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Heute erklärt uns die Wissenschaft, dass auch eine neue Luxuswohnung indirekt den Geringverdienenden hilft – man muss nur fest genug an die sogenannte «Umzugskette» glauben.
Zudem wehrt sich unsere Finanzministerin gegen sexistische Beleidigungen und die Schweiz gegen neuartige Drogen.
Schweiz · Sexistische Beleidigungen
Karin Keller-Sutter klagt gegen Musks KI

Die Bundesrätin wurde mittels KI-Chatbot Grok aufs Übelste beleidigt. (Foto: Wikimedia/Gemeinfrei)
Die Berner Justiz ermittelt gegen Elon Musks Kurznachrichtendienst X wegen Beschimpfung und Verleumdung. Grund dafür sind laut SonntagsBlick vulgäre Beleidigungen gegen Finanzministerin Karin Keller-Sutter.
Ein 75-jähriger Schweizer mit etwas mehr als 1300 Follower:innen forderte am 10. März den KI-Bot «Grok» auf, Keller-Sutter «mit total verf**ktem Gassen-Slang» zu beschimpfen. Und der Dienst von Musk lieferte prompt: Für alle ersichtlich beleidigte er die Bundesrätin sexistisch.
«Man muss sich gegen derartige frauenfeindliche Äusserungen ganz grundsätzlich zur Wehr setzen.»
Kurz darauf löschte der User den Post wieder. Es sei bloss eine «harmlose technische Übung» gewesen.
Keller-Sutter hat daraufhin Anzeige gegen unbekannt eingereicht. «Man muss sich gegen derartige frauenfeindliche Äusserungen ganz grundsätzlich zur Wehr setzen und die Täter in ihre Schranken weisen», sagte Keller-Sutters Sprecher zum Tages-Anzeiger.
Das Verfahren könnte zum juristischen Präzedenzfall werden. Denn die Finanzministerin verlangt von der Staatsanwaltschaft auch, zu prüfen, ob die Verantwortlichen von X den Chatbot in der Absicht zur Verfügung stellen, Straftaten zu ermöglichen.
Die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hat jetzt offiziell ein Strafverfahren wegen Beschimpfung und Verleumdung eröffnet.
Es dürfte zu einem Pilotprozess kommen, in dem geklärt wird, ob X für die KI-Verleumdung haftet.
Schweiz · Gefährliches Opioid
Die Schweiz wappnet sich gegen neue Droge

Das Nasenspray Naloxon wird als sofortiges Gegenmittel gegen die Wirkung von Opioiden verwendet. (Foto: Pharmacy Images/Unsplash)
Die Schweiz wappnet sich gegen das gefährliche Opioid Nitazen. Gemäss Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) treffen die Kantone Zürich, Basel und nun auch Freiburg, Genf und Waadt Massnahmen, um die Ausbreitung der Droge zu verhindern.
Nitazen ist gemäss Nicolas Dietrich, kantonaler Beauftragter für Suchtfragen im Kanton Freiburg, eine sehr starke Droge, «die ausschliesslich in versteckten Labors hergestellt wird».
Bereits kleinste Mengen können eine Überdosis auslösen. Besonders gefährlich ist das Risiko einer unbewussten Einnahme, da die Stoffe oft anderen Drogen beigemischt werden.
Noch ist das künstliche Opioid Nitazen in der Schweiz erst sporadisch in Drogentests aufgetaucht. Doch die Massnahmenpläne sollen dazu beitragen, dass es in der Schweiz nicht zu einer Opioid-Krise kommt wie in den USA, wo allein im Jahr 2021 über 100'000 Menschen an den Folgen des Konsums synthetischer Opiate starben.
Um Todesfälle zu verhindern, setzen die Behörden auf das Nasenspray Naloxon. Dieses dient als sofortiges Gegenmittel und kann die Wirkung der Opioide vorübergehend neutralisieren. In Zürich und anderen Kantonen wird das Personal von Anlaufstellen bereits im Umgang mit dem Spray geschult.
Zusätzlich zu den Notfallmassnahmen wird ein Monitoring der konsumierten Substanzen intensiviert. Taucht das synthetische Opioid auf dem Schwarzmarkt auf, soll das frühzeitig erkannt werden.
Schweiz · Wohnstudie
Teure Neubauten schaffen günstigen Wohnraum

Wenn neu gebaut wird, wie hier im Zürcher Kreis 4, können sich das oft nur noch Gutverdienende leisten. (Foto: Mai Hubacher/Tsüri.ch)
Teure Neubauten schaffen günstigen Wohnraum. Diesen scheinbaren Widerspruch wollen Forschende der Universität Bern belegt haben – mit einem wichtigen Vorbehalt.
Aber von Anfang an: Linke Politiker:innen wie SP-Nationalrätin Jacqueline Badran argumentieren immer wieder, dass mehr bauen «rein gar nichts» helfe und primär die Immobilienfirmen die Preistreiber seien.
Laut Tages-Anzeiger liefert eine neue Untersuchung der Universität Bern erstmals für die Schweiz wissenschaftliche Belege dafür, dass auch hochpreisige Neubauten zur Entlastung des Wohnungsmarktes beitragen.
Durch sogenannte «Umzugsketten» profitieren Haushalte mit tiefen Einkommen indirekt von teuren Bauprojekten.
Das Prinzip der Umzugskette funktioniert wie folgt: Zieht ein einkommensstarker Haushalt in eine neue Luxuswohnung, wird dessen bisherige, meist günstigere Wohnung frei. In diese zieht ein nächster Haushalt nach, der wiederum eine noch preiswertere Wohnung freimacht.
Damit entstehen schnell verfügbare Wohnmöglichkeiten für die einkommensschwächere Hälfte der Bevölkerung, selbst wenn primär im oberen Segment gebaut wird.
Hier kommt jedoch das grosse Aber. Gerade in Städten wie Zürich, wo die Wohnungsnot besonders akut ist, kann selten auf der grünen Wiese gebaut werden. Wo neue Wohnungen entstehen, müssen deshalb häufiger alte Wohnungen abgebrochen werden.
Bei Ersatzneubauten werden einkommensschwache Haushalte oft direkt verdrängt. Zudem liegen durch Umzugsketten frei werdende Wohnungen meist nicht im gleichen Quartier wie der Neubau, was die lokale Verdrängung verstärkt.
Zahl des Tages
390’000 Container
Der Schweizer Konzern Kühne + Nagel überwacht derzeit 113 im Persischen Golf festsitzende Frachtschiffe mit rund 390’000 Containern. Laut Tamedia-Zeitungen verlangt der Iran für die Durchfahrt Gebühren von zwei Millionen Dollar in Kryptowährungen, während viele Versicherungen ihre Deckung gestrichen haben. In der Folge stiegen die globalen Containerraten bereits um 39 Prozent, was verzögerte Auswirkungen auf Schweizer Import- und Exportpreise haben dürfte.
Kurz-News
Waldbrand in Brusio unter Kontrolle · Der seit Dienstag lodernde Waldbrand in Brusio (GR) ist laut Gemeindepräsident Pietro Della Cà unter Kontrolle, wobei weiterhin Brandnester bekämpft werden. Wie SRF berichtet, wurde das Feuer mutmasslich durch eine legale Verbrennung von Holzabfällen ausgelöst, die aufgrund von Trockenheit und Wind ausser Kontrolle geriet.
Grüne fordern Gratishalbtax für alle · Nationalrätin Marionna Schlatter lanciert laut 20 Minuten einen neuen Vorstoss für günstigere ÖV-Preise. Die Forderung sieht vor, dass künftig alle Fahrgäste generell nur noch den halben Ticketpreis bezahlen, um die Energiewende voranzutreiben und klimafreundliches Reisen zu belohnen. Der Bundesrat hatte ein ähnliches Begehren im Vorjahr abgelehnt und auf drohende Einnahmenausfälle von rund 700 Millionen Franken sowie zusätzliche Infrastrukturkosten hingewiesen.
Demografischer Wandel in der Schweiz · Während die EU-Bevölkerung ab 2026 schrumpfen dürfte, prognostiziert das BFS für die Schweiz bis 2050 einen Anstieg auf 10,3 Millionen Einwohner:innen. Das durch Arbeitsmigration getragene Wachstum stützt laut Swissinfo die Sozialwerke, führt jedoch zu einer intensiveren Nutzung von Infrastruktur und Wohnraum und befeuert die politische Debatte um die «10-Millionen-Initiative».
International
Trump kündigt Blockade der Strasse von Hormuz an · Nach dem Scheitern der Friedensgespräche in Pakistan hat US-Präsident Donald Trump eine Militärblockade der strategisch wichtigen Meerenge angekündigt. Laut New York Times reagiert Washington damit auf die Weigerung Teherans, die Passage vollständig zu öffnen und sein Atomprogramm aufzugeben. Während der Iran mit einer «harten Antwort» auf jede Annäherung von Kriegsschiffen droht, steigen die globalen Ölpreise bereits um über 50 Prozent.
Machtwechsel in Ungarn – Peter Magyar besiegt Viktor Orban · Nach 16 Jahren im Amt muss Ministerpräsident Viktor Orban eine historische Niederlage hinnehmen. Der Newcomer Peter Magyar und seine Partei Tisza haben laut NZZ bei einer Rekordwahlbeteiligung von 78 Prozent einen triumphalen Sieg errungen. Der künftige Ministerpräsident kündigte bereits ein Ende der ungarischen Blockadepolitik in der EU sowie eine engere Zusammenarbeit mit Partnern wie dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz an.
🎞️ Dokuempfehlung des Tages
Ein Nobody gegen Putin
Pawel «Pascha» Talankin mag sein Leben: Er ist Lehrer an einer kleinen Schule in seiner Heimatstadt Karabasch. Ihm gefällt seine Arbeit, die Jugendlichen mögen ihn. Doch dann erhält die Schule im Februar 2022 ein Fax. Betreff: «Neue Föderalpatriotische Bildungspolitik».
Der Unterricht wird mit sofortiger Wirkung umgestellt, Inhalte zur sogenannten militärischen Spezialoperation werden integriert, die Schüler:innen müssen patriotische Lieder und Gedichte lernen und jeden Morgen beim Fahnenappell die Nationalhymne singen.
Pascha muss fortan diese Veranstaltungen für das Bildungsministerium dokumentieren und die Videos als Beweis für die patriotische Pflichterfüllung der Schule nach Moskau schicken. Er wird Zeuge, wie rasant sich Unterrichtsinhalte verändern, um schon die Jüngsten politisch auf Linie zu bringen und sie auf den Kriegsdienst vorzubereiten.
Er fasst schliesslich den Entschluss, trotz grösster persönlicher Gefahr, das Videomaterial ausser Landes zu schmuggeln und selbst aus Russland zu fliehen.
Entstanden ist dieser bewegende Dokumentarfilm, der zu Recht einen Oscar gewonnen hat. Den Film gibt es gratis auf Playsuisse zu sehen.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Bis dann!
Yann
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