Guten Morgen {{vorname}}
Diese Geschichtsstunde vergesse ich nie. Es war in der Quarta, die Schweiz diskutierte gerade über die Anschaffung des F/A-18 und ein paar Gymeler hefteten selbstgebastelte Pro-Plakate an die Wände des Schulzimmers.

Der Geschichtslehrer nahm dies zum Anlass, die antike Polis für 45 Minuten ruhen zu lassen und uns stattdessen eine aktuelle Standpauke über Propaganda, Politik und Pazifismus zu halten.

Über 30 Jahre später fordern nun die Jungspunde der FDP massiv mehr Geld für die Armee, einen Raketenschutzschirm und die Wehrpflicht für alle.

Ein bekannter Spruch lautet: «Wer als 20-Jähriger kein Linker ist, hat kein Herz. Wer mit 40 immer noch ein Linker ist, hat keinen Verstand.»

Ob dem so ist, musst du selber beurteilen. Ich persönlich mag Quartaner:innen, die dem Frieden eine Chance geben. Als Zünfter:innen bleibt dann immer noch genügend Zeit, sich für Kampfjets und Raketen einzusetzen.

Schweiz · Aufrüstung

Jungfreisinnige fordern «Iron Dome» und Wehrpflicht für alle

Mehr Soldat:innen und Raketen: Jungfreisinn. (Foto: Getty Images)

Die Jungfreisinnigen preschen mit einem radikalen Sicherheitspapier vor: Die Nachwuchspartei der FDP fordert eine Erhöhung des Armeebudgets auf zwei Prozent des BIP – was etwa 17 Milliarden Franken und einer Verdreifachung des aktuellen Budgets entspräche. «Die innere und äussere Sicherheit des Landes zu gewährleisten, ist die wichtigste Aufgabe des Staats», sagt Präsident Jonas Lüthy im Tages-Anzeiger.

Kernstück der Forderungen ist ein nationaler Raketenschutzschirm nach israelischem Vorbild. Laut Lüthy braucht die Schweiz eine «glaubwürdige Luftverteidigung», um Ballistik und Drohnen abzuwehren. Zudem verlangen die Jungfreisinnigen eine Wehrpflicht für alle – einschliesslich Frauen – sowie die Abschaffung des Zivildienstes zugunsten eines neuen Katastrophenschutzes.

«Völlig unrealistisch.»

Priska Seiler Graf, SP-Nationalrätin

Trotz der gewaltigen Kosten lehnt die Partei Steuererhöhungen oder eine Aufweichung der Schuldenbremse ab. Stattdessen sollen staatliche Subventionen gekürzt werden. «Die Subventionsjäger in Bern müssen im Interesse der Sicherheit des Landes für einmal verzichten», so Lüthy.

SP-Sicherheitspolitikerin Priska Seiler Graf bezeichnet die Pläne als «völlig unrealistisch». Massive Kürzungen bei Bildung, Verkehr und Landwirtschaft wären die unvermeidliche Folge einer solchen Priorisierung.

Schweiz · Wahlen

Aus der Mitte entspringt kein Fluss mehr

Gerhard Pfister und Philipp Matthias Bregy: Strategie gescheitert? (Screenshot: Limmattaler Zeitung/José R. Martinez)

Dass die Mitte ihre innere Mitte verloren zu haben scheint, konnte man bereits im Januar 2025 ahnen. Damals suchte die Partei eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für die abtretende Bundesrätin Viola Amherd. Viele rechneten mit Gerhard Pfister, doch dann sagte die heutige Mitte-Fraktionspräsidentin Yvonne Bürgin in der Arena auf SRF, sie tendiere eher zu einer «jüngeren» Person. Ab und zu brauche es «frischen Wind und neue Ideen». Martin Pfister, der es dann wurde, ist ein Jahr jünger als Gerhard Pfister.

Am vergangenen Wochenende hat die Mitte nun bei den Wahlen im Kanton Bern einen herben Dämpfer erlitten. Bei den Grossratswahlen verlor die Partei 0,9 Prozentpunkte und drei Sitze. Der Rückschlag treffe die Strategie von Ex-Präsident Pfister empfindlich, schreibt heute die Limmattaler Zeitung. Durch Fusion mit der BDP und Namenswechsel wollte man in bevölkerungsreichen, protestantischen Kantonen wie Bern, Zürich und Waadt wachsen.

Laut Politologe Lukas Golder verpufft dieser «BDP-Effekt» derzeit schneller, als die Partei in städtischen Gebieten Fuss fassen kann. Ein Grund dafür sei das konservative Image: Während die Mitte an der Initiative gegen die Heiratsstrafe festhält, stimmten die Wachstumskantone deutlich für die Individualbesteuerung. «Die Mitte muss thematisch mehr Akzente setzen», so Golder. Aktuelle Versuche, sich beim Thema Zuwanderung zu profilieren, seien schwierig, da die SVP hier die Themenführerschaft besetze.

Die SVP hingegen setzt ihren Erfolgskurs fort und legte in Bern um 3,5 Prozentpunkte zu. Für die Mitte und ihren neuen Präsidenten Philipp Matthias Bregy wird das kommende Jahr entscheidend: Die Wahlen in Zürich gelten als letzter grosser Stimmungstest vor den nationalen Wahlen 2027. «Dort wird sich zeigen, ob Bern ein Ausrutscher war – oder ob Pfisters Strategie gescheitert ist», heisst es im Artikel.

Schweiz · 🇺🇳

UNRWA-Chef Philippe Lazzarini zieht bittere Bilanz

Packt seine Sachen und schreibt ein Buch: Philippe Lazzarini. (Screenshot: SRF/Mohamed Hossam/Keystone)

Heute ist der letzte Arbeitstag von Philippe Lazzarini als UNRWA-Chef. Zum Abschied rechnet der Leiter des Palästinenser-Hilfswerks im Echo der Zeit mit der Schweiz ab. Es gebe Wut, Verbitterung und Traurigkeit, sagt er.

In einem Interview mit RTS kritisierte der Schweizer Diplomat die Haltung Berns im Nahost-Konflikt: «Was mich am meisten geschmerzt hat, ist, dass die Schweiz abwesend war, wenn es darum ging, das Völkerrecht zu verteidigen.»

Lazzarini blickt auf eine Amtszeit zurück, die von Angriffen geprägt war. In Gaza wurden laut seinen Angaben fast 400 Mitarbeitende getötet und 80 Prozent der Einrichtungen zerstört. Dass die Organisation unter Druck steht, sieht er als bewusste Strategie: Die Zerstörung der UNRWA sei zu einem politischen Ziel geworden, das dazu diene, den Flüchtlingsstatus der Palästinenser:innen grundsätzlich infrage zu stellen.

Israelische Vorwürfe einer Hamas-Nähe weist Lazzarini zurück; Untersuchungen hätten keine konkreten Belege geliefert. Dennoch kürzten viele Staaten, einschliesslich der Schweiz, ihre Gelder. Lazzarini warnt vor den Folgen einer Zerschlagung: «Wenn Sie die UNRWA heute zerschlagen, würden Sie verhindern, dass die Bevölkerung Zugang zu medizinischer Grundversorgung, zu Spitälern und zu Bildung hat.» Nach seinem Ausscheiden plant der 62-Jährige, seine Erlebnisse in einem Buch zu verarbeiten.

🌔 Zahl des Tages

384'400 Kilometer

3, 2, 1: Die Nasa fliegt wieder zum Mond. (Screenshot: New York Times)

Wenn alles passt, fliegen morgen wieder Menschen zum rund 384'400 Kilometer von der Erde entfernten Mond – zum ersten Mal seit über einem halben Jahrhundert.

Die Mission «Artemis II» schickt vier Astronaut:innen auf eine zehntägige Reise um den Erdtrabanten. Ziel ist es, die lebensnotwendigen Systeme der «Orion»-Kapsel unter realen Bedingungen zu testen, bevor künftige Missionen tatsächliche Landungen auf der Oberfläche wagen, schreibt die New York Times in diesem lesenswerten Artikel mit vielen tollen Infografiken.

Die Crew besteht aus dem Kommandanten Reid Wiseman, dem Piloten Victor Glover, Christina Koch sowie Jeremy Hansen. Damit setze die Nasa Meilensteine, heisst es im Text: Glover werde der erste Schwarze und Koch die erste Frau sein, die den Mond umkreisen. Der Kanadier Hansen ist zudem der erste Nicht-US-Amerikaner auf einer solchen Reise.

Der Flug nutzt das «Space Launch System», die leistungsstärkste Rakete der Nasa. Nach dem Start und Tests im Erdorbit führt die Flugbahn am 6. April direkt hinter die Rückseite des Mondes. Anschliessend nutzt die Kapsel die Gravitation des Mondes, um ohne eigenen Antrieb zur Erde zurückzukehren. Die Wasserung im Pazifik ist für den 10. April geplant. Das 4,1 Milliarden Dollar teure Projekt ebnet den Weg für eine geplante Mondlandung im Jahr 2028.

Kurz-News

Beliebte/teure Kita · Trotz Kosten von bis zu 3500 Franken monatlich nutzen 68 Prozent der Schweizer Eltern externe Kinderbetreuung. Laut Bundesamt für Statistik stieg der Anteil der Kinder in Kitas oder schulischer Betreuung seit 2020 von 34 auf 42 Prozent. Besonders in Städten sei die Nutzung hoch, berichtet der Tages-Anzeiger, während auf dem Land oft Grosseltern einspringen würden.

Digitaler Pranger · Nach den Krawallen bei einer Demo im Oktober 2025 in Bern verschärft die Kantonspolizei die Fahndung. Da nach der Veröffentlichung verpixelter Bilder kaum Hinweise eingingen, wurden gestern unverdeckte Fotos von 32 Tatverdächtigen publiziert. Bisher konnten durch Videoauswertungen bereits 101 Personen identifiziert werden, schreibt Blue News. Den Gesuchten werden Straftaten mit erheblichen Sachschäden und Verletzten vorgeworfen.

Schutzmassnahmen aufgehoben · Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hebt die Schutzmassnahmen gegen die Vogelgrippe per 1. April auf. Da der Vogelzug weitgehend abgeschlossen ist, sank die Ansteckungsgefahr für Hausgeflügel; seit Februar gab es keine neuen Fälle bei Wildvögeln. Damit entfallen Einschränkungen wie die geschützten Auslaufbereiche, berichtet SRF.

International

Umstrittenes Gesetz · Die israelische Knesset hat die Einführung der Todesstrafe für Terroristen gebilligt. Der von der rechtsextremen Partei Otzma Jehudit forcierte Gesetzentwurf betrifft de facto fast nur Palästinenser:innen. Kritiker:innen und Menschenrechtler:innen sprechen von einem rassistischen Gesetz und einem zivilisatorischen Rückschritt. Verschiedene EU-Staaten hatten gemäss der deutschen Tagesschau vergeblich an Israel appelliert, den Plan wegen fehlender Abschreckungswirkung aufzugeben.

Céline Dion in Paris · «I’m so ready for this»: Céline Dion kündigt nach vier Jahren krankheitsbedingter Pause ihr Comeback an. Geplant sind zehn Konzerte im Herbst 2026 in Paris. Nach ihrer Diagnose des Stiff-Person-Syndroms fühle sie sich nun stark genug für die Rückkehr, zitiert BBC die Künstlerin. Tickets sind ab dem 7. April erhältlich; Registrierungen sind schon ab heute auf ihrer Website möglich.

🚽 Nützliches des Tages

Phosphor

Vom Topf in den Boden und zurück: Kreislaufwirtschaft. (Foto: Unsplash/Markus Winkler)

«Darum ist unser Stuhlgang so wertvoll», titelt SRF. Und natürlich will man sofort ins Thema eintauchen. Um was geht es also? Kurz: um Kreislaufwirtschaft. Die Schweiz will beziehungsweise muss den wertvollen Phosphor aus dem Abwasser recyclen. Doch fehlt es bisher an industriellen Anlagen, die das Vorhaben umsetzen könnten. Nun gewähre der Bund den Kantonen einen Aufschub bis 2028 für die Planung, heisst es im Artikel.

Phosphor ist für die Landwirtschaft unverzichtbar, muss derzeit aber vollständig importiert werden. Da das Ausbringen von Klärschlamm auf Feldern wegen Schadstoffen seit 2006 verboten ist, landet der wertvolle Rohstoff aus menschlichen Ausscheidungen in Deponien. Das Ziel ist es, diesen Phosphor zurückzugewinnen und als Dünger zu nutzen.

Die Hürden sind vor allem finanzieller Natur. Eine geplante Anlage, etwa im solothurnischen Zuchwil, kostet bis zu 200 Millionen Franken. Zudem ist recycelter Phosphor aktuell drei- bis viermal teurer als Importware vom Weltmarkt. Dennoch stehen erste Projekte in den Startlöchern: In Bazenheid (SG) soll noch in diesem Jahr der Bau beginnen. Gelingt die Umsetzung, könnte die Schweiz ihre Abhängigkeit von Importen aus Regionen wie Marokko reduzieren. 🌱

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter ☮️

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