Guten Morgen {{vorname}}
«Ich mag ihn halt», hat Christoph Blocher mal über Jean Ziegler gesagt. Als der SVP-Doyen achtzig Jahre alt wurde, gratulierte ihm Ziegler gemäss NZZ so: «Dieser Mann ist mir leider sympathisch. Er hat sein Leben lang hart gearbeitet. Während sich andere pensionierte Milliardäre auf Golfplätzen vergnügen und mit ihrer Jacht nach Teneriffa fahren, kümmert er sich mit Engagement um die Schweiz. Dafür hat er meinen Respekt.»
Wie viel Respekt der gestern verstorbene Jean Ziegler genoss, zeigt sich auch in einem Mechanismus der Zeitungsredaktionen: Die Nachrufe lagen in einer Schublade bereit, verfasst von den besten Journalist:innen des Landes.
Und so würdigt den Genfer Soziologen im Tages-Anzeiger der Journalist Philippe Reichen, der den Tagi bereits 2024 verlassen hat. Und die NZZ publizierte einen fulminanten Text des Journalisten Jean-Martin Büttner.
Schweiz · 🤖
Künstliche Intelligenz ist teuer – und oft nutzlos

Vielleicht doch besser ein Post-it? (Foto: Unsplash/Hitesh Choudhary)
Weltweit explodieren die Kosten für künstliche Intelligenz, während der finanzielle Nutzen für Unternehmen oft gering bleibt. Nachdem viele Chefinnen und CEOs ihre Angestellten angefeuert hatten, so viel KI wie möglich zu nutzen, bekommen sie nun die Rechnung präsentiert.
Und die ist ziemlich happig, schreibt der Tages-Anzeiger. So soll eine US-Firma kürzlich in nur einem Monat eine halbe Milliarde Dollar für KI verbraten haben. Der Fahrdienstvermittler Uber hat sein Jahresbudget für KI bereits nach drei Monaten aufgebraucht.
«KI ist kein Zauberstab.»
Schweizer IT-Expert:innen überrascht die Entwicklung nicht, heisst es im Artikel. Bisherige Billigangebote dienten primär dem Marktaufbau. «Es war klar, dass diese Preiserhöhungen kommen würden. Man kann auch nicht ins Restaurant gehen und erwarten, gratis zu trinken», sagt Patrick Blöchler, Chef des Softwareentwicklers Soxes.
Laut einer Bain-Studie konnten 40 Prozent der Firmen durch KI lediglich 10 Prozent oder weniger einsparen. Viele Betriebe drosseln deshalb den Zugang bereits wieder. Alan Ettlin, operativer Geschäftsführer bei bbv Software Services, begrüsst die Abkühlung des Marktes. Viele Manager:innen hätten aus Angst, etwas zu verpassen, übertrieben auf die Technologie gesetzt. «KI ist ein neues Instrument, das richtig eingesetzt viel bewirken kann, aber es ist kein Zauberstab.»
Schweiz · Vorsorge
13. AHV-Rente bleibt absturzgefährdet

Man hat sich noch nicht ganz geeinigt. (Foto: Unsplash/Matt Bennett)
Die Finanzierung der 13. AHV-Rente steht vor einer Zerreissprobe. Die Einigungskonferenz hat sich für eine dauerhafte Mischlösung aus höherer Mehrwertsteuer und Lohnbeiträgen ausgesprochen. Damit setzte sich die Position des Ständerats durch, die jedoch der Überzeugung der bürgerlichen Mehrheit im Nationalrat widerspricht.
Von einer echten Einigung könne also keine Rede sein, analysiert SRF-Bundeshausredaktor Georg Halter. Während Mitte-Links die Mischlösung als sozialer erachte, lehnen SVP, FDP und GLP Lohnbeiträge ab, da diese die Arbeit verteuern würden. Sie fordern stattdessen eine befristete reine Mehrwertsteuerlösung.
Die Vorlage bleibe «akut absturzgefährdet», heisst es im Artikel. Während die Zustimmung im Ständerat als Formsache gelte, komme es nächsten Mittwoch im Nationalrat zum Showdown. Stimmen SVP, FDP und GLP geschlossen Nein, sei die Finanzierung beerdigt. Allerdings könnten wenige Abweichler, etwa aus der Westschweiz, für ein Ja sorgen.
Die Räte müssten entscheiden, was ihnen wichtiger sei, schreibt Halter: «Prinzipientreue oder das Signal an die Bevölkerung, dass das Parlament fähig ist, sich zu einer Lösung durchzuringen.»
Nachruf
Jean Ziegler

Jean Ziegler (1934–2026). (Screenshot: NZZ/Joël Hunn)
Der Genfer Soziologe, Globalisierungskritiker und ehemalige Uno-Sonderberichterstatter Jean Ziegler ist gestern im Alter von 92 Jahren an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung gestorben.
Ziegler war ein «Revolutionär im Massanzug», schreibt der Journalist Jean-Martin Büttner in einem exzellenten Nachruf in der NZZ. Weniger elegant sei indes das Vokabular des Mannes gewesen, der für die SP 27 Jahre im Nationalrat politisierte: Die USA hielt er für den Hort des Bösen, die Schweiz für ein «von Banken und Banditen beherrschtes Disneyland». Zeitlebens prangerte Ziegler das «kannibalistische Weltkapital» und dessen «Räuber» an.
Während er im Ausland als Bestsellerautor gefeiert wurde, stand Ziegler in seiner Heimat wegen seiner unkritischen Nähe zu autokratischen Regimen in Kuba, Venezuela oder Libyen oft in der Kritik. Seine Publikationen führten zu zahlreichen Gerichtsprozessen, die ihn an den Rand des Ruins brachten.
«Jean Ziegler mag sich übermässig inszeniert haben», schreibt Büttner. «Aber ein Zyniker war er nicht. Das Elend machte ihn fassungslos. Sein Leben lang.»
Visualisierung
Sagrada Família im 3D-Modell

Mit 172.5 Metern die höchste Kirche der Welt: Sagrada Família.(Screenshot: SRF)
Was für ein Gaudi gestern Abend in Barcelona: Nach 144 Jahren Bauzeit hat das Wahrzeichen der spanischen Metropole, die Sagrada Família, seine volle Höhe erreicht. Papst Leo XIV. segnete den neu fertiggestellten Jesus-Christus-Turm, welcher ab sofort der höchste Kirchturm der Welt ist. Die Einweihung fand exakt zum 100. Todestag des visionären Architekten Antoni Gaudí statt.
Vollendet ist die berühmte Basilika damit jedoch noch lange nicht, heisst es auf SRF: Fassaden und Innenausbau bleiben weiterhin eine Grossbaustelle. Gaudí selbst sah die Verzögerungen zeitlebens gelassen und pflegte zu sagen: «Mein Auftraggeber hat es nicht eilig.»
Finanziert wird die Fertigstellung des Mammutprojekts direkt durch den anhaltenden Tourismusboom. Allein im Jahr 2025 strömten rund 4,9 Millionen Menschen in die Kirche, was Einnahmen von etwa 120 Millionen Franken generierte. Das Geld fliesst fast vollständig in die laufenden Baumassnahmen.
Kurz-News
Ständerat will Stromleitungen über der Erde · Hochspannungsleitungen in der Schweiz sollen im Grundsatz über dem Boden gebaut werden. Der Ständerat hat gemäss SRF beschlossen, dass nicht mehr bei jeder Leitung eine teurere Erdverlegung geprüft werden muss. Dies soll den Netzausbau beschleunigen. Eine Ausnahme gilt nur für Wohngebiete. Zudem gewichtet der Rat die Versorgungssicherheit höher als den Moorschutz, was bei Umweltverbänden und Linken als Verfassungsbruch heftige Kritik auslöst.
Spuhler erwartet knappes Nein · Stadler-Rail-Patron Peter Spuhler rechnet am Abstimmungswochenende gemäss Watson mit einer Ablehnung der SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Das Begehren werde voraussichtlich am Ständemehr scheitern, sagte der ehemalige SVP-Nationalrat. Er selbst stimmt mit Nein und warnt vor einer automatischen Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU: «Ich halte das für einen sehr gefährlichen Weg.» Die Schweiz brauche geregelte Verträge mit Europa.
Suisa schüttet mehr Geld aus · Die Schweizer Urheberrechtsgesellschaft Suisa hat im vergangenen Jahr Lizenzeinnahmen von rekordhohen 215,6 Millionen Franken erzielt. Vom Gesamtumsatz von 238,3 Millionen Franken profitieren direkt die Musikschaffenden: 191,7 Millionen Franken werden an Komponist:innen, Textautor:innen und Verleger:innen verteilt – ein Plus von 2,4 Prozent. Haupttreiber waren gemäss SDA höhere Einnahmen bei Konzerten und Hintergrundmusik sowie gesenkte Verwaltungskosten. Liest du bei Nau.
International
Ausschreitungen in Nordirland · Bei heftigen Anti-Immigrations-Protesten nahe Belfast hat die nordirische Polizei Wasserwerfer gegen rund 300 Randalierer eingesetzt. Die maskierte Menge zündete Fahrzeuge an, warf Brandsätze und plante offenbar den Angriff auf ein Migrantenhotel. Auslöser der Unruhen war eine schwere Messerattacke am Montag, berichtet der Guardian. Die Familie des Opfers verurteilte die rassistisch motivierte Gewalt scharf und forderte ein Ende von Falschinformationen im Netz.
Strasse von Hormus komplett gesperrt · Die USA haben die zweite Nacht in Folge Luftangriffe auf den Iran geflogen. Laut US-Präsident Trump handelt es sich um Reaktionen auf iranische Aggressionen, heisst es im Spiegel. Teheran reagierte umgehend und erklärte die strategisch wichtige Strasse von Hormus für komplett gesperrt; zudem wurden laut Staatsmedien bereits zwei Schiffe beschossen. Das US-Militär dementiert die Blockade der Meerenge jedoch und meldet einen weiterhin laufenden Schiffsverkehr.
🌱 Nützliches des Tages
Mit Pflanzen sprechen

Guten Morgen, Monstera! (Foto: Unsplash/Bart Zimny)
Wenn ich durch den Wald gehe, spreche ich mit Tieren und Bäumen. Ich bilde mir ein, dass sie mich verstehen. Und manchmal antwortet sogar ein Vogel.
Ein Mythos besagt, dass es helfe, mit Zimmerpflanzen zu reden. Wer nah an der Pflanze atmet, setzt Kohlendioxid frei, was die Photosynthese ankurbelt. Mehr CO2 bedeutet schnelleres, gesünderes Wachstum.
Der Guardian hat den Test gemacht. Zwei Wochen lang sprach die Autorin zu einer Efeutute – und strafte eine andere mit Schweigen ab. Ihr Fazit: Kein messbarer Unterschied beim Wachstum. «Das CO2-Argument ist theoretisch stichhaltig, aber vernachlässigbar.»
Der eigentliche Nutzen des Pflanzengesprächs liege im psychologischen Effekt beim Menschen: Wer mit seinen Pflanzen spricht, schaut genauer hin. Im Test wurde die angesprochene Pflanze häufiger gedreht, kontrolliert und gegossen. Sie erhielt schlichtweg und ganz unesoterisch mehr Aufmerksamkeit. Probleme werden so früher erkannt. Die Pflanze hört dich vielleicht nicht, heisst es im Artikel, aber sie profitiert fast sicher davon, bemerkt zu werden. 🪴
Danke fürs Lesen.
Und bis morgen, wenn du magst.
Peter
PS: 658 Leser:innen haben gestern abgestimmt. 72 Prozent freuen sich nicht auf die WM, die heute Abend beginnt. Allen anderen: Schöne Match! ⚽
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