Guten Morgen {{vorname}}
Beim Scannen der heutigen News kam mir ein Zitat aus Joseph Conrads Roman «Heart of Darkness» in den Sinn: «The horror! The horror!»

Es gibt also mal wieder wenig Erbauliches zu berichten (abgesehen von klugen Affen, die eine Strategie gegen den Junkfood entwickelt haben, den ihnen Tourist:innen zustecken): Die UBS «täubelet», die Eishockey-Posse produziert ein weiteres Opfer, und immer hässlicher wird es auch in Crans-Montana.

Deshalb lege ich dir heute drei Dinge ans Herz: Durchsuche deine Social-Media-Konten nach Leichen im Keller (und entferne sie schleunigst), lies ein Buch (es ist nämlich Welttag des Buches) und löse das Worträtsel (das beruhigt).

Schweiz · Finanzplatz

Bundesrat verschärft Regeln für die UBS

Nimmt die Grossbank in die Pflicht: Finanzministerin Keller-Sutter. (Screenshot: Tages-Anzeiger/Peter Klaunzer)

Drei Jahre nach dem Kollaps der Credit Suisse präsentierte Finanzministerin Karin Keller-Sutter (FDP) gestern das Massnahmenpaket zur Bändigung der UBS. Kern der Reform ist eine deutlich höhere Eigenkapitalquote: Die Grossbank muss schätzungsweise 20 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital aufbauen. Eine entsprechende Verordnung tritt Anfang 2027 in Kraft.

Zentral ist die Forderung, dass ausländische Töchter künftig vollständig mit hartem Kernkapital unterlegt werden müssen. Damit soll verhindert werden, dass das Schweizer Stammhaus bei Krisen im Ausland «ausgehöhlt» wird. Keller-Sutter betonte, der Bundesrat sei der Bank teilweise entgegengekommen, halte an den entscheidenden Punkten aber fest.

Die UBS lehnt die Pläne entschieden ab, berichtet der Tages-Anzeiger. Die Bank bezeichnet die Massnahmen als «extrem» und warnt: «Sie stehen nicht im Einklang mit internationalen Standards.» CEO Sergio Ermotti fürchtet Wettbewerbsnachteile für den Finanzplatz. Auch die Bankiervereinigung warnt vor einem regulatorischen «Abseits». Die Finma hingegen begrüsst die Reformen als «zentral für die künftige Stabilität» der Schweiz.

🏒 Schweiz · Fall Fischer

SRF-Journalist stolpert über alte Facebook-Posts

Alte Geschichten, aufgerissene Gräben: Hockey-Affäre fordert nächstes Opfer. (Foto: Unsplash/Tim Foster)

Der Fall um den geschassten Eishockeytrainer Patrick Fischer und dessen gefälschtes Covid-Zertifikat bewegt die Schweiz. Medienexpert:innen streiten seit Tagen über die Bedeutung des Begriffs «off the record», Corona-Skeptiker:innen und Massnahmenbefürworter:innen graben ihre Kriegsbeile wieder aus. Du hast dir vermutlich auch schon eine Meinung gemacht.

Was sich in dieser Geschichte abermals bestätigt: Wenn es um Ideologie geht, wird es schnell schmutzig. «Geguselt» hat etwa für die «Weltwoche» Christoph Mörgeli. Und der Medizinhistoriker wurde fündig. Er hat gut 15 Jahre alte (und mittlerweile gelöschte) Facebook-Posts des Journalisten ausgegraben, der mit seiner Recherche den Stein ins Rollen gebracht hatte, der zu Fischers Entlassung führte. Darin äusserte sich der damals 25-Jährige gemäss Südostschweiz rassistisch über einen Hockey-Schiedsrichter.

Der SRF-Journalist, der nun am Pranger steht, zieht die Konsequenzen. Er tritt nach 14 Jahren als Stadionspeaker bei den SCRJ Lakers zurück. «Ich möchte mich aufrichtig bei allen Menschen entschuldigen, die von mir in diesen Posts beleidigt worden sind», schreibt er.

Die Clubleitung der Lakers verurteilt die Äusserungen «aufs Schärfste». Auch das SRF distanziert sich und betont, dass die Kommentare nicht den publizistischen Leitlinien entsprechen. Man sei im Gespräch.

Schweiz · Brandkatastrophe

Gemeindepräsident Féraud beschuldigt Kanton

«Behörden waren im Bilde»: Nicolas Féraud. (Screenshot: NZZ/Cyril Zingaro)

Die Brandkatastrophe in Crans-Montana VS wird uns noch sehr lange beschäftigen. Derzeit wird ermittelt, wer für was die Verantwortung trägt – etwa für die versäumten Brandschutzkontrollen in der Unglücksbar.

Geht es nach dem Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud, liegt ein Versagen beim Kanton vor. Obwohl die Gemeinden zuständig seien, bezeichnet er das kantonale Amt für Feuerwesen als «oberste Kontrollinstanz». Dieses hätte sicherstellen müssen, dass die Aufgaben erfüllt werden.

Das Westschweizer Fernsehen RTS hatte Einsicht in die Protokolle der zwölfstündigen Anhörung Férauds. Darin bezeichnet Féraud die Beteiligung des Kantons als «quasi inexistent». Die Behörden seien über den «allgemeinen Mangel an Kontrollen im Kanton im Bilde» gewesen, da Berichte für zwei Drittel aller öffentlichen Einrichtungen fehlten.

«Jeder wusste davon, und niemand hat etwas unternommen.»

Pierre-François Vulliemin, Opferanwalt

Auch der ehemalige Sicherheitskontrolleur der Gemeinde gab an, den Kanton wiederholt über fehlende Mittel informiert zu haben, heisst es in der NZZ.

Opferanwält:innen fordern nun eine Durchsuchung des kantonalen Amtes. Ihr Fazit zu den jahrelangen Versäumnissen ist vernichtend: «Jeder wusste davon, und niemand hat etwas unternommen.»

🥖 Aufgeschnappt

Sensationsfund in Windisch

Gut gealtert: Römisches Brot. (Foto: Kanton Aargau)

Manchmal offenbart ein Missgeschick erst Jahrhunderte später seinen wissenschaftlichen Reiz. Ein im Ofen vergessenes Brot zum Beispiel. So brachten Archäolog:innen bei einer Grabung in Windisch AG ein kleines und verkohltes Objekt zutage, drei Zentimeter dick und mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern. Es handelt sich dabei, so ein Wissenschaftler der Uni Basel, mit grosser Wahrscheinlichkeit um panem – um römisches Brot also!

Geplant seien nun Untersuchungen in einem Speziallabor in Wien, die die Zusammensetzung des Brotes offenbaren sollen, zitiert 20 Minuten aus einer Meldung des Kantons Aargau. Funde von römischen Broten seien äusserst selten. Diese blieben nur erhalten, wenn sie verbrannt waren, wie beispielsweise Brote in der Bäckerei des römischen Pompeji. «Der Fund des schweizweit ersten römischen Brotes untermauert einmal mehr, wie bedeutend der Fundplatz Vindonissa für die archäologische Wissenschaft ist.»

Wenn du jetzt selbst Lust aufs Brotbacken bekommen hast, dafür aber noch weniger Talent besitzt als die bedauernswerte Bäckerin oder der ungeschickte Bäcker aus Vindonissa, empfehle ich dir dieses Video von Tech-Journalist Rafael Zeyer. Er zeigt dir darin, wie das mit dem Brot spielerisch einfach geht.

Kurz-News

Mehr «Hüsli» für die Schweiz · Um den Wohnungsbau in der Schweiz zu beschleunigen, will der Bundesrat die Hürden für Einsprachen erhöhen. Bauprojekte sollen künftig als «nationales Interesse» gelten und damit bei Abwägungen gegenüber dem Denkmal- oder Ortsbildschutz stärker gewichtet werden, schreibt SRF. Zudem sollen Privatpersonen Beschwerden vor Bundesgericht weniger leicht einreichen können.

Armee bestraft Neo-Pazifisten · Wer nach einer Lastwagen-Ausbildung in der Armee in den Zivildienst wechselt, muss künftig tief in die Tasche greifen: Ab dem 1. Juni 2026 fordert das Militär bis zu 12'000 Franken für den Erwerb der Führerausweise C und CE zurück. Mit jedem geleisteten Diensttag sinkt die Schuld. Ziel ist es, den Abfluss von Know-how zu stoppen. Während Befürworter:innen gemäss Watson von Gerechtigkeit sprechen, kritisieren Gegner:innen die Massnahme als Schikane für Zivildienstleistende.

Tigermücke in Zürich · Die Asiatische Tigermücke breitet sich in Zürich aus, berichtet der Tages-Anzeiger: Nach Funden in Hirslanden, Wipkingen und dem Industriequartier wurde das Insekt nun erstmals auch im Friesenberg-Quartier nachgewiesen. Der Kanton stellt ab Mai zusätzliche Fallen auf, um die Ausbreitung einzudämmen. Die Bevölkerung ist aufgerufen, stehendes Wasser in Topfuntersetzern zu vermeiden und Verdachtsfälle zu melden, da die Mücke Krankheiten wie das Dengue- oder Zika-Virus übertragen kann.

International

Überraschender Abgang · Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin: Mitten in der Krise um die Strasse von Hormus verlässt Marine-Staatssekretär John Phelan die US-Regierung. Das Verteidigungsministerium nannte keine Gründe für den sofortigen Abgang, doch Berichte deuten laut SRF auf Spannungen mit Minister Pete Hegseth hin. Phelan war erst seit März 2025 im Amt. Bis auf Weiteres übernimmt Unterstaatssekretär Hung Cao die Geschäfte.

Clevere Affen · Gibraltars Berberaffen essen gemäss Guardian Erde, um ihren Magen nach dem Verzehr von Touri-Junkfood zu beruhigen. Forscher:innen der Universität Cambridge beobachteten, dass Tiere mit viel Kontakt zu Besucher:innen häufig Schlamm fressen, um den negativen Effekten von Chips und Eis entgegenzuwirken. Die im Boden enthaltenen Mineralien helfen offenbar, das durch Zucker und Fett gestörte Mikrobiom im Darm zu regulieren und Magenbeschwerden zu lindern. Haben wir wieder etwas gelernt!

🧩 Nützliches des Tages

Wordle

Tägliches Ritual: Worträtsel. (Foto: Unsplash/Nils Huenerfuerst)

Mittlerweile ploppt der 6iBrief täglich in rund 16’000 Mailboxen auf. Vielen Dank für das grosse Interesse! Ein gewichtiger Grund, weshalb so viele Menschen den Newsletter abonniert haben, ist natürlich das famose Worträtsel. Das ist auch bei der «New York Times» so: Dort verbringen die Abonnent:innen mittlerweile mehr Zeit mit Rätseln als mit Nachrichten.

In einer lesenswerten Analyse (in englischer Sprache) im Guardian erklärt Forscher Joseph de Weck, weshalb uns Wordle und Co. so faszinieren. Die Puzzles fungierten als «mentales Fitnessstudio», das unser Gehirn in Form hält. In Zeiten von KI, Social Media und «alternativen Fakten» besteche das Worträtsel durch seine Einfachheit: Ein falscher Buchstabe ist schlichtweg falsch, eine richtige Lösung eindeutig richtig.

Besonders wertvoll sei das Gefühl des Abschlusses, heisst es im Artikel weiter. Rätsel böten einen Gegenwurf zur Anarchie des Alltags. Sie erinnerten uns daran, dass wir fähig seien, die Welt zu begreifen. «In diesen verwirrenden Zeiten ist das Versprechen, dass Probleme tatsächlich lösbar sind, ein Trost.» ⬇️

🎲 Rätsel zum Schluss

Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.

So funktioniert es:

  • Du gibst ein Wort ein.

  • Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.

  • Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.

  • Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.

Viel Spass beim Knobeln!

Danke fürs Lösen.

Und bis morgen, wenn du magst.

Peter

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