Guten Morgen {{vorname}}
Neben ewigen Debatten um die Armeefinanzierung in Bundesbern sind gestern noch ein paar weitere spannende Dinge passiert:

  • Das VBS hat den Nachrichtendienst unter die Lupe genommen und «keine Hinweise auf eine Russlandaffäre» gefunden,

  • der Nati-Captain hat ein gefälschtes Corona-Zertifikat gebraucht

  • und weil der Bundesrat getwittert hat, fürchtet das Internet den dritten Weltkrieg.

Nach NDB-Enthüllung · Bericht sagt

Keine Hinweise auf Russland-Affäre

Ausgelöst wurde die Untersuchung durch diese SRF-Recherche. (Screenshot: SRF)

Die Vorkommnisse im Nachrichtendienst des Bundes (NDB) seien «hinreichend geklärt», hiess es an der gestrigen Medienkonferenz. «Es gab keine Hinweise auf eine Russlandaffäre», sagte Bundesrat Martin Pfister.

Worum gehts:

Vergangenes Jahr zeigte SRF in einer Recherche eine gefährliche Nähe des Cyberteams des NDB und vor allem dessen Chefs zu Russland auf. Bereits seit 2022 stand dessen Chef in der Kritik, weil sich das Cyberteam illegal Daten beschafft hatte. Die SRF-Recherche warf dem NDB aber zusätzlich «Spionage im Interesse Russlands» vor. Dieser hätte Daten an die russische Sicherheitsfirma Kaspersky weitergegeben.

«Wir haben keine Hinweise gefunden, die auf eine Russland-Affäre im NDB schliessen lassen.»

Dominique Müller, Untersuchungsleiter

Daraufhin gab VBS-Direktor Martin Pfister eine Untersuchung in Auftrag, deren Ergebnisse gestern den Medien vorgestellt wurden. Grundsätzlich neue Erkenntnisse oder belastbare Hinweise auf «verbotenen politischen Nachrichtendienst» hätten sich dabei nicht ergeben, heisst es vom VBS. «Wir haben keine Hinweise gefunden, die auf eine Russland-Affäre im NDB schliessen lassen», wird der Untersuchungsleiter Dominique Müller von der NZZ zitiert.

Es gebe aber noch «gewisse Unsicherheiten» in Bezug auf «Verdachtsmomente», zitiert SRF. Weil diese aber Gegenstand von laufenden Ermittlungen der Bundesanwaltschaft seien, könne man dazu keine Aussagen machen.

Neues aus dem Bundeshaus · F-35-Firlefanz

kleine Mehrwertsteuer-Erhebung für grosse Armee-Ausgaben

Dieses Bild stammt sogar von ehemaliger 6iBrief-Autorenschaft! (Foto: 6iBrief-Schreiberling/Peter)

Mir gehen die witzigen Einleitungen zum F-35 Thema aus. Deshalb hier einige Begriffe, die ich gerne als Unwort des Jahres nominieren möchte.

  • F-35-Fiasko

  • Fixpreis-Fehlanzeige

  • VBS-Versagen

  • Kampfjet-Klogriff

Und nun nach Bundesbern, wo Martin Pfister gestern beteuerte, dass es «keine Hinweise» dafür gebe, dass das Evaluationsverfahren manipuliert wurde. Auch habe er keinen Grund, anzunehmen, dass die Betriebskosten für den F-35 explodieren würden, zitiert ihn die NZZ.

Weil zur Veröffentlichung der ganzen Bewertungsmatrix zurzeit ein Gerichtsverfahren laufe, wird diese vorerst nicht publik gemacht. Ganze 49 Fragen musste Pfister in der Fragestunde gestern beantworten, wie die CH-Media-Zeitungen schreiben, viele davon zur F-35-Beschaffung.

Aber nicht nur im Nationalrat ging es um kontroverse Armee-Themen. Der Ständerat debattierte die Querfinanzierung der Rüstungsausgaben, etwa durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0.5 Prozentpunkte.

«Ihre Elefanten im Raum stehen im Stall.»

Werner Salzmann, SVP-Ständerat

Während die SP-Rätin Flavia Wasserfallen fand, man müsse die «zwei Elefanten im Raum» (F‑35-Kampfjet und das Patriot-Flugabwehrsystem) ansprechen und «die Finanzierung erst beschliessen, wenn die tatsächlichen Kosten und Risiken vorliegen», sprach sich Werner Salzmann (SVP) für die Vorlage aus.

Man habe sowohl die Kampfjetfinanzierung als auch den Zusatzkredit bereits gesprochen, zitiert ihn SRF. An Wasserfallen gerichtet sagte er: «Ihre Elefanten im Raum stehen im Stall.»

Nach stundenlangem Ringen einigte der Ständerat sich schliesslich auf eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 0.2 Prozent, statt wie vom Bundesrat vorgeschlagen, um 0.5 Prozent. Das Paket geht als nächstes in den Nationalrat.

Angst vor Impfstoff · Konsequenzen offen

Granit Xhaka und das gefälschte Covid-Zertifikat

Von einer «aufgewühlten Gefühlslage» schreibt Xhaka. (Screenshot: Instagram)

Er habe sich ein gefälschtes Covid-Zertifikat gekauft, gestand der Schweizer-Nati-Captain Granit Xhaka gestern über Instagram.

«Ich empfand tiefes Misstrauen gegenüber dem Impfstoff und war von Ängsten und Verunsicherung geprägt», schreibt er in einem Statement. Die Beichte kommt nicht von ungefähr: Am Freitag hatte der «Blick» öffentlich gemacht, dass gegen Xhaka eine Strafuntersuchung läuft. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Ermittlungen wegen Urkundenfälschung.

Welche Konsequenzen auf den Captain zukommen, ist noch unklar. Im schlimmsten Fall müsse er mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung rechnen, wahrscheinlicher sei eine «happige Geldstrafe», schreibt die NZZ. Bei den nächsten vier Nati-Spielen wird er nicht antreten. Dieser Entscheid sei gemeinsam mit dem Schweizerischen Fussballverband getroffen worden, wissen die Tamedia-Zeitungen.

«Wer so handelt, taugt nicht zum Vorbild. Xhaka kann nicht der Anführer und das Aushängeschild der wichtigsten Sportmannschaft des Landes sein.»

Kommentar im Tages-Anzeiger

Erst dieses Jahr sorgte der Fall um Patrick Fischer wegen gefälschten Covid-Zertifikaten für Schlagzeilen. Die beiden Fälle seien jedoch nicht vergleichbar, sagt der SRF-Sportredaktor Peter Schnyder: «Der ehemalige Eishockey-Nationaltrainer Fischer hat sich mit einem gefälschten Zertifikat die Teilnahme an den Olympischen Spielen erschlichen. Xhaka hat nach heutigem Kenntnisstand sportlich keinen Vorteil von seinem gefälschten Zertifikat gehabt.»

Medial fallen die Reaktionen auf Xhakas Statement unterschiedlich aus. Das Geständnis zeuge von Grösse, findet die NZZ. Anders sieht es der Tages-Anzeiger: «Wer so handelt, taugt nicht zum Vorbild. Xhaka kann nicht der Anführer und das Aushängeschild der wichtigsten Sportmannschaft des Landes sein.»

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Aufgeschnappt

Bundesrat-Post sorgt für Panik

Der Bundesrat postet, das Internet schiebt Panik. (Screenshot: X)

Drei Ziele verfolge die Schweiz angesichts der sich verschlechternden Sicherheitslage: Widerstandsfähigkeit stärken, Schutz verbessern und Verteidigungsfähigkeit erhöhen. Der Bund habe dazu die Sicherheitspolitische Strategie 2026 verabschiedet.

Trockener könnte sich ein Tweet (bzw. X-Post) nicht lesen. Doch die Mitteilung des Bundesrats (auf Englisch verfasst) von vor einigen Tagen löste internationale Aufregung aus.

39’000 internationale Nutzer:innen drückten auf das Herz, 7700 verbreiteten den Post weiter und 772 antworteten darauf, wie die Tamedia-Zeitungen zählten. Darunter auch einige bekannte Figuren wie der Cybersecurity-Spezialist Aleksandr Litreev, der frühere Schachweltmeister und russische Oppositionelle, Garri Kasparow oder der britische Politiker und ehemalige Sicherheitsminister Tom Tugendhat.

Breiter Konsens unter den Reaktionen: Wenn die Schweiz sich wappne, müsse man das ernst nehmen. Manche befürchten sogar einen neuen Weltkrieg.

Aber Achtung: Dass der Bund eine neue Sicherheitspolitik hat, heisst in erster Linie Reorganisation, neue Zuständigkeiten und verschärfter Fokus auf Cyberangriffe, Desinformation, Drohnen und Raketen. Ohne die verschärfte Sicherheitslage kleinreden zu wollen, bedeutet die Panik im Internet zunächst einmal nur eines: Panik im Internet.

Kurz-News

Wirtschaft stellt sich hinter UBS · In einem Brief richten sich Vertreter:innen verschiedener Wirtschaftsverbände an den Ständerat, berichten die CH-Media-Zeitungen. Kurz vor der LEX-UBS-Entscheidung am Mittwoch stellen sie sich hinter die Kommissionsmehrheit, die eine weniger starke Banken-Regulierung fordert. Dieser Ansatz stärke nach Ansicht der Verbände die Stabilität des Finanzsystems, ohne den Finanzplatz zu schwächen.

Schweine haben Seuche · Wegen der Lungenkrankheit Enzootische Pneumonie müssen 1500 Schweine in sechs Kantonen getötet werden. Die Massnahme sei unumgänglich, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, berichtet SRF. Die Tiere werden wenn möglich geschlachtet oder sonst tierschutzkonform getötet, sagt der Luzerner Kantonstierarzt Martin Brügger.

Nach Unterschriften-Fälschungen · Das Sammeln von Unterschriften gegen Geld bleibt erlaubt, dies hat der Ständerat entschieden. Angestossen wurde ein entsprechender Vorstoss durch den Unterschriften-Skandal vergangenes Jahr. Chancenlos blieb auch eine Motion, die für mehr Transparenz eine zwingende Offenlegung der Gelder forderte, berichten SRF und NZZ.

International

Putin bleibt · Die Kreml-Partei «Einiges Russland» holt laut der zentralen Wahlkommission knapp 58 Prozent der Stimmen, berichtet SRF. Die Wahl, bei der es sich in Russland nicht um echten demokratischen Wettbewerb handle, diene als Legitimierungsritual für den Kurs des Kremls, schreibt auch die NZZ.

CDU in der Krise · Die Wahlen in Berlin und Meck-Pomm sind nicht gut ausgegangen für die CDU. In letzteren sind sie sogar unter die Fünf-Prozent-Hürde gefallen und fliegt damit aus dem Landtag. Obwohl Friedrich Merz keinen Zweifel daran lässt, dass er Kanzler bleiben will, spekulieren die Tamedia-Zeitungen über die potenziellen Nachfolger Hendrik Wüst und Markus Söder. Befeuert wurden die Umsturz-Gerüchte, nachdem sich die CDU-Ministerpräsident:innen und Landeschef:innen bis spätabends und ohne Merz berieten. Ein Video zeigt sie, wie sie vor 23 Uhr einzeln in ihre Limousinen stiegen.

🔧 Nützliches des Tages

Sirup

fresh GIF by The Videobook

Slurp. (GIF: Giphy)

Heute habe ich zum letzten Mal für dich geschrieben, ab morgen begrüsst dich hier wieder Vanja. Als süsse Verabschiedung habe ich deshalb an dieser Stelle eine Sirup-Technik für dich.

«Koso» nennt sich die japanische Fermentation, wobei einzig aus Früchten und Zucker Sirup gemacht wird. Das koreanische Pendant dazu nennt sich «Cheong».

Das Prinzip ist simpel: Man nimmt Frucht (oder Gemüse) nach Wahl, wiegt das Gewicht und misst den gleichen Anteil an Zucker. Also im 1:1-Verhältnis.

Etwa zwei Drittel des Zuckers wird mit dem Obst vermischt und in ein Glas gefüllt, der Rest wird oben aufgeschüttet. Je nachdem, woraus du Sirup machst, kannst du die Früchte ganz lassen oder würfeln. Der Zucker entzieht dabei Flüssigkeit und Geschmack aus den Früchten und wird selbst flüssig. Die Fermentationszeit variiert je nach Rezept.

Verschiedene Cheong oder Koso-Rezepte findest du im Internet. Mit diesem Vorgehen (und natürlich gründlichem Waschen der Früchte, Auskochen der Gläser und wenn möglich auch Fermentationsgewichten, die verhindern, dass das Obst oben aufschwimmt und sich Schimmel bilden kann) sind der Kreativität und Neugier aber keine Grenzen gesetzt.

Ausprobiert und empfehlen kann ich eine Erdbeer-Chili-Kombination sowie verschiedene Zitrusfrüchte für den Winter.

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Es war mir eine Ehre!

Sofie

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