Carpenter, die sich einen Traummann aus Chips bastelt.

Meinen Lieblings-Social-Media-Post zum Super Bowl habe ich übrigens auf Bluesky gefunden. Er zeigt eine hübsche Schüssel (Bowl) in Form einer Eule (Owl): «Guys, guys – I found a Superb Owl that is also a Super Bowl !!!»

Tipp des Tages

Die Schweiz aufwecken.*

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🐝 Zitat des Tages

«Keine Generation Z!»

Mit Herz, Verstand und einer Prise Bitterkeit: Ok, Boomer! (Screenshot: NZZ)

Für was steht das «ex» in Spitex? Vermutlich für Exklusion. So lässt es zumindest ein Jobinserat vermuten, das übers Wochenende für ziemlich viel Aufregung gesorgt hat.

Eine Zürcher Spitex-Firma suchte darin eine «Teamleitung Pflege mit Herz und Verstand – keine Generation Z!», wie die NZZ am Sonntag berichtete. Man wolle keine «Montag/Freitag-Krankenschein-Mentalität».

Angehörigen der Gen Z wird ein starker Fokus auf die Work-Life-Balance nachgesagt. Das kommt nicht überall in den Führungsetagen gut an. Die Jungen würden teils mehr fordern, als sie leisteten, und hielten dem Druck nicht stand, heisst es hinter vorgehaltener Hand.

«Ich finde es krass, ich finde es schlecht.»

Yaël Meier, Gen-Z-Fürsprecherin

Gen-Z-Expertin Yaël Meier zeigt sich über die Ausgrenzung schockiert: «Ich finde es krass, ich finde es schlecht.» Sie fordert mehr Empathie für die neue Arbeitsethik: «Man muss die Jungen abholen und sich damit befassen, wie man sie begeistert.»

Dass solche Inserate auftauchen, liegt auch am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz stieg bis Ende 2025 auf über 133'700, während die offenen Stellen sanken. Arbeitgeber:innen sitzen am längeren Hebel und trauen sich eher, Forderungen zu stellen.

«Am Ende war das Inserat vielleicht ein Ventil, um den Ärger über eine unglückliche Erfahrung abzuschütteln», resümiert die NZZ. Nach einem Anruf bei der Spitex-Firma sei der Hinweis «Keine Generation Z!» entfernt worden.

Kurz-News

Kritik an Röstis Plänen · SVP-Verkehrsminister Albert Rösti erntet Kritik für seine Milliarden-Pläne im Schienenverkehr. Zwar gab der Bundesrat grünes Licht für Grossprojekte wie den Durchgangsbahnhof Luzern und den Grimseltunnel, doch viele regionale Ausbauten fehlen auf der Liste. Kantone wie Zürich und St. Gallen fürchteten nun um ihre Pendler-Anschlüsse, berichtet Watson. Ohne diese «Zuläufe» blieben Milliarden-Investitionen wirkungslos.

Swisscard plant Stellenabbau · Der Kreditkarten-Anbieter Swisscard plant einen Stellenabbau an seinem Hauptsitz in Horgen ZH. Nachdem die UBS die Kreditkarten-Portfolios der übernommenen Credit Suisse selbst weiterführt, hat Swisscard gemäss SonntagsBlick ein zentrales Geschäftsfeld verloren. Die Geschäftsleitung wurde bereits von acht auf fünf Mitglieder verkleinert; weitere Entlassungen in allen Abteilungen sollen bis März folgen. Wie viele der rund 650 Mitarbeitenden gehen müssen, ist noch offen.

IT-Chaos verhinderte Kontrollen · Ein bizarres IT-Chaos und Personalmangel führten in Crans-Montana VS offenbar zum Ausfall von Brandschutzkontrollen. Dies schreibt die Sonntags Zeitung. Laut dem Sicherheitschef löschte ein psychisch labiler Informatiker wichtige Daten oder machte sie unzugänglich. Die Gemeinde lehnte zudem neue Stellen ab. Schulen und Hotels blieben so jahrelang ungeprüft. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

International

20 Jahre Haft für Jimmy Lai · Ein Gericht in Hongkong hat Medienmogul Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft verurteilt. Dem 78-jährigen Gründer der Zeitung «Apple Daily» wurde Verschwörung mit ausländischen Kräften vorgeworfen. Der Prozess gegen den Demokratieaktivisten stand international unter scharfer Kritik, berichtet SRF. Die Verteidigung hatte vergeblich auf Lais schlechten Gesundheitszustand verwiesen. Lai sitzt schon seit 2021 im Gefängnis.

Sozialist Seguro siegt · António José Seguro hat gemäss Spiegel die Stichwahl um das Präsidentenamt in Portugal gewonnen. Der 63-jährige Sozialist setzte sich mit 66,8 Prozent gegen den Rechtspopulisten André Ventura (33,2 Prozent) durch. Seguro tritt am 9. März die Nachfolge von Marcelo Rebelo de Sousa an. Obwohl das Amt primär repräsentativ ist, kann der Präsident Gesetze per Veto blockieren oder das Parlament auflösen.

📽️ Nützliches des Tages

Videothek

Kino statt KI. (Foto: Unsplash/Johanna Vogt)

Im Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gab es einen Plattenladen. Dort arbeitete einer, der sehr viel von Musik verstand. Am Freitagvormittag, während der Physikstunde, legte er jeweils einen Stapel CDs vor mir auf den Tresen mit den Abspielgeräten und sagte: «Hör mal da rein, gefällt dir bestimmt.»

Er hatte fast immer recht. Und er schaffte es fast immer, mich zu überraschen. Ich habe ihm wirklich sehr, sehr viel zu verdanken. Klar, in Thermodynamik habe ich seither Lücken. Dafür weiss ich jede Menge über Akustik.

Heute gibt es den Musikladen im Dorf nicht mehr. Die Musikempfehlungen hat ein Algorithmus übernommen. Der kann auch viel, nur überraschen will er mich nicht. Im Gegenteil: Weil ich eine Schwäche für Waldrauschen und Max Richter habe, gleichen meine Empfehlungen immer mehr einer Playlist für eine nicht enden wollende Fahrt im Aufzug.

Dass Algorithmen abstumpfen, berichtet auch der Tages-Anzeiger. Was für die Stereoanlage gilt, gilt auch fürs Fernsehen: KI-gestützte Datenanalysen bestimmen zunehmend den Inhalt von Filmen und Serien bei Netflix und Co. Laut Brancheninsidern führe das zu einer schleichenden Verdummung des Programms.

Hollywood-Star Matt Damon berichtet von absurden Anweisungen der Plattformen: «Es wäre nicht übel, wenn ihr drei- bis viermal im Dialog wiederholen könntet, worum es im Plot geht, weil die Leute an ihren Handys hängen.» Und eine anonyme Autorin berichtet, sie habe Vorgaben erhalten, welche Gags in welcher Frequenz vorkommen müssen: «Die finden es nicht gut, ich finde es nicht gut, aber der Algorithmus findet es halt gut.»

Statt dich von einer KI treiben zu lassen, empfehle ich dir einen Ausflug nach Zürich. Dort gibt es nämlich noch eine Videothek, in der Menschen arbeiten, die etwas von Filmen verstehen. Sie heisst LesVideos – und schlägt garantiert jeden Algorithmus.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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