Guten Morgen {{vorname}}
Seit gestern produziert in Japan ein Reaktor bei Fukushima wieder Atomstrom. Fukushima? War da nicht einmal was?

Du erinnerst dich richtig: In wenigen Wochen jährt sich das Desaster zum 15. Mal. Ein Erdbeben und der darauffolgende Tsunami führten 2011 im AKW Fukushima Daiichi zu einer Kernschmelze – und zu der schlimmsten Atomkatastrophe seit Tschernobyl.

In Bundesbern scheint dieses Langzeitgedächtnis bisweilen zu fehlen: Die Umweltkommission des Ständerats will den AKW-Baustopp rückgängig machen.

Zurück auf Feld eins.

Schweiz · Energiewende

Ständeratskommission will AKW-Bauverbot aufheben

Bitte mehr davon, fordert jetzt auch die Mitte: AKW Gösgen. (Foto: CH-info.ch/CC BY-SA 3.0)

In der Schweizer Energiepolitik zeichnet sich eine Kehrtwende ab. Die Umweltkommission des Ständerats hat sich mit einer deutlichen Mehrheit von 10 zu 2 Stimmen dafür ausgesprochen, den Neubau von Atomkraftwerken wieder zu erlauben.

Ausschlaggebend für dieses Ergebnis ist ein Sinneswandel bei der Mitte-Partei. Ständerat Daniel Fässler aus dem Kanton Appenzell-Innerrhoden begründet den Schritt gemäss SRF mit den globalen Entwicklungen: «Die geopolitische Situation hat sich verändert, genauso wie die Beschaffung von Energie. Dieser veränderten Situation müssen wir Rechnung tragen.»

Energieminister Albert Rösti zeigt sich zufrieden mit diesem ersten Schritt. Er geht in seinen Überlegungen aber bereits weiter und bringt erstmals staatliche Subventionen für mögliche Neubauten ins Gespräch.

Sollte die Stromversorgung allein mit erneuerbaren Energien nicht gesichert sein, sieht Rösti das Parlament in der Pflicht: «Wenn es dereinst nicht ohne die Kernkraft gehen sollte, muss man im Parlament auch über dieses Thema sprechen.»

«AKW sind teuer und gefährlich.»

Maya Graf, Ständerätin

Die Grünen reagieren mit Ablehnung. Die Baselbieter Ständerätin Maya Graf bezeichnet den Entscheid als «Affront» und warnt: «AKW sind teuer und gefährlich und bis in dreissig, vierzig Jahren bringen sie keine Versorgungssicherheit.»

Die Partei droht bereits mit einem Referendum, sollte das Parlament der Aufhebung des Bauverbots endgültig zustimmen.

Schweiz · Sanktionen

Wegen Côte-d’Azur-Villen: Oligarchen-Tochter klagt gegen die Schweiz

Hier will Gulnara Kerimowa investieren: Küste in Antibes. (Foto: Aimelaime/Wikimedia Commons)

Gulnara Kerimowa, Tochter des sanktionierten russischen Oligarchen Suleiman Kerimow, hat ein internationales Schiedsverfahren gegen die Eidgenossenschaft eingeleitet. Anlass sind gemäss Tages-Anzeiger gesperrte Vermögenswerte in der Höhe von 1,3 Milliarden Franken.

Die Klägerin wehrt sich gegen Massnahmen, die unter anderem indirekte Beteiligungen an Luxusimmobilien an der französischen Côte d’Azur blockieren.

Obwohl Kerimowa selbst nicht auf der Schweizer Sanktionsliste steht, hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Gelder eingefroren. Das Seco betont, dass auch Werte gesperrt werden, «die unter direkter oder indirekter Kontrolle einer sanktionierten Person stehen».

Die Klage stützt sich auf ein Investitionsschutzabkommen von 1990. Laut Lukas Schaugg vom gemeinnützigen Internationalen Institut für nachhaltige Entwicklung (IISD) wirft der Fall «grundlegende Fragen zum Verhältnis zwischen nationalem Sanktionsrecht und völkerrechtlichem Investitionsschutz auf». Da die Klägerin formal nicht sanktioniert ist, könnte dies für die Schweiz juristisch problematisch werden.

Schweiz · Brandkatastrophe

Forderungen der Feuerpolizei blieben ohne Folgen

Hier ereignete sich in der Silvesternacht die Katastrophe: Bar «Le Constellation». (Screenshot: SRF)

Nach dem Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS zeigen neue Dokumente: Die Gemeindebehörden wussten bereits seit 2018 von Sicherheitsmängeln. Entgegen der Vermutung mangelnder Aufsicht gab es mehrfach explizite Forderungen, die jedoch ohne Konsequenzen blieben. Dies berichtet RTS.

Bereits im Januar 2018 forderte der Sicherheitsbeauftragte der Gemeinde den Geschäftsführer Jacques Moretti auf, die Besucherzahl in seinem Lokal auf 100 Personen zu begrenzen. Moretti bekam zudem drei Monate Zeit, um anzugeben, wo sich die Feuerlöscher befinden. Ebenso fehlten damals Evakuierungspläne und eine entsprechende Schulung des Personals.

Da diese Erwartungen ignoriert wurden, wiederholte die Behörde sämtliche Forderungen bei einer Kontrolle im Mai 2019 und setzte eine erneute Frist von drei Monaten. Danach rissen die Kontrollen ab: Seit 2019 wurde der Betrieb nicht mehr überprüft.

Die Staatsanwaltschaft hat derweil die Ermittlungen intensiviert und Moretti sowie seine Ehefrau erneut einvernommen. Im Zentrum steht die Frage, warum der Betrieb trotz der bekannten Verstösse und fehlenden Schulungen jahrelang weitergeführt werden konnte. Hinweise auf den brennbaren Schallschutzschaum fanden sich in den alten Kontrollberichten nicht.

Aufgeschnappt

«No Kings»

Fackeln gegen den «Stürmi»: Grussbotschaft über Davos. (Screenshot: Twitter/Osint613)

Am 25. Januar 2018, als US-Präsident Donald Trump während seiner ersten Amtszeit das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos GR besuchte, empfing ihn der Blick mit der Schlagzeile: «Dear Mister President – Welcome to Switzerland!»

Heuer haben sich andere um die Begrüssungsformel gekümmert.

So erleuchtete gestern Abend der Schriftzug «No Kings» in riesigen Lettern einen Berghang über Davos. Eine unmissverständliche Botschaft an Trump, der heute am WEF erwartet wird: Wir wollen keine Könige!

Hinter der Aktion stecke eine Gruppe anonymer Einheimischer, schreibt Watson: Zehn Personen transportierten 450 Fackeln über 800 Höhenmeter durch den Tiefschnee auf den Grüniberg. Die Platzierung der Fackeln wurde per Funk durch Helfer im Tal koordiniert.

Im Artikel sagt eine der an der Aktion beteiligten Personen: «Dank unseren Vorfahren haben wir Könige überwunden. Heute, da Autokratie und Imperialismus wieder aufkommen, wollen wir vor den Augen der Mächtigen ein Zeichen setzen für die Demokratie und für das Völkerrecht.»

Kurz-News

Ameti tritt nicht mehr an · Die ehemalige GLP-Politikerin Sanija Ameti tritt im März nicht mehr zur Wiederwahl für das Zürcher Stadtparlament an. Damit verliert sie gemäss NZZ ihr letztes politisches Amt. Ameti war 2024 schweizweit massiv unter Druck geraten, nachdem sie im Keller mit einer Luftpistole auf ein Kalenderbild von Maria und Jesus geschossen hatte. Mehrere Privatpersonen hatten darauf Strafanzeige eingereicht. Nächste Woche steht Ameti wegen Verletzung der Glaubensfreiheit vor dem Bezirksgericht Zürich.

Smood vor dem Aus · Der Lieferdienst Smood stellt den Betrieb ein. Trotz Sanierungsversuchen blieb das Unternehmen in den roten Zahlen. Die Eigentümerin Migros zieht nun gemäss Tages-Anzeiger die Reissleine. Von der Schliessung sind schweizweit rund 400 Mitarbeitende betroffen. Die Gewerkschaft Syndicom spricht von einem Opfer der «Uberisierung» und fordert von der Migros einen Sozialplan sowie Unterstützung für die oft prekär beschäftigten Kurier:innen.

Erdbeben im Wallis · Gestern Abend bebte im Wallis die Erde. Das Epizentrum lag laut dem Schweizerischen Erdbebendienst (SED) rund acht Kilometer südlich von Zermatt in geringer Tiefe. Der Erdstoss (Stärke 3,6 auf Richterskala) war in Gemeinden wie Täsch und Saas-Fee deutlich spürbar, berichtet Nau. Schäden sind bei Beben dieser Stärke normalerweise nicht zu erwarten. In der Schweiz werden jährlich bis zu 1500 Beben registriert, wobei nur etwa 10 bis 20 für die Bevölkerung spürbar sind.

International

Ukraine unter Dauerbeschuss · Russische Angriffe auf das Energienetz setzen der Ukraine massiv zu. In Kyjiw sind über 5600 Hochhäuser ohne Heizung, berichtet die Zeitung Der Bund. Das Land kann nur etwa 60 Prozent des Strombedarfs decken. Während die IAEA vor Gefahren für die Atomkraftwerke warnt, streiten Präsident Selenskyj und Bürgermeister Klitschko über die Vorsorge. Aufgrund der kritischen Lage im Land hat Selenskyj seinen geplanten Besuch am WEF in Davos GR kurzfristig abgesagt.

Superreiche für höhere Steuern · Rund 400 Millionär:innen und Milliardär:innen fordern in einem offenen Brief zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos höhere Steuern für Superreiche. Prominente wie der Schauspieler Mark Ruffalo und die Filmemacherin und Philanthropin Abigail Disney warnen gemäss Guardian, dass extreme Konzentration von Reichtum die Demokratie gefährde und politischen Einfluss kaufe. Laut einer Umfrage unterstützen zwei Drittel der Vermögenden höhere Abgaben, um öffentliche Dienste zu stärken und soziale Ungleichheit zu bekämpfen.

🔧 Nützliches des Tages

Werkzeuge!

Veronika weiss sich zu helfen. (Screenshot: SRF)

Im linearen Röhren-TV gab es mal einen Mann, der konnte mit einem Kugelschreiber und einer Zitrone den Tag retten. MacGyver war sein Name – wer erinnert sich noch?

Heute sind die Zeiten leider vorbei, in denen ein Sackmesser fast sämtliche Probleme lösen kann. Das Werkzeug, das eine aus den Fugen geratene Welt reparieren könnte, muss erst noch erfunden werden.

Fangen wir also bescheidener an, mit Kuh Veronika aus Kärnten in Österreich zum Beispiel. Dort dokumentierte jetzt Kognitionsforscherin Alice Auersperg, wie Veronika gezielt Gegenstände einsetzt, um sich zu kratzen. Die Entdeckung rücke das Verständnis über die Intelligenz von Nutztieren in ein völlig neues Licht, berichtet SRF.

In einem Experiment der Universität Wien zeigte Veronika eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an neue Werkzeuge. So nutzte sie einen Bodenschrubber mit den harten Borsten für den behaarten Rücken, während sie das Werkzeug für empfindliche Stellen wie den Bauch oder das Euter einfach umdrehte und das glatte Stielende verwendete.

Laut Forscherin Auersperg ist eine so flexible Nutzung verschiedener Werkzeugeigenschaften bisher vor allem von Schimpansen bekannt. Dass Veronika dieses Verhalten erst im Alter von vier Jahren entwickelte und über die Zeit immer weiter verfeinerte, deute auf einen klaren Lernprozess hin.

Veronika for president, würde ich sagen. 🐮

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Orange: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lesen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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