Guten Morgen {{vorname}}
Manche Fragen teilen die Gesellschaft:

Zuerst die Milch oder zuerst die Cornflakes? Gold- oder Silberschmuck? Wahrheit oder Pflicht? Viel oder wenig Bankenregulierung?

Gerne hätte ich gewusst, in welcher Reihenfolge unsere Parlamentarier:innen ihre Frühstückscerealien zubereiten. Diese Debatte blieb uns gestern verwehrt. Stattdessen wurde sehr lange und viel über die Eigenkapitalquoten der Schweizer Grossbank diskutiert. So lange, dass für die Abstimmung am Schluss keine Zeit mehr blieb.

Bankenregulierung · Entscheidung bleibt aus

Schlagabtausch im Bundeshaus: LEX UBS

Warum heute nicht zwei Fotos vom Bundeshaus nutzen, wo ihr sie mir doch so nett zur Verfügung stellt. (Foto: 6iBrief-Community/Dännu)

Lange galt sie als «too big to fail». Dann «failte» die Credit Suisse dummerweise doch. In einem spektakulären Showdown wurde die Übernahme durch die andere Too-Big-To-Fail-Bank (auch UBS genannt) angeordnet.

Seither wird über die Bankenregulierung diskutiert. Karin Keller-Sutter gegen UBS-Oberhaupt Sergio Ermotti; mehr gegen weniger Regulierung. Was ist besser? Was ist sicherer? Wer hat recht? Diesen existenziellen Fragen widmete sich gestern der Ständerat.

«Es steht ausser Frage, dass wir den Finanzplatz krisenfester machen müssen», aber: «Genauso müssen wir gewährleisten, dass eine Schweizer Grossbank international wettbewerbsfähig sein kann», fasste Zürcher GLP-Ständerätin Tiana Moser die Ausgangslage zusammen.

«Eine schlanke, klare und starke Lösung»,

wünscht sich Andrea Caroni, FDP-Ständerat

Konkret geht es um die Eigenkapitalquote, mit der die Grossbank ihre ausländischen Tochtergesellschaften unterlegen muss. Aktuell liegt diese bei 45 Prozent. Um das Risiko für Steuerzahler:innen zu minimieren, pocht der Bundesrat auf 100 Prozent. Die UBS wiederum meint, dass sie damit im Nachteil gegenüber der Konkurrenz wäre.

Ein Kompromiss ist naheliegend, doch auch hier gehen die Geister auseinander, wo dieser denn liegen soll. Die Mehrheit der zuständigen Kommission sprach sich vorab für eine Quote von 50 Prozent aus, die Minderheit wollte 90 Prozent.

Am Mittwoch noch hatte der FDP-Ständerat Andrea Caroni vorgeschlagen, das Geschäft dem Bundesrat zu übergeben. Diesbezüglich änderte er gestern dann überraschend seine Meinung, und wollte stattdessen «eine schlanke, klare und starke Lösung» finden, wie die NZZ berichtet.

So weit kam es dann aber nicht. Stattdessen soll die Sitzung inklusive Abstimmung am kommenden Mittwoch fortgesetzt werden. Vanja wird berichten.

Eine Woche Herbstsession · Gestrige Themen

Entscheide aus Bundesbern

Dieses Bundeshaus-Foto hab ich von Nanda gekriegt – merci tuusig! (Foto: 6iBrief-Community/Nanda)

Bevor sich das Parlament ins Wochenende verabschiedet hat, wurde ausserdem Folgendes besprochen:

  • Mercosur-Schlusslinie: Mit 25 Millionen Franken will das Parlament Projekte für den Schutz des Amazonas-Gebiets im Rahmen des Mercosur-Abkommens unterstützen. Damit ist das Freihandelsabkommen mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay bereit für die Schlussabstimmungen.

  • Für Entlastung: Um das Bundesgericht zu entlasten, wollen beide Räte künftig weniger Beschwerden vor dem Gericht zulassen. So sind Beschwerden gegen Bussen bis zu 500 Franken, Verweise oder gegen kommunale Erlasse künftig nicht mehr zulässig.

  • Nach Crans-Montana: Der Bund kann künftig bis zu 20 Millionen Franken für die Opfer bereitstellen. Dies soll dazu führen, dass Opfer oder Angehörige künftig nicht vor Gericht ziehen müssen, um Entschädigungen zu erkämpfen. Stattdessen sollen sie gemeinsam mit Versicherungen und Behörden Vergleichslösungen ausarbeiten. Der Lösung stimmen beide Räte zu.

  • Verschärfungen im Asylbereich: Der Nationalrat fordert verschiedene Verschärfungen im Asylbereich. Dazu gehören unter anderem Anpassungen in der Personenfreizügigkeit, Asylgesuche von Afghan:innen und Regeln für Doppelbürger:innen. Über die verschiedenen Motionen muss als nächstes der Ständerat befinden.

  • Uneinigkeit herrscht: Die Hotellerie zahlt 3.8 Prozent Mehrwertsteuer. Darüber ob dieser Sondersatz bis 2035 beibehalten werden soll oder nicht, besteht Uneinigkeit zwischen den Räten. Der Ständerat will daran festhalten und argumentiert, dass es die Branche stützen würde. Wenn der Nationalrat, der als nächstes entscheidet, weiterhin für die Abschaffung ist, läuft die Regelung 2027 aus.

Lausanner Rassismus-Skandal · nach den Whatsapp-Chats

Polizisten wieder eingestellt

Das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) hat die Affäre in einer Dokumentation aufgearbeitet. (Screenshot: RTS)

Wenn du schon länger mitliest, dann weisst du vielleicht, dass ich zu der 6iBrief-Avantgarde gehöre. Vergangenes Jahr gründete ich das Projekt mit und durfte als zweite Person überhaupt für dich hier schreiben. An die Ausgabe vom 26. August 2025 erinnere ich mich dabei besonders gut.

Ein Ereignis überschattete an jenem Tag die Berichterstattung: Der Rassismusskandal des Lausanner Polizei-Korps. Auch um die Tode Schwarzer Menschen durch polizeiliches Wirken ging es. Und darum, wie die Dinge zusammenhängen.

Ein Jahr später ist die Rassismusaffäre erneut Thema. Weil die Stadt Lausanne zu langsam reagierte, hat das Waadtländer Kantonsgericht die fristlose Kündigung von drei Lausanner Polizisten als ungültig erklärt. Dies berichten die Tamedia-Zeitungen als erstes.

Rückblende: Vergangenes Jahr deckte die Staatsanwaltschaft eine Whatsapp-Gruppe von Lausanner Polizist:innen auf, in denen rassistische und andere diskriminierende Inhalte verschickt wurden. Die Inhalte wurden vom Gericht als «hochproblematisch» eingestuft.

Für die betreffenden Polizist:innen hatte das Konsequenzen. Allerdings zu spät. Erst acht Monate später wurde ihnen von der Stadtregierung gekündigt. Auch im öffentlichen Personalrecht, wo längere Fristen zulässig seien, «sollte der Arbeitgeber die Sache nicht vertrödeln», findet das Gericht.

Es ist nun an der Stadtregierung von Lausanne eine angemessene Massnahme auszusprechen, wobei eine fristlose Kündigung wohl nicht mehr zu den Optionen gehören dürfte.

Zitat des Tages

«Mit mir diskutieren kann man immer, aber der Gang an die Öffentlichkeit – das passt mir nicht.»

Murat Yakin, Schweizer Nationaltrainer

Yakin schiesst zurück. Nicht mit dem Ball, sondern mit Worten. (Screenshot: Blick)

Erstmals, seit sich die Schweizer Männer-Fussball-Nationalmannschaft im Sommer bei der WM bewiesen hat, steht ein Nati-Zusammenzug an. An der Pressekonferenz gestern wurde nicht nur die Aufstellung für die kommenden Nations-League-Spiele präsentiert, Trainer Murat Yakin äusserte sich auch öffentlich zur Causa Okafor.

Es gibt Gossip zur Männer-Nati. Vor einigen Tagen teilte der Offensivspieler Noah Okafor mit, nicht weiter unter Yakin spielen zu wollen. «Wegen der Art und Weise, wie mit mir umgegangen wurde. Für mich war es die schwierigste Zeit meiner bisherigen Karriere», schrieb er auf Instagram.

An der Pressekonferenz gestern schoss Yakin schliesslich zurück. «Mit mir diskutieren kann man immer, aber der Gang an die Öffentlichkeit – das passt mir nicht», wird er von den Tamedia-Zeitungen zitiert.

Dass Okafors Rücktrittsschreiben von vielen Nati-Spielern gelikt wurde, nimmt er auf die leichte Schulter und stellt sogar infrage, ob diese den Post überhaupt ganz gelesen hätten. Auch sagt er, wie im Blick-Ticker nachzulesen: «Ich glaube, die Spieler haben eher den Rücktritt und weniger den Inhalt gelikt.»

Kurz-News

Tuberkulose in Baselland · In Bottmingen im Baselbiet müssen über 100 Kinder auf Tuberkulose getestet werden. Die Schulkinder zwischen 8 und 12 Jahren hatten zuvor mit einer infizierten Lehrperson Kontakt, wie SRF berichtet. Bei der Lehrperson wurde am Mittwochabend die Infektionskrankheit, früher auch als Schwindsucht bekannt, festgestellt.

Klimakrise · Wo bleiben die Klimaaktivist:innen? Haben sich diesen Hitzesommer viele gefragt. Antwort: Viele der Klimabewegungen sind ausgebrannt – weil ihnen die Politik und die Industrie nicht zugehört haben. Doch die Höchsttemperaturen 2026 bringen wieder mehr Bewegung in die Bewegung: Über 100 Organisationen rufen zu Hitzedemos auf und auch im Parlament sind über 40 Vorstösse hängig, berichten die CH-Media-Zeitungen.

Billet ohne Bargeld · Bei vielen Billetautomaten der SBB kann man nicht mehr mit Bargeld bezahlen, wie der K-Tipp berichtet. Münzschlitz und Noteneinzug sei an den Geräten gesperrt. Grund dafür sei Vandalismus erklären die SBB gegenüber Blick. Einige Automaten seien aufgebrochen worden, viele deshalb präventiv gesperrt. Wer mit Bargeld bezahlen wolle, könne am SBB-Reisezentrum eine übertragbare Prepaid-Card beziehen und mit Bargeld aufladen, heisst es vonseiten der SBB.

International

EU vs. Soziale Medien · Mit einem Vorstoss möchte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Sozialen Medien stärker regulieren und so Kinder und Jugendliche schützen. Der geplante «EU Kids Act» solle klare Grenzen in der digitalen Welt setzen, berichtet SRF. Dieser verlangt, dass soziale Netzwerke, Spieleplattformen und KI-Chatbots künftig nachweisen müssen, dass ihre Dienste für Kinder sicher sind, bevor sie Minderjährigen einen Zugang gewähren können.

🔧 Nützliches des Tages

Verloren im Netz

Phone Where Is It GIF by Specks of Dust

Damit aufhören fällt uns schwer. Warum? (GIF: Giphy)

Ich bin kein Kind und keine Jugendliche mehr. Trotzdem «struggle» ich weiterhin mit Sozialen Medien. Das Swipen auf verschiedenen Plattformen ist schon seit langer Zeit ein bestehender Teil meines Alltags. Die eigene Bildschirmzeit nicht nur zu Regulieren, sondern auch sinnvoller zu gestalten, fällt mir schwer. Und damit bin ich nicht alleine.

Inwiefern Vorschläge wie der oben beschriebene «EU Kids Act» oder auch die australische Lösung, Jugendliche unter 16 Jahren von Plattformen zu verbannen, sinnvoll sind, masse ich mir nicht an zu beurteilen. Es gibt viele Argumente dafür und dagegen.

Spannend finde ich deshalb nicht nur die verschiedenen politischen Massnahmen, sondern auch die verschiedenen Erfahrungen der Nutzer:innen, die Erkenntnisse aus der Forschung und auch die Geschichte hinter den technologischen Entwicklungen, die uns an diesen Punkt gebracht haben.

Empfehlen kann ich diesbezüglich:

  • Diesen Guardian-Artikel zur Bildschirmzeit-Reduzierung (auf englisch)

  • Dieses Interview mit dem Erfinder des «Infinite Scroll» (ebenfalls auf englisch)

  • Diesen Republik-Artikel zu den möglichen Folgen eines Verbots (ohne Paywall)

Ich bin ausserdem gespannt auf deine Gedanken dazu!

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Tschüssikowski!

Sofie

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