Guten Morgen {{vorname}}
Vor Gott und dem SBB-Kontrolleur sind alle gleich. Beim hundertfränkigen Erstklassticket den Panorama-Zuschlag für fünf Stutz nicht gelöst? Ab ins Fegefeuer mit dir.
Das stimmt so natürlich nicht immer, ich habe auch schon kulante Zugbegleiter:innen erlebt. Dennoch: Die oft unerbittliche Kontrollpraxis der SBB sorgt regelmässig für Missmut.
Schweiz · Schwarzfahren
Ombudsmann kritisiert strenge Kontrollen im ÖV

Kontrolleure handeln oft streng nach Vorschrift. (Foto: Kajetan Sumila/Unsplash)
Das Ticket zu spät gelöst, Anschlusszone vergessen, oder auf den falschen Namen gebucht. Kleine Fehler beim Billettlösen können uns teuer zu stehen kommen.
Auch wenn offensichtlich keine Täuschungsabsicht vorliegt, bleiben die SBB und andere öffentliche Transportunternehmen oft hart.
Wie die Tamedia-Zeitungen berichten, kritisiert der Ombudsmann des öffentlichen Verkehrs, Hans Höhener, diese rigide Kontrollpraxis.
«Irgendwo muss eine Instanz vernünftige Kulanzregelungen anwenden», meint der Ombudsmann. Er kritisiert, dass das heutige System kaum Spielraum für menschliches Ermessen lasse.
Dies führe zu absurden Situationen wie der sogenannten Sekundenstrafe, bei der ein Billett Sekunden nach der Abfahrt gelöst werde. Wenn die Kontrolle erst 10 bis 20 Minuten später stattfinde, könne man dem Reisenden beim besten Willen kein unredliches Verhalten vorwerfen.
Am extremsten zeigt sich diese Praxis, wenn Schwarzfahrer:innen schliesslich im Gefängnis landen. Gegen mittellose, prekarisierte Menschen wird immer wieder Strafanzeige erstattet. Bei einer Busse könnten die Betroffenen in der Regel pro Gefängnistag 80 bis 100 Franken absitzen. Doch den Steuerzahler:innen koste jeder Gefängnistag ein Mehrfaches davon.
Gemäss Basil Weingartner vom neu gegründeten Verein Freiheitsentzugskritik gebe es in der Schweiz rund 5000 Haftantritte wegen Bussen und Geldstrafen. Der häufigste Grund sei das Schwarzfahren. Bei den Betroffenen handle es sich oft um Personen ohne Geld, die beispielsweise auf dem Weg zur Gassenküche in öffentlichen Verkehrsmitteln in eine Kontrolle gerieten.
Schweiz · Verdachtsfälle
Missbrauch in Kita: Vorwürfe gegen Behörden

In einer Berner Kita blieb ein Hinweis auf eine Grenzverletzung folgenlos. (Symbolbild: Erika Fletcher/Unsplash)
In einer betriebseigenen Kita eines grossen Berner Unternehmens hat ein Betreuer mehrfach Kinder «unangemessen berührt» – so der Verdacht von Eltern. Nun werden auch Vorwürfe gegen die Behörden laut.
Gemäss SRF Regionaljournal wurde der Mann im Februar 2026 freigestellt, nachdem sich ein Elternpaar mit Vorwürfen an die Leitung gewandt hatte. Brisant ist, dass bereits im Sommer 2025 ein erster Verdacht gegen denselben Mitarbeiter geäussert worden war. Dieser blieb jedoch ohne Konsequenzen.
Das betroffene Unternehmen gab an, erst im Zuge der aktuellen Aufarbeitung vom Vorfall aus dem Jahr 2025 erfahren zu haben. Die damalige Kita-Leiterin ist seit Februar 2026 nicht mehr in der Einrichtung tätig.
Eine unabhängige Expertengruppe soll nun die internen Abläufe untersuchen und das Schutzkonzept der Kita überarbeiten.
Im Kanton Bern sind Kindertagesstätten verpflichtet, schwere Grenzverletzungen oder entsprechende Verdachtsfälle unverzüglich dem Amt für Integration und Soziales zu melden.
Wurden die beiden Verdachtsfälle dem kantonalen Amt «unverzüglich» gemeldet? Dazu äussert sich das kantonale Amt aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und aufgrund laufender Verfahren nicht.
Schweiz · Arbeitsintegration
Ikea fordert bessere Integration von Geflüchteten

Ftwi Atobrhan ist seit bald zehn Jahren in der Schweiz und arbeitet seit 2019 für Ikea. (Screenshot: SRF)
Bei Ikea Schweiz arbeiten 3500 Mitarbeitende, darunter etwa 100 mit Fluchtgeschichte. Janie Bisset, Chefin von Ikea Schweiz, findet, dass grosse Schweizer Unternehmen mehr Geflüchtete beschäftigen sollen.
In der Schweiz leben über 200'000 Geflüchtete. Dabei wird immer wieder gefordert, dass diese sich rasch integrieren. Grosse Firmen verfügten über die notwendigen Strukturen und finanziellen Mittel, um Verantwortung zu übernehmen, sagt Bisset gegenüber SRF.
Ikea bietet drei verschiedene Programme für Geflüchtete an, darunter Praktika mit Sprachkursen, eine Vorlehre und ein Programm für den direkten Einstieg.
«Die sind hier im Land, dieses Potenzial müssen wir nutzen.»
Laut Bisset lohne sich die Investition: «70 Prozent der Geflüchteten arbeiten weiter bei uns. Wir investieren in Talente, die sich dann auch in unserer Firma weiterentwickeln können.»
Auch Adrian Gerber, Integrationsleiter des Bundes, ist der Meinung, dass das Potenzial der Leute im Land besser genutzt werden könnte. Manchmal brauche es eine Extrameile, aber es sei eine Investition und die lohne sich auf lange Sicht, so Gerber.
Eine Umfrage unter den grössten Schweizer Arbeitgeber:innen zeigt ein gemischtes Bild: Während Coop, Fenaco und die Post jeweils mehr als hundert Geflüchtete beschäftigen, machen andere Grosskonzerne keine spezifischen Angaben oder verweisen auf allgemeine Rekrutierungsprozesse. Viele Firmen bieten zwar eine Integrationsvorlehre an, spezifische Praktika oder Einstiegsstellen für Geflüchtete bleiben jedoch die Ausnahme.
Zahl des Tages
680’000 Franken
Laut Tages-Anzeiger bietet das US-Unternehmen Anthropic in Zürich Jahreslöhne bis zu 680’000 Franken. Das ist mehr, als eine Bundesrätin oder ein Bundesrat verdient. Lokale Akteure wie die ETH oder das Projekt Apertus können da finanziell nicht mithalten.
Dagegen böten die ETH Zürich und Apertus die Möglichkeit, Forschung im Sinne des Gemeinwohls zu betreiben, erklärt Gregory Tomasik, Mitbegründer von Swissdevjobs.
Seit letztem Jahr hat Anthropic, der Entwickler hinter dem KI-Sprachmodell «Claude», einen Standort in der Schweiz.
Kurz-News
Bund will gegen PFAS durchgreifen · Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) will die Kantone per Weisung dazu verpflichten, bei PFAS-Grenzwertüberschreitungen Verkaufsverbote für Fleisch und Eier auszusprechen. Laut SRF-Recherchen stösst das Vorhaben auf massiven Widerstand der Kantone, insbesondere in der Ostschweiz, die um die Existenzgrundlage zahlreicher Bauernbetriebe fürchten.
Jungfreisinnige fordern Verwaltungsbremse · Die liberale Jungpartei hat die nationale Initiative «Verwaltungsbremse» lanciert, um steigende Personalkosten beim Bund zu stoppen. Das Begehren fordert laut NZZ, dass die Personalausgaben der Bundesverwaltung künftig an den Schweizer Medianlohn gekoppelt werden. Damit soll verhindert werden, dass der Staat der Privatwirtschaft Fachkräfte entzieht und die Bürokratie weiter zunimmt.
VBS sieht Fortschritte bei Rüstungsprojekten · Das Verteidigungsdepartement (VBS) meldet eine verbesserte Lage bei seinen 23 Grossprojekten im Wert von rund 20 Milliarden Franken. Ende letzten Jahres bereiteten mehrere grosse Beschaffungsprojekte Sorgen. Laut SRF konnten kritische Vorhaben wie die Telekommunikation der Armee durch den Verzicht auf Spezialanpassungen stabilisiert werden. Lediglich das Projekt Air2030 zur Modernisierung der Luftwaffe bleibt aufgrund von Unsicherheiten beim US-System Patriot kritisch.
Schweizer Fussballerinnen schlagen die Türkei · Das Schweizer Fussballteam hat im Letzigrund vor 12'355 Fans das WM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei mit 3:1 gewonnen. Aurélie Csillag sicherte den Schweizerinnen mit einem Doppelpack – darunter ein Treffer per Hacke – den Sieg und die Tabellenführung. Viola Calligaris erzielte in der 78. Minute das entscheidende dritte Tor. Nachgelesen im Ticker des Tages-Anzeiger.
International
Internationaler Währungsfonds warnt vor weltweiter Rezession wegen Iran-Krieg · Der Internationale Währungsfonds prognostiziert laut The Guardian einen massiven Rückgang des globalen Wirtschaftswachstums, falls der Konflikt im Nahen Osten weiter eskaliert. Im schlimmsten Szenario drohe eine weltweite Rezession mit Ölpreisen von über 110 Dollar und einer Inflationsrate von über sechs Prozent. Besonders stark betroffen sei Grossbritannien.
HIV-Epidemie in der russischen Armee · In Russland spitzt sich die HIV-Lage zu, wobei laut SRF inzwischen fast ein Prozent der Gesamtbevölkerung infiziert ist. Besonders besorgniserregend ist die Situation in der Armee: In nur einem Jahr stieg die Zahl der HIV-positiven Soldaten um das 40-Fache, da im Zuge des Krieges gegen die Ukraine auch infizierte Häftlinge und Wehrpflichtige rekrutiert wurden. Mangelnde Hygiene bei medizinischen Eingriffen an der Front, Drogenkonsum und Prostitution in den besetzten Gebieten beschleunigen die Ausbreitung zusätzlich.
🐔 Video des Tages
Ist die Massentierhaltung die grösste moralische Katastrophe der Menschheit?
Dieses Video wird nie viral gehen. Nicht, weil es schlecht ist. Im Gegenteil, es ist eines der besten, die ich zu diesem Thema gesehen habe.
Aber genau das Thema ist das Problem. Die Plattform-Algorithmen unterdrücken konsequent Inhalte über Massentierhaltung und die Art und Weise, wie wir Tiere im industriellen Massstab misshandeln.
Diese Reportage untersucht die Massentierhaltung aus historischer und moralischer Perspektive. Die Geschichte beginnt nicht mit Tieren, sondern mit Stickstoff, Sprengstoffen und der industriellen Landwirtschaft. Vom Haber-Bosch-Verfahren über Monokulturen und Selektionszucht bis hin zu politischen Subventionen – die Massentierhaltung entstand nicht zufällig. Sie wurde gezielt geplant.
Ich finde, dieses brillante Video von Andres Acevedo und dem Historiker und Bestsellerautor Rutger Bregman ist 20 Minuten deiner Zeit wert.
🎲 Rätsel zum Schluss
Errate im 6iBrief Rätsel das gesuchte Wort in höchstens sechs Versuchen. Jeden Tag gibts ein neues Wort zu erraten.
So funktioniert es:
Du gibst ein Wort ein.
Grün: Buchstabe ist richtig und am richtigen Ort.
Gelb: Buchstabe ist im Wort, aber an der falschen Stelle.
Grau: Buchstabe kommt im Wort nicht vor.
Viel Spass beim Knobeln!
Danke fürs Lesen. Dieses kurze Comeback als Ferienvertretung für Peter hat mir grossen Spass gemacht. Bis dann!
Yann
|



