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Gestern war vermutlich kein Freudentag auf der Redaktion der Kolleg:innen von der «Weltwoche». Eric Nussbaumer, einer ihrer Lieblingsfeinde aus der «Brüssel-Bande», hat seinen Rücktritt aus dem Nationalrat erklärt.

Halbwegs Freude macht, dass sich die Schweizer Jugend offenbar so sehr für Politik interessiert wie noch nie. An Wahlen oder Abstimmungen beteiligen sich dennoch nur wenige.

Ungetrübte Freude hingegen bereitete der Auftritt der US-Eiskunstläuferin Alysa Liu bei den Olympischen Spielen. Weshalb das auch gut ist für die Demokratie, erfährst du weiter unten.

Schweiz · Demokratie

Gen Z interessiert sich für Politik, wählen geht sie trotzdem nicht

«Gömmer Wahllokal?»: Jugendliche in Zürich. (Foto: Unsplash/Wyron A)

Krisen und Kriege politisieren die Jungen in der Schweiz. Gemäss dem neuen Demokratiemonitor von GFS Bern interessiert sich mit 54 Prozent eine Mehrheit der 15- bis 25-Jährigen für internationale Politik. Dies sei der höchste Wert seit 2014, berichtet der Tages-Anzeiger. Noch etwas grösser sei das Interesse für hiesige Politik (55 Prozent).

Trotzdem plant nur jede dritte oder jeder dritte Befragte, an der nächsten Volksabstimmung teilzunehmen. Bei den nächsten Wahlen an die Urne gehen will sogar nur jede fünfte oder jeder fünfte Jugendliche.

Der Grund für den Widerspruch zwischen Interesse und Beteiligung: die unverständliche Sprache der Politikerinnen und Politiker sowie Zeitmangel. Zudem ist ein Drittel der Gen Z der Meinung, ein Land profitiere von einer «starken Führungsfigur». 😱

Mit TikTok und Instagram hat dieses ernüchternde Ergebnis allerdings nur am Rande zu tun. Wichtigste Informationsquelle der Befragten bleibt das private Umfeld. 50 Prozent geben an, sich im persönlichen Umfeld über Wahlen zu informieren. Zwar folgen Instagram und TikTok, doch das Vertrauen in soziale Medien ist gering. Die Jugendlichen setzen stattdessen auf Wissenschaft und staatliche Institutionen.

Radio und Fernsehen nennen 28 Prozent als Informationsquelle, News-Apps und Onlinezeitungen 24 Prozent. Gedruckte Zeitungen erreichen noch 14 Prozent der Jugendlichen.

Bemerkenswert: Während sich über die Hälfte der Jugendlichen als politisch interessiert beschreibt, nehmen nur 38 Prozent der Lehrpersonen dies bei ihren Schülerinnen und Schülern so wahr.

Schweiz · Studie

Schlafstörungen kosten jährlich 15 Milliarden Franken

Ich kann nicht schlafen: Insomnie. (Foto: Unsplash/Solving Healthcare)

Wenn sämtliche Bewohner:innen der Schweiz schlafen könnten wie ein Baby, könnte man drei Jahre lang die 13. AHV-Rente finanzieren oder mindestens doppelt so viele Kampfflugzeuge kaufen wie geplant.

Wie das kommt? Schlafstörungen belasten das Schweizer Gesundheitswesen und die Wirtschaft mit jährlich rund 15 Milliarden Franken, schreibt Watson und beruft sich dabei auf eine neue Studie im European Journal of Neurology.

Mit Pro-Kopf-Ausgaben von etwa 1690 Franken verzeichnet die Schweiz damit die höchsten Pro-Kopf-Kosten in Europa. Zum Vergleich: Der europäische Median liegt bei lediglich 565 Franken.

Die Schlafapnoe verursacht mit 8,6 Milliarden Franken die grössten Kosten. Insomnie schlägt mit 4,2 Milliarden Franken zu Buche. Weitere 2,3 Milliarden Franken kostet das Restless-Legs-Syndrom.

Rund 1,7 Millionen Menschen leiden hierzulande unter gestörtem Schlaf, heisst es im Artikel weiter. Besonders betroffen sind Frauen, ältere Erwachsene und zunehmend junge Menschen.

Expertinnen und Experten warnen vor den langfristigen Schäden. Lang andauernde Ein- und Durchschlafstörungen begünstigten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Demenz oder Depression. Der enorme Kostenunterschied zum restlichen Europa erkläre sich laut der Studie vor allem durch das hiesige Preisniveau und die Durchschnittslöhne.

USA · Epstein-Akten

Hillary Clinton bestreitet Epstein-Kontakte vor dem US-Kongress

Wusste angeblich von nichts: Hillary Clinton. (Screenshot: ZDF/Imago)

Hillary Clinton hat im Rahmen der Kongress-Untersuchungen zum Fall Jeffrey Epstein jede persönliche Verbindung zum verstorbenen Sexualstraftäter zurückgewiesen. In einer mehrstündigen Befragung hinter verschlossenen Türen in Chappaqua erklärte die ehemalige US-Aussenministerin, sie erinnere sich an kein Treffen mit Epstein.

Clinton betonte in ihrem schriftlich verbreiteten Eröffnungsstatement, sie habe nichts von den Verbrechen Epsteins oder seiner Vertrauten Ghislaine Maxwell gewusst.

«Ich habe alle ihre Fragen so vollständig wie möglich beantwortet, basierend auf dem, was ich wusste», sagte sie gemäss ZDF im Anschluss. Sie gab an, weder mit Epsteins Flugzeug geflogen zu sein, noch seine Privatinsel oder sein Anwesen besucht zu haben.

Trotz der Einladung Maxwells zur Hochzeit ihrer Tochter Chelsea im Jahr 2010 führt Hillary Clinton diese Kontakte lediglich auf die Arbeit der Clinton Foundation zurück. Gleichzeitig forderte sie den Ausschuss auf, Donald Trump «unter Eid zu den zehntausenden Malen zu befragen, die er in den Epstein-Akten auftaucht». Als nächster Zeuge soll heute Freitag ihr Ehemann, Ex-Präsident Bill Clinton, aussagen.

Konsequenzen haben die Epstein-Files für WEF-Präsident Børge Brende. Er tritt wegen seiner Kontakte zum Sexualstraftäter zurück. Damit wolle er ermöglichen, dass das Forum seine Arbeit «ohne Ablenkungen fortsetzen» könne, schreibt SRF. Alois Zwinggi übernimmt die Leitung des Weltwirtschaftsforums interimistisch als Präsident und CEO.

⚔️ Zahl des Tages

1,6 Billionen

Ein Gemetzel historischen Ausmasses. (Screenshot: Terapixelpanorama.ch)

Das Bernische Historische Museum präsentiert seit dieser Woche mit «Murten, ausgeschlachtet» eine neue Ausstellung zum 550. Jahrestag der Schlacht vom 22. Juni 1476.

Im Zentrum steht eine technologische Weltpremiere: Das berühmte, 1000 Quadratmeter grosse Rundgemälde von Louis Braun wurde von der ETH in Lausanne digitalisiert und ist nun als weltweit grösstes Digitalbild eines Einzelobjekts interaktiv erlebbar. Die Besuchenden können in die aus insgesamt 1,6 Billionen Pixeln bestehenden Szenen hineinzoomen, während Hufgeklapper und Schlachtenrufe die Szenerie akustisch untermalen.

Museumsdirektor Thomas Pauli-Gabi sagt, dass eine klassische Schlachten-Ausstellung heute nicht mehr zeitgemäss sei. «Wir zeigen die Fakten und schauen, wie diese Schlacht seither erzählt worden ist.» Die Schau hinterfragt gemäss Plattform J die politische Instrumentalisierung des Sieges der Eidgenossen über Karl den Kühnen.

Auch die Stimmen der Verlierer erhalten Platz. Laut Pauli-Gabi schärft die Ausstellung den Blick für moderne Mechanismen: «Aktuelle Konflikte zeigen, wie notwendig es ist, Narrative der Beteiligten zu hinterfragen.»

Wenn du jetzt sagst: «Kalter Kafi, hab das Bild schon an der Expo.01 oder meinetwegen 02 gesehen», kannst du dir die 1,6 Billionen Pixel auch bequem von zu Hause aus anschauen. Auf dieser toll gemachten Webseite der EPFL.

Kurz-News

Kein Durchbruch in Genf · Die dritte Runde der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Genf endete ohne Durchbruch, aber laut Vermittler Oman mit «bedeutenden Fortschritten». Nächste Woche seien technische Gespräche in Wien geplant, berichtet SRF. US-Präsident Trump droht weiterhin mit Militärschlägen, falls bis März keine Einigung steht. Während die USA das Atomprogramm Irans stoppen wollen, fordert Teheran das Ende der Sanktionen.

NDB-Chef will mehr Mitarbeitende · Nach 118 Tagen im Amt zog Serge Bavaud gestern Bilanz: Der neue Direktor will den kriselnden Nachrichtendienst des Bundes (NDB) bis Ende Jahr fertig umbauen, schreibt die NZZ. Angesichts der hybriden Bedrohungen durch Russland fordert er mehr Personal und finanzielle Mittel. Da der gesetzliche Grundauftrag bei der aktuellen Sicherheitslage kaum noch erfüllbar sei, plant Bavaud eine Neudefinition der Prioritäten sowie 115 zusätzliche Stellen bis 2031.

Nussbaumer tritt zurück · Nach 18 Jahren in Bundesbern beendet Eric Nussbaumer (SP) Ende April seine politische Karriere. Auslöser ist gemäss Radio Basilisk die Unterzeichnung des EU-Vertragspakets nächsten Montag, ein Meilenstein für den leidenschaftlichen Europapolitiker. Der 65-jährige Baselbieter, ehemaliger Nationalratspräsident und Rekordhalter bei den Stimmenzahlen, sieht seine Ziele damit erreicht. Seine Nachfolge im Nationalrat tritt Miriam Locher an.

International

Konflikt eskaliert · Nach schweren Grenzkämpfen eskaliert der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan. Pakistans Luftwaffe bombardierte gemäss Tages-Anzeiger Ziele in Kabul und Kandahar, wobei laut Islamabad über 130 Taliban-Kämpfer getötet wurden. Zuvor meldete Afghanistan den Tod von 55 pakistanischen Soldaten. Pakistan wirft den Taliban vor, Terrorgruppen wie die TTP zu unterstützen. Die UNO fordert dringend Deeskalation, während Pakistan weitere Angriffe angekündigt hat.

Netflix steigt aus · Netflix zieht sein Übernahmeangebot für Warner Bros. zurück, berichtet SRF. Der Streaming-Riese erklärte den Deal für finanziell nicht mehr attraktiv, nachdem Paramount sein Gebot auf 108,4 Milliarden Dollar erhöht hatte. Während der Warner-Verwaltungsrat Netflix favorisierte, sieht das Management Paramount nun im Vorteil. Kritiker:innen befürchten durch den Deal einen politischen Einfluss der Trump-nahen Paramount-Besitzer auf den Nachrichtensender CNN.

🫶 Nützliches des Tages

Freude

Reine, unverfälschte Freude: Eiskunstläuferin Alysa Liu. (Screenshot: Dan Sinker)

Der bekannte US-Journalist Dan Sinker hat ein Mittel gegen Faschismus und Gleichschaltung gefunden: Freude! In seinem Blogbeitrag On Joy and Resistance erklärt er, wie ein positives Lebensgefühl und Kunst zur politischen Waffe werden können.

Nach ihrem Gold-Sieg bei den Olympischen Spielen schrie die Eiskunstläuferin Alysa Liu in die Kamera: «That’s what I’m fucking talking about.» Es sei dies ein Moment «reiner, unverfälschter Freude» gewesen, schreibt Sinker. Der Jubel einer Athletin, die nach ihrem Rücktritt transformiert zurückkehrte: Mit gefärbten Haaren, Piercings und ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was andere über sie denken könnten.

Auch Bad Bunnys Super-Bowl-Show habe diese «radikale Freude» gezeigt. Seine Kunst ist laut Essayistin Soraya Nadia McDonald so anziehend, dass man alles darüber verstehen will und schliesslich etwas über Sklaverei und Kolonialismus lernt. Deshalb sei Kunst mächtig und gefährlich für die Oberen.

Während das System auf Konformität setze, schreibt Sinker, würden solche Momente auf grosser Bühne beweisen, dass Veränderung möglich ist. «Dass es sich lohnt, für unser Leben zu kämpfen, dass Freiheit erreichbar ist und dass Freude – wahre Freude, jene Art von Freude, mit der man sich umgeben und in deren transformativem Glanz man baden möchte – eines der radikalsten Dinge ist, die es gibt.»

🥳 Witziges zum Schluss

Frage der Woche*

*Präsentiert von Petarde – der unabhängigen Schweizer Satiremarke

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🎲 Rätsel

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Ich wünsche dir ein Wochenende mit viel Freude.

Peter

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